Diese Arbeit geht der These nach, dass eine nähere Betrachtung der Schriften Wilhelm Diltheys der kunstpädagogischen Forschung neue Anknüpfungspunkte geben und so zu einer theoretischen Neuausrichtung des Faches Kunst, wie sie von vielen gefordert wird, beitragen kann.
Nach einer kurzen Darstellung der Forschungs- und Quellenlage sollen hierzu die für diese Arbeit relevanten Gedanken Diltheys dargestellt werden, welche zum einen sein Verständnis von geisteswissenschaftlicher Pädagogik wie auch sein Kunstverständnis umfassen. Nach diesem Überblick soll versucht werden, diese Gedanken mit heutigen kunstpädagogischen Positionen in Verdingung zu setzen und darzustellen, inwieweit Dilthey für die heutige Kunstpädagogik Relevanz hat. Zusätzlich werden die Gedanken Diltheys aber auch kritisch betrachtet.
Der Kunstunterricht scheint um seine Rechtfertigung als Unterrichtsfach zu kämpfen, so wird er doch von vielen lediglich als Ablenkung oder unterhaltsames Nebenfach gesehen. Mehr noch scheint sich die Kunstpädagogik selbst unklar zu sein über die eigenen Ziele ihres Faches und wie diese umgesetzt werden sollen. So wird der Kunstunterricht in diesem Zusammenhang oftmals nur als vernachlässigbares Schulfach im größeren Schulbetrieb wahrgenommen. Es scheint aus dieser Sicht umso bemerkenswerter, dass Wilhelm Dilthey, einer der bedeutendsten deutschen Geistes– und Erziehungswissenschaftler des 19. Jahrhunderts, argumentiert, dass die ästhetische Bildung zu der höchsten Form der Bildung gehöre.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Überblick zum Forschungsstand & Literatur
3. Wilhelm Dilthey – Pädagogik als Geisteswissenschaft
3.1 Begründung und Methodik der Geisteswissenschaften
3.2 Die Geisteswissenschaftliche Pädagogik
3.3 Bildung und Erziehung bei Dilthey
4. Kunst und Bildung
4.1. Kunsttheorie in den Schriften Diltheys
4.2. Ästhetik und Bildungsprozesse
5. Dilthey und die heutige Kunstdidaktik
5.1. Parallelen zu heutigen kunstdidaktischen Positionen
5.2. Folgerungen für die Kunstdidaktik
6. Kritische Betrachtung Diltheys
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial der Schriften Wilhelm Diltheys für eine theoretische Neuausrichtung der modernen Kunstpädagogik. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit Diltheys geisteswissenschaftliche Pädagogik und sein Kunstverständnis als historische Basis dienen können, um das Fach Kunst in seiner schulischen Bedeutung zu stärken und aus der Krise zu führen.
- Wilhelm Dilthey als Begründer der geisteswissenschaftlichen Pädagogik
- Die hermeneutische Methode im Kontext von Erziehung und Bildung
- Das Verständnis von Kunst als Lebensäußerung und Weltverständnis
- Verknüpfung historischer Theorien mit aktuellen kunstdidaktischen Ansätzen
- Kritische Reflexion der Anwendbarkeit diltheyscher Ansätze in der heutigen Schule
Auszug aus dem Buch
4.1. Kunsttheorie in den Schriften Diltheys
Auch wenn die Kunst selbst kein Schwerpunkt in den Arbeiten Diltheys ist, so findet sie dennoch große Bedeutung in ihnen. Vor allem seine Liebe zur Dichtung wird immer wieder deutlich, wie die häufigen Verweise auf Dichter wie Goethe und Schiller zeigen. Die Kraft der Dichtung widmete er mehrere Texte. Auch wenn Dilthey für die heutige Kunstwissenschaften eine eher untergeordnete Rolle spielt, spricht Herbert Schade ihm nichtsdestotrotz eine große Rolle in ihrer Entwicklung zu:
[…] Er hat auch die Analyse des Einzelkunstwerks und der Künstler selbst — namentlich der Dichter — in besonderer Weise gepflegt. Dazu hat er die Zusammenhänge zwischen Kunst und Psychologie und Kunst und Soziologie aufgezeigt und so der Kunstwissenschaft neue Wege gewiesen.
Die Bedeutung, die Dilthey der Kunst zuspricht, soll im Folgenden näher beleuchtet werden. In seiner Rede „Dichterische Einbildungskraft und Wahnsinn“ aus dem Jahr 1886, untersucht Dilthey die oft gennannte Verbindung zwischen Genie und Wahnsinn. In diesem Text zeigen sich die grundlegenden kunsttheoretischen Auffassungen Diltheys. Die Einbildungskraft des Dichters beschreibt Dilthey als „eine der höchsten Leistungen des Seelenlebens.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Krise des Kunstunterrichts an Schulen und stellt die These auf, dass Diltheys Pädagogik als theoretisches Fundament zur Neuausrichtung dienen kann.
2. Überblick zum Forschungsstand & Literatur: Dieses Kapitel skizziert die Forschungslage zu Dilthey und begründet die Auswahl der für die Arbeit zentralen Werke.
3. Wilhelm Dilthey – Pädagogik als Geisteswissenschaft: Hier werden die Grundlagen der geisteswissenschaftlichen Pädagogik, die hermeneutische Methode und Diltheys Bildungsbegriff theoretisch hergeleitet.
4. Kunst und Bildung: Das Kapitel analysiert Diltheys Kunsttheorie, sein Verständnis der Einbildungskraft und die Rolle ästhetischer Prozesse in der menschlichen Bildung.
5. Dilthey und die heutige Kunstdidaktik: Dieser Teil setzt Diltheys Ansätze in Bezug zu zeitgenössischen kunstpädagogischen Positionen und diskutiert Möglichkeiten für eine fachliche Neuausrichtung.
6. Kritische Betrachtung Diltheys: Hier erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit der Begrenztheit von Diltheys Kunstverständnis und dem Status der geisteswissenschaftlichen Pädagogik.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Anwendbarkeit von Diltheys humanistischem Bildungsideal für ein leistungsorientiertes Schulwesen.
Schlüsselwörter
Wilhelm Dilthey, Geisteswissenschaftliche Pädagogik, Kunstpädagogik, Ästhetische Bildung, Hermeneutik, Seelenleben, Bildungsprozess, Kunstdidaktik, Lebensphilosophie, Erziehungswissenschaft, Dichtung, Ganzheitlichkeit, Bildungsideal, Schulentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die philosophischen und pädagogischen Theorien Wilhelm Diltheys als Grundlage für eine theoretische Neuorientierung der aktuellen Kunstpädagogik dienen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die geisteswissenschaftliche Pädagogik, das Konzept der ästhetischen Bildung, die methodische Bedeutung des hermeneutischen Verstehens sowie die Verbindung von Individuum, Gesellschaft und Kunst.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Diltheys Ansätze aus dem 19. Jahrhundert für die heutige Kunstpädagogik fruchtbar zu machen, um dem Fach zu einem neuen Selbstbewusstsein als bildungsrelevantes Schulfach zu verhelfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturgestützte Analyse der Schriften Diltheys und setzt diese in Bezug zu aktuellen fachdidaktischen Positionen und Diskursen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung der geisteswissenschaftlichen Pädagogik, die Analyse von Diltheys Kunst- und Bildungsbegriff sowie die praktische Übertragung dieser Erkenntnisse auf die moderne Kunstdidaktik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Dilthey, geisteswissenschaftliche Pädagogik, ästhetische Bildung, Hermeneutik und relationales Lernen.
Warum stand Dilthey der zeitgenössischen Kunst seiner Zeit ablehnend gegenüber?
Dilthey empfand die Kunst seiner Epoche als von einer „Anarchie“ geprägt, da er der Auffassung war, dass die Suche nach Wahrheit und Idealität in der damaligen Kunst verloren gegangen sei.
Inwieweit spielt die Dichtung eine Sonderrolle in Diltheys Kunsttheorie?
Dilthey priorisiert in seinen Ausführungen deutlich die Literatur und Dichtung, da er diesen Formen ein höheres Maß an Bedeutung für das Weltverständnis und die ästhetische Kraft zuschreibt als der bildenden Kunst.
Wie definiert Dilthey das „Seelenleben“ des Menschen?
Das Seelenleben umfasst nach Dilthey die menschlichen Anlagen wie Wille, Vernunft, Bedürfnisse und Gefühle, die in ihrem Kern teleologisch, also auf das Ziel der Vollkommenheit, ausgerichtet sind.
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- Ben Joy Muin (Autor), 2021, Wilhelm Dilthey und ästhetische Bildung. Ein Vorbild für die heutige Kunstpädagogik?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1146740