In der folgenden Arbeit soll das Vorgehen bei der Testerstellung des fiktiven „eignungsdiagnostischen Lernfähigkeitstests“ (ELFT) erläutert werden.
Der Theorieteil behandelt verschiedene Themen, die für die Erstellung des Tests relevant sind. Dazu zählt v. a. die Darstellung der wichtigsten theoretischen Grundlagen zum Konstrukt der Lernfähigkeit. Im Anwendungsteil der Arbeit wird die Testplanung, die Testkonstruktion sowie der Abschluss der Testentwicklung im Detail beleuchtet. Schritte, wie die Itemgenerierung oder die Erprobung der vorläufigen Testversion werden dabei ausführlich beschrieben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Rahmen
2.1 Eignungsdiagnostik
2.2 Qualitätsmerkmale psychometrischer Tests
2.3 Definition und Messung der Lernfähigkeit
2.4 Vorgehen bei der Testerstellung
2.5 Zusammenfassung der bisherigen Erkenntnisse
3. Zur Entwicklung des eignungsdiagnostischen Lernfähigkeitstests (ELFT)
3.1 Testplanung
3.2 Testkonstruktion
3.2.1 Testaufbau und Layout
3.2.2 Itemkonstruktion
3.2.3 Antwortformate und Itemtypen
3.2.4 Itemreihenfolge als Fehlerquelle beim Antwortverhalten
3.3 Erprobung der vorläufigen Testversion
4. Diskussion
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der Entwicklung eines eignungsdiagnostischen Lernfähigkeitstests (ELFT), um die Anpassungsfähigkeit von Bewerbern im Kontext der Personalauswahl zuverlässig und valide zu erfassen. Ziel ist es, ein auf der Klassischen Testtheorie basierendes Instrument zu konzipieren, das psychometrische Standards erfüllt und den Anforderungen an eine ökonomische, objektive Bewerberauswahl gerecht wird.
- Grundlagen der Eignungsdiagnostik und Qualitätsmerkmale psychometrischer Verfahren
- Multidimensionale theoretische Fundierung des Konstrukts Lernfähigkeit
- Systematische Phasen der Testplanung und -konstruktion (Itemgenerierung, Antwortformate)
- Methoden zur empirischen Erprobung und Validierung der Testversion
- Diskussion von Herausforderungen wie Antworttendenzen und Skalierung
Auszug aus dem Buch
3.2.4 Itemreihenfolge als Fehlerquelle beim Antwortverhalten
Im Rahmen der Itemgenerierung muss dem Testersteller bewusst sein, welche möglichen Fehlerquellen beim Antwortverhalten auftreten können. Schon angeschnitten wurden die Aspekte „soziale Erwünschtheit“ bzw. „Faking Good“ sowie „Tendenz zur Mitte“, wobei es noch viele weitere Probleme im Rahmen der Itembeantwortung geben kann. An dieser Stelle sollen speziell Effekte diskutiert werden, die bei der Festlegung der Itemreihenfolge von Bedeutung sind. Die Anordnung der Items eines Persönlichkeitstest folgt i. d. R. dem Prinzip der Randomisierung. Demzufolge werden die Items zu verschiedenen Facetten des interessierenden Merkmals miteinander vermischt und nicht in Form von Themenblöcken präsentiert. Damit lässt sich die Augenscheinvalidität und versch. Antworttendenzen verringern. (Brandt & Moosbrugger, 2020, S. 56)
Konkrete Effekte, die der Itemreihenfolge geschuldet sein können, sind zum Beispiel sog. Ankereffekte. Unter diese Gruppe fallen Effekte, die durch ein Aufeinanderfolgen von Informationen und Items entstehen. Gemeint ist also, dass ein aktuelles Item aufgrund des vorherigen Items anders beantwortet wird als bei einer separaten Präsentation. Die vorherigen Items werden vom Testanwender als eine Art Orientierungsrahmen (Anker) erlebt und beeinflussen folglich das Antwortverhalten der darauffolgenden Fragen. Zu dieser Kategorie zählen u. a. Konsistenzeffekte. Testpersonen antworten auf aufeinanderfolgende Items ähnlicher als dies bei unabhängiger Darstellung der Fall gewesen wäre, da die Testanwender (unbewusst) versuchen ein durchgängiges Bild im Antwortmuster zu erzeugen. Das Gegensätzliche ist bei Kontrasteffekten zu beobachten, wenn Antworten durch das gemeinsame Auftreten von Items unterschiedlicher ausfallen. (Moosbrugger & Brandt, 2020b, S. 85) Eine wirkungsvolle Maßnahme, um eine vergrößerte Distanz zwischen den Items zu erschaffen ist die oben erwähnte Randomisierung über die Grenzen der Dimensionen hinweg. (Moosbrugger & Brandt, 2020b, S. 85)
Folgt auf eine eher spezifische Frage eine allgemeine Frage zu einem bestimmten Thema, kann die direkte Aufeinanderfolge zu sog. Subtraktionseffekten führen. So könnte das Item „Unter Zeitdruck kann ich mich gut konzentrieren“ dazu führen, dass bei der Beantwortung des folgenden Items „Allgemein habe ich eine hohe Konzentrationsfähigkeit“ nur Situationen in die Urteilsbildung miteinfließen, die nicht in Verbindung mit Zeitdruck gebracht werden. Soll in diesem Fall die Konzentration in spezifischen Situationen und allgemein erfasst werden, können die Items möglichst getrennt voneinander positioniert werden. (Moosbrugger & Brandt, 2020b, S. 86)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Bedeutung der Lernfähigkeit in der heutigen Berufswelt und skizziert den Aufbau der Arbeit hin zur Entwicklung des ELFT.
2. Theoretischer Rahmen: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Einordnung in die Eignungsdiagnostik, erläutert Gütekriterien psychometrischer Tests und definiert das multidimensionale Konstrukt der Lernfähigkeit.
3. Zur Entwicklung des eignungsdiagnostischen Lernfähigkeitstests (ELFT): Das Hauptkapitel beschreibt detailliert den gesamten Prozess der Testentwicklung, von der Planung über die Itemkonstruktion und Wahl der Antwortformate bis hin zur empirischen Erprobung.
4. Diskussion: Die Diskussion reflektiert kritisch über die Herausforderungen bei der Erfassung der Lernfähigkeit, den Einfluss von Antwortverzerrungen und die methodischen Anforderungen an die Testvalidierung.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit bewertet den ELFT als vielversprechende Ergänzung in der Personalauswahl und plädiert für einen modernen, multimethodalen Ansatz in der Eignungsdiagnostik.
Schlüsselwörter
Lernfähigkeit, Eignungsdiagnostik, Personalauswahl, psychometrische Tests, Testkonstruktion, Itemgenerierung, Reliabilität, Validität, Persönlichkeitstest, Beurteilungsaufgaben, Ratingskalen, Itemreihenfolge, Testplanung, berufliche Eignung, multidimensionales Konstrukt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der konzeptionellen Entwicklung eines neuen eignungsdiagnostischen Verfahrens zur Erfassung der Lernfähigkeit von Bewerbern.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Eignungsdiagnostik, die psychometrische Testtheorie, die Definition der Lernfähigkeit und die praktische Konstruktion von Testitems.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die Ausarbeitung eines systematischen Vorgehensplans zur Erstellung des Eignungsdiagnostischen Lernfähigkeitstests (ELFT) zur Anwendung in der Bewerberauswahl.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf den Prinzipien der Klassischen Testtheorie (KTT) und nutzt eine Literaturanalyse zur Fundierung der Testkonstruktionsschritte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Testplanung, die Itemkonstruktion, die Definition geeigneter Antwortformate sowie Methoden zur empirischen Erprobung und Validierung der Testversion detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Lernfähigkeit, Eignungsdiagnostik, Personalauswahl, psychometrische Gütekriterien, Itemkonstruktion und Validität.
Warum wird die Lernfähigkeit als multidimensionales Konstrukt betrachtet?
Auf Basis der Literatur (insb. Paulus, 1999) wird Lernfähigkeit nicht als einzelnes Merkmal, sondern als Zusammenspiel von kognitiven, emotionalen und motivationalen Facetten definiert.
Welches Antwortformat wird für den ELFT vorgeschlagen und warum?
Es werden bipolare, vollständig verbalisierte Ratingskalen vorgeschlagen, da diese ökonomisch auswertbar sind und eine objektive Beurteilung des Zutreffens von Aussagen auf die Testperson erlauben.
Welche Rolle spielt die Itemreihenfolge bei der Testkonstruktion?
Die Itemreihenfolge ist entscheidend, um Antwortverzerrungen wie Ankereffekte, Konsistenzeffekte oder Subtraktionseffekte durch Randomisierung zu minimieren.
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- Daline Ostermaier (Author), 2021, Testtheorie und Testkonstruktion. Vorgehensweise bei der Erstellung eines eignungsdiagnostischen Lernfähigkeitstests zur Bewerberauswahl, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1144526