Dient ein Telenotarztsystem der Steigerung der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität im Gesundheitswesen und, wenn ja, welches Telenotarztsystem ist am geeignetsten? Um diese Forschungsfrage zu beantworten, wird zu Beginn das konventionelle Rettungswesen in Deutschland dargestellt und die jeweiligen Problemfelder wie Personalmangel oder steigende Einsatzzahlen herausgearbeitet.
Hierzu werden zunächst der organisatorische Aufbau des Rettungswesens und die daran beteiligten Personengruppen beschrieben. Mit einer Schilderung der Qualitätsdimensionen im Gesundheitswesen schließt dieses Kapitel ab. Darauf aufbauend wird der Bereich Telemedizin erörtert und bisherige Anwendungsgebiete im Rettungsdienst dargestellt. Daraufhin wird die Entwicklung zum bzw. zur TNA beschrieben und in der Folge die TNA-Konzepte in Deutschland mit ihren Besonderheiten erläutert und abschließend einander gegenübergestellt. Um die formulierte Forschungsfrage beantworten zu können, wird in Kapitel 4 zunächst der bisherige Kenntnisstand anhand einer Literaturrecherche dargestellt und zusammengefasst. Des Weiteren sollen zusätzliche Erkenntnisse durch eine Expertenbefragung gewonnen werden.
In die Literaturrecherche wurden Studien, wissenschaftliche Artikel und Stellungnahmen von Fachgesellschaften zu TNA-Konzepten und zu weiterer telemedizinischer Unterstützung bei definierten Erkrankungen eingeschlossen. Die Expertenbefragung fand anhand eines schriftlichen Fragebogens mit offenen Fragestellungen statt. Die Antworten aus der Befragung werden anhand von Schlüsselwörtern und -formulierungen gruppiert. Hieraus wird ein induktives Kategoriensystem entwickelt. Ebenso sollen die Antworten zur Bewertung der einzelnen Systeme und zum Detektieren von Verbesserungspotentialen oder zum Aufzeigen möglicher Probleme beitragen. Darauf aufbauend werden die Unterschiede der TNA-Konzepte auf Basis der Qualitätsdimensionen diskutiert und Kernkriterien, die an TNA-Systeme gestellt werden, herausgearbeitet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Präklinische Versorgung
2.1 Organisation, Aufbau und gesetzliche Grundlagen
2.2 Rettungsleitstelle
2.3 Nichtärztliches Personal
2.4 Ärztliches Personal
2.5 Schnittstellen in der präklinischen Versorgung
2.6 Qualität in der präklinischen Versorgung
3 Telemedizin
3.1 Telemedizin in der präklinischen Versorgung
3.2 Entwicklung der Telemedizin
3.3 Telenotarzt
3.4 Telenotarztkonzepte
3.4.1 Telenotarzt Aachen
3.4.2 Telenotarzt Straubing
3.4.3 Telenotarzt Gießen/Marburg
3.4.4 Telenotarzt Vorpommern-Greifswald
3.4.5 Telenotarzt in der Off-Shore-Versorgung
3.4.6 Telemedizin in den USA
3.4.7 Vergleich der Telenotarztsysteme
4 Präklinische Versorgung und Telemedizin
4.1 Die präklinische Telemedizin und ihre Auswirkungen
4.1.1 Telemedizin bei speziellen Notfallsettings
4.1.2 Telemedizin im holistischen Telenotarzt-Konzept
4.1.3 Diskussion der Auswirkungen der präklinischen Telemedizin
4.2 Expertenbefragung
4.2.1 Methode
4.2.2 Ergebnisse
4.2.3 Diskussion
4.3 Auswirkungen des Telenotarztes auf die Qualität in der präklinischen Versorgung
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob der Einsatz von Telenotärzten (TNA) zur Steigerung der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität in der präklinischen Notfallversorgung beitragen kann und welches Telenotarztsystem sich hierfür am besten eignet.
- Analyse des aktuellen Stands der präklinischen Notfallversorgung in Deutschland.
- Untersuchung verschiedener Telenotarztkonzepte und deren technischer sowie organisatorischer Rahmenbedingungen.
- Explorative qualitative Expertenbefragung zur Bewertung von TNA-Systemen und deren Auswirkungen.
- Diskussion von Qualitätsdimensionen (Struktur, Prozess, Ergebnis) im Kontext telemedizinischer Unterstützung.
- Ableitung von Empfehlungen zur Ausgestaltung von TNA-Modellen für verschiedene Einsatzszenarien.
Auszug aus dem Buch
3.4.1 Telenotarzt Aachen
Das TNA-System aus Aachen ist nicht auf Tracerdiagnosen, wie Herzinfarkt oder Apoplex, beschränkt, sondern ist ein ganzheitliches System, um die ärztliche Expertise sofort an die Einsatzstelle zu bringen. Die Entwicklung dieses holistischen TNA-Systems gliederte sich in verschiedene Phasen (Brokmann et al., 2017b).
Das Projekt TemRas wurde in Nordrhein-Westfalen im Zeitraum von August 2012 bis Juli 2013 in einer Projektphase getestet und wissenschaftlich begleitet. Hierzu wurden insgesamt sechs RTW mit der nachfolgend beschriebenen Telematikinfrastruktur ausgestattet. Zwei dieser RTW wurden im städtischen Bereich und die restlichen vier im ländlichen Bereich eingesetzt (Brokmann et al., 2015). Eine Erstveröffentlichung von Bergrath et al. berichtet zunächst von fünf ausgestatteten RTW im ersten Monat des Projektes (Bergrath et al., 2013). Die primäre Dispositionsgrundlage der RLS zur Alarmierung und Entsendung der NA zur Einsatzstelle wurde nicht angepasst. Jedoch konnten die entsprechend ausgerüsteten Rettungsmittel jederzeit Unterstützung durch eine oder einen TNA anfordern. Die TNA standen in der ersten Projektphase werktags acht Stunden zur Verfügung. In der weiteren Phase wurde die Vorhaltung der TNA auf werktags zwölf Stunden ausgeweitet. Weiterhin wurden spezielle leitliniengerechte Verfahrensanweisungen erstellt und 14 TNA und 178 RettAss in einem Tagesseminar geschult.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen im deutschen Rettungswesen, wie Fachkräftemangel und steigende Einsatzzahlen, und führt das Konzept des Telenotarztes als mögliche telemedizinische Alternative ein.
2 Präklinische Versorgung: Dieses Kapitel erläutert den organisatorischen Aufbau und die gesetzlichen Grundlagen des deutschen Rettungssystems sowie die beteiligten Personalgruppen und Qualitätsdimensionen.
3 Telemedizin: Hier werden Definitionen und Einsatzgebiete der Telemedizin sowie verschiedene existierende Telenotarztkonzepte und deren technische Umsetzung detailliert beschrieben.
4 Präklinische Versorgung und Telemedizin: Dieses Hauptkapitel analysiert die Auswirkungen von TNA-Systemen auf die Qualität im Rettungsdienst, präsentiert die Ergebnisse der Expertenbefragung und diskutiert diese kritisch.
5 Fazit: Das Fazit beantwortet die Forschungsfrage und fasst die gewonnenen Erkenntnisse zur Eignung und Implementierung von Telenotarztsystemen zusammen.
Schlüsselwörter
Telenotarzt, TNA, präklinische Notfallversorgung, Rettungsdienst, Telemedizin, Qualitätsmanagement, Strukturqualität, Prozessqualität, Ergebnisqualität, Notfallsanitäter, Rettungsleitstelle, Expertenbefragung, Notfallmedizin, Telekonsultation, Patientensicherheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, welchen Einfluss der Einsatz eines Telenotarztes auf die Versorgungsqualität in der deutschen Notfallrettung hat und wie verschiedene Systeme organisatorisch gestaltet sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die Struktur des Rettungsdienstes in Deutschland, die Definition und Messung von Qualitätsdimensionen, der Einsatz verschiedener Telemedizin-Technologien sowie die Auswertung von Expertenmeinungen zur TNA-Implementierung.
Welche Forschungsfrage steht im Mittelpunkt?
Die zentrale Frage ist, ob ein Telenotarztsystem zur Steigerung der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität im Gesundheitswesen beiträgt und welches TNA-System für diesen Zweck am besten geeignet ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Der Autor kombiniert eine Literaturrecherche zum aktuellen Stand der Forschung mit einer explorativen, qualitativen Expertenbefragung von zwölf Fachleuten aus dem Rettungsdienst, der Leitstelle und der Notfallaufnahme.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Darstellung des konventionellen Rettungswesens, der technischen und organisatorischen Entwicklung von Telemedizin-Projekten (z.B. Aachen, Straubing) und der detaillierten Diskussion der Auswirkungen auf die Qualitätsdimensionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Telenotarzt (TNA), Qualitätsdimensionen (Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität), Rettungsdienst, Telemedizin, Notfallversorgung und Expertenbefragung.
Welche Anforderungen stellen Experten an die TNA-Systeme?
Experten fordern primär eine fundierte Ausbildung und kontinuierliche Schulung der beteiligten Akteure, technische Zuverlässigkeit sowie standardisierte Einsatzabläufe, um die Prozessqualität zu sichern.
Welches Fazit zieht der Autor zur Qualifikation der Telenotärzte?
Der Autor betont, dass Telenotärzte idealerweise Fachärzte für Anästhesiologie mit der Zusatzbezeichnung Notfallmedizin sein sollten, die zudem über umfangreiche praktische Erfahrung als Notarzt verfügen.
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- Volker Julius (Author), 2020, Auswirkungen auf die Versorgungsqualität in der präklinischen Notfallversorgung durch Einsatz des Telenotarztes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1147896