Die Arbeit konzentriert sich auf eine kritische Würdigung der Gewinnrealisierung bei langfristigen Fertigungsaufträgen, insbesondere auf die Methoden der Gewinnrealisierung. Ziel dieser Arbeit ist, einen kritischen Literaturvergleich zwischen der Gewinnrealisierung bei langfristigen Fertigungsaufträgen nach handelsrechtlichen GoB und der Gewinnrealisierung nach IFRS 15 zu erarbeiten. Dabei wird vor allem auf den IFRS 15 eingegangen.
Um einen Vergleich zwischen Handelsrecht und IFRS erarbeiten zu können, ist es zunächst wichtig, den Begriff eines langfristigen Fertigungsauftrages zu erläutern. Im darauf folgenden Gliederungspunkt 3 wird die Gewinnrealisierung nach handelsrechtlichen GoB untersucht. In diesem Rahmen werden die Gewinnrealisierungskriterien nach der Rechtsprechung und die unterschiedlichen Bewertungsmethoden auf Zulässigkeit untersucht. Im Gliederungspunkt 4 wird die Gewinnrealisierung nach IFRS 15 dargestellt. Dazu wird erst die Entstehungsgeschichte des IFRS 15 erläutert, dann das neue Modell zur Erlöserfassung und anschließend die Percentage-of-Completion- Methode erarbeitet. Die Arbeit schließt mit einer thesenförmigen Zusammenfassung der Ergebnisse.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
2 Definition langfristige Fertigungsaufträge
3 Gewinnrealisierung nach handelsrechtlichen GoB
3.1 Gewinnrealisierungskriterien nach der Rechtsprechung
3.1.1 Prinzip des quasisicheren Anspruchs
3.1.2 Gewinnrealisierung der zugrundeliegenden Zivilrechtsstruktur
3.2 Methoden zur Realisierung von langfristigen Fertigungsaufträgen
3.2.1 Completed-Contract-Methode
3.2.3 Percentage-of-Completion-Methode
3.2.4 Möglichkeiten der echten Teilgewinnrealisierung
4 Gewinnrealisierung nach IFRS 15
4.1 Entstehungsgeschichte IFRS 15 und Umstellung
4.2 Das fünfstufige Modell der Erlöserfassung nach IFRS 15
4.3 Herausforderungen bei der Langfristfertigung nach der Percentage-of-Completion Methode
4.4 Aktivierung von Vertragskosten nach IFRS 15
5 Thesenförmige Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch die Unterschiede in der Umsatz- und Gewinnrealisierung bei langfristigen Fertigungsaufträgen zwischen den nationalen handelsrechtlichen Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) und dem internationalen Standard IFRS 15. Das primäre Ziel ist ein Literaturvergleich, um die Auswirkungen beider Regelwerke auf die Darstellung der Ertragslage von Unternehmen, insbesondere in der Baubranche, aufzuzeigen.
- Prinzipien der Gewinnrealisierung nach HGB und IFRS
- Methoden der langfristigen Fertigungsauftragsbilanzierung (Completed-Contract vs. PoC)
- Analyse des 5-Stufen-Modells zur Erlöserfassung nach IFRS 15
- Kritische Würdigung der Ergebnisverzerrungen und Transparenz
- Aktivierung von Vertragskosten unter den neuen internationalen Standards
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Completed-Contract-Methode
In diesem Punkt werden die beiden Möglichkeiten der Bewertung von periodenübergreifender Fertigungsaufträgen nach HGB dargestellt. Bei der Completed-Contract-Methode werden Umsatzerlöse erst nach der Fertigstellung eines Auftrages bilanziert und nicht während der Herstellung. Diese Methode beruht auf dem Realisationsprinzip. Wird der Auftrag abgenommen, so dürfen erst dann die Umsatzerlöse der vorigen Perioden ausgewiesen werden. Wie im Anhang mit Tabelle 1 dargestellt, kann das Beispielunternehmen erst nach Abnahme des Auftrages die Umsatzerlöse von 4500 € im Jahr 03 ausweisen. Das heißt der Realisationszeitpunkt befindet sich im Jahr 03. Im Jahr 01 und Jahr 02 sind keine Umsatzerlöse ausgewiesen. Bis zu diesem Zeitpunkt sind die Leistungen oder Lieferungen mit ihren Herstellungskosten zu bewerten.
Das Beispielunternehmen hat die Bestandsveränderungen zur Herstellkostenuntergrenze bilanziert. Die Bewertung zu der Herstellungsuntergrenze ist eine Möglichkeit der Completed-Contract-Methode. Kosten für die Herstellungsuntergrenze sind Kosten, wie „Materialkosten, die Fertigungskosten und die Sonderkosten der Fertigung sowie angemessene Teile der Materialgemeinkosten, der Fertigungsgemeinkosten und des Werteverzehrs des Anlagevermögens […]“. „Zinsen für Fremdkapital gehören nicht zu den Herstellungskosten […]“. Das lässt sich auch an dem Beispiel in Tabelle 1 erkennen. In jedem Jahr wurden kontinuierlich die Aufwendungen von 1000 € ausgewiesen. Dem 1000 € Aufwand sind aber nur 800 € Bestandsveränderung gegenüber gestellt, da nur die o.g. Kosten einbezogen wurden.
Nachteil dieser Methode ist, dass der ausgewiesene Erlös nicht nur in der ausgewiesenen Periode erwirtschaftet wurde. Zudem werden in der Periode der Fertigstellungen nicht alle Herstellungskosten ausgewiesen, sondern ein großer Teil davon wurde in den vorigen Perioden bilanziert. Dadurch werden große Schwankungen im Fertigungsverlauf bilanziert, die grundlegend nicht durch die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens verursacht wurden, sondern durch die Vorschriften des HGB verursacht wurden. Problematisch ist das für die Auswertung der Ertragslage eines Unternehmens und die Gewinnausschüttung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung: Einführung in die Problematik der Erlöserfassung bei Bauunternehmen und Zielsetzung des Vergleichs zwischen HGB und IFRS 15.
2 Definition langfristige Fertigungsaufträge: Abgrenzung und Definition von Aufträgen, deren Abwicklung sich über mehrere Geschäftsjahre erstreckt.
3 Gewinnrealisierung nach handelsrechtlichen GoB: Detaillierte Analyse der Kriterien und Methoden zur Gewinnrealisierung unter Berücksichtigung des Vorsichtsprinzips im deutschen Handelsrecht.
4 Gewinnrealisierung nach IFRS 15: Erläuterung des internationalen Standards inklusive des fünfstufigen Erlöserfassungsmodells und spezieller Herausforderungen bei langfristigen Aufträgen.
5 Thesenförmige Zusammenfassung: Komprimierte Darstellung der zentralen Ergebnisse und Unterschiede zwischen den bilanzrechtlichen Ansätzen.
Schlüsselwörter
Gewinnrealisierung, langfristige Fertigungsaufträge, IFRS 15, Handelsrecht, HGB, Realisationsprinzip, Vorsichtsprinzip, Completed-Contract-Methode, Percentage-of-Completion-Methode, Erlöserfassung, Fertigungsgrad, Transaktionspreis, Bauwirtschaft, Vertragskosten, Teilgewinnrealisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der bilanziellen Behandlung von langfristigen Fertigungsaufträgen und der Frage, wie Umsätze und Gewinne periodengerecht ausgewiesen werden können.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die nationale Rechnungslegung nach Handelsgesetzbuch (HGB) und die internationale Rechnungslegung nach IFRS 15, speziell im Kontext der Bauwirtschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist ein kritischer Literaturvergleich, um aufzuzeigen, wie sich die unterschiedlichen Methoden der Gewinnrealisierung auf die Ertragslage eines Unternehmens auswirken.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die einen kritischen Literaturvergleich und eine systematische Analyse von Bilanzierungsvorschriften durchführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die handelsrechtlichen GoB, die Methoden der Completed-Contract- und Percentage-of-Completion-Rechnung sowie das umfassende 5-Stufen-Modell des IFRS 15.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen das Realisationsprinzip, die Erlösrealisierung, Fertigungsgrade sowie die Unterscheidung zwischen zeitpunkt- und zeitraumbezogener Umsatzrealisierung.
Warum ist die Completed-Contract-Methode nach HGB problematisch für die Ertragslage?
Sie führt oft zu einer zeitlichen Verzerrung des Ergebnisses, da Umsatzerlöse erst bei Fertigstellung ausgewiesen werden, während die Aufwendungen über die Bauphase verteilt anfallen.
Wie unterscheidet sich der IFRS 15-Ansatz von der bisherigen HGB-Systematik?
IFRS 15 fokussiert stärker auf den Kontrollübergang und bietet ein standardisiertes 5-Stufen-Modell, das die Erlöserfassung unabhängig vom traditionellen, strengen Vorsichtsprinzip des HGB präzisiert.
- Arbeit zitieren
- Bachelor of Arts Anna Prinzler (Autor:in), 2018, Gewinnrealisierung bei langfristigen Fertigungsaufträgen. Kritische Würdigung der Gewinnrealisierung nach handelsrechtlichen GoB im Vergleich zu IFRS 15 "Revenue from Contracts with Customers", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1142526