Diese Arbeit bearbeitet die Frage, ob eine Einbeziehung sprachlicher Vielfältigkeit in den DaF-Unterricht sinnvoll ist. Bezieht man die Tatsache mit ein, dass Lerner des Deutschen außerhalb des Unterrichts und Klassenzimmers praktisch ständig mit Sprachdynamik und Sprachenvielfalt in einer natürlichen Art und Weise konfrontiert werden, erscheint die für lange Zeit übliche Praxis, gesprochene Alltagssprache als eine Abweichung von der festgesetzten "Standardsprache" zu betrachten und damit in Hinblick auf den DaF-Lehrplan eher zu vernachlässigen, als dringend reformbedürftig. Aus wissenschaftlich-linguistischer Sichtweise kann nicht einmal von einem sprachlichen "Standard" ausgegangen werden. Dass Variation im natürlichen Sprachgebrauch unumgänglich ist und de facto nicht vermieden werden kann, ist ein neuer Ansatz, der in den letzten Jahren zunehmend verstärkt diskutiert und in Betracht gezogen wurde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sprachvariation im gesprochenen Deutsch
3. Phänomene der gesprochenen Sprache
3.1 Assimilationen
3.2 Pro- und Enklisen
3.3 Elisionen
3.4 Modalpartikel
3.5 Vagheitsausdrücke, Gesprächspartikel und Interjektionen
3.6 Verbzweitstellung in Nebensätzen
4. Dialekte und Varietäten im DaF-Unterricht
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Relevanz der Einbeziehung natürlicher Sprachvariationen des gesprochenen Deutsch in den Unterricht „Deutsch als Fremdsprache“ (DaF). Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der festgesetzten „Standardsprache“ und der tatsächlichen Sprachwirklichkeit aufzuzeigen und Argumente für eine praxisnahe, authentische Sprachvermittlung zu liefern.
- Phänomene der gesprochenen Sprache wie Assimilationen, Elisionen und Partikel
- Grammatische Besonderheiten wie die Verbzweitstellung in Kausalsätzen
- Die didaktische Integration von Dialekten und regionalen Varietäten
- Mehrsprachigkeitskonzepte im Rahmen des DaF-Unterrichts
- Einsatz authentischer Medien und Quellen zur Sensibilisierung
Auszug aus dem Buch
Phänomene der gesprochenen Sprache
Variation zieht sich in der Tat in großem Maße durch die deutsche Sprache, teilweise ohne dass die meisten Sprecher dies bemerken oder die entsprechenden Phänomene als Variationen deuten würden. Da Menschen keine Maschinen sind, kann nicht davon ausgegangen werden, dass jede sprachliche Handlung exakt gleich stattfindet und produziert wird. Typische Phänomene der alltäglichen Konversationen stellen beispielsweise Interjektionen, Füllwörter, Modalpartikel, Gesprächspartikel und Verkürzungen, etwa durch sogenannte Elisionen, Pro- und Enklisen und Assimilationen dar. Assimilationen dienen oftmals der Artikulationserleichterung, indem teils benachbarte Laute oder weiter entfernte Laute (Fernassimilation) einander qualitativ angeglichen werden. Dies kann partiell oder auch vollständig, total, erfolgen. Die in der Umgangssprache häufig vorkommende Variante des Wortes
Pro- und Enklisen sind ebenfalls sehr prominent in der gesprochenen Sprache, sogar derart, dass sie ebenso bereits im geschriebenen Deutsch Fuß gefasst haben, obgleich eher als informellen Stil. Eine Enklise beschreibt die Anlehnung eines schwach oder nicht betonten Wortes an das vorangehende bei gleichzeitiger Abschwächung (vgl. Schwitalla: 37ff.). So sind beispielsweise in der Standardsprache geläufige und vollkommen akzeptierte Präpositionen wie
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die linguistische Perspektive ein, dass Sprache kein starres Gebilde ist, sondern durch natürlichen Wandel und Variation eine notwendige Dynamik erhält.
2. Sprachvariation im gesprochenen Deutsch: Dieses Kapitel erläutert, warum die Vernachlässigung der gesprochenen Alltagssprache im DaF-Unterricht nicht länger haltbar ist und plädiert für einen Paradigmenwechsel hin zur Akzeptanz von Sprachvarietäten.
3. Phänomene der gesprochenen Sprache: Hier werden spezifische sprachliche Mechanismen wie Lautwandel, Kontraktionen und Partikelgebrauch analysiert, die den natürlichen Sprachgebrauch charakterisieren.
4. Dialekte und Varietäten im DaF-Unterricht: Das Kapitel diskutiert die didaktische Notwendigkeit, Mundarten in den Unterricht zu integrieren, um kommunikative Kompetenz und das Verständnis für Mehrsprachigkeit zu fördern.
5. Fazit: Die Zusammenfassung unterstreicht die Notwendigkeit, authentische Textquellen und moderne Medien wie Film zu nutzen, um Lernende für die Vielfalt der deutschen Sprache zu sensibilisieren.
Schlüsselwörter
Deutsch als Fremdsprache, DaF, Sprachvariation, Gesprochene Sprache, Sprachwandel, Modalpartikel, Dialekt, Interjektionen, Sprachstandard, Mehrsprachigkeit, Phonologie, Grammatik, Konversationsanalyse, Sprachdidaktik, Authentizität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Realität, dass gesprochene Sprache durch ständige Variation gekennzeichnet ist, und untersucht, wie dieses Phänomen im DaF-Unterricht produktiv behandelt werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zu den Kernbereichen gehören Lautwandelprozesse (Assimilationen, Elisionen), die Rolle von Modalpartikeln und Interjektionen sowie die didaktische Integration von Dialekten und regionalen Sprachvarietäten.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit fragt danach, ob und wie die gelebte sprachliche Vielfalt in den Lehrplan von Deutsch als Fremdsprache integriert werden sollte, um Lernenden eine authentischere kommunikative Kompetenz zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewandt?
Es handelt sich um einen Essay, der linguistische Forschungsergebnisse (z.B. von Schwitalla, Günthner, Roche) zusammenführt, um eine fundierte Argumentationsgrundlage für die DaF-Didaktik zu schaffen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse spezifischer Phänomene gesprochener Sprache (z.B. Partikel, Verbzweitstellung) und die kritische Auseinandersetzung mit der Einbindung von Dialekten in den Unterricht.
Welche Schlüsselwörter beschreiben die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Deutsch als Fremdsprache (DaF), Sprachvariation, Modalpartikel, Dialektintegration, authentische Sprachvermittlung und Mehrsprachigkeit.
Warum ist die Verbzweitstellung in Nebensätzen ein Problem für Lerner?
Die im Alltag vorkommende Verbzweitstellung (z.B. „weil er hat kein Geld mehr“) widerspricht den klassischen grammatischen Lehrregeln, was bei Lernenden zu Verwirrung führen kann, weshalb ein Bewusstsein für diese sprechsprachlichen Strukturen wichtig ist.
Welche Rolle spielen Filme im didaktischen Kontext dieser Arbeit?
Filme werden als hervorragendes Lehrmittel hervorgehoben, da sie sowohl visuelle Reize bieten als auch authentische, gesprochene Sprache und Dialekte in verschiedenen Kontexten hörbar und durch Untertitel lesbar machen.
- Citation du texte
- Jannik Streeb (Auteur), 2015, Arbeitsgebiete und Methoden des Faches Deutsch als Fremdsprache. Phänomene des gesprochenen Deutsch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1146075