Unterschiede zwischen Männern und Frauen in Einstellung, Wahrnehmung, Unterrichts- und Erziehungsstil


Hausarbeit, 2006

11 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Männliche und weibliche Identitätsfindung
2.2 Geschlechtsspezifische Ausgestaltung des Lehrerberufes
2.3 Geschlechtsspezifische Verknüpfung der Institution Schule mit der Person

3 Fazit

4 Literatur

1 Einleitung

Die Einstellung von Lehrern und Lehrerinnen gegenüber ihrem Beruf bewirkt maßgeblich, wie sie diesen individuell ausgestalten. Eine positive beziehungsweise negative Lehrereinstellung beeinflusst das Verhalten der Lehrer gegenüber den Schülern/innen und so indirekt auch das Schülerverhalten. In der Einstellungsforschung gibt es mehrer Untersuchungen, die sich mit dem Effekt der Einstellung auf die Schüler beschäftigen. Nur eine davon ist beispielsweise die viel diskutierte Pygmalion-Studie[1]. Sie und andere belegen, wie bedeutend die Einstellung der Lehrer für ihre Tätigkeit ist, daher ist es auch wichtig nachzufragen wie Einstellungen zustande kommen. Hier besagt die Einstellungsforschung, dass neben vielen weiteren Faktoren ein zentraler die Lehrerpersönlichkeit selbst ist. Ein wichtiger Teil der Persönlichkeit ist auch das Geschlecht, daher beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit den Unterschieden zwischen Männern und Frauen in ihrer Einstellung und als Folge daraus auch mit ihrem Unterrichts- und Erziehungsstil. Um die Unterschiede in ihrer Entstehung erklären zu können, ist zunächst ein Exkurs über die männliche und weibliche Identitätsfindung sinnvoll, bevor auf die unterschiedliche Ausgestaltung des Lehreberufes durch die Geschlechter eingegangen wird. Als letzter Schritt beschäftigt sich diese Arbeit dann mit der Verknüpfung von Schule als Institution mit der Person des oder der Lehrenden, wobei sich die geschlechtsspezifischen Unterschiede noch einmal deutlich hervorheben.

2 Hauptteil

2.1 Männliche und weibliche Identitätsfindung

Grundlegende Unterschiede zwischen Männern und Frauen in allen Bereichen des Lebens nehmen ihren Anfang in der geschlechtsspezifischen Identitätsfindung, die für beide Geschlechter unterschiedlich verläuft. Durch die auch in der heutigen Gesellschaft noch bestehende Arbeitsteilung, in den ersten Monaten der Kindererziehung bleibt meist immer noch die Frau zu Hause[2], herrschen für Jungen und Mädchen unterschiedliche Sozialisationsbedingungen. Die erste Bezugsperson ist also für fast alle Kinder eine Frau, meist die Mutter. Diese wird ihre Kinder auf Grund deren und ihres eigenen Geschlechts bewusst oder unbewusst unterschiedlich behandeln[3]. Eine Tochter wird von der Mutter „als Verlängerung ihres eigenen Selbst“ (Flaake S. 323f) gesehen, während ein Sohn recht früh als andersgeschlechtlich erkannt und vom eigenen Ich abgegrenzt wird. Eine Loslösung aus dieser anfänglichen symbiotischen Mutter-Kind Beziehung ist aber für beide Geschlechter notwendig, um ein eigenes Ich zu bilden. Sie verläuft jedoch grundlegend verschieden. Bei Mädchen erfolgt die Bildung des eigenen Ichs über die Identifikation mit der Mutter, es ist also eine Autonomiefindung, die auf einer Hinwendung zu einer Person beruht. Jungen hingegen müssen sich von der Mutter lösen, um sich ein männliches Identifikationsobjekt zu suchen. Dies muss nicht zwingend der Vater sein. Die Autonomiefindung erfolgt bei Jungen also zunächst über eine Loslösung bevor eine Identifikation stattfinden kann. Als Folge dieser verschiedenen Prozesse der Ich-Bildung ergibt sich die männliche beziehungsweise weibliche Identität. Die männliche Identität definiert sich durch eine Abgrenzung und Trennung vom Anderen, dadurch ist die männliche Geschlechtsidentität zwar autonom aber labil. Durch eine Bekämpfung des Weiblichen im eigenen Ich wird versucht diese eigene Identität zu sichern.[4] Die weibliche Identität ist über eine Zuwendung zu anderen Menschen und über Beziehungen definiert. Sie zeichnet sich durch Emotionalität und Nähe als die bedeutendsten Aspekte aus. Eine zentrale Angst ist der Verlust dieser Nähe.

2.2 Geschlechtsspezifische Ausgestaltung des Lehrerberufes

Die Ausgestaltung des Lehrerberufes kann je nach Alter und Geschlecht der Lehrenden sehr unterschiedlich erfolgen. Im Folgenden sollen Tendenzen beschrieben werden, die bei jüngeren Lehrerinnen, älteren Lehrerinnen, jüngeren Lehrern und älteren Lehrern auftreten können. Die ersten Unterschiede zeigen sich schon darin, wie die Berufwahl erfolgte. Bei Lehrern ist dies meist durch Fachinteresse oder auch allgemeines Interesse am Lehrberuf begründet. Auf jedenfall handelt es sich um eine aktive Entscheidung, die meist den eigenen Wünschen entspricht. Auch bei älteren Lehrerinnen ist dies der Fall. Sie haben sich aktiv gegen eine traditionelle weibliche Lebensführung, die eine Berufstätigkeit nach der Ehe nicht vorsieht, entschieden. Ihre Entscheidung den Lehrerberuf zu ergreifen, stellte damit einen Bruch mit den Konventionen dar und müsste so gegebenenfalls auch gegen Widerstände durchgesetzt werden. Ganz anders dagegen erfolgt die Berufswahl junger Lehrerinnen häufig. Heute wird der Lehrerberuf als ein typisch weiblicher Beruf angesehen, der auch den „Bedürfnissen“ von Frauen entspricht: hier können sie mit Kindern umgehen und auch ein Familienleben mit eigenen Kindern ist möglich. Folglich ist bei jüngeren Lehrerinnen oft zu beobachten, dass sie sich in den Beruf treiben lassen. Sie versuchen Erwartungen, seitens der Gesellschaft oder der Familie, zu entsprechen. Oft erfolgt diese Berufswahl relativ passiv, auch dadurch, dass sich Frauen manchmal nicht trauen einen anderen Beruf zu ergreifen oder sich nicht für fähig halten ihren Wunschberuf auszuüben. Daraus resultieren für die unterschiedlichen Gruppen auch verschieden Einstellungen zum Beruf. Bei den Lehrern ist im allgemeinen Zufriedenheit mit ihrer Wahl zu beobachten, da sie ja entsprechend den eigenen Wünschen erfolgte. Eine Ausnahme stellen hier die älteren Hauptschullehrer da. Sie zeigen sich häufiger unzufrieden, da in ihrer Schulart, die pädagogische Seite des Lehrerberufes, die als weibliche Aspekte des Berufes angesehen werden, wichtiger ist als die fachliche. Auch die älteren Lehrerinnen sind recht zufrieden und sehen ihre Berufswahl als einen Ausdruck aktiver Lebensgestaltung. Die jüngeren Lehrerinnen, die oft versuchen Erwartungen gerecht zu werden und dadurch die eigenen Wünsche verkennen, können häufig nicht mit voller Zufriedenheit hinter ihrer Berufswahl stehen.

[...]


[1] Rosenthal, R. & Jacobsen, L.: Pygmalion im Unterricht -Lehrererwartungen und Intelligenzentwicklung der Schüler. Weinheim, Beltz (1971).

[2] „…weiterhin sind es Frauen, die für den Bereich des als privat Angesehenen, für emotionale Zuwendung, Unterstützung und Fürsorge –nicht nur für Kinder, sondern auch ihre Partner in Beziehungen- zuständig sind…“ (Flaake S. 317)

[3] Die folgenden Ausführungen zur Identitätsbildung stützen sich auf Flaake (1989) die sich wiederum orientiert an Nancy Chodorow: Das Erbe der Mütter. Psychoanalyse und Soziologie der Geschlechter. München (1985).

[4] „ So ist männliche Identität labiler als weibliche und auf rigidere Stabilisierungsmechanismen angewiesen, die auf einer Distanzierung vom Weiblichen beruhen.“ (Flaake S. 326)

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Unterschiede zwischen Männern und Frauen in Einstellung, Wahrnehmung, Unterrichts- und Erziehungsstil
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1,5
Autor
Jahr
2006
Seiten
11
Katalognummer
V114479
ISBN (eBook)
9783640152964
ISBN (Buch)
9783640154968
Dateigröße
400 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterschiede, Männern, Frauen, Einstellung, Wahrnehmung, Unterrichts-, Erziehungsstil
Arbeit zitieren
Sonja Rieber (Autor), 2006, Unterschiede zwischen Männern und Frauen in Einstellung, Wahrnehmung, Unterrichts- und Erziehungsstil, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114479

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