Die Macht der Sprache im Hinblick auf Foucault


Hausarbeit, 2021

18 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sprache ist Macht
2.1 Begriff der Macht nach Foucault
2.2 Funktion der Sprache
2.3 Macht und Sprache
2.4 Gewalt und Sprache

3. Sprachdiskurse/Machtdiskurse/ Gewaltdiskurse
3.1 Diskurse nach Foucault
3.2 Diskurs Wahnsinn und Vernunft
3.3 Diskurs Eltern-Kind-Beziehung
3.4 Diskurs Migration und Geschlecht

4. Gewaltfreie Kommunikation

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit mit dem Titel „Die Macht der Sprache im Hinblick auf Foucault“ behandelt zunächst den Begriff der Macht nach Foucault. Die Funktion und Rolle der Sprache wird dann in den Kontext der Macht, beziehungsweise in den Kontext des Machtbegriffes nach Foucault gestellt. Machtdiskurse und Sprachdiskurse oder auch: Machtkontexte und Sprachkontexte, gehen Hand in Hand. So soll herausgestellt und argumentiert werden, wie Sprache und Macht einander bedingen, ja die Macht die Sprache sogar braucht. Sprache als Medium, Macht auszuüben, diesem Zusammenhang soll im Folgenden nachgegangen werden. Wie aus der Macht der Sprache auch Gewalt werden kann, die genannte Thematik wird ebenfalls in einem Kapitel behandelt. Es werden des Weiteren verschiedene gesellschaftliche Machtdiskurse und Machtbeziehungen zwischen Personengruppen erläutert. Der Diskursbegriff, beziehungsweise eine Begriffserklärung des Diskurses nach Foucault, soll hier erste Orientierung bieten. So werden also die unterschiedlichen gesellschaftlichen Machtdiskurse beschrieben, die, laut Argumentationslogik, auch gleich Sprachdiskurse bedeuten und so eine Sprach-Macht- und auch Gewalt-Beziehungen eingehen. Es wird argumentiert, dass Sprache das Medium ist, Macht in verschiedenen Kontexten und Diskursen auszuüben. Gleichfalls ist die Sprache nicht nur Instrument der Macht, sondern die Sprache selbst kann Macht und Gewalt produzieren. Dieses Zusammenspiel soll näher beleuchtet werden. In einem abschließenden Kapitel zur gewaltfreien Kommunikation werden Lösungsansätze aufgezeigt, wie eine Gesprächskultur, ohne die Ausübung und Produktion von Macht oder gar verbaler Gewalt, etabliert werden kann. Ein Fazit fasst alles zusammen und bildet somit das Schlusswort.

2. Sprache ist Macht

Wie bereits erwähnt, stehen Sprache und Macht, laut folgender Argumentationslogik, in einem engen Verhältnis. Eine Begriffserklärung der Macht nach Foucault soll hier in die Thematik einführen. „Die Macht ist nicht etwas, was man erwirbt, wegnimmt, teilt, was man bewahrt oder verliert; die Macht ist etwas, was sich von unzähligen Punkten aus und im Spiel ungleicher und beweglicher Beziehungen vollzieht.“1

2.1 Begriff der Macht nach Foucault

Der Begriff und das Konzept der Macht ziehen sich durch alle Werke von Foucault. Sein Macht-Begriff steht in der Tradition der Macht-Analyse von Max Weber.2 Foucaults Verständnis von Macht ist eines, das von einer Wechselbeziehung beziehungsweise Interaktion zwischen verschiedenen Akteuren im Kontext der Macht ausgeht.3 "Machtausübung bezeichnet nicht einfach ein Verhältnis zwischen individuellen oder kollektiven Partnern, sondern die Wirkungsweise gewisser Handlungen, die andere verändern."4 Foucault spricht vor allem von Machtverhältnissen und Machtbeziehungen. Dabei setzt er Macht und Herrschaft nicht gleich. Ihm geht es nicht um die Macht als ein absolutes Herrschaftsverhältnis, dies sei keine Machtbeziehung. Eine Machtbeziehung ist für ihn immer dann gegeben, wenn beide Subjekte einer Machtbeziehung Einfluss auf diese nehmen können, also eine Reaktionsmöglichkeit auf Machtausübung von allen Subjekten besteht.5 Dies ist beispielsweise bei einem absoluten Machtverhältnis zwischen Sklave und Herrscher, nicht gegeben. In seinem machtanalytischen Hauptwerk „Überwachen und Strafen“ von 1975 machte er gezielt auf einen Wandel der Machtpraktiken im Machtapparat Gefängnis aufmerksam, bei dem sich der Fokus der Strafe, laut Foucault, wegbewegt von körperlicher Bestrafung [beispielsweise Folter], hin zu sogenannten Disziplinen, die, wie er sie selbst bezeichnet, auf eine bestimmte Strukturierung und Konformisierung des Körperverhaltens abzielen.6 „Dies geschieht, indem das Verhalten der Einzelnen durch einen genauen Zeitrhythmus, durch die Kontrolle der Gesten, Haltungen, Sitzweisen etc. bis ins Kleinste geregelt wird.“7 [Disziplinäre Machtbeziehung]. Für Foucault ist der Begriff der Macht somit eine Analysekategorie. Des Weiteren geht er auf die Ordnung der Dinge ein, die zwar natürlich erscheinen und scheinbar natürlich gewachsen sind, dieser Anschein laut Foucault jedoch trügt.8 Er verweist hier auf die Machtgeschichte, also eine Analyse der Dinge im Hinblick auf Macht in der Geschichte, welche erheblichen Einfluss auf den Verlauf der Dinge haben würde. Er geht davon aus, dass Macht auch immer Widerstand impliziert.9 Dieser liegt, laut Foucault, nicht außerhalb der Macht, sondern der Widerstand ist überall im Machtnetz präsent, existiert im Feld der Machtbeziehungen. „Foucaults Machtanalytik fasst Macht relational, als mikrophysisch von Körper zu Körper, Subjekt zu Subjekt, in den Institutionen und Produktionsapparaten zirkulierende Kraft, nicht als System oder Struktur, als zentralisierter Regierungsapparat oder allgemeines Herrschaftssystem. Macht kann am ehesten als dezentriertes, substratloses Operieren umschrieben werden, als dessen Oberfläche zentralisierende Strukturierungsleistungen erscheinen, unter der die Macht verdeckt operiert.“10 Es geht ihm darum, historisch kontingente Machtpraktiken aufzudecken. Macht erscheint bei Foucault als etwas, das selbst bildet, formt und produziert, eine Kraft, von der Individuen und ganze Bevölkerungen abhängig sind.

2.2 Funktion der Sprache

„Worte sind unsichtbare Schallwellen. Die in ihnen liegende Kraft - aber auch Macht - wird erst in dem sichtbar, was sie beim Empfänger auslösen und welche Reaktionen sie bei ihm hervorrufen.“11 Die Auswirkung von Worten und der Sprache auf das Leben der Menschen ist immens. Ihre Funktion ist zunächst einmal, Menschen zu verbinden.12 So werden Informationen, Erfahrungen und Erlebnisse kommuniziert. Auch dient die Sprache nicht nur dazu, sich verständlich zu machen, sondern ebenfalls dazu, dem Gegenüber ein gutes Gefühl zu geben: Die Sprache als Heilmittel. Gleichzeitig können Worte und Sprachwahl auch das Gegenteil bezwecken und als Waffe und Angriffsmittel genutzt werden.13 Dabei ist die Kommunikation immer mit Absicht und einem Grund verbunden. „Eine grund- und absichtslose Kommunikation gibt es nicht. Selbst ein belangloses Alltagsgespräch hat stets einen auslösenden Grund und verfolgt, bewusst oder unbewusst, eine Absicht.“14 Hier lässt sich unterscheiden zwischen bewusster und unbewusster Absicht. Absichten für Kommunikation und Sprache sind vielfältig. Dabei treten häufig Missverständnisse auf. So kann Gesagtes auf unterschiedliche Art und Weise verletzten. Aufgrund des Unverständnisses oder der Verletzungen, trennt Sprache so die Subjekte voneinander.15 Worte sind also in vielerlei Hinsicht machtvoll. Sie können Stimmungen hervorrufen und bestimmen. Diese Stimmungen entscheiden dann die weiteren Reaktionen und Handlungen von Individuen. Eine gute Stimmung in einem Verkaufsgespräch verstärkt beispielsweise die Kauflaune. Eine gedrückte Stimmung nach einer Besprechung auf der Arbeit demotiviert oder verlangsamt gegebenenfalls die Arbeit der Mitarbeitenden.16 Auch in anderen Situationen haben Worte die Macht und Funktion, Stimmungen und daraus resultierende Handlungen zu bestimmen und zu prägen. Beispielsweise in Liebesbeziehungen, in denen zärtliche, aber auch verletzende Worte, den Takt der Beziehung angeben können.17 „Als Waffe eingesetzt sind Worte schärfer als jedes Schwert und können tiefe Wunden im emotionalen Gedächtnis hinterlassen. Nicht selten sitzen sie dort ein ganzes Leben lang wie der sprichwörtliche Stachel im Fleisch. Im Gehirn gibt es leider weder eine Reset-Taste noch einen Papierkorb, dessen Inhalt unwiederbringlich gelöscht werden kann.“18 So ergreifen die Sprache und Worte die Seele und den Körper des Menschen. Worte können Energie rauben, sie können das Selbstvertrauen aufbauen und schwächen, sie haben die Macht, Persönlichkeiten zu formen und Subjekte zu disziplinieren. Hinter der sogenannten Wortmacht steht eine Kraft, die von Worten ausgeht und jedem Menschen zur Verfügung steht, nicht nur den politischen Redner*innen.19 Worte wirken im Gehirn wie ein Medikament, schnell und zuverlässig. Sie lösen als Nebenwirkung bestimmtes Antwort­Verhalten bei den Konsument*innen aus. „Natürlich ist es niemals der reine Wortinhalt allein, der im Kopf des Empfängers etwas auslöst. Eine ebenso wichtige Rolle für die Wirkung unserer Worte kommt der gesamten Körpersprache zu. Sie sagt oft mehr aus als der bewusst ausgesprochene Inhalt. Gleiches gilt für den Ton, in dem etwas gesagt wird [.. ,].“20 Dabei kommt es nicht auf den Wortschatz an sich an, sondern auf die Art und Weise, wie etwas gesagt wird. „Die codierten Worte und ihre emotionalen Begleiter führen dort ein reges und geheimnisvolles Eigenleben, das unser Leben mehr bestimmt, als uns bewusst ist.“21 So ist die Sprache ein machtvolles Instrument der intentionalen Kommunikation zwischen Menschen, sei es verbal oder nonverbal. Sie ist immer mit einer Absicht verbunden, sei sie bewusst oder unbewusst.

2.3 Macht und Sprache

„Worte und die Macht, die sie ausüben, begleiten uns das ganze Leben hindurch. Sie beeinflussen es auf nachhaltige Weise und in vielfältiger Hinsicht, sind manchmal für ganze Schicksalswege verantwortlich.“22 Sprache hat also die Macht, Reaktionen und Verhalten bei Menschen hervorzurufen und zu prägen. Wenn wir Foucaults Machtbegriff in diese Logik einfügen, welcher von der Macht als Wechselbeziehung beziehungsweise Interaktion zwischen verschiedenen Akteuren im Kontext der Macht ausgeht, wird deutlich, dass die Sprache und Worte hier eine wichtige Trägerfunktion der Machtkommunikation einnehmen. Aber nicht nur als Medium kann die Sprache im Sinne der Macht agieren, sie produziert die Macht auch und stellt sie gleichzeitig sogar selbst dar. „Foucaults Machtanalytik fasst Macht relational, als mikrophysisch von Körper zu Körper, Subjekt zu Subjekt [...]. Macht kann am ehesten als dezentriertes, substratloses Operieren umschrieben werden, als dessen Oberfläche zentralisierende Strukturierungsleistungen erscheinen, unter der die Macht verdeckt operiert.“23 Somit ist, laut Foucault, überall Macht. Wenn überall Macht ist, dann ist auch überall Sprache, denn Sprache und Macht bedingen einander. Ohne die Kommunikation über das Sprachrohr, kann die Macht nicht vermittelt werden. Die Macht braucht also die [verbale und nonverbal] Sprache, um sich mitzuteilen. Die Sprache selbst, die immer einer Absicht folgt, ist ebenfalls selbst Produzentin von Macht, dabei ist es egal, ob diese Machtproduktion bewusst oder unbewusst passiert. Wenn Foucault davon spricht, dass wir als Menschen in Machtbeziehungen und Machtverhältnissen zueinander stehen und agieren, dann werden auch die Sprachbeziehungen deutlich. Beispielsweise findet eine ganz bestimmte Art der Kommunikation zwischen Chefin oder Chef und den Angestellten statt.24 Die Machtbeziehung impliziert eine ganz bestimmte Art der Kommunikation, des Machtausdruckes, der Sprache. Ohne [nonverbale oder verbale] Sprache könnte die Macht nicht das Subjekt erreichen. Die Chefin oder der Chef braucht dieses Medium also um die Machtstellung, die ihr oder ihm innewohnt, mitteilen zu können. Sowohl bei der Macht und Machtausübung als auch bei der absichtsvollen Sprache und Wortwahl, spielen die Reaktionen der Subjekte, die in einem Sprach-Macht-Verhältnis stehen, eine wichtige Rolle. Eine bestimmte „Machtausübgung“, in Form von bestimmten Forderung oder Sätzen, wird folglich eine Reaktion bei dem Gegenüber auslösen. Diese Reaktion und die daraus resultierende Handlung können erhoffte aber auch unverhoffte sein.25 „Mit dem ersten Reflexivwerden des Wissens von der Macht der Worte begann fast mit dem Beginn der Menschheitsgeschichte auch schon die Suche nach der Nutzung dieser Macht bzw. deren Steigerung. Zauber und Wortmagie bedienten zum einen die Träume, die klassische Rhetorik zum anderen später [...] den Wunsch, andere Menschen mit der Hilfe gesetzter Rede für sich und die eigenen Interessen zu gewinnen.“26 Die Kommunikationswissenschaften versuchen an dieser Stelle die Macht der Worte zu erforschen, die Bedingungen, Formen und ihre Strategien.27

[...]


1 Michel Foucault, Sexualität und Wahrheit. Der Wille zum Wissen. Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main 1983, 1. Auflage, S. 94.

2 Vgl.: Annette Treibel, Einführung in die soziologischen Theorien der Gegenwart, 6. überarbeitete und aktualisierte Auflage4, Springer Verlag April 2004, S.65

3 Treibel, S.65

4 Michel Foucault, Analytik der Macht, Das Subjekt und die Macht, Nachwort, Dreyfus/Rabinow Verlag 1994, S. 254

5 Vgl.: Treibel, S.65

6 Vgl.: Hans Herbert Kögler. Michel Foucault, Band 281, Verlag Metzler 1994, S.90

7 Kögler, S.91

8 Vgl.: Clemens Kammler / Rolf Parr / Ulrich Johannes Schneider (Hg.), Foucault-Handbuch - Leben - Werk - Wirkung, 2., aktualisierte und erweiterte Auflage, J. B. Metzler Verlag, S.316

9 Ebd.

10 Kammler, S.316

11 Hans Eicher, Die verblüffende Macht der Sprache - Was Sie mit Worten auslösen oder verhindern und was Ihr Sprachverhalten verrät, 2. durchgesehene und korrigierte Auflage, Springer Verlag 2018, S. 3

12 Vgl.: Eicher, S.3

13 Ebd.

14 Eicher, S.4

15 Vgl.: Eicher, S.4

16 Ebd.

17 Vgl: Eicher, S.5

18 Eicher, S.5

19 Vgl.: Eicher, S.6

20 Eicher, S.6

21 Eicher, S.9

22 Eicher, S.9

23 Kammler, S.316

24 Vgl.: Eicher, S. 5

25 Vgl.: Jo Reichertz, Die Macht der Worte und der Medien, 2. Auflage, Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2009, S.307

26 Reichertz, S.307 f.

27 Vgl.: Reichertz, S. 308

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Macht der Sprache im Hinblick auf Foucault
Veranstaltung
Foucault
Note
1,3
Jahr
2021
Seiten
18
Katalognummer
V1146518
ISBN (eBook)
9783346525727
ISBN (Buch)
9783346525734
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Foucault Sprache Macht
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Anonym, 2021, Die Macht der Sprache im Hinblick auf Foucault, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1146518

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