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'Frühe Störungen' - Eine psychoanalytische Betrachtung zum Missverständnis von Diagnose und Behandlung beim 'Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom'

Title: 'Frühe Störungen' - Eine psychoanalytische Betrachtung zum Missverständnis von Diagnose und Behandlung beim 'Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom'

Thesis (M.A.) , 2008 , 86 Pages , Grade: 1,1

Autor:in: Harald Bussenius (Author)

Pedagogy - Pedagogic Psychology
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Summary Excerpt Details

Anliegen der vorliegenden Arbeit ist, einen gezielten Blick aus psychoanalytischer Sichtweise auf die gängige Praxis der Diagnostik bei ‘ADHS’ zu werfen.
Zunächst werden psychoanalytische Gesichtspunkte, gezielter die Bindungstheorie, zum Verständnis beim Auftreten von ‘ADHS’ dargestellt. Anschließend erfolgt eine darstellende Inhaltsanalyse gängiger Diagnosepraxis und dabei angewendeter Diagnosemethoden bzw. –mittel.
Die Diagnostik wird auf dem Hintergrund analytischer Gesichtspunkte zum Verständnis von ‘ADHS’ auf ihre Brauchbarkeit aus analytischer Sicht hin untersucht. Ich vermute, dass die aktuelle diagnostische Praxis bei dem Verdacht auf ‘ADHS’ anhand standardisierter Verfahren den individuellen Verstehenshintergrund beim Verdacht auf ‘ADHS’ negiert und verleugnet.
Dadurch, so die These, werden wichtige Gesichtspunkte bei der Diagnostik übergangen und es kommt zum in der Praxis existierenden methodischen Bruch verschiedener therapeutischer Schulen, der letzten Endes das Kind und sein Lebensumfeld übergeht.
Anschließend wird diskutiert, ob die gängige Praxis heutiger Diagnostik bei dem Verdacht auf ‘ADHS’ nicht von Anfang an analytische Grundpositionen schlicht übergeht.
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Zusammenfassung

2. Einleitung

3. Begriffsbestimmung ‘ADHS’

4. Psychoanalytische Positionen beim Verständnis von ‘ADHS’

4.1. Störungen der Selbst- und Objektabgrenzung

4.2. Abwehr depressiver Gefühle mit Sexualisierung und Aggressivierung

4.3. Bindungs- und Trennungsstörungen

4.4. Analytisch-systemische Verstehensgründe

4.5. Neurophysiologische Hintergründe zum Verständnis von ‘ADHS’

4.6. Zusammenfassung psychoanalytischer Positionen

5. Diagnostik

5.1 Geschichte der Diagnostik beim ‘ADHS’

5.2. Zur Situation der Diagnostik beim ‘ADHS’

5.3. Praxis der Diagnosestellung

5.4. Diagnoseinstrumente

5.4.1. Intelligenzdiagnostik

5.4.2. Fragebogenverfahren zur Erfassung von Verdachtsmomenten auf das ‘ADHS’

5.4.2.1. Die Conners-Skala zur Verhaltensbeurteilung hyperaktiver Kinder

5.4.2.2. Der Stärken und Schwierigkeiten Fragebogen

5.4.2.3. Der Cargive-Teacher-Report Form

5.4.2.4. Die Child Behaviour Checklist (CBCL)

5.4.2.5. DISYPS

5.4.3. Projektive Verfahren

5.4.3.1. Familie-in-Tieren

5.4.3.2. Sceno-Test

5.4.4. Zusammenfassung Diagnose

6. Diagnostiker

6.1. Lehrer/ Pädagogen

6.2. Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten

6.3. Ärzte/ Psychiater

7. Diskussion

8. Schlussfolgerungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Magisterarbeit verfolgt das Ziel, die gängige Praxis der Diagnostik bei ADHS aus einer psychoanalytischen Perspektive kritisch zu hinterfragen und die biologistisch-medizinische Einseitigkeit des vorherrschenden Verständnisses aufzuzeigen.

  • Psychoanalytische Grundlagen zum Verständnis von ADHS unter besonderer Berücksichtigung der Bindungstheorie
  • Kritische Analyse der standardisierten, häufig computergestützten Diagnoseinstrumente und -praxis
  • Untersuchung der familiendynamischen und psychosozialen Faktoren als Ursachen für Verhaltensauffälligkeiten
  • Gegenüberstellung von neurophysiologischen Erklärungsansätzen und psychoanalytischen Verstehensmodellen
  • Herausarbeitung der Bedeutung von Beziehungserfahrungen und szenischem Verstehen für eine heilende Diagnostik

Auszug aus dem Buch

4.1. Störungen der Selbst- und Objektabgrenzung

Lars, 11 Jahre alt, wird von beiden Elternteilen zur psychotherapeutischen Behandlung vorgestellt. Er ist bereits in kinderpsychiatrischer Behandlung, erhält hoch dosiert Medikamente zur Eindämmung seines ‘ADHS’ durch das er in der Schule stark stört und zuhause nicht mehr steuerbar ist. Einerseits sind die Eltern mit der Medikation nicht einverstanden, andererseits wissen sie sich aber nicht anders zu helfen. Lars soll und muss funktionieren. Von Geburt an. Er selbst ist sehr aufmerksam bei dem Erstgespräch dabei, hört genau zu und kommentiert Ausführungen seiner Eltern. Er wünscht keine psychotherapeutische Behandlung, sieht sich aber genau in den Räumlichkeiten um.

Lars ist einziges Kind seiner Eltern, einem Gastwirtehepaar, das über der Gaststätte wohnt, in der beide berufstätig sind. Die Eltern der Mutter helfen bei der Erziehung aus, sind ausgesprochen nachgiebig, die Mutter pendelt zwischen Wohnung und Arbeitsplatz mit schlechtem Gewissen hin und her: Entweder wird sie ihre Ansprüchen an die Erziehung ihres Sohnes nicht gerecht oder sie erfüllt nicht die Ansprüche ihres Mannes, der sie dringend zur Mitarbeit in der Gastwirtschaft benötigt. So schaltet sie Lars oft und anhaltend den Fernseher ein, damit er seine Mutter nicht so vermisst und ruhig ist, während sie arbeiten geht. Anfangs erschien Lars häufig im Gastraum und suchte die Nähe zu seinen Eltern. Er wurde wieder in die Wohnung geschickt, wo seine Großmutter ihn – zu ihrer eigenen Beruhigung – vor den Fernseher setzte und ihm Essen anbot.

So gewöhnte sich Lars an eine mediale Welt, setzte alle Erwachsenen mit seinen Wünschen und einer Verweigerungshaltung unter Druck und macht eigentlich – sehr auf sich allein gestellt – was er will, was sich laufend in deutlichen Grenzüberschreitungen mit Gleichaltrigen im Dorf zeigt und die Umwelt appellativ zum haltenden, begrenzenden Handeln auffordert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Zusammenfassung: Die Arbeit stellt psychoanalytische Gesichtspunkte zur ADHS-Problematik dar und analysiert kritisch die gängige, primär standardisierte Diagnosepraxis.

2. Einleitung: Hier wird das Spannungsfeld zwischen dem vorherrschenden biologisch-genetischen Verständnis und der psychoanalytischen Betrachtungsweise als beziehungs- und sozialorientierter Sinnzusammenhang skizziert.

3. Begriffsbestimmung ‘ADHS’: Dieses Kapitel befasst sich mit der Unschärfe und Verwirrung, die durch die Vielzahl an Begriffen und die mangelnde diagnostische Präzision des Syndrombegriffs entstehen.

4. Psychoanalytische Positionen beim Verständnis von ‘ADHS’: Der Fokus liegt hier auf Konfliktmodellen, Bindungs- und Trennungsstörungen sowie der Funktion der Symptomatik als Abwehrmechanismus.

5. Diagnostik: Es erfolgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit Diagnoseinstrumenten, ihrer Anwendung in der Praxis und der Kritik an einer rein statistisch-psychometrischen Vorgehensweise.

6. Diagnostiker: Dieses Kapitel thematisiert die unklare Zuständigkeit und die konkurrierenden Interessen verschiedener Berufsgruppen innerhalb des Versorgungssystems.

7. Diskussion: Hier wird der Bedarf an interdisziplinären Kompetenznetzwerken betont, um über eine rein oberflächliche Diagnostik hinauszugehen und den Menschen in seiner Ganzheit zu erfassen.

8. Schlussfolgerungen: Die Arbeit schließt mit dem Plädoyer für ein tieferes Verständnis von ADHS, das Ursachenzusammenhänge und die Bedeutung korrigierender Beziehungserfahrungen in den Mittelpunkt stellt.

Schlüsselwörter

ADHS, Psychoanalyse, Bindungstheorie, Diagnostik, Verhaltensauffälligkeit, Psychodynamik, Erziehungsstil, Symptombildung, Kinderpsychotherapie, Beziehungsstörungen, Triangulierung, Fremdbeurteilung, medikamentöse Behandlung, Elternarbeit, subjektives Erleben.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die gängige diagnostische Praxis bei ADHS aus einer psychoanalytischen Perspektive und kritisiert die einseitige Fokussierung auf biologische Erklärungsmodelle.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind psychoanalytische Konfliktmodelle, die Rolle der Bindungstheorie, die Kritik an standardisierten Fragebogen-Verfahren sowie die Bedeutung des sozialen und familiären Umfelds.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, den "methodischen Bruch" in der aktuellen Diagnosepraxis aufzudecken, bei dem die individuelle Lebensgeschichte des Kindes hinter standardisierten, symptombasierten Verfahren zurücksteht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor führt eine darstellende Inhaltsanalyse gängiger Diagnosepraxen durch und stützt sich dabei auf psychoanalytische Theoriebildung und klinische Fallbeispiele.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert theoretische Positionen der Psychoanalyse, die Geschichte der Diagnostik, verschiedene Messinstrumente wie die Conners-Skala oder die CBCL sowie die Rolle der beteiligten Diagnostiker.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Psychoanalyse, ADHS, Bindungsstörungen, Diagnostik, Symptomentwicklung und soziale Beziehungsdynamik charakterisieren.

Warum lehnt der Autor eine rein medikamentöse Behandlung ab?

Er argumentiert, dass Medikamente oft nur Symptome unterdrücken, ohne den zugrunde liegenden beziehungsdynamischen Konflikt oder die seelische Notlage des Kindes zu bearbeiten.

Wie bewertet der Autor die Rolle der Eltern in der ADHS-Diagnostik?

Der Autor sieht in der Einbeziehung der Eltern einen essenziellen Aspekt, kritisiert jedoch, dass diese oft aus der Verantwortung entlassen werden, indem die Störung einseitig auf das Kind als "Symptomträger" projiziert wird.

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Details

Title
'Frühe Störungen' - Eine psychoanalytische Betrachtung zum Missverständnis von Diagnose und Behandlung beim 'Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom'
College
University of Hagen
Grade
1,1
Author
Harald Bussenius (Author)
Publication Year
2008
Pages
86
Catalog Number
V113937
ISBN (eBook)
9783640136858
ISBN (Book)
9783640137077
Language
German
Tags
Frühe Störungen Eine Betrachtung Missverständnis Diagnose Behandlung Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Harald Bussenius (Author), 2008, 'Frühe Störungen' - Eine psychoanalytische Betrachtung zum Missverständnis von Diagnose und Behandlung beim 'Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113937
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