Untersuchung und Vergleich der lyrischen Verarbeitung von Liebesleid in Antike und Gegenwart. Am Beispiel von Catulls "Carmen 8" und Bon Jovis "Always"


Hausarbeit, 2002

13 Seiten


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Liebesleid in der Antike: Das Gedicht carmen 8 von Catull
2.1 Inhalt von carmen 8
2.2 Analyse und Interpretation von carmen 8
2.2.1 Metrum
2.2.2 Vergangenheit
2.2.3 Gegenwart
2.2.4 Zukunft
2.2.5 Sprache und Stil

3 Liebesleid in der Gegenwart: Das Lied Always von Bon Jovi
3.1 Inhalt von Always
3.2 Analyse und Interpretation von Always
3.2.1 Vergangenheit
3.2.2 Gegenwart
3.2.3 Zukunft

4 Vergleich der lyrischen Verarbeitung von Liebesleid in Antike und Gegenwart
4.1 Gemeinsamkeiten
4.2 Unterschiede

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Fragestellung, mit der sich diese Facharbeit beschäftigen wird, ist die Frage danach, ob Liebesleid zeitlos ist. Aus diesem Grund wird eine Analyse zweier Texte erfolgen:

Carmen 8 von Catull und Always aus dem Jahr 1994 von Bon Jovi.

Hierbei soll herausgestellt werden, inwiefern sich die lyrische Verarbeitung von Liebesleid beider Werke ähnelt, ob es Parallelen und Unterschiede gibt und auf welche Weise das Thema Liebesleid Anklang findet.

Das Ziel dieser Arbeit ist es also, nach ausführlicher Analyse beider Werke eine angemessene Antwort auf die Frage „Ist Liebesleid zeitlos?“ erhalten zu können, die anschließend in einem zusammenfassenden Fazit geliefert werden soll.

2 Liebesleid in der Antike: Das Gedicht carmen 8 von Catull

2.1 Inhalt von carmen 8

Das Gedicht carmen 8 von Gaius Valerius Catullus ist als ein dramatischer Monolog verfasst, der den Umgang des lyrischen Ich mit der Trennung von seiner Geliebten behandelt. Diese Trennung führt dazu, dass das lyrische Ich auf die Liebesbeziehung mit seiner Geliebten zurückblickt und sich an die gemeinsame Zeit erinnert(vgl.VV.3-8), gleichzeitig drückt das Gedicht aber die Einstellung des lyrischen Ich nach der Trennung zu seiner Geliebten aus(vgl.VV.1-2.,VV.9-19). In carmen 8 spricht das lyrische Ich, das als Catull identifiziert werden kann, sich selbst an(vgl.V.1) und ermahnt so sich selbst, standhaft zu bleiben und über die Trennung hinwegzukommen, zur selben Zeit richten sich seine Worte aber auch an die Geliebte und drücken eine Warnung, eine Voraussage (vgl.VV.15-18) an sie aus. Carmen 8 thematisiert also das Liebesleid Catulls, dessen einstige glückliche Beziehung zu seiner Geliebten ein Ende gefunden hat und der nun eigene Methoden zu finden versucht, um dieses Ende der Beziehung zu verarbeiten.

Man kann davon ausgehen, dass die Geliebte, von der im Gedicht die Rede ist, Lesbia ist, die zuvor schon in anderen Gedichten Catulls angesprochen wird.

2.2 Analyse und Interpretation von carmen 8

2.2.1 Metrum

Carmen 8 ist im Hinkjambus verfasst und übermittelt so auf natürliche Weise einen komisch-satirischen und ironischen Unterton beim Lesen. Dieser Umstand führt dementsprechend dazu, dass die sprachliche Gestaltung des Gedichtes gegenüber der Thematik des Liebesleides steht, welche einen eher ernsten Zustand zum Ausdruck bringt. Anhand dessen lassen sich Catulls emotionale Schwankungen, aber auch seine Fähigkeit zur Selbstironie erkennen.(vgl. Glücklich, S.33). Außerdem kann man bei der Wirkung des Metrums feststellen, dass der Hinkjambus im Gedicht keineswegs unpassend ist; bezüglich dieser Tatsache äußert sich Homer F.Rebert wie folgt: „ Der Choliambus ( der sogenannte Hinkjambus ) scheint für dramatische Aussagen wie diese ideal zu sein. Der iambische Rhythmus eignet sich für leidenschaftliche Gefühlsausbrüche und Gesten; der mögliche Wechsel im Fluß der Skazonten ( das Ersetzen der Iamben durch Spondeen an erster und dritter Stelle ) ist den sich ändernden Erfordernissen der dramatischen Situation angemessen[…]“ (Eisenhut, S.93)

2.2.2 Vergangenheit

Vor der Trennung mit Lesbia befand sich Catull mit ihr in einer romantischen-und erotischen- Beziehung. Diese Beziehung ist nun, in der beschriebenen Gegenwart des Gedichtes, vorüber; Catull widmet der gemeinsamen Vergangenheit mit Lesbia dennoch immerhin ganze sechs Verse (vgl.VV. 3-8). Die Schilderung dieser Vergangenheit wird eingerahmt durch den wiederholten Ausdruck „ fulsere (vere) quondam candidi tibi soles“ (V. 3, V.8)

Catull beschreibt die Vergangenheit also durch die Aussage darüber, dass ihm einst (wahrlich) strahlende Sonnen geschienen hätten. Dieser Ausdruck ist eine Metapher, die zeigt, wie Catull seine Beziehung mit Lesbia im Nachhinein wahrnimmt; außerdem ist er eine Feststellung, das Tempus ist das Perfekt. Die folgenden Verse, die die Vergangenheit beschreiben, sind verfasst im durativen und iterativen Imperfekt(vgl.Glücklich,S.30), da sie den vergangenen Zustand und die wiederholten Handlungen wiedergeben, die damals herrschten: Man betrachtet hier die Beziehung zwischen Catull und Lesbia, die von Eintracht, großer Liebe und Liebesglück geprägt war. Catull war Lesbia regelrecht verfallen und ließ sich so von ihr dominieren und verführen : „ cum ventitabas, quo puella ducebat“ (V.4). Er liebte sie sehr. Seine starke Liebe zu ihr wird auch daran deutlich, dass in Vers 5 ein Polyptoton vorliegt: „ amata […]amabitur[…]“. Ebenfalls in diesem Vers fällt der Gebrauch eines soziativen Plurals auf , nämlich „ nobis “, welcher als Pluralis maiestatis „pathethisch-erhöhend[…]“ verwendet wird (Glücklich, S.30).

Und auch wenn aus den vorherigen Versen ersichtlich wird, dass Catull deutlich starke Gefühle für Lesbia hegte, so herrschte doch ein ungleiches Verhältnis mit Disparitäten bei ihm und Lesbia bezüglich ihrer Perspektiven zu deren Liebesbeziehung. Lesbia sah das gemeinsame Verhältnis eher als Spiel („ iocosa“, V. 6) an (vgl.Holzberg,S.89) und empfand es somit nicht auf der selben Ebene, wie es Catull im Gegensatz zu ihr tat; er meinte es wirklich ernst mit ihr und misst der Beziehung etwas Besonderes bei.

Catull ist sich seiner Position und seines Verdienstes in der Beziehung zu Lesbia durchaus bewusst. Sein Verhältnis zu Lesbia war keineswegs erzwungen oder geschah unwillig, niemand der beiden wurde in dieser Beziehung vom Partner zu irgendetwas gezwungen, man liest hier also von einem ungestörten Liebesverhältnis. Diese Tatsache bringt die Litotes „ […]nec puella nolebat“ in Vers 7 anschaulich zum Ausdruck: Lesbia ließ sich voll und ganz auf Catull ein, Catull wiederum erkennt im Nachhinein, dass es somit gar nicht zwingend an ihm liegt, dass die Beziehung nun vorbei ist. Stilistisch gesehen ist der Gebrauch dieser Litotes „fein[…]“ und „charmant[…]“ (Glücklich, S.33).

Ebenfalls zeigt Catull Bewusstsein angesichts der Tatsache, dass er eine wahrlich („ vere“ V. 8) schöne, von Glück geprägte Beziehung zu Lesbia führte. Die Wiederholung der Worte „ fulsere quondam candidi tibi soles“, die schon in Vers 3 gebraucht werden, werden an dieser Stelle von Catull benutzt, um sich diesen vergangen Zustand noch einmal ins Gedächtnis zu rufen, gleichzeitig aber auch um an dieser Stelle mit der Vergangenheit abzuschließen.

2.2.3 Gegenwart

Das Gedicht beginnt mit einer Selbstanrede in der Gegenwart, die an Catull gerichtet ist: „ Miser Catulle“ (V.1). Diese Anrede spiegelt deutlich wider, mit welchen Gefühlen Catull sich selbst konfrontiert, wie er sich und sein Liebesleid wahrnimmt und es verarbeitet. Zum einen drückt das Adjektiv aus, dass Catull Mitleid mit sich selbst hat, indem er sich so anredet. Man könnte sagen, dass er auf diese Weise eine gewisse Opferrolle annimmt. Das Wort „miser“ zu Beginn des Gedichtes lässt die gegenwärtige Gefühlslage schon von Anfang an deutlich werden; Catull empfindet sie selbst als traurig, kläglich und unglücklich, und zwar nicht nur im Anbetracht der Tatsache, dass die Beziehung zu Lesbia jetzt ein Ende gefunden hat, sondern auch bezüglich seines gegenwärtigen Zustandes, die folgenden Verse zeigen nämlich, dass er seine ganz eigenen Methoden finden muss, um diese Trennung verarbeiten zu können.

Und so folgt dieser Selbstanrede auch schon die Aufforderung, er solle aufhören, dumm / ein Narr zu sein( „desinas ineptire“ ). Catull ist sich zweier Dinge bewusst; erstens, dass die Beziehung zu Lesbia zu Ende ist, zweitens, dass sein jetziges Verhalten unvernünftig ist und Handlungsbedarf vorliegt. Für Catull ist es also aussichtslos, weiterhin an der Beziehung zu Lesbia festhalten zu wollen, stattdessen muss er nach vorne blicken und die Vergangenheit hinter sich lassen: „et quod vides perisse perditum ducas“ (V.2)

Catull hegt also tatsächlich den Wunsch danach, mit dem Verhältnis zu Lesbia abzuschließen und setzt sich Ziele, die er nur erreichen kann, wenn er in der Lage ist zu erkennen, dass die Beziehung zu Lesbia der Vergangenheit angehört und er selbst sich in der Gegenwart befindet. Sprachlich wird dieser Wunsch an den Konjunktiven deutlich: „desinas“ (V.1), „ducas“ (V.2).

Bei Catull setzt sich ein langsamer Prozess in Gange, der erforderlich ist, um mit seinem Liebesleid umzugehen. Dieser Prozess zeichnet sich grob gesagt durch diese Merkmale aus: Die Realisation der beendeten Beziehung, das Erkennen darüber, dass das Verharren auf der Liebe

zu Lesbia keinen Sinn hätte, die Selbstaufforderung zur Besinnung und Vernunft und schließlich die eigene Vorgehensweise im Blick auf die Verarbeitung seines Leidens.

[...]

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Details

Titel
Untersuchung und Vergleich der lyrischen Verarbeitung von Liebesleid in Antike und Gegenwart. Am Beispiel von Catulls "Carmen 8" und Bon Jovis "Always"
Autor
Jahr
2002
Seiten
13
Katalognummer
V1147775
ISBN (eBook)
9783346527660
ISBN (Buch)
9783346527677
Sprache
Deutsch
Schlagworte
untersuchung, vergleich, verarbeitung, liebesleid, antike, gegenwart, beispiel, catulls, carmen, jovis, always
Arbeit zitieren
Victoria Marner (Autor:in), 2002, Untersuchung und Vergleich der lyrischen Verarbeitung von Liebesleid in Antike und Gegenwart. Am Beispiel von Catulls "Carmen 8" und Bon Jovis "Always", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1147775

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