Gegenstand dieser Arbeit sind die geänderten Anforderungen an das Controlling im liberalisierten Energiemarkt. Dabei werde ich mich hauptsächlich auf den deutschen Markt konzentrieren. Meine Tätigkeit in einem regionalen Erdgasversorger fließt als bewusste Abgrenzung zu den Branchenriesen ein.
Die Energiewirtschaft befindet sich derzeit wieder in einer Übergangsphase. Die ausgeprägten monopolistischen Strukturen sind beseitigt. Ein funktionierender Wettbewerb besteht, dessen Außenwahrnehmung verzerrt ist. Energiehunger der Schwellenländer, Verknappung von Ressourcen, steigende Abhängigkeiten der europäischen Märkte, Klimawandel, Verbraucherschutz sind Fragestellungen, auf die Politik und Wirtschaft Antworten sucht - Marktwirtschaft oder staatliche Regulierung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Energiewirtschaft – vom Versorger zum Energiedienstleister
2.1 Liberalisierte Energiemärkte
2.2 Das Energiewirtschaftsgesetz von 2005
2.3 Energieversorgungsunternehmen im Wandel
2.3.1 Gesetzlich bedingte Änderungen - Unbundling
2.3.2 Wettbewerbs bedingte Änderungen
3. Controlling
3.1 Controlling in Unternehmen
3.2 Controlling im Energieversorgungsunternehmen vor der Liberalisierung
3.3 Herausforderungen durch neue Bedingungen
3.3.1 Controlling unter Unbundling-Bedingungen
3.3.2 Controllingaufgaben in einem regionalen Gasversorger
3.4 Absehbare Änderungen/Entwicklungen
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die grundlegenden Veränderungen der Anforderungen an das Controlling in deutschen Energieversorgungsunternehmen infolge der Liberalisierung der Energiemärkte und der gesetzlichen Anforderungen zur Entflechtung (Unbundling). Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Controlling als zentrales Steuerungsinstrument auf die neuen regulatorischen und wettbewerblichen Rahmenbedingungen reagieren muss.
- Auswirkungen der Liberalisierung auf die Strategie von Energieversorgungsunternehmen
- Strukturwandel vom klassischen Energieversorger zum Energiedienstleister
- Die Rolle des Controllings unter den Bedingungen des gesetzlich geforderten Unbundling
- Praxisbeispiele zur Kostensteuerung und Wirtschaftlichkeitsbetrachtung bei regionalen Gasversorgern
- Anpassung von Berichtswesen und Planungsprozessen an regulatorische Vorgaben
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Controlling unter Unbundling-Bedingungen
Die Neuregelung des Energiewirtschaftsrechts, beginnend mit der Energierechtsnovelle von 1998 und dem Zweiten Gesetz zur Neuregelung des Energiewirtschaftsrechts vom Juli 2005, brachten die derzeit aktuellsten Umwälzungen in der Geschichte der Energieversorgung in Deutschland. Die Forderung der Politik, eine dienstleistungsorientierte, kundenfreundliche und kostengünstige Energiebereitstellung durch Einführung eines regulierten Wettbewerbes zu erreichen, ist dabei schon der Widerspruch an sich. Auf alle Fälle zwingt es die EVU wettbewerbsfähige Unternehmen zu schaffen und gleichzeitig den Forderungen regulierender Behörden nachzukommen.
Für das Controlling ergab sich eine Vielzahl von Änderungen, neue Aufgaben standen an.
Als erste Schritte waren die verschiedenen Formen des Unbundling in den EVU umzusetzen. Das EVU wurde plötzlich nicht mehr als Gesamtunternehmen betrachtet. Der Netzbereich bekam eine eigenständige Bedeutung.
Die Trennung des Netzbereiches vom Handel und den Shared Services ist nicht nur eine organisatorische Angelegenheit. Zur Umsetzung des informatorischen Unbundling mussten neue Ansätze her. Jedem Händler, also nicht nur dem aus dem eigenen Unternehmen, müssen diskriminierungsfrei die Informationen aus dem Netzbereich zugänglich sein. Das heißt im Umkehrschluss, der eigene Handler darf keine Informationsvorteile genießen. Die bestehenden Informationssysteme müssen daraufhin überprüft werden. Der Controlling-Ansatz als systemkoppelnd/koordinierend muss angepasst werden. Die Schnittstellen, wer wann welche Informationen im EVU bekommen darf und sie bekommt, wurden geändert. Zum Beispiel müssen Zugriffsrechte auf IT-Systeme angepasst werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die veränderten Rahmenbedingungen für das Controlling in der liberalisierten deutschen Energiewirtschaft ein.
2. Energiewirtschaft – vom Versorger zum Energiedienstleister: Das Kapitel beschreibt den Wandel der Branche von monopolistischen Strukturen hin zum Wettbewerb und erläutert die Auswirkungen gesetzlicher Rahmenbedingungen wie des EnWG 2005.
3. Controlling: Hier werden die Grundlagen des Controllings in Unternehmen sowie die spezifischen Anforderungen und Herausforderungen durch die Liberalisierung und das Unbundling in Energieversorgungsunternehmen detailliert analysiert.
4. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einem Ausblick auf die fortwährende Dynamik der Branche und die notwendige, permanente Anpassung des Controllings in allen Unternehmensbereichen.
Schlüsselwörter
Controlling, Energiewirtschaft, Unbundling, Liberalisierung, Energieversorgungsunternehmen, Netznutzungsentgelt, Energiedienstleister, Regulierungsbehörde, Kostenstellenrechnung, Wettbewerb, Energiehandel, Entflechtung, Unternehmenssteuerung, Anreizregulierung, Netzbetrieb.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt die transformativen Anforderungen an das Controlling innerhalb der deutschen Energiewirtschaft, die durch die Marktliberalisierung und das gesetzlich vorgeschriebene Unbundling entstanden sind.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zentrale Themen sind die Transformation vom Versorger zum Dienstleister, die verschiedenen Ausprägungen des Unbundling (informatorisch, operativ, legal, ownership) sowie die daraus resultierenden notwendigen Anpassungen im Controlling.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist die Darstellung der veränderten Aufgaben und Instrumente des Controllings, um die Steuerung von Energieversorgungsunternehmen unter komplexen, neuen regulatorischen Vorgaben sicherzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt einen analytischen Ansatz, der theoretische Rahmenbedingungen mit den praktischen Erfahrungen eines regionalen Erdgasversorgers verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen und aktuellen Rahmenbedingungen der Energiewirtschaft, definiert die Anforderungen des Controllings unter Unbundling-Bedingungen und illustriert diese anhand des Praxisbeispiels "SpreeGas".
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Controlling, Energiewirtschaft, Unbundling, Marktliberalisierung und Netzbetrieb beschreiben.
Warum ist das "informatorische Unbundling" so kritisch für das Controlling?
Es verlangt eine strikte Trennung von Informationen zwischen Netz und Handel, was die Überarbeitung sämtlicher Informationssysteme und Schnittstellen erforderlich macht, um wettbewerbsrechtliche Diskriminierungsfreiheit zu garantieren.
Inwiefern hat sich die Investitionsrechnung für Energieversorger verändert?
Investitionen basieren nicht mehr auf der Gesamtunternehmensbetrachtung, sondern müssen nun unter den Gesichtspunkten der neuen, durch Regulierungsbehörden genehmigten Netznutzungsentgelte auf ihre Wirtschaftlichkeit geprüft werden.
- Quote paper
- Jörg Schulze (Author), 2008, Controlling–Anforderungen in der Energiewirtschaft unter Unbundling-Bedingungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114451