Erfolgsvoraussetzungen für Währungsunionen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kosten und Nutzen einer Währungsunion
2.1. Kosten einer Währungsunion
2.2. Nutzen einer Währungsunion
2.3. Kritische Beurteilung von Kosten und Nutzen einer Währungsunion

3. Einflussfaktoren auf die Kosten einer Währungsunion
3.1. Kriterien optimaler Währungsräume und mikroökonomische Störungen
3.2. Kriterien optimaler Währungsräume und makroökonomische Störungen
3.3. Kritische Beurteilung der mikro- und makroökonomischen Kriterien

4. Beurteilung einer Währungsunion unter Berücksichtigung der Kriterien optimaler Währungsräume
4.1. Die deutsche Währungsunion 1990
4.2. Die europäische Währungsunion 1999

5. Schlussbetrachtungen

Literaturverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.Einleitung

Das Thema Erfolgsvoraussetzungen von Währungsunionen ist nicht nur unter theoretischen Aspekten interessant, sondern hat in den letzten Jahren auch eine hohe Praxisrelevanz erfahren. In den 90er Jahren kam es sowohl zur deutsch-deutschen als auch zur europäischen Währungsunion. Der Begriff Währungsunion bedeutet, dass es zu einer unwiderruflichen Fixierung der Wechselkurse ohne Bandbreite kommt und eine Übertragung der geld- und währungspolitischen Kompetenz auf eine gemeinsame Zentralbank erfolgt. Der Begriff impliziert hingegen nicht, dass zwangsläufig eine einheitliche Währung geschaffen wird. Da sich die Vorteile einer Währungsunion jedoch nur bei einer einheitlichen Währung voll entfalten können, sei im weiteren stets von einer einheitlichen Währung ausgegangen.

In dieser Arbeit soll zunächst diskutiert werden, welche Vor- und Nachteile mit einer Währungsunion verbunden sind. Des weiteren wird mit Hilfe der Theorie optimaler Währungsräume untersucht, unter welchen Voraussetzungen die Kosten einer Währungsunion relativ gering sein werden. Ob die Kriterien bei den genannten Währungsunionen gegeben waren und wie die Währungsunionen un-ter diesem Aspekt zu bewerten sind, wird im vierten Kapitel untersucht. Zum Schluss werden die Ergebnisse dieser Arbeit zusammengefasst.

2. Kosten und Nutzen einer Währungsunion

2.1. Kosten einer Währungsunion

Die Kosten einer Währungsunion entstehen vornehmlich im Fall von Schocks. Hierbei ist zwischen symmetrischen und asymmetrischen sowie mikroökonomischen und makroökonomischen Schocks zu differenzieren. Asymmetrische Schocks haben im Gegensatz zu symmetrischen Schocks unterschiedliche Auswirkungen in den Ländern der Währungsunion. Mikroökonomische Schocks werden insbesondere durch exogene Nachfrageänderungen ausgelöst, während makroökonomische Schocks ihre Ursache in unterschiedlichen Konjunkturzyklen und Inflationsraten innerhalb einer Währungsunion finden. Zur Behebung der von Schocks verursachten Ungleichgewichte und deren negativen Auswirkungen auf Beschäftigung sowie Preisniveaustabilität für die betroffenen Länder, sind Anpassungsmechanismen innerhalb einer Währungsunion erforderlich.

Der mit einer Währungsunion einhergehende Verlust des Wechselkurses als Anpassungsinstrument verhindert einen Ausgleich über eine Abwertung bzw. Aufwertung der Währung. Als erster analysierte Mundell die Auswirkungen einer Nachfrageverschiebung zwischen zwei Ländern innerhalb einer Währungsunion, wobei in der Ausgangssituation in beiden Ländern Vollbeschäftigung herrscht. Die verstärkte Nachfrage führt in dem einen Land zu einem Anstieg des Preisniveaus, während in dem anderen Land Produktion und Beschäftigung sinken. Im Falle flexibler Wechselkurse könnte die Wettbewerbsfähigkeit des negativ betroffenen Landes durch eine Abwertung der Währung und einer entsprechenden Aufwertung in dem anderen Land wiederhergestellt werden. In einer Währungsunion fehlt dieser Parameter.

Durch die Übertragung der Geldpolitik auf eine gemeinsame Zentralbank entfällt ebenfalls die Möglichkeit der Absorption negativer Auswirkungen auf Preisniveau und Beschäftigung mittels geldpolitischer Maßnahmen. Der Verzicht auf eine autonome Geldpolitik bedeutet eine einheitliche Zielsetzung der Geldpolitik. Im Fall von zwei Ländern würde in dem einen Land versucht werden, die Beschäftigung durch expansive Geldpolitik zu steigern, während das andere Land eine restriktive Geldpolitik zur Inflationsbekämpfung betreiben würde. Einheitliche Geldpolitik hingegen verlangt Koordination, um weder den Inflationsanstieg noch den Beschäftigungsrückgang zu verstärken.

Einheitliche Geldpolitik bedeutet ebenfalls einen Verzicht auf einen möglichen „trade-off“, den die Phillipskurve bietet. Auch wenn sich erwiesen hat, dass langfristig kein Austauschverhältnis zwischen Inflation und Beschäftigung besteht, könnten einzelne Länder der Währungsunion diesen Effekt bis dato zumindest kurzfristig genutzt haben, um z.B. die Folgen von Schocks für die Beschäftigung zu mildern.

Des weiteren bedingt eine Währungsunion sowohl eine Einschränkung der fiskalpolitischen Autonomie als auch möglicherweise einen Verzicht auf die Seignorage als Einnahmequelle des Staates. Die Seignorage ist der Ertrag, den die Zentralbank durch Geldschöpfung erzielt und als Zentralbankgewinn teilweise an den Staat weiterleitet. Diese Einnahmen lassen sich durch inflationäre Ausdehnung der monetären Basis erhöhen. Die gemeinsame Zentralbank erzielt ebenfalls Seignoragegewinne, welche allerdings nur nach einer vereinbarten Quote an die einzelnen Staaten abgeführt werden und zur Finanzierung von Staatsausgaben genutzt werden kann. Der einzelne Staat verliert mit der Währungsunion die Möglichkeit, die Höhe seiner Einnahmen autonom festzulegen. Die Währungsunion kann negative externe Effekte erzeugen, wenn einzelne Länder das damit einhergehende durchschnittlich gesunkene Zinsniveau zum Anlass nehmen, eine höhere Staatsverschuldung anzustreben. Der Kapitalmarkt sanktioniert in diesem Fall das einzelne Land relativ zu schwach, indes hat die gesamte Währungsunion die Last in Form höherer Zinsen zu zahlen. Eine Währungsunion wird folglich nur dauerhaft Bestand haben, wenn die fiskalpolitische Autonomie der einzelnen Länder beschränkt wird und gemeinsame Zielen in den Vordergrund rücken.

2.2. Nutzen einer Währungsunion

Eine Währungsunion senkt die wechselkursbedingten Transaktionskosten. Im Rahmen des Güter- und Kapitalverkehrs entstehen direkte und indirekte Transaktionskosten. Direkte Transaktionskosten entstehen durch die Existenz von Geld-Brief-Spannen. Indirekte Transaktionskosten werden gesenkt durch die Vereinfachung betrieblicher Rechnungssysteme, die Beschleunigung grenzüberschreitender Überweisungen und die Abschaffung von Währungsreserven, welche von Banken, Hotels und international operierenden Unternehmen gehalten werden.

Des weiteren entfällt mit einer Währungsunion das Wechselkursrisiko. Vor der Währungsunion war dies nur durch den mit Kosten verbundenen Abschluss von Kurssicherungsgeschäften auszuschließen. Kurssicherungsgeschäfte sind jedoch in der Regel nur kurz- bis mittelfristig abschließbar. Mithin ist die Währungsunion insbesondere für Geschäfte mit langfristigen Kontrakten von Vorteil.

Mit der Eliminierung des Wechselkursrisikos wird ebenfalls eine längerfristige Fehlbewertung, verursacht durch Spekulation, verhindert. Nach der Kaufkraftparitätentheorie bildet sich langfristig aufgrund von Güterarbitrageprozessen ein weltweit einheitliches Preisniveau. Der Güterhandel ist indes nur eine Determinante des Wechselkurses, womit es für eine bestimmte Zeit zu Wettbewerbsvorteilen bei Unterbewertung der heimischen Währung und Wettbewerbsnachteilen bei Überbewertung der heimischen Währung kommen kann. Derartige Über- und Unterbewertungen können jedoch zu Fehlallokationen innerhalb der Struktur der Wirtschaft führen und die Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft beeinträchtigen.

Ebenso führt die Währungsunion zu einer Erhöhung der Markttransparenz. Der Wegfall der Wechselkurse bedingt, dass Konsumenten Preise direkt miteinander vergleichen können. Infolgedessen wird es zu mehr Wettbewerb zwischen den Anbietern kommen und folglich sind für die Konsumenten positive Effekte auf Preis sowie Qualität der Produkte zu erwarten.

Durch Senkung von Transaktionskosten, Erhöhung der Transparenz und Wegfall des Wechselkursrisikos kommt es weiterhin zu einer Stimulierung von Handel und Investitionen. Handel und Investitionen, die bei größeren Veränderungen der nominalen Wechselkurse, denen keine entsprechenden Veränderungen der Güterpreise gegenüberstehen, unprofitabel werden, werden durch die Einheitswährung begünstigt. Damit einhergehen die verbesserte Ausnutzung komparativer Kostenvorteile zwischen den einzelnen Ländern einer Währungsunion.

Der bei den Kosten diskutierte Verzicht einer autonomen Geldpolitik könnte ebenso ein Vorteil einer Währungsunion sein. Länder, welche in der Vergangenheit eine inflationäre Geldpolitik betrieben haben, können ihre Glaubwürdigkeit nur unter Inkaufnahme hoher Disinflationskosten wiedererlangen. Eine Währungsunion bietet hingegen die Möglichkeit Glaubwürdigkeit zu importieren und somit die Inflationserwartungen zu senken. Der Gewinn an Glaubwürdigkeit kommt zustande, da man davon ausgehen kann, dass ein stabilitätsorientiertes Land einer Währungsunion nur dann zustimmen wird, wenn sich die neue gemeinsame Zentralbank im wesentlichen an der bisherigen Geldpolitik des stabilitätsorientierten Landes orientiert.

Wird die Währungsunion von den Marktteilnehmern als dauerhaft angesehen, ist damit zu rechnen, dass sich das Zinsniveau innerhalb der Union angleichen wird. Infolge des verringerten Risikos im integrierten Währungsraum, ist weiterhin damit zu rechnen, dass das Zinsniveau im gewogenen Durchschnitt, gegenüber den vorher einzelnen Länder, zurückgehen wird.

Ein letzter hier angeführter Vorteil einer Währungsunion liegt in der Ersparnis von Devisenreserven. Die Ersparnis beruht auf zwei Effekten: Ersparnisse zwischen den Teilnehmern der Währungsunion sowie bei den Transaktionen der Währungsunion mit der restlichen Welt im Fall eines Festkurssystems. Für den Handel innerhalb der Währungsunion sind keinerlei Reserven mehr notwendig. Für den Handel außerhalb der Währungsunion sind ebenfalls weniger Reserven nötig, wenn diese zusammengelegt werden und sich die Forderungen und Verbindlichkeiten der einzelnen Länder der Währungsunion gegenüber Drittländern gegenseitig ausgleichen.

2.3. Kritische Beurteilung von Kosten und Nutzen einer Währungsunion

Der Wechselkurs ist nach Willms nur solange ein geeignetes Anpassungsinstrument, wie Geldillusion vorliegt. Die Abwertung fördert zwar den Export, jedoch steigen gleichzeitig die Importpreise. Je nachdem, wie stark die Importabhängigkeit ist, kommt es zu einem Anstieg des Preisniveaus und infolgedessen zu einem Reallohnrückgang. Es ist fraglich, ob die Gewerkschaften diesen Anstieg auf Dauer bei ihren Lohnforderungen unberücksichtigt lassen. Wird das gestiegene Preisniveau bei den nächsten Lohnverhandlungen berücksichtigt, gibt es keinen Wettbewerbsvorteil mehr und der Export geht auf sein ursprüngliches Niveau zurück. Bofinger argumentiert weiterhin, dass nicht davon ausgegangen werden kann, dass sich flexible Wechselkurse stets so verändern, wie dies zum Ausgleich eines asymmetrischen Schocks erforderlich sei. Bei einem Festkurssystem könnte man sich dies noch am ehesten vorstellen, wenn hier Paritätsänderungen aufgrund fundamentaler Ungleichgewichte vorgenommen werden. Hingegen können, wie schon bei der Fehlbewertung durch Spekulation beschrieben, Wechselkurse über einen bestimmten Zeitraum erheblich von den makroökonomischen Fundamentaldaten abweichen. Der Wechselkurs ist somit nicht in jedem Fall ein geeigneter Anpassungsparameter. Der Verzicht auf eine autonome Geldpolitik ist, wenn es gelingt die Glaubwürdigkeit des stabilitätsorientiertesten Landes auf die Währungsunion zu übertragen, positiv zu beurteilen. Es ist allerdings zu berücksichtigen, dass sich die Geldpolitik des stabilitätsorientiertesten Landes aufgrund unterschiedlicher Transmissionswege in den einzelnen Ländern nicht ohne weiteres auf die gesamte Währungsunion übertragen lässt. Insofern kann es Anpassungsprobleme geben die richtige geldpolitische Strategie zu entwickeln. Mithin kann es zu einer verminderten Glaubwürdigkeit der neuen Zentralbank - im Vergleich zu der des vorher stabilsten Landes - kommen. Der Verzicht auf einen möglichen trade-off der Phillipskurve ist vor dem Hintergrund des Zeitinkonsistenzproblems als Vorteil einer Währungsunion zu werten. Der Versuch über eine Überraschungsinflation die Beschäftigung zu steigern, führt zu einem Glaubwürdigkeitsverlust der Zentralbank und wird aufgrund der gestiege-nen Inflationserwartungen die Wirtschaft dauerhaft destabilisieren. Die gleiche Argumentation lässt sich bezüglich der Seignorage und der Einschränkung der fiskalpolitischen Autonomie anführen. Hohe Seignorageeinnahmen sind langfristig nicht aufrecht zu erhalten, da sich die Inflationserwartungen der Wirtschaftssubjekte an die gestiegene Inflation anpassen werden. Ebenso wird eine hohe Staatsverschuldung zu einem Anstieg der Inflationserwartungen führen. Steigende Staatsverschuldung erhöht den Druck auf die Zentralbank, durch expansive Geldpolitik bestehende Schulden mittels Inflation zu entwerten und/oder durch eine Senkung der Leitzinsen die kurzfristige Schuldenaufnahme zu erleichtern.

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Erfolgsvoraussetzungen für Währungsunionen
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Lehrstuhl für Geld und Währung)
Veranstaltung
Geld und Kredit
Note
1,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
24
Katalognummer
V11368
ISBN (eBook)
9783638175470
ISBN (Buch)
9783640352203
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Währungsunion-Optimaler Währungsraum
Arbeit zitieren
Alexander Wichmann (Autor), 2002, Erfolgsvoraussetzungen für Währungsunionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11368

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