Wie kann nun ein solches Werk den Schülerinnen und Schülern motivierend vermittelt werden, wenn das Interesse an Literatur und Lektüre immer mehr zu schwinden scheint? Eine mögliche Lösung dieses Dilemmas stellt die grafische Literatur dar. Was früher als minderwertige Literatur angesehen wurde, gilt heute als Kunst und vor allem sogenannte Graphic Novels gewinnen immer mehr an Prestige.
Auch auf der Basis von Hoffmanns Kunstmärchen "Der Sandmann" wurden zwei Graphic Novels veröffentlicht und durch die zentrale Stellung des Textes in der gymnasialen Oberstufe stellt sich nun die Frage, wie sinnvoll die Lektüre der Graphic Novel im Vergleich zum Originaltext sein könnte. Was geschieht mit dem literarischen Text durch die Intermedialität, wenn er in das Medium Comic transportiert wird? Und könnte die Comic die Lektüre des literarischen Textes im Deutschunterricht ersetzen?
In der folgenden wissenschaftlichen Arbeit werden anhand dieser beiden Forschungsfragen die Vor- und Nachteile der Comicliteraturadaption gegenüber der literarischen Vorlage erörtert. Zunächst wird allgemein auf das didaktische Potenzial graphischer Literatur im Literaturunterricht eingegangen. Anschließend werden am Vergleich von Andrea Grosso Cipontes Graphic Novel "Sandmann" und Hoffmanns Kunstmärchen "Der Sandmann" Chancen und Möglichkeiten sowie Probleme und Grenzen des Einsatzes von Comicliteraturadaptionen im Unterricht aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ziele des Literaturunterrichts
3. Comicadaptionen im Unterricht
4. Vergleich der Graphic Novel mit dem literarischen Text
4.1 Vergleich der Textebene
4.2 Vergleich der Motivebene
5. Bewertung des Vergleichs
5.1 Chancen und Möglichkeiten
5.2 Grenzen und Probleme
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit untersucht das didaktische Potenzial von Comicliteraturadaptionen im Deutschunterricht der gymnasialen Oberstufe. Zentrale Forschungsfrage ist dabei, inwiefern der Einsatz einer Graphic Novel im Vergleich zum Originaltext sinnvoll ist, welche Vor- und Nachteile sich durch die intermediale Transformation ergeben und ob Comics eine geeignete Alternative oder Ergänzung zur klassischen Schullektüre darstellen können.
- Didaktisches Potenzial graphischer Literatur im Literaturunterricht
- Intermedialer Vergleich zwischen literarischer Vorlage und Graphic Novel
- Analyse der Textebene und textuelle Vereinfachungsstrategien
- Untersuchung der Motivebene und visueller Darstellungsformen
- Bewertung von Chancen und Problemen beim Einsatz von Comics in der Schule
Auszug aus dem Buch
4.2 Vergleich der Motivebene
Hoffmanns Werke bauen auf vielen wiederkehrenden Motiven auf. So finden sich in vielen seiner Erzählungen Verweise auf Doppelgänger, Automaten, Augen oder die Zerstückelung des Körpers. All diese Motive werden auch im Kunstmärchen „Der Sandmann“ aufgegriffen und spielen eine zentrale Rolle im Verlauf der Geschichte. Aus diesem Grund werden sie auch in der Comicadaption aufgegriffen. Im folgenden Kapitel soll die Umsetzung dieser Motive in Cipontes Comic näher betrachtet werden. Beginnend mit den beiden Wirklichkeitsmodellen wird anschließend auf das Doppelgänger-Motiv näher eingegangen. Nach der Untersuchung der Doppelgänger-Paare Clara und Olimpia sowie Coppola und Coppelius folgt abschließend eine nähere Betrachtung des Motivs der Verzerrung der Wirklichkeit.
Der Name der Sammlung „Nachtstücke“ verweist auf die Malerei und bezeichnet Gemälde mit starken Hell-Dunkel-Kontrasten. Während diese Kontraste im literarischen Text unter anderem durch verschiedene Erzählweisen und die Wortwahl kreiert werden, hat der Comic wie die Malerei die Möglichkeit mit den verschiedenen Farben zu spielen. Die panels weisen durch die verschiedenen Erdtöne, sowie den Einsatz von Schwarz und Gold eine ähnliche Farbpalette auf wie die „Nachtstücke“ der Malerei.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die abnehmende Lesemotivation junger Menschen und führt die Graphic Novel als didaktisches Mittel ein, um Literatur im gymnasialen Unterricht attraktiver zu gestalten.
2. Ziele des Literaturunterrichts: Dieses Kapitel erläutert den gesellschaftlichen und pädagogischen Wert des Literaturunterrichts, insbesondere die Förderung von Reflexionsfähigkeit, Identitätsentwicklung und Medienkompetenz.
3. Comicadaptionen im Unterricht: Hier wird der Einsatz von Comics als motivierendes „Einstiegsmedium“ diskutiert, das durch seine Bild-Text-Kombination den Zugang zu anspruchsvollen literarischen Stoffen erleichtern kann.
4. Vergleich der Graphic Novel mit dem literarischen Text: Dieser Abschnitt bietet eine detaillierte Analyse der textuellen Verkürzungen und der filmischen Inszenierung von Motiven wie dem Doppelgänger in der Adaption.
5. Bewertung des Vergleichs: Es werden die Chancen zur Steigerung der Lesemotivation den Problemen der inhaltlichen Vereinfachung und der Lenkung der Rezipienten durch visuelle Vorgaben gegenübergestellt.
6. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass Comicadaptionen keine 1:1-Ersatzlektüren sind, sondern als eigenständige, intermediale Ergänzung bei korrekter didaktischer Vorbereitung einen hohen Mehrwert bieten.
Schlüsselwörter
Comicliteraturadaption, Graphic Novel, Der Sandmann, E.T.A. Hoffmann, Literaturunterricht, Lesemotivation, Intermedialität, Intertextualität, Medienkompetenz, Doppelgänger-Motiv, Didaktik, Bild-Text-Interdependenz, Interpretation, Romantik, Literaturkanon
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das didaktische Potenzial von Graphic Novels als Adaptionen klassischer literarischer Texte, konkret am Beispiel von Hoffmanns "Der Sandmann" für den Deutschunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die Steigerung der Lesemotivation, der Vergleich der textuellen Ebene, die Umsetzung von Schlüsselmotiven und die mediale Transformation vom Text zum Bild.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu klären, ob und wie Comicadaptionen sinnvoll im Unterricht eingesetzt werden können und ob sie eine Alternative oder Ergänzung zur Originallektüre darstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein intermedialer Vergleich durchgeführt, bei dem die Graphic Novel von Andrea Grosso Ciponte der literarischen Vorlage von E.T.A. Hoffmann auf Text- und Motivebene gegenübergestellt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Textebene hinsichtlich Kürzungen und syntaktischer Anpassungen sowie die Motivebene hinsichtlich der visuellen Darstellung von Kontrasten und Doppelgängern analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Literaturadaption, Lesemotivation, Intermedialität, Didaktik, Doppelgänger-Motiv und Medienkompetenz.
Warum wird im Comic mit einer speziellen Farbpalette gearbeitet?
Die Farbwahl dient dazu, die psychologischen Zustände der Figuren und die Kontraste der verschiedenen Wirklichkeitsmodelle (z.B. Klarheit vs. Wahnsinn) visuell zu verdeutlichen und den Leser emotional zu lenken.
Inwiefern beeinflusst der Comic die Interpretation des Schülers?
Da der Comic visuelle Details vorgibt, die im Originaltext offenbleiben ("Unbestimmtheitsstellen"), nimmt er Schülern einen Teil der eigenständigen Interpretationsarbeit ab, kann aber gleichzeitig komplexe Zusammenhänge veranschaulichen.
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- Lisa-Marie Ganter (Author), 2018, Das didaktische Potenzial der Comicliteraturadaption. Ein intermedialer Vergleich am Beispiel von Hoffmanns "Der Sandmann", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1146039