Unternehmensverantwortung aus wirtschaftlicher, ethischer und moralischer Sicht. Eine Beurteilung wirtschaftlichen Handelns anhand eines fiktiven Beispiels


Hausarbeit, 2021

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Fallbeispiel

Problemstellung

Verantwortung hinsichtlich verschiedener Gesichtspunkte
Verantwortung gegenüber der Umwelt
Verantwortung gegenüber den ausländischen Arbeitnehmern
Verantwortung gegenüber der Gesellschaft
Verantwortung gegenüber den heimischen Angestellten
Verantwortung bei Misswirtschaft

Resümee

Literaturverzeichnis
Internetquellen:
Buchquellen:

Einleitung

„Es gibt Wirtschaft, es gibt Ethik - aber es gibt keine Wirtschaftsethik“1.

Mit diesem Zitat regt Niklas Luhmann viele Menschen zum Denken an. Schließt das eine das andere aus? Stehen Wirtschaft und Ethik wirklich in einem „Entweder - oder - Verhältnis“? Wir leben in einer Zeit, in der der alleinige Profit nicht nur im Fokus stehen darf.

In dieser Hausarbeit möchte ich die Tatsachen, Entscheidungen und Folgen von Wirtschaft aus ethischer und moralischer Sicht betrachten und analysieren.

Dabei soll gezeigt werden, welche Verantwortungen beim wirtschaftlichen Handeln getragen werden und wie sich bestimmte Entscheidungen sowohl auf verschiedene Gruppen als auch auf unterschiedliche Themenbereiche des Wirtschaftskreislaufes auswirken.

Anhand eines fiktiven Fallbeispiels soll herausgearbeitet werden, welche Verantwortungen Unternehmen bei wirtschaftlichen Entscheidungen tragen und inwiefern sich diese auf Umwelt, Personal und Gesellschaft (regional/weltweit) ausüben.

Die Analyse und Interpretation solch eines Themas spielen, besonders in der heutigen Zeit, eine wichtige Rolle. Der Klimawandel und die daraus resultierenden Umweltkatastrophen fordern aktuell langfristige Entscheidungen und Pläne, weshalb es von Bedeutung ist, sich auch mit wirtschaftlichen Themen auseinanderzusetzen und sich bewusst zu werden, welche Folgen wirtschaftliche Handlungen und Entscheidungen mit sich ziehen und, dass wir Menschen die Verantwortung dafür tragen!

Damit wird die Thematik auch Bestandteil der (evangelischen-) Religion, denn Religion befasst sich nicht nur mit Glauben, sondern auch mit der Ethik.

Ist mein Handeln ethisch oder moralisch vertretbar? Kann ich auch noch in der Zukunft zu dem stehen, was ich heute verrichte? Kann ich meine Taten auch noch morgen vertreten und mit reinem Gewissen in den Spiegel schauen..

Ethik zeigt also, dass Menschen sich Gedanken darüber machen sollten, was sie mit ihrem Handeln bewirken - und damit befasst sich auch diese Hausarbeit.

Fallbeispiel

Das Unternehmen „KartoffelHaus GmbH“ ist ein Traditionsunternehmen, welches seit Jahrzehnten die verschiedensten Kartoffelprodukte herstellt und auf den Markt bringt. Gegründet wurde das Unternehmen in einem ländlichen Gebiet in Niedersachsen, indem es auch heute noch seinen Sitz hat.

Mittlerweile werden 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.

Die KartoffelHaus GmbH bezieht ihre Kartoffeln bisher von regionalen Landwirten aus den naheliegenden Dörfern.

Zum Jahreswechsel plant die GmbH das neue Produkt „KartoffelSnacks“ auf den Markt zu bringen, welches, laut Marktanalyse, eine hohe Nachfrage und damit einen hohen Umsatz verspricht.

Nicht nur das Unternehmen selbst, sondern auch die regionalen Landwirte würden von dem neuen Produkt profitieren, da für die Produktion 40% mehr Kartoffeln bezogen werden müssen.

Nun liegt der KartoffelHaus GmbH aber ein Angebot eines amerikanischen Kartoffelvertriebes vor, der dem deutschen Unternehmen einen günstigeren Preis für die benötigte Kartoffelmenge anbietet als die regionalen Landwirte.

- Günstigstes Angebot eines regionalen Landwirts: 4,00€/Kg
- Angebot amerikanischer Vertrieb: 3,50€/Kg

Da das amerikanische Unternehmen schon einige Kunden im europäischen Raum vorweisen kann, ist die Anlieferung zum Produktionsstandort der KartoffelHaus GmbH, aus Kulanzgründen, kostenfrei.

Problemstellung

Für welche Variante sollte sich das Unternehmen entscheiden? Wie ist es moralisch, ethisch und wirtschaftlich abzuwägen, welchen Lieferanten die KartoffelHaus GmbH wählen sollte? Außerdem: Welche Verantwortung trägt das Unternehmen dabei? Ist diese zu tragen?

Verantwortung hinsichtlich verschiedener Gesichtspunkte

Die KartoffelHaus GmbH hat nun zwei Möglichkeiten. Entweder sie beziehen die Kartoffeln aus Amerika zu einem günstigeren Angebotspreis oder sie bleiben ihrem jahrelangen Landwirt treu. Die grundlegende Situation und die zu beachtenden Aspekte sind folgende:

Verantwortung gegenüber der Umwelt

Wenn das Unternehmen sich für den amerikanischen Partner entscheidet, importieren sie aus dem Ausland. Eine der Folgen ist, dass die Umwelt schwer mit Abgasen belastet wird.

So werden pro 100km Luftstrecke 10,52kg CO2-Emissionen in die Welt gesetzt.2 Das wären bei einem Langstreckenflug von Amerika nach Deutschland knapp 831kg CO2- Emissionen, die für den Import der Kartoffeln freigesetzt werden. Dabei sind die Abgase für den Transport des amerikanischen Landwirts zum Flughafen und von der Ankunft in Deutschland bis zur Produktionsstelle noch nicht mit inbegriffen.

Wenn die KartoffelHaus GmbH die Kartoffeln aber von ihrem regionalen Landwirt beziehen würde, wären das mindestens 90% weniger CO2-Emissionen, die bei der Anlieferung entstehen würden - was moralisch definitiv besser zu vertreten ist!

Diese Behauptung bestätigt unter anderem auch der Konsequentialismus.

Der Konsequentialismus beschreibt dabei folgende Tatsache:

„Sind die Folgen moralisch wünschenswert, so gilt dies auch für die Handlung“3 Ergänzend dazu gilt, dass die positiven Folgen einer Handlung überwiegen müssen.4 Die Konsequenzen von zu viel CO2-Emissionen zeigen sich in der heutigen Zeit mehr als deutlich: Umweltkatastrophen, Verschmutzung der Natur, Anstieg des Wasserspiegels... Ethisch gesehen spricht es somit dagegen, den amerikanischen Anbieter zu wählen. Die oben genannten Folgen sind weder verantwortbar noch als positive Folge zu deuten.

Auch moralisch gesehen, spricht die Wahl des ausländischen Anbieters dagegen. Dies zeigt sich beispielsweise am fünften Gebot: „Du sollst nicht töten“5.

Durch die Verschmutzung der Umwelt haben wir Menschen zu verantworten, dass Tiere sterben oder ihnen ihr Lebensraum für Profitgier genommen wird. Mehr Produktion bedeutet mehr Raum zur Herstellung und mehr benötigte Rohstoffe, die wir der Natur nehmen, wie beispielsweise die Rodung des Regenwaldes. Wenn es um Profitmaximierung geht, steht für meisten Unternehmen die Wirtschaft im Vordergrund und nicht die Umwelt.

Unter dem Strich führt die profitorientierte Wirtschaft meist zum Leid der Umwelt.

Damit spiegelt sich der Verstoß gegen das fünfte Gebot wider.

Dies ist weiteres Argument dafür, dass die Entscheidung für Amerika eine moralisch nicht vertretbare Position ist!

Mit Blick auf die Umwelt und dessen Nachhaltigkeit wäre es also ethisch sinnvoller bei einem regionalen Anbieter zu bleiben.

Wirtschaftlich gesehen, bringt dies auch einen Vorteil, da sich vor allem die jüngeren Generationen immer mehr auf den Umweltschutz achten und Wert darauflegen, woher ihre Produkte stammen.

Die KartoffelHaus GmbH könnte beispielsweise mit dem Slogan: „Regional ist erste Wahl!“ werben.

Für viele Verbraucher ist das ein großer Gesichtspunkt beim Kauf ihrer Produkte.

Es lässt sich darauf schließen, dass der umweltbelastende Import einen wirtschaftlichen Nachteil für das Unternehmen bringen könnte.

Die Verbraucher könnten die nicht umweltfreundliche Produktion boykottieren und somit das Unternehmen, wegen seines schlechten Images (schlechte Umweltbilanz oder kaum vorhandener Nachhaltigkeit), in den Ruin treiben.

Aus moralischer Perspektive der Verbraucher könnte dies gerechtfertigt werden. Vom Umsatz her mal abgesehen, regen die Konsumenten somit das Unternehmen an, sich regional und umweltfreundlich zu orientieren und „zwingen“ die GmbH ethisch vertretbar und nicht gewinnmaximierend zu handeln.

Verantwortung gegenüber den ausländischen Arbeitnehmern

Wenn sich die KartoffelHaus GmbH für den ausländischen Lieferanten entscheiden würde, würde das Unternehmen auch einen Teil der arbeitsrechtlichen Verantwortung gegenüber den amerikanischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern tragen.

Dabei muss das Unternehmen beachten, dass die Arbeitsbedingungen sowie die Gesetzmäßigkeiten anders, teils auch schlechter ausgelegt sind als in Deutschland.

So belegen Studien, dass die Arbeitsbedingungen beispielsweise härter als in Deutschland sind und die Arbeitnehmer niedrigere Gehälter für überdurchschnittlicheren Einsatz (Fünfzig- Stunden-Wochen) erhalten.6

Die Menschen arbeiten hart für wenig Lohn. Die GmbH würde also diese Bedingungen unterstützen und dafür sorgen, dass mächtige Konzerne weiter ihre unterbezahlten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausbeutet - und dies ist moralisch und ethisch nicht vertretbar! Denn wie sollte man moralisch vertreten können, dass Menschen für den Profit anderer ausgenutzt werden?

So muss das Unternehmen auch beispielsweise mit Kinderarbeit rechnen und es wäre definitiv unmoralisch zu akzeptieren, dass Kinder nicht zur Schule gehen können.7 Genauso unmoralisch ist es auch, den Menschen im Ausland ihre Freiheit zu nehmen, um günstige Arbeitskräfte einzustellen und diese dann unter ihrer Würde ihre Arbeit bewältigen zu lassen.8 Die Arbeitnehmer leiden unter schlechten Bedingungen (psychisch, physisch und finanziell) und durch die Verarbeitung derer Kartoffeln (ihre Arbeit), wird sich dies nicht ändern. Denn: Nachfrage bestimmt das Angebot!

Auch ethisch ist die Tatsache nicht zu unterstützen. Die Handlung, also die Ernte der Kartoffeln, ist wirtschaftlich gesehen zwar positiv zu bewerten, dennoch ist die Arbeit und die Tätigkeit dahinter verwerflich. Zwar können durch die Einsparungen bei z.B. der Kartoffelernte finanzielle Einsparungen ermöglicht werden, aber trotzdem stellen die im Endeffekt billigeren Produkte keine Folge einer positiven Handlung dar.

Das Unternehmen muss sich bewusst sein, dass sie schlechte Arbeitsbedingungen unterstützen und, für ihren unternehmerischen wirtschaftlichen bzw. finanziellen Vorteil, Menschen aus anderen Ländern ausgebeutet werden.

Ethisch könnte als „Handlungsalternative“ ein Ethikkodex bzw. Verhaltenskodex vereinbart werden. Dabei könnten die wesentlichen Regelungen und Forderungen an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgelistet werden und wie diese abzulaufen haben. So wird klar geregelt, welche Forderungen das Unternehmen hat und welche Richtlinien dabei eingehalten werden müssen.9

Verantwortung gegenüber der Gesellschaft

Hinsichtlich der Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, hängen die entsprechenden Folgen von der Entscheidung des Unternehmens ab.

Sollte sich die KartoffelHaus GmbH für den amerikanischen Anbieter entscheiden, könnte das Produkt dem Endverbraucher kostengünstiger angeboten werden. Moralisch gesehen ist dies damit ein positives Argument für den Händler. Die Gesellschaft hat weniger für den Artikel zu zahlen, als wenn die Kartoffeln regional geordert werden würden. Das Unternehmen bietet seinen Kunden die Chance, sich das Produkt leisten zu können. So könnten sich beispielsweise auch sozial schwächere Familien den Snack leisten. Dies würde wiederum auch bedeuten, dass der Absatz steigen würde, da sich mehr Menschen das neue Produkt leisten könnten. Moralisch führt die Entscheidung, in Bezug auf die Gesellschaft, also zu einem positiven Endergebnis.

Wenn das Unternehmen sich für den regionalen Landwirt entscheidet, würde der Snack automatisch teurer werden. Dementsprechend würden sich immer weniger Menschen das Produkt leisten können und eventuell würde da einhergehend auch der Absatz sinken. Moralisch wäre die Entscheidung zum einen gut zu beurteilen, weil der Landwirt unterstützt wird, zum anderem ist die Entscheidung aber auch zu kritisieren, weil der Snack sich zu einem „Luxusprodukt“ entwickeln und sich damit immer weniger Menschen finanziell zur Verfügung stehen würde.

Natürlich könnte hierbei auch die Argumentation hinsichtlich der Umwelt hinzugezogen werden. Wenn die Kartoffeln aus dem Ausland bezogen werden, schadet dies der Umwelt. Im Umkehrschluss schadet das Unternehmen also auch den Menschen, die früher oder später darunter leiden werden. Die KartoffelHaus GmbH trägt also auch hier die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, weil sie den Lebensraum der Menschen beispielsweise verunreinigen und die Klimakrise mit einem hohen CO2-Ausschuss weiter negativ beeinflussen.

[...]


1 Vgl. Bähring, M. [Hrsg.] (2021): Luhmann Lügen strafen. Online verfügbar unter: https://www.efellows.net/Karriere/Beruf-und-Karriere/Wirtschaftsethik/(page)/all [Letzter Aufruf: 12.09.2021, 12:32Uhr].

2 Vgl. Spohr, C. (2020): Treibstoffverbrauch und Emissionen. Online verfügbar unter: https://www.lufthansagroup.com/de/verantwortung/klima-umwelt/treibstoffverbrauch-und-emissionen.html [Letzter Aufruf: 19.08.2021, 17:36 Uhr].

3 Schleissing, S. (2017): Die wichtigsten Moraltheorien - Wie begründe ich moralisch richtiges Handeln? https://www.pflanzen-forschung-ethik.de/ethik/1498.ethik-moraltheorien.html [Letzter Aufruf: 19.08.2021, 21:01 Uhr].

4 Vgl. ebd.

5 Luther, M. (1529): Der kleine Katechismus. Nach dem Erfurter Abdruck editio princeps, Erfurt.

6 Vgl. Kröner, T. (o.J.): Arbeiten in den USA. Online verfügbar unter: https://www.westen-usa.de/arbeiten-in- den-usa.php [Letzter Aufruf: 20.08.2021, 14:21 Uhr].

7 Vgl. Brühl, R. (2018): Corporate Social Responsibility. München, Verlag Franz Vahlen. Seite 75.

8 Vgl. ebd.

9 Vgl. Lütge, C.& Uhl, M. (2018): Wirtschaftsethik. München, Verlag Franz Vahlen. Seite 173.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Unternehmensverantwortung aus wirtschaftlicher, ethischer und moralischer Sicht. Eine Beurteilung wirtschaftlichen Handelns anhand eines fiktiven Beispiels
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
13
Katalognummer
V1141155
ISBN (eBook)
9783346518910
ISBN (Buch)
9783346518927
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaftsethik, Unternehmensethik, Unternehmensverantwortung, Moral, Wirtschaft, ethisch, moralisch
Arbeit zitieren
Gesa Krebs (Autor:in), 2021, Unternehmensverantwortung aus wirtschaftlicher, ethischer und moralischer Sicht. Eine Beurteilung wirtschaftlichen Handelns anhand eines fiktiven Beispiels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1141155

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