Was trieb Ulrike Meinhof als pazifistische Journalistin zum Terrorismus?


Seminararbeit, 2008

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ulrike Meinhofkurze Biographie

3 Politische Hintergründe der 50er und 60er Jahre

4 Was trieb Ulrike Meinhof als pazifistische Journalistin zum Terrorismus?

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Ulrike Meinhofein Leben im Widerspruch. So oder so ähnlich könnte man das Leben der Ulrike Meinhof beschreiben. Zunächst pazifistische, protestierende Journalistin, dann gewaltsame Terroristin und am Ende beging sie schließlich Selbstmord. Ich möchte mich in meiner Hausarbeit dem Thema widmen: Wie verwandelte sich Ulrike Meinhof von einer Journalistin zur Terroristin? Was trieb sie in den Strudel der Gewalt? War es vielleicht nur Zufall, dass sie in den Untergrund ging? In meiner Untersuchung möchte ich dabei zunächst kurz einen biographischen Überblick über das Leben Ulrike Meinhofs geben und dabei versuchen, die wichtigsten Stationen in ihrem Leben zu dokumentieren. Im zweiten Schritt möchte ich dann auf den Hintergrund der 50er und 60er Jahre eingehen, speziell auf die Adenauerära, die starke Anti-Atomtodbewegung, die Angst vor aufkeimenden Faschismus und die Ängste vor der Notstandsgesetzgebung, bevor ich dann explizit auf meine Hauptfragestellung eingehen und am Ende in einem Fazit alles nochmal kurz zusammenfassen möchte.

2.Ulrike Meinhofeine kurze Biographie

Ulrike Meinhof wird am 7. Oktober 1934 als eine von zwei Töchtern von dem Kunsthistoriker und Leiter eines Stadtmuseums, Dr. Werner Meinhof und von Ingeborg Meinhof, in Oldenburg geboren und wächst zunächst in Jena auf.[1] Als mit sechs Jahren der Vater stirbt, fängt die Mutter an, ihr damaliges Studium wiederaufzunehmen. Dort lernt sie die Kommilitonin und spätere Professorin Renate Riemeck kennen, mit der sie

und Ulrike Meinhof in eine Wohnung nach Oldenburg ziehen. .. Als 1949 die Mutter an einer Krebserkrankung stirbt, übernimmt Riemeck die Vormundschaft für die beiden Geschwister. Es entwickelt sich zwischen Riemeck und Meinhof eine innige Freundschaft, dass später auch Meinhofs politischen Ansichten beeinflussen wird.

1955 besteht Meinhof das Abitur und beginnt in demselben Jahr in Oldenburg ein Studium der Philosophie, Germanistik, Soziologie und Pädagogik, bevor sie 1957 an die Universität Münster wechselt, wo sie Sprecherin des Anti-Atomtod-Bewegung wird und dem SDS (Sozialistischer Studentenbund) beitritt. Mit diesem Schritt begibt sie sich auf den Weg zu ihrer eigenen Politisierung.[2] Außerdem lernt sie durch dieses erste politische Engagement im Jahr 1958 auch ihren späteren Ehemann Klaus-Reiner-Röhl kennen, der sie als Chefredakteur von „konkret“ zur Mitarbeit an der linken Zeitschrift animiert. Hier wird sie in den nächsten zehn Jahren unzählige gesellschaftskritische Kolumnen veröffentlichen und ab 1960 zeitweise als Chefredakteurin für dieses Magazin tätig sein. Durch die Zeitschrift erhält sie auch Kontakt zu der illegalen Partei KPD, die die Zeitschrift unterstützt und in der sie 1959 für fünf Jahre Mitglied wird.[3] Ihre sozialkritischen Kolumnen in „konkret“ machen Meinhof in den kommenden Jahren zu einer Starkolumnistin, die ihr auch „Eingang in die „kleinen Partyrepubliken“[4] von Hamburg verschafft. Gleichzeitig veröffentlicht sie ab 1964 sozialkritische Rundfunkbeiträge und Fernsehreportagen über die schlechten Verhältnisse in Heimen.[5] Im selben Jahr kommt es nach einem sympathisierenden Artikel über die Schriftsteller des Prager Frühlings zu einem Bruch zwischen konkret und der KPD. Dabei wird die bis dahin bestehende finanzielle Hilfe der KPD eingestellt und Röhl muss sein Blatt nun mit reißerischen Geschichten finanzieren, er „mischte […] Politik und Kultur mit Sex“.[6] Mit dieser Entscheidung unzufrieden, zieht sich Meinhof aus der redaktionellen Arbeit zurück, wenige Jahre später trennt sie sich von ihrem damaligen Ehemann Klaus-Reiner-Röhl. Zuvor jedoch bringt sie 1962 mit ihm noch Zwillinge zur Welt. Als Folge der Schwangerschaft, wird sie bis zu ihrem Tod durch ein nicht zu entfernendes Hämatom, das bei der Schwangerschaft aufkam und auch durch eine Gehirnoperation nicht entfernt werden konnte, unter ständigen Kopfschmerzen leiden.[7]

Nach der Trennung mit Röhl zieht sie 1968 mit ihren beiden Töchtern nach Berlin und erhält dort Anschluss an den SDS und Kontakt zum damaligen Studentenführer Rudi Dutschke. Sie unterstützt die Studierenden bei den Protestaktionen gegenüber ihren Forderungen nach Beendigung des Vietnamkrieges sowie gegen die Notstandsgesetze

mit ihren Kolumnen und später auch aktiv, „aus einer allgemeinen Sympathie ist direkte Parteinahme geworden“[8]. Noch verstärkt wird ihre Aktivität durch das Attentat auf Rudi Dutschke am 11. April 1968. Im gleichen Jahr lernt sie bei einem Interview über die Kaufhausbrandstifter, Gudrun Ensslin und Andreas Baader kennen. Nachdem sie kurzzeitig durch einen Revisionsantrag aus der Haft entlassen werden, der aber abgelehnt wird, finden sie 1970 Unterschlupf in Ulrike Meinhofs Wohnung. Zu dieser Zeit arbeitet sie als Lehrbeauftragte an der Freien Universität Berlin. Kurze Zeit später wird Baader von der Polizei aufgespürt und wird verhaftet. Ensslin und Freunde planen eine Befreiung, Meinhof will sie unbedingt unterstützen. Am 14.Mai 1970 wird Baader befreit. Meinhof geht als Mitwisserin in den Untergrund. Sie wird daraufhin steckbrieflich gesucht. Die Gruppe entscheidet sich, eine Organisation zu gründen, sodass die RAF entsteht.. Bis 1972 verübt die Gruppe unter Baader, Ensslin und Meinhof mehrere Bombenanschläge, bevor Meinhof am 15.Juni 1972 verhaftet und 1974 nach Stammheim verlegt und dort wegen fünffachen Mordes angeklagt wird. Am 8.Mai 1976 begeht sie in ihrer Zelle Selbstmord.[9]

Nun ist die Frage zu stellen, welche politischen Hintergründe sie zu diesem radikalen Kurs trieben. Welche politischen Konstellationen hatten sich nach dem 2.Weltkrieg ergeben? Welche Konfliktpotentiale gab es innerhalb der deutschen Bundesrepublik?

3. Hintergründe der 50er und 60er Jahre

Nach dem Desaster des 2. Weltkriegs mit Millionen Toten sind sich die Europäer einig:

„Der Haß der Nachbarvölker aufeinander habe Kriege erst möglich gemacht“[10]. Das Credo lautet: „Statt Nationalismusein geeintes Europa“[11]. Die politische Realität sieht jedoch anders aus. Zwei Teilstaaten entstehen in Deutschland, die als militärische

Vorposten für die entstehenden Machtblöcke West-Ost angesehen werden. Während von allen Seiten alles daran gesetzt wird, die Teilung zu verhindern, steuert Konrad Adenauer zielstrebig darauf zu, „die Weststaaten in seine eigene Staatlichkeit und an die Seite der USA zu führen“[12] Heimlich erarbeitet er mit ehemaligen Wehrmachtsgeneräle einen Wiederbewaffnungsplan für die Errichtung einer neuen deutschen Armee.[13] Als der Plan entdeckt wird, regt sich Widerstand von allen Seiten, ob aus der Politik oder der Bevölkerung. Erste Unmutsdemonstrationen laufen an, in der SPD wird über die Rolle einer neuen deutschen Armee gestritten und in der Paulskirchen-Versammlung über die Gefahr einer verstärkten Teilung Deutschlands gesprochen und dabei die Wiederbewaffnung abgelehnt. Trotz Protesten tritt die BRD 1954 in die Nato ein, 1956 werden die ersten Soldaten vereidigt[14]. Als die Bundesregierung dann auch noch die atomare Ausrüstung für die neue Armee plant, hegt sich nun auch in der breiten Masse der CDU-Wähler Widerstand. Atomphysiker entwerfen die „Göttinger Erklärung“ und warnen, genau wie Albert Schweitzer 1957 in einer Radioansprache, vor den Gefahren der atomaren Aufrüstung und eines Atomkrieges. Viele sind schockiert über die Folgen eines möglichen Atomkrieges und bis 1958 lehnen daraufhin 80 Prozent der Bevölkerung eine Aufrüstung ab.[15] Trotz dieser Proteste gewinnt Adenauer 1957 die Bundestagswahl, auch begünstigt durch die Scheu der SPD, die Atompolitik als Wahlkampfthema zu verwenden[16]. Jedoch gelingt es Adenauer daraufhin nicht, seine Atompläne auch in der Nato zu verwirklichen. Lediglich sollen die USA Mittelstreckenraketen und Atomsprengköpfe in der BRD stationieren dürfen. Daraufhin fordern 44 Hochschullehrer in der „Erklärung der 44“ eine atomwaffenfreie Zone in Mitteleuropa. Viele Bürger schließen sich dieser Erklärung an und schließlich bilden sich sogenannte Anti-Atomtod-Ausschüsse, die gegen die atomare Aufrüstung ankämpfen.[17]Auch in den Universitäten regt sich dabei Widerstand und so kommt es im Sommersemester 1958 zu flächendeckenden Studentenprotesten in ganz Deutschland. Hier zeichnet sich ein kleiner Vorgeschmack auf die Studentenproteste der kommenden Jahre ab. Um einen Ausweg aus der Sackgasse zu finden, versucht die Bundesregierung nun alle Protestbekundungen als kommunistisch gelenkt abzutun, zumindest gerät jeder der Demonstranten in Verdacht, „das Geschäft der Kommunisten zu betreiben“[18] Die Protestierenden werten dagegen das Verhalten der Bundesregierung als antikommunistisch. Meinhof meint sogar in einem Artikel: „Der Antikommunismus ersetzt den Antisemitismus“[19] Die Angst vor einem neuen, anderen Faschismus sitzt groß in der deutschen Bevölkerung. Genauso die Angst wieder zu versagen und nichts gegen den Faschismus zu tun. Verstärkt tritt dies bei Ulrike Meinhof auf.[20] Die Angst vor einem neuen Faschismus kommt dabei besonders durch die Studenten diffamierenden und beleidigenden Methoden der Regierung auf und ihren Versuchen, jegliche oppositionelle Haltung im Keim zu ersticken.[21] Angst bereitet vielen Studenten auch, dass viele ehemalige Nazis wieder in wichtigen, staatstragenden Positionen aktiv sind.[22]

[...]


[1] Stefan Aust: Der Baader-Meinhof-Komplex. Hamburg 1985, S.24

[2] Vgl. Jan Bulig: Von der Provakation zur „Propaganda der Tat“: die „Antiautoritäre Bewegung“ und die Rote-Armee-Fraktion (RAF). Bonn 2007, S.141

[3] Vgl. Vgl. Mario Krebs: Ulrike Meinhof: Ein Leben im Widerspruch. Hamburg 1988, S.70

[4] Ebd. S.124

[5]

[6] Stefan Aust: Der Baader-Meinhof-Komplex. Hamburg 1985, S.48

[7] Vgl. Mario Krebs: Ulrike Meinhof: Ein Leben im Widerspruch. Hamburg 1988, S.97

[8] Ebd. S.142f.

[9] Vgl. allgemein Mario Krebs: Ulrike Meinhof: Ein Leben im Widerspruch. Hamburg 1988,

[10] Mario Krebs: Ulrike Meinhof: Ein Leben im Widerspruch. Hamburg 1988, S.26

[11] Ebd.

[12] Ebd.

[13] Ebd.

[14] Ebd. S.28

[15] Ebd. S.34

[16] Ebd. S.34

[17] Ebd. S.36ff.

[18] Ebd. S.44

[19] Zitiert nach: Mario Krebs: Ulrike Meinhof: Ein Leben im Widerspruch. Hamburg 1988, S.45

[20] Vgl. Mario Krebs: Ulrike Meinhof: Ein Leben im Widerspruch. Hamburg 1988, S.47

[21] Vgl. Mario Krebs: Ulrike Meinhof: Ein Leben im Widerspruch. Hamburg 1988, S.48ff.

[22] Ebd. S.51ff.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Was trieb Ulrike Meinhof als pazifistische Journalistin zum Terrorismus?
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto-Suhr-Institut)
Veranstaltung
Geschichte des Widerstandsdenkens
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
21
Katalognummer
V113561
ISBN (eBook)
9783640144389
ISBN (Buch)
9783640145751
Dateigröße
567 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ulrike, Meinhof, Journalistin, Terrorismus, Geschichte, Widerstandsdenkens
Arbeit zitieren
Daniel Voigt (Autor), 2008, Was trieb Ulrike Meinhof als pazifistische Journalistin zum Terrorismus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113561

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