Nachhaltigkeit - von der Genese des Begriffs zur Nachhaltigkeit als systemischer Ansatz


Seminararbeit, 2003
29 Seiten, Note: Sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Summary

1. Einleitung
1.1. Zielsetzung
1.2. Vorgehensweise
1.3. Aktualität und Notwendigkeit der Definition des Begriffes

2. Definition und Entstehungsgeschichte des Begriffs
2.1. Begriffserklärung
2.2. Ursprünge
2.3. Debatten der 70er und 80er
2.4. Der Brundtlandbericht
2.5. Die UNCED-Konferenz in Rio und die Rio-Folgeprozesse

3. Vielfältige Facetten des Begriffs Nachhaltigkeit
3.1. Ökologische Dimension
3.2. Ökonomische Dimension
3.3. Soziale Dimension
3.4. Institutionelle und/oder kulturelle Dimension

4. Nachhaltigkeit als systemischer Ansatz
4.1. Eindimensionalität versus Mehrdimensionalität
4.2. Wechselbeziehung zwischen den einzelnen Dimensionen

5. Fazit

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Auszug aus dem Schriftstück Sylvicultura Oeconomica

Abbildung 2: Hans Carl von Carlowitz

Abbildung 3: Der stumme Frühling von Rachel Carson

Abbildung 4: Die Grenzen des Wachstum

Abbildung 5: Gro Harlem Brundtland

Abbildung 6: Our common future

Abbildung 7: Auszug der Definition von sustainable development aus dem Bericht „our common future“

Abbildung 8: Starke, mittlere, schwache Nachhaltigkeit 14

Abbildung 9: Das magische Dreieck

Abbildung 10: Getrennte Darstellung Ökologie-Ökonomie-Soziales

Abbildung 11: Verbindung zwischen Ökologie, Ökonomie und Sozialem

Abbildung 12: Ökonomisch nachhaltige Entwicklung

Abbildung 13: Ökologisch und sozial nachhaltige Entwicklung

Abbildung 14: Ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltige Entwicklung

Abbildung 15: Ökologie, Ökonomie und Soziales als ineinandergreifende Systeme

Abbildung 16: Prisma der Nachhaltigkeit

Zusammenfassung

Den Einstieg in meine Arbeit bildet die Frage nach der Zielsetzung, die mit der Antwort eines umfassenderen Einblicks in das Thema Nachhaltigkeit beantwortet werden soll.

In der Einleitung sind weiters die Vorgehensweise und die Aktualität und Notwendigkeit der Definition des Begriffs enthalten. Dies ist notwendig um den bereits inflationär gebrauchten Begriff Nachhaltigkeit nicht nur als Modewort zu sehen.

Das folgende Kapitel „Definition und Entstehungsgeschichte des Begriffs“ versucht nun die These zu widerlegen, dass es sich bei dem Begriff lediglich um eine Worthülse handelt. Angefangen bei den Ursprüngen in der Forstwirtschaft bis hin zum World Summit for Sustainable Development im Jahr 2002 wird versucht den Begriff näher zu definieren.

Die vielfältigen Facetten des Begriffs bilden den dritten Teil der Arbeit, der die einzelnen Dimensionen der Nachhaltigkeit erläutern soll, wobei konkretes Hauptaugenmerk auf die drei Hauptpfeiler Ökologie – Ökonomie – Soziales fällt. Weitere Berücksichtigung erhält die institutionelle als auch die kulturelle Dimension, da einige Autoren für die Einführung dieser plädieren.

Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit dem systemischen Ansatz, der einerseits durch die Frage der Eindimensionalität versus Mehrdimensionalität geklärt wird, andererseits durch die Klärung der Wechselbeziehungen zwischen den einzelnen Dimensionen anhand eines Beispieles aus der Agrarwirtschaft. Hierbei wird festgestellt, dass eine nachhaltige Entwicklung nur dann möglich ist ,wenn man integrativ über die Grenzen einzelner Nachhaltigkeitsdimensionen hinausblickt und ihre Wechselwirkung berücksichtigt.

Den Schluss bildet ein Gesamtüberblick der Thematik, die das Konzept der Nachhaltigkeit als ein komplexes darstellt, dessen Postulat nach Gesamtvernetzung zu einer ethischen Maxime gemacht werden muss.

Summary

My work starts with the question regarding the objectiv target, which will be answerd with a comprehensive insight in the topic “sustainable development”.

The way of handling and the actuality and necessity of the definition of sustainability are also included in the introduction. That’s necessary because the idea of sustainability is often linked with an incorrect use.

The following chapter “definition and history of the origins of sustainability” tries to refute the idea that sustainability is just trendy. The definition will be in closer inspection from the roots date back in the forestry up to now .

The chapter “different facets of sustainability” shows the single dimensions of sustainability.

The concrete attention is turned to the three-dimensionality of ecology, economy and sociality, but also the institutional and the cultural dimensions will be reflected, because some of authors plead for the introduction of those last dimensions.

The fourth chapter concerns the systemic way of sustainability, which deals with the connections between the dimensions. There are various and complex links which show us that sustainable development only can be reached when the dimensions are seen as a complex system.

A short essay regarding the topic sustainability will form the end and will show us that a exact definition doesn´t exist. We can only say that there is a demand for a complex way of thinking which can be described as the key of reaching sustainable development.

1. Einleitung

1.1. Zielsetzung

Die Frage nach Kriterien, Konzepten und Strategien zur Umsetzung einer dauerhaft erhaltbaren Entwicklung der Menschheit nahm in den letzen Jahren immer mehr an Bedeutung zu. Im Mittelpunkt steht hierbei der Begriff des „Sustainable Development“, was als „nachhaltige Entwicklung“ ins Deutsche übertragen wurde. Der Begriff der Nachhaltigkeit bzw. der nachhaltigen Entwicklung ist von umfangreicher Komplexität, weshalb eine genaue Festlegung dieses Begriffes schwer möglich ist. So soll die Genese, die Dimensionen und der systemische Ansatz des Begriffes Thema dieser Seminararbeit sein, um einen konkreteren Einblick dieses umfassenden Begriffes zu erhalten.

1.2. Vorgehensweise

Während im Teil Definition und Entstehungsgeschichte die Entwicklung des Begriffs Nachhaltigkeit angefangen bei der Begriffserklärung, über die Ursprünge in der Forstwirtschaft bis hin zum World Summit for Sustainable Development 2002 in Johannesburg vermittelt wird, konzentriert sich das Kapitel „vielfältige Facetten des Begriffs“ auf die unterschiedlichen Typen von Nachhaltigkeit. Im vierten Kapitel wird die Frage der Ein- und Mehrdimensionalität erläutert, sowie die gegenseitige Wechselwirkung der einzelnen Dimensionen. Das letzte Kapitel umfasst einen kurzen Gesamtüberblick hinsichtlich des Begriffs Nachhaltigkeit.

1.3. Aktualität und Notwendigkeit der Definition des Begriffes

Durch die vielfältige Verwendung der Begriffs Nachhaltigkeit besteht mittlerweile die Gefahr, dass Nachhaltigkeit zu einem Modebegriff mutiert. Ob in Parlamentsreden, politischen Aufsätzen, Strategiepapieren oder in den Medien, der Begriff Nachhaltigkeit scheint en vogue zu sein. Nachhaltigkeit kommt in den denkwürdigsten Zusammenhängen vor und ersetzt zahlreiche Synonyme, es verwischt somit die Nuancen. Im Alltagsgebrauch der Menschen kommt der Begriff jedoch so gut wie gar nicht vor. Grund dafür ist, dass die Bevölkerung mit Themen wie Ressourcenknappheit, Zerstörung der Regenwälder, Versteppung oder Artenschwund nicht direkt konfrontiert ist. Unmittelbare Betroffenheit würde einen Handlungsdruck nach sich ziehen und eine Veränderung des Bewusstseins in Bezug auf den Begriff Nachhaltigkeit bewirken.

Aber auch diejenigen, die den Begriff so vielfältig verwenden, können ihn in den seltensten Fällen wirklich definieren. Und dies ist wie uns das nächste Kapitel anhand von verschiedenen Konferenzen zeigt, nicht einfach.

2. Definition und Entstehungsgeschichte des Begriffs

2.1. Begriffserklärung

Greift man auf das Lateinische zurück so bedeutet das Verb sustinere so viel wie aufrechthalten, stützen (STOWASSER et al 1994). Auch im Englischen hat das Verb sustain die Bedeutung von stützen, tragen, aushalten, erhalten. Das Verb wird in physikalischen, moralischen, biologischen, gesundheitlichen, also in vielfältigen Zusammenhängen verwendet (LANGENSCHEIDTS Schulwörterbuch 1996). Das Verb to sustain wird laut WEBSTER (1986) das erste Mal im Jahr 1290 im folgendem Zusammenhang gebraucht: „Two chiefs each able to sustain a nations fate“ (Zwei Könige jeder fähig, das Schicksal der Nation aufrechtzuerhalten) (Webster, nach NINCK 1997).

Die älteste Verwendung des Begriffes im deutschen Sprachraum geht auf das Jahr 1713 zurück, wo in dem Schriftstück „Sylvicultura Oeconomica“ von Carl von Carlowitz eine „ continuierliche, beständige und nachhaltige Nutzung des Waldes “ verlangt wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Auszug aus dem Schriftstück Sylvicultura Oeconomica. (Quelle: Forstdirektion des Wittelsbacher Ausgleichsfonds, Jänner 2003)

Im 19. Jhdt. wird das Wort Nachhaltigkeit schließlich in CAMPES Wörterbuch (1809) als neu vermerkt. Das Adjektiv nachhaltig wurde mit „einen Nachhalt haben, andauernd, dauernd“ umschrieben. Hier ist die Bedeutung Vorrat als auch die Bedeutung Dauerhaftigkeit noch präsent. Im Deutschen Wörterbuch von GRIMM (1889) wird das Nomen Nachhalt mit „Rückhalt, Reserve“, das Verb nachhalten jedoch mit „anhalten (im Sinne von andauern), nachfolgen, nachholen,...“ beschrieben, wodurch auch hier jene Wortgruppe noch diese Doppelbedeutung beinhaltet. Als Belegstelle wurde bei Grimm Goethe und Gotthelf zitiert.

Bei TRÜBENER (1934) sind das Nomen „Nachhalt“ und das Verb „nachhalten“ nicht mehr vorhanden, das Adjektiv „nachhaltig“ wurde mit „lange nachwirkend, dauernd, nachdrücklich“ beschrieben. So ist die Verwendung des Begriffs mit der in der Forstwirtschaft typischen Bedeutung verloren gegangen. Der Begriff Nachhaltigkeit umschreibt heute nicht mehr einen Weg zur dauerhaften Vorratserhaltung, sondern den Zustand von Dauerhaftigkeit (Zürcher, nach NINCK 1997; BÜCHI 2000, S.201-205).

Erst mit der Einführung des Begriffs sustainable development, der erstmals 1980 bei der Word Conversation Strategy der Vereinten Nationen zu lesen war und der damit verbundenen Übersetzung ins Deutsche, tauchte die Bedeutung einer Entwicklung bezüglich der Vorratserhaltung wieder auf. Heute wird häufig von einer zukunftsfähigen, dauerhaften, umweltgerechten oder nachhaltigen Entwicklung gesprochen. (Sachverständigenrat für Umweltfragen nach GROSSMANN et al. 1990). Weltweit formuliert wurde das Konzept des „Sustainable Development“ erst auf der UNCED Konferenz in Rio. Im deutschen Sprachraum hat sich der Begriff der nachhaltigen Entwicklung durchgesetzt (Aachener Stiftung, Dezember 2002). Der Begriff nachhaltige Entwicklung vereint außerdem zwei grundsätzliche Tendenzen. Zum einen, die einer konservativ, bewahrenden Tendenz des Wortes Nachhaltigkeit, zum anderen die fortschreitend, ändernde Tendenz des Begriffs Entwicklung (Trommer, nach GROSSMAN et al. 1999, S.1).

So kann der Begriff nachhaltige Entwicklung als Dichtomie verstanden werden. Bei einer Trennung des Begriffs würde man einer Tendenz mehr Bedeutung zumessen. Der entscheidende Fakt ist jedoch genau die Verknüpfung dieser beiden Wörter, durch die das Leitbild Nachhaltigkeit einen innovativen und kreativen Charakter erhält. (Arts et al. 1994, Jamieson 1998, nach KOPFMÜLLER et al. 2001)[1]

2.2. Ursprünge

Wie bereits erwähnt, stammt der Begriff Nachhaltigkeit ursprünglich aus der Forstwirtschaft. Man verstand unter Nachhaltigkeit jenen Bereich in der Forstwirtschaft, der sich mit dem Zusammenhang von Fortbestand und Nutzen des Waldes beschäftigt. Erfunden wurde der Begriff um ca. 1700 vom Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz in der Silberstadt Freiberg (Sachsen). Die verschärfte Holzknappheit veranlasste den Adeligen ein Konzept zur dauerhaften Bereitstellung von Holz für den Silberbergbau zu erarbeiten. Das Konzept sah den Wald als natürliche Ressource, der auf Dauer gesichert werden musste. Es durfte nämlich nur so viel Holz geschlagen werden, wie durch Aufforstung wieder nachwachsen konnte (Landesinstitut für Schule und Weiterentwicklung NRW, Dezember 2002).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Hans Carl von Carlowitz (Quelle: Landesinstitut für Schule und Weiterentwicklung NRW, Dezember 2002)

1795 beschrieb Theodor HARTIG in seinem forstnaturwissenschaftlichen Conversation-Lexikon die Bedeutung eines nachhaltigen Holzbestandes, da diese in der Forstwirtschaft zunehmendst außer acht gelassen wurde (Hartig in NINCK, 2001). Er legte also fest, dass „ die Wälder nur soweit zu nutzen sind, dass die Nachkommenschaft ebenso viele Vorteile daraus ziehen kann als sich die jetzt lebende Generation zueignet “ (Forum Umwelt & Entwicklung Mainz, Jänner 2003).

Durch die aufkommende Industrialisierung, verbunden mit einem immer größer werdenden Bedarf an Holz, stand man so in Europa im 19 Jahrhundert vor der Tatsache, dass dieser Energielieferant zunehmend aufgebraucht wurde. Es wurde bald klar, dass Handlungsstrategien gesetzt werden müssen, um der nachfolgenden Generation ebenso die Nutzung des Waldes zu ermöglichen und eine reine Gewinnwirtschaft zu verhindern. So forderte Otto von Hagen im Jahre 1894 neben der ökonomischen Funktion auch eine Aufrechterhaltung der Schutz- und Wohlfahrtsfunktion des Waldes (European DataBank Sustainable Development, November 2002; Landesinstitut für Schule und Weiterentwicklung NRW, Dezember 2002).

[...]


[1] Im folgenden werden die Begriffe sustainable development, nachhaltige Entwicklung und Nachhaltigkeit synonym verwendet.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Nachhaltigkeit - von der Genese des Begriffs zur Nachhaltigkeit als systemischer Ansatz
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz  (Institut für Geographie und Raumforschung)
Veranstaltung
Seminar
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
29
Katalognummer
V114932
ISBN (eBook)
9783640162611
ISBN (Buch)
9783640172023
Dateigröße
707 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
32 Einträge im Literaturverzeichnis, davon 20 Internetquellen.
Schlagworte
Nachhaltigkeit, Genese, Begriffs, Ansatz, Seminar
Arbeit zitieren
Silvia Schein (Autor), 2003, Nachhaltigkeit - von der Genese des Begriffs zur Nachhaltigkeit als systemischer Ansatz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114932

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