Friedrich Nietzsche ist auch als 'Philosoph mit dem Hammer' bekannt. Diese Bezeichnung rührt daher, dass Nietzsche in seiner Philosophie mit christlichen und in unserer Gesellschaft seit Jahrhunderten etablierten Werten bricht und stattdessen für eine neue, 'ressentimentfreie' Moral plädiert. Was aber genau ist 'Ressentiment' und welche Stellung hat der Begriff in Nietzsches Philosophie? Dieser Frage versuche ich in dieser Arbeit auf den Grund zu gehen.
Der Begriff 'Ressentiment' ist einer der zentralsten Begriffe in Nietzsches moralischer Gesamtkonzeption und steht als Synonym für Neid und die boshafte, nachtragende, hinter vorgehaltener Hand geäußerte Missgunst für andere und deren Werke und Taten. Ressentiment beinhaltet nicht die Möglichkeit der schnellen Rache – deren leidenschaftlicher Befürworter Nietzsche ist – sondern meint das kleinliche heimliche Bestreben der Menschen, immer besser sein zu wollen, als andere. Nietzsche selbst ist ein leidenschaftlicher Fürsprecher der Herrenmoral. Er ist der Ansicht, das Juden- und später das Christentum, das für ihn die Wurzel allen Ressentiments ist, haben dafür gesorgt, dass diese ursprüngliche und edle Moral durch die niederträchtige und ressentimentdurchtränkte Sklavenmoral abgelöst wurde. Ich teile diese Meinung nicht unumschränkt, was ich am Ende der Arbeit ausführe und begründe.
Inhaltsverzeichnis
DAS RESSENTIMENT UND DIE 'SKLAVENMORAL'
DAS CHRISTENTUM ALS WURZEL ALLEN ÜBELS
NIETZSCHE ALS MENSCH/BIOGRAFISCHE BEZÜGE
EIGENE EINSCHÄTZUNG DER THEMATIK
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit Nietzsches Begriff des Ressentiments und dessen Rolle innerhalb seiner Moralphilosophie auseinander. Dabei wird insbesondere untersucht, wie Nietzsche den Gegensatz zwischen Herren- und Sklavenmoral konstruiert und das Christentum als Ursprung einer lebensfeindlichen, von Ressentiment geprägten Mentalität identifiziert, während gleichzeitig biografische Bezüge zu Nietzsches eigenem Leben hergestellt werden.
- Analyse des Ressentiment-Begriffs in Nietzsches Denken
- Die Dichotomie von Herren- und Sklavenmoral
- Kritik des Christentums als Quelle des Ressentiments
- Der Wille zur Macht als grundlegendes Prinzip
- Biografische Einflüsse auf Nietzsches Philosophie
Auszug aus dem Buch
Das Ressentiment und die 'Sklavenmoral'
Der Begriff 'Ressentiment' ist einer der zentralsten Begriffe in Nietzsches moralischer Gesamtkonzeption und steht als Synonym für Neid und die boshafte, nachtragende, hinter vorgehaltener Hand geäußerte Missgunst für andere und deren Werke und Taten. Ressentiment beinhaltet nicht die Möglichkeit der schnellen Rache – deren leidenschaftlicher Befürworter Nietzsche ist (vgl. Ottmann, 2000, 312) – sondern meint das kleinliche heimliche Bestreben der Menschen, immer besser sein zu wollen, als andere.
Weiterhin verbindet Nietzsche mit dem Ressentiment Zank, Verdruss, Verleumdung, Verbitterung, Niedertracht, Hass, Argwohn, Niedriggesinntheit und Engherzigkeit (vlg. ebd.). Er bezeichnet den Neid und die Eifersucht als "die Schamteile der menschlichen Seele" (vgl. ebd.), weswegen es für die Menschen landläufig von so großer Bedeutung sei, diese zu leugnen, zu verbergen und nur hinter vorgehaltener Hand zu äußern. Dieses Verhalten hat für Nietzsche jedoch nichts mit Höflichkeit oder Vornehmheit zu tun.
Zusammenfassung der Kapitel
DAS RESSENTIMENT UND DIE 'SKLAVENMORAL': Dieses Kapitel definiert den Begriff des Ressentiments als zentralen Bestandteil von Nietzsches Moralphilosophie und führt die Unterscheidung zwischen Herren- und Sklavenmoral ein.
DAS CHRISTENTUM ALS WURZEL ALLEN ÜBELS: Hier wird Nietzsches Argumentation dargelegt, dass das Christentum durch die Etablierung christlicher Werte eine ursprüngliche, edle Moral unterdrückt und durch eine lebensfeindliche Sklavenmoral ersetzt hat.
NIETZSCHE ALS MENSCH/BIOGRAFISCHE BEZÜGE: Dieser Abschnitt untersucht, inwiefern Nietzsches eigenes Leben, seine Isolation und seine religiöse Herkunft seine Thesen zur 'Umwertung der Werte' beeinflusst haben könnten.
EIGENE EINSCHÄTZUNG DER THEMATIK: Die Verfasserin reflektiert kritisch über Nietzsches Thesen, hinterfragt deren soziale Verträglichkeit und stellt die komplexe Natur des Menschen der von Nietzsche geforderten Ideologie gegenüber.
Schlüsselwörter
Friedrich Nietzsche, Ressentiment, Herrenmoral, Sklavenmoral, Christentum, Wille zur Macht, Umwertung der Werte, Mitleidsethik, Moralphilosophie, Biografische Bezüge, Selbstverwirklichung, Lebensfeindlichkeit, Menschliche Natur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen Untersuchung des Ressentiment-Begriffs bei Friedrich Nietzsche und dessen Bedeutung für die moderne Moralvorstellung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernpunkten zählen die Kritik am Christentum, die Differenzierung zwischen Herren- und Sklavenmoral sowie der Wille zur Macht als treibende menschliche Kraft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Nietzsches Konzept des Ressentiments zu erläutern und kritisch zu prüfen, ob seine philosophischen Forderungen in der Realität der menschlichen Natur bestehen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die hermeneutische Textanalyse, um Nietzsches Werke (insbesondere "Jenseits von Gut und Böse" und "Der Wille zur Macht") unter Einbeziehung von Sekundärliteratur zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung der Sklavenmoral, die Mitleidskritik und den Zusammenhang zwischen Nietzsches Biografie und seiner radikalen Moralkritik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Ressentiment, Herrenmoral, Sklavenmoral, Umwertung der Werte, Christentum-Kritik und psychische Gesundheit.
Wie bewertet die Autorin Nietzsches Kritik am Christentum?
Die Autorin erkennt zwar die Problematik des Ressentiments an, hält Nietzsches Forderungen jedoch für unsozial und lebensfremd, da sie die Komplexität menschlicher Natur ignoriert.
Welchen Einfluss hatte Nietzsches Biografie auf sein Werk?
Es wird diskutiert, ob seine isolierte Lebensweise und sein Abwehrkampf gegen die eigene religiöse Erziehung seine Sicht auf Moral und Gesellschaft maßgeblich geprägt haben.
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- Claudia Hoppe (Author), 2004, Über den Ressentiment-Begriff bei Friedrich Nietzsche, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113873