Kostenorientierte Entscheidung zwischen Eigen- und Fremdlagerung am Beispiel der Isobär AG


Unterrichtsentwurf, 2006

19 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

1. Angaben zur Lerngruppe

1.1 Lerngruppenzusammensetzung

Die Klasse 05IB4 ist eine Unterstufenklasse für den Ausbildungsberuf Industriekaufmann/-frau, die im 6-Wochen-Block unterrichtet wird. Zum jetzigen Zeitpunkt befindet sich die Klasse in der zweiten Blockphase. Die Klassengemeinschaft setzt sich aus 12 Schülerinnen und 12 Schülern im Alter von 18 bis 25 Jahren zusammen. Im Rahmen der Ausbildung haben die Schüler 8 Wochenstunden Unterricht in dem Fach Geschäftsprozesse“. Die Themenschwerpunkte im zweiten Block liegen, laut didaktischer Jahresplanung des Berufskollegs, auf der Beschaffungsplanung und der Lagerhaltung. Dualer Partner der Berufsausbildung sind unter anderem Siemens (6 Schüler[1] ), Hochtief (5 Schüler), EVAG (4 Schüler) und Canda (2 Schüler). Somit sind durch die Lerngruppe verschiedene Industriebranchen vertreten und folglich auch die beruflichen Handlungsfelder der Auszubildenden sehr vielfältig. Von den insgesamt 24 Schülern absolvieren 9 Schüler ihre Ausbildung in 2 ½ Jahren und die restlichen 15 Schüler in 3 Jahren.

1.2 Besonderheiten der Lerngruppe

Obwohl alle Schüler mindestens die Fachhochschulreife besitzen, ist das Leistungsniveau und die Schüleraktivität, wie die folgende Übersicht zeigt, als sehr heterogen einzustufen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dies ist darauf zurückzuführen, dass über die Hälfte der Schüler (13) die Höhere Handelsschule besucht hat, sodass sie bereits über grundlegende betriebswirtschaftliche Vorkenntnisse verfügen. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass die 6

Schüler von Siemens vor Beginn des Blockunterrichts bereits eine 6-wöchige innerbetriebliche Schulung absolviert haben. Sie wurden in verschiedenen Fächern (Buchführung, VWL und BWL) unterrichtet. Es ist zu beobachten, dass sich zeitweise diese Schüler unterfordert fühlen, was sich in Privatgesprächen und Zwischenrufen im Unterricht äußert. Dieses Verhalten nimmt den 11 Schülern ohne betriebswirtschaftliche Vorkenntnisse oft die Chance die Unterrichtsinhalte in Ruhe nachzuvollziehen. Das führte zu Beginn des Blockunterrichts in allen Fächern zu einem angespannten Lernklima. Durch wiederholte Gespräche mit der Lerngruppe konnte die Situation wesentlich verbessert werden.

Die Klasse ist mir bereits aus der ersten Blockphase (Oktober 2005) durch Hospitationen und Unterricht unter Anleitung in dem Fach Steuerung und Kontrolle bekannt. In diesem Block hospitiere ich in dem Fach „Geschäftsprozesse“ und bin im Rahmen des Lernfeldes 6 „ Beschaffungsprozesse planen, steuern und kontrollieren“ für die Unterrichtsreihe „Lagerwirtschaft“ mit zwei Wochenstunden verantwortlich. Durch meine kontinuierliche Unterrichtserfahrung in dieser Klasse werde ich als Lehrperson voll akzeptiert. Die Schüler verhalten sich mir gegenüber freundlich und aufgeschlossen.

1.3 Ausprägungen der Kompetenzbereiche in der Lerngruppe

Die Handlungskompetenz ist bei den meisten Schülern als gut einzustufen.

Zur Fachkompetenz

Die Schüler sind in der Lage, die verschieden Lagerarten und –funktionen zu benennen und voneinander abzugrenzen. Sie haben die Möglichkeiten der Lagerorganisation kennen gelernt und die Notwendigkeit der Überwachung der Lagerwirtschaft erkannt. In diesem Zusammenhang haben sie die Lagerkennziffern als mögliches Kontrollinstrument eingesetzt und beurteilt. Dabei wurde stets das Lager des eingeführten Modellunternehmens[2] zugrunde gelegt (Prinzip der Veranschaulichung). Es ist an dieser Stelle anzumerken, dass die Schüler zu diesem Zeitpunkt in ihren Ausbildungsbetrieben noch nicht mit der Lagerwirtschaft in Berührung gekommen sind und

folglich über keine betrieblichen Vorkenntnisse in diesem Bereich verfügen. Hinsichtlich der Kosten der Lagerhaltung wissen die Schüler, dass die Gesamtkosten einer bestimmten Lagermenge sich aus variablen und fixen Kosten zusammensetzen. Sie können die im Lager anfallenden Kosten nach fixen und variablen Kostenanteilen unterscheiden. In diesem Zusammenhang ist ihnen bekannt, dass die Zuordnung nicht immer eindeutig ist. Weiterhin wissen die Schüler aus dem Fach Steuerung und Kontrolle, dass die betrachteten Kostenrechnungsverfahren in der Berufsschule aus Vereinfachungsgründen lineare Gesamtkostenverläufe unterstellen.

Zur Lern- und Methodenkompetenz

Obwohl die Schüler bereits im ersten Block mit verschiedenen Sozialformen und Präsentationstechniken in Berührung gekommen sind, muss das Präsentieren von Ergebnissen am Overheadprojektor oder an der Tafel noch weiter gefördert werden. Besonders das für Industriekaufleute erforderliche „saubere Arbeiten“ ist noch förderungsbedürftig, insbesondere im Hinblick auf die Präsentation der Fachaufgabe im Rahmen der Abschlussprüfung. Das Lerntempo und die Arbeitsweisen sind sehr unterschiedlich. Es ist zu beobachten, dass die Schüler ohne betriebswirtschaftliche Vorkenntnisse längere Übungsphasen gerne annehmen und dabei die Hilfestellungen der Lehrperson in Anspruch nehmen. Die Schüler mit betriebswirtschaftlichen Vorkenntnissen behandeln zeitweise die Aufgabenstellungen nur sehr schnell und oberflächlich, sodass stellenweise Flüchtigkeitsfehler entstehen.

Zur Sozialkompetenz

Obwohl in der Klasse eine Gruppenbildung nach Unternehmenszugehörigkeit festgestellt werden kann, werden einzelne Klassenmitglieder nicht ausgeschlossen. Die Bereitschaft zu gegenseitiger Hilfestellung ist vorhanden. Jedoch haben einige Schüler Schwierigkeiten mit der Kritik an ihren Ergebnissen umzugehen.

2. Didaktische Schwerpunkte

2.1 Vorgaben der Richtlinien / Legitimation des Themas

Das heutige Thema wird durch den Rahmenlehrplan für den Ausbildungsberuf Industriekaufmann/-kauffrau und den Stoffverteilungsplan legitimiert. In diesem sind die Lerninhalte der heutigen Stunde in dem Lernfeld 6: „Beschaffungsprozesse planen, steuern und kontrollieren“ als Thema für das 2. Ausbildungsjahr vorgesehen.

In der Zielformulierung des Rahmenlehrplans heißt es: „Sie ermitteln und analysieren Lagerkennziffern, führen Lagerbestandsrechnungen durch und prüfen Logistikkonzepte auf ihre Effektivität.“[3] Die didaktische Jahresplanung des Berufskollegs sieht die Behandlung des Lernfeldes 6 und damit das Unterrichtsthemas „Eigen- und Fremdlagerung “ bereits im 2. Block des 1. Ausbildungsjahres im dem Fach “Geschäftsprozesse“ vor.

2.2 Einbettung des Themas in den unterrichtlichen Kontext

In der nachfolgenden Übersicht wird die heutige Unterrichtstunde im Zusammenhang mit der Unterrichtsreihe dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3 Hauptintention

Der didaktische Schwerpunkt der heutigen Stunde besteht darin, dass die Schüler mit der Fremdlagerung eine weitere Lagerungsmöglichkeit kennen lernen und für die konzipierte Ausgangssituation eine Entscheidung zwischen der Alternative Eigen- oder Fremdlagerung treffen. Dabei wird der Kostengesichtspunkt in den Mittelpunkt gestellt. Nach der kostenorientierten Entscheidung sollen die Schüler in einem Unterrichtsgespräch ihre Ergebnisfindung kritisch reflektieren. Somit erfolgt eine Integration der kostenrechnerischen Inhalte des Faches Steuerung und Kontrolle. Den Schülern soll bewusst werden, dass dieses kostenorientierte Entscheidungsverfahren unterstellt, dass die Lagerkosten eindeutig als fixe oder variable Kosten identifiziert werden können. In der Praxis kommen aber zahlreiche Kosten vor, die sowohl fixe als auch variable Bestandteile enthalten. Außerdem wird auch bei dieser Vorgehensweise ein linearer Gesamtkostenverlauf unterstellt, was in der Praxis nur selten

zu beobachten ist, da die Gesamtkosten verhältnismäßig stärker steigen als die Lagergröße steigt („Gesetz des zunehmenden Kostenzuwachses“).

[...]


[1] Der Begriff Schüler wird im folgenden geschlechtsneutral verwendet – bezieht sich also auf alle männlichen und weiblichen Personen.

[2] Bei dem eingeführten Modellunternehmen „Isobär AG“ handelt es sich um ein Unternehmen der Baustoffindustrie, welches sich auf die Herstellung von Mineralwolle spezialisiert hat. Es orientiert sich an einem existierenden Unternehmen, welches in Bergisch-Gladbach ansässig ist. Zahlreiche Gespräche mit dem zuständigen Controller und Lagerlogistiker haben dazu geführt, dass sowohl der dargestellte Ausgangsfall als auch das aufbereitete Zahlen-, Informations- und Bildmaterial authentisch sind. Die Baustoffbranche wurde gewählt, weil fünf Schüler aus der Baubranche (Hochtief AG) vertreten sind.

[3] Vgl. KMK-Rahmenlehrplan für den Ausbildungsberuf Industriekaufmann/-kauffrau. Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 14. Juni 2002, S. 14.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Kostenorientierte Entscheidung zwischen Eigen- und Fremdlagerung am Beispiel der Isobär AG
Note
2,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V113777
ISBN (eBook)
9783640148639
ISBN (Buch)
9783640148950
Dateigröße
2089 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Bei diesem Unterrichtsentwurf handelt es sich um eine Examenslehrprobe (UPP).
Schlagworte
Unterrichtsstunde, Kostenorientierte, Entscheidung, Eigen-, Fremdlagerung, Beispiel, Isobär, Berücksichtigung, Ergebnisreflektion
Arbeit zitieren
Diana Ivanjic (Autor:in), 2006, Kostenorientierte Entscheidung zwischen Eigen- und Fremdlagerung am Beispiel der Isobär AG, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113777

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