Ziel dieser Arbeit ist es, die zentralen Handlungsmerkmale des modernen Bildungsromans zu sammeln und sie am Beispiel des Bildungsromans" tschick" zu verdeutlichen.
Es wird zunächst kurz auf die Entstehungsgeschichte des Begriffes des Bildungsromans eingegangen. Weiterhin werden die klassischen Merkmale des Bildungsromans sowie der gattungstypische Aufbau erläutert, daraufhin wird die Begrifflichkeit kurz von weiteren Romanarten abgegrenzt. Im nächsten Schritt werden die zuvor aufgeführten Handlungsmerkmale auf "tschick" übertragen und passende Handlungsstränge und Beispiele werden begründet angeführt.
"Bildung" wird im Duden zunächst mit "Erziehung" erklärt. Die Assoziation liegt nahe, bei Bildung denkt man häufig erst einmal an die schulische Bildung. Die Bildung kann jedoch auch das Schaffen bedeuten, ein Entstehungsprozess: Die Bildung von Knospen, die Bildung eines Sees. Genau dort setzt der moderne Bildungsroman an: Der Held/ die Heldin der Geschichte erlebt durch Selbstreflexion einen Wachstumsprozess; der Charakter wird (weiter)gebildet.
Auch der vierzehnjährige Protagonist aus Wolfgang Herrndorffs Bildungsroman "tschick" erlebt eine solche Entwicklung als er mit seinem neuen Freund Andrej Tschichatschow - kurz Tschick - ein Auto klaut, damit durch Deutschland fährt, diverse neue Erfahrungen macht und diese reflektiert
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der deutsche Bildungsroman
2.1 Herkunft und Definition
2.2 Merkmale und Aufbau
2.3 Begriffsabgrenzung
3. Handlungsmerkmale bei „tschick“
3.1 Protagonist
3.2 Zeitpunkt
3.3 Reise
3.4 Freundschaft
3.5 Liebe und Sexualität
3.6 Konflikte
3.7 Reifungsprozess
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, die zentralen Handlungsmerkmale des modernen Bildungsromans zu identifizieren und diese anhand des Romans „tschick“ von Wolfgang Herrndorf systematisch aufzuzeigen und zu analysieren.
- Herkunft und Definition des Bildungsromans
- Typische Merkmale und Struktur des Genres
- Anwendung gattungstypischer Kriterien auf „tschick“
- Entwicklungsprozesse des Protagonisten Maik Klingenberg
- Abgrenzung zu verwandten Romanformen
Auszug aus dem Buch
2.1 Herkunft und Definition
Zum ersten Mal beschrieben wird der Bildungsroman von Friedrich von Blanckenburg mit seinem Werk „Versuch über den Roman“ aus dem Jahr 1774. Blanckenburg schreibt hier über die Bestimmungen des normalen Romans und kommt damit, wenn auch ohne den Begriff des Bildungsromans zu nutzen, sehr nahe an die Beschreibung eines solchen. Die innere, eigene Geschichte eines Helden wird nach Blanckenburg als „Wesentliche und Eigenthümliche eines Romans“ (Selbmann, 1994; zitiert nach Blanckenburg, 1774, S. 392) gesehen, nicht die äußeren Handlungsabläufe (Vgl. Selbmann, 1994).
Seinen Namen bekommt der Bildungsroman von Karl Morgenstern im Jahr 1803. Morgenstern spricht nicht nur von Bildung im Sinne der Entwicklung des Protagonisten (weibliche Protagonistinnen waren undenkbar für Morgenstern), sondern auch von der Bildung der Leser, die durch das Lesen des Romans gefördert wird (Vgl. Ebd.).
In die literaturwissenschaftliche Diskussion eingeführt wurde der Begriff des Bildungsromans von Wilhelm Dilthey, der sich in diesem Zusammenhang mit Goethes 1795 erscheinendem Werk „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ beschäftigt. Dilthey sieht darin die „menschliche Ausbildung in verschiedenen Stufen, Gestalten, Lebensepochen“ (Selbmann, 1994; zitiert nach Dilthey, 1870, S. 282). Bis heute gilt „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ als Prototyp des Bildungsromans (Vgl. Böhm & Dennerlein, 2016).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Bildungsbegriff und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die Merkmale des modernen Bildungsromans am Beispiel von Wolfgang Herrndorfs Roman „tschick“ aufzuzeigen.
2. Der deutsche Bildungsroman: Dieses Kapitel gibt einen theoretischen Überblick über die Entstehungsgeschichte, Definitionen, Gattungsmerkmale und die Abgrenzung zu ähnlichen Romanformen.
3. Handlungsmerkmale bei „tschick“: Hier werden die theoretisch erarbeiteten Merkmale wie Protagonist, Reise, Freundschaft und Reifungsprozess konkret auf die Handlung und die Charaktere des Romans „tschick“ übertragen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass „tschick“ durch die Einbettung der klassischen Merkmale als moderner Bildungsroman klassifiziert werden kann.
Schlüsselwörter
Bildungsroman, Literaturwissenschaft, tschick, Wolfgang Herrndorf, Gattungsmerkmale, Reifungsprozess, Protagonist, Selbsterfahrung, Adoleszenz, Literaturanalyse, Entwicklungsroman, Identitätsfindung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die gattungstypischen Merkmale des deutschen Bildungsromans und prüft, inwieweit diese auf den modernen Roman „tschick“ von Wolfgang Herrndorf zutreffen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Mittelpunkt stehen die theoretische Herleitung des Begriffs „Bildungsroman“ sowie die Untersuchung von Motiven wie Reise, Freundschaft, Konfliktbewältigung und der Identitätsentwicklung des Protagonisten.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die zentralen Handlungsmerkmale des Bildungsromans zu systematisieren und die Übertragbarkeit auf das Beispiel „tschick“ zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die auf der Auseinandersetzung mit Fachliteratur zur Gattungsgeschichte und der textnahen Interpretation des Romans basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Definition des Bildungsromans und einen praktischen Teil, in dem Aspekte wie der Protagonist, die Reise und der Reifungsprozess an „tschick“ demonstriert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wesentliche Begriffe sind Bildungsroman, Adoleszenz, Identitätsfindung, Selbsterfahrung und literarische Gattungsmerkmale.
Warum wird „tschick“ als moderner Bildungsroman eingeordnet?
Da der Roman die klassische Entwicklung des Helden – vom Außenseiter hin zu einer reflektierten Persönlichkeit durch Krisen und Selbsterprobung – nachvollziehbar darstellt.
Welche Rolle spielt die Reise des Protagonisten?
Die Reise dient als Katalysator für den Reifungsprozess, in dem der Protagonist Maik Klingenberg seine Komfortzone verlässt und sich neuen, fremden Situationen stellen muss.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2020, Handlungsmerkmale des modernen Bildungsromans am Beispiel "tschick" von Wolfgang Herrendorf, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1146550