Das Konzept des real maravilloso in Alejo Carpentiers „El siglo de las luces“

"Todo lo insólito es maravilloso"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
31 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Das Konzept des real maravilloso
I.1 Lo real maravilloso in seiner Entstehung
I.2 Lo maravilloso in Lateinamerika
I.3 Die Rolle des Autors und seine Strategie im real maravilloso

II. Die Weiterentwicklung des real maravilloso zwischen den 40er und den 60er Jahren

III. Untersuchung des Romans „El siglo de las luces“ auf Elemente des real maravilloso
III.1 Die Personen
III.2 Reisen, die Natur und die Rolle der Karibik
III.3 Wechsel in Raum und Zeit
III.4 Sprache und Stil
III.5 Synkretismus und Antonymie

Schlussworte

Anhang

Kapitelnachweise

Bildnachweise

Bibliographie

Einleitung

1949 erschien Alejo Carpentiers Roman „El reino de este mundo“. Im Prolog zu diesem Roman benutzt der kubanische Autor den Ausdruck lo real maravilloso und nimmt damit Bezug auf das, was für ihn das spezifisch Lateinamerikanische ist, ohne dieses Spezifikum endgültig zu konkretisieren. Der Roman selbst ist voll Wundern und Wunderlichem, ein Beispiel par excellence für das von ihm proklamierte Konzept, und erzählt anhand des Lebens des schwarzen Sklaven Ti Noel einen Abschnitt der wechselvollen haitianischen Geschichte. Die Handlung setzt im 18. Jahrhundert ein, in der Zeit des späten Kolonialismus, und endet mit der Errichtung der ersten, von ehemaligen Sklaven errichteten Republik im 19. Jahrhundert. In der Erzählung wird unter anderem der Sklavenführer François Mackandal erwähnt, der sich, nachdem er von den Franzosen gefangen genommen wurde und verbrannt werden sollte, in ein Insekt verwandelt und so dem Scheiterhaufen entfliehen kann.

Doch der von Alejo Carpentier geprägte Begriff lo real maravilloso ist, auch fast 60 Jahre nach Erscheinen von „El reino de este mundo“, unter den Kritikern umstritten. Der Vorwurf, dass sein Konzept eurozentristisch sei, wurde von Kritikern wie Verdevoye immer wieder geäußert, die hierin die Unmöglichkeit des Konzeptes sehen: Während für den Europäer Lateinamerika etwas Wunderbares sei, sähen die Lateinamerikaner in diesem Wunder etwas völlig normales und könnten es somit auch nicht als etwas Wunderbares empfinden. Wie falsch manche Kritiker bei der Interpretation Carpentiers liegen, beweist z.B. Lorenz, der Carpentier als Autor des Realismo mágico einstuft (vgl. Lorenz, S. 54, S. 107, S. 129). In der deutschen Carpentier-Forschung hat sich in den letzten Jahren Hans-Otto Dill als einer der herausragenden Kritiker gezeigt. Auf ihm basiert ein Teil dieser vorliegenden Arbeit, da seine Carpentier-Lesart die Weiterentwicklung des Carpentierschen Konzeptes ermöglicht und hierbei besonders dem Aspekt des Sich-Wunderns Raum gibt. Ebenso geben Webb und Padura Fuentes einen Forschungsstand wieder, der dieser Arbeit eine wichtige Stütze war.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Carpentiers Begriff des lo real maravilloso (americano), sowohl in seiner Frühphase als auch in seiner Entwicklung, und untersucht anschließend den Roman „El siglo de las luces“ auf Elemente des Konzeptes. Dieser Roman wurde in den späten 50er Jahren geschrieben, doch erst 1962, nachdem Carpentier nach der kubanischen Revolution aus dem venezolanischen Exil nach Kuba zurückgekehrt war, veröffentlicht. Das Werk beschäftigt sich mit der Französischen Revolution, die der Franzose Víctor Hugues in die Karibik bringt, um von dort aus den lateinamerikanischen Kontinent mit der europäischen Aufklärung zu befreien. Noch vor seiner revolutionären Aktivität lernt er auf Kuba die Geschwister Carlos und Sofía, sowie deren Cousin Esteban kennen. Letzterer begleitet ihn sowohl nach Frankreich, als auch später in die Karibik, wo Esteban als Freibeuter die Region kennen lernt. Später ist es Sofía, die Hugues nach Cayenne nachreist, um schließlich, von Hugues, nicht aber von der revolutionären Idee enttäuscht, gemeinsam mit Esteban nach Spanien geht und dort im Aufstand gegen Napoleon umkommt.

Für die Analyse des real maravilloso werden neben dem Vorwort von „El reino de este mundo“ weitere theoretische Texte Carpentiers untersucht, um anhand dieser ergänzenden Texte das Konzept Carpentiers zu verstehen. Die Weiterentwicklung des real maravilloso in den 50er und 60er Jahren wird ebenfalls mit einbezogen und somit eine Definition des Konzeptes erstellt, die es erlaubt, das Werk „El siglo de las luces“ (in der deutschen Version „Explosion in der Kathedrale“) auf Elemente des real maravilloso zu untersuchen. 5 Jahre nach der Veröffentlichung von „El siglo de las luces“ erscheint mit „Tientos y diferencias“ eine Essay-Sammlung Carpentiers, in der unter dem Titel „De lo real maravilloso americano“ auch eine Überarbeitung des Vorwortes von „El reino de este mundo“ zu finden ist. Während in diesem Essay Carpentier neben weiteren Absätzen fast vollständig die bereits 15 Jahre früher geäußerte Idee des real maravilloso wiedergibt, lässt sich in anderen Essays eine Veränderung des Carpentierschen Konzeptes erkennen. Diese Weiterentwicklung, die später zu dem Konzept des Barocken führen wird, darf bei der Analyse von „El siglo de las luces“ nicht übersehen werden.

I. Das Konzept des real maravilloso

I.1 Lo real maravilloso in seiner Entstehung

Mit dem Konzept des real maravilloso[1] versuchte Alejo Carpentier die Besonderheit Lateinamerikas, das Spezifische dieses Kontinents, hervorzuheben. Seiner Meinung nach war Lateinamerika voll von Dingen, die maravilloso, also wunderbar, waren. Der Idee der Surrealisten, mit denen er in den späten 20er und frühen 30er Jahren während seines Exils in Frankreich in Kontakt kam, folgend, definierte Carpentier all dies als maravilloso, was ein Subjekt dazu bringt, sich über ein Objekt zu wundern, zu erstaunen. Das Wunderbare ist also das, was unerwartet, verblüffend, erstaunlich ist. Doch im Gegensatz zu Breton, der 1924 in seinem ersten Manifest des Surrealismus schrieb „Tranchons-en: le merveilleux est toujours beau, n'importe quel merveilleux est beau, il n'y a même que le merveilleux qui soit beau." (Breton, S. 28), ist Carpentier davon überzeugt, dass all das, was ungewöhnlich ist, wunderbar ist – egal ob schön oder hässlich: „todo lo insólito es maravilloso“ (Carpentier zitiert in Dill, 1993, S. 71). Zudem distanziert sich Carpentier deutlich in dem Prolog von den Surrealisten, ihren wunderbaren Dingen und vor allem ihrer Art und Weise, diese zu produzieren. Er kritisiert vehement die surrealistische Vorgehensweise, da sie einen artifiziellen Weg einschlägt, der nichts mit dem Wunderbaren Lateinamerikas zu tun hat[2] und wirft ihnen vor, „trucos de prestidigitación“ (Carpentier, 2006, S. 369) zu benutzen. Er betont, dass im Gegensatz zu Europa, wo Wunder erfunden werden müssen, in Lateinamerika die Wunder alltäglich und real sind[3]. Falls real maravilloso wie bei Dill mit Wirklich-Wunderbarem übersetzt wird, so könnte das Adjektiv „real“ sowohl als Unterstreichung der realen Wunder Lateinamerikas verstanden werden, als auch als eine Distanzierung von den „künstlichen“ und somit minderwertigeren Wundern der Surrealisten. Im anderen Falle, „real“ als Substantiv, würde es sich um eine Betonung der Realität Lateinamerikas handeln, die an sich, ohne künstliches Dazutun, bereits wunderbar ist. Hiermit dürfte bewiesen sein, dass die Diskussion, wie lo real maravilloso nun zu übersetzen ist, obsolet ist, da sich beide Übersetzungen auf einen Teilaspekt des Konzeptes beziehen, ohne sich jedoch zu widersprechen.

Auf das Konzept Carpentiers zurückkommend, ist das, was nach Carpentier also maravilloso ist, all das, was als Objekt beim Betrachter Be- oder Verwunderung hervorruft. Es handelt sich demzufolge hierbei um eine Beziehung zwischen Objekt und Subjekt und nicht um eine konkrete Eigenschaft des betrachteten Objektes. Diese Erkenntnis führt jedoch dazu, dass es also auf das betrachtende Subjekt ankommt, ob es sich um etwas Wunderbares handelt oder nicht. Hier wird von vielen Kritikern (siehe z.B. Verdevoye, S. 162,f.) eine große Schwäche des Konzeptes gesehen und der Vorwurf geäußert, Carpentier besäße einen europäischen Blickwinkel. Den Vorwurf, dass europäische Augen[4] nötig sind, um die alltäglichen Wunder Lateinamerikas sehen zu können, kann Carpentier und will er auch nicht entkräften. Es ist dies der Weg, den er mit seinem Konzept des real maravilloso americano einschlagen möchte, um den Lateinamerikanern die Augen für ihre eigene Kultur, ihre Besonderheit zu öffnen. Nur aus der Ferne betrachtet ist dieses neue Sehen und Erkennen möglich und hierfür benötigt Carpentier neben dem Lateinamerikaner eben auch den Europäer, für den die Besonderheiten Lateinamerikas Wunder und nicht Alltäglichkeiten sind. Dieser Vergleich, direkt und indirekt zwischen Lateinamerika und Europa, spielt eine wichtige Rolle im real maravilloso und wird im Unterkapitel I.3 genauer erläutert. Sowohl in dem Prolog zu „El reino de este mundo“, als auch in dem Essay „De lo real maravilloso americano“ betont Carpentier immer wieder Haiti und seine dort gemachten Erfahrungen. Obwohl Haiti kulturell und sprachlich eher Frankreich als Spanien zuzuordnen ist, ist er davon überzeugt, dass das Konzept allgemein für Lateinamerika gültig ist. In den 20 und 30er Jahren besitzt die Literatur Lateinamerikas eine regionalistische Strömung, der Carpentier mit einem allgemeingültigeren Konzept entgegenwirkt. Seiner Meinung nach gibt es viele lateinamerikanische Gemeinsamkeiten, die es literarisch hervorzuheben gilt. Dieser Ansatz der Gemeinsamkeit bedeutete allerdings auch, dass Carpentier sprachlich in Lateinamerika, und eben nicht in einem einzelnen Land des Kontinents bleiben musste. Er durfte also nicht zu sehr mit regionalen Dialekten arbeiten, um die Universalität seiner Werke nicht zu verlieren. Dies ist wohl einer der Hauptgründe für den seltenen Gebrauch der direkten Rede in Carpentiers Werken.

I.2 Lo maravilloso in Lateinamerika

In seinem Vorwort zu „El reino de este mundo“ und ebenso in dem Essay „De lo real maravilloso americano“ gelingt es Carpentier nicht, eindeutig zwischen maravilla (Wunder als etwas Wunderbares und Verwunderung auslösendes) und milagro (Wunder als ein wirkliches Wunder) zu unterscheiden: Auf der einen Seite spricht er von einem Wunder, dass Verwunderung auslöst, also in surrealistischer Tradition steht, auf der anderen Seite spricht er von einem Wunderglauben, wie dem Glauben an die Verwandlungsfähigkeit Mackandals, in dessen Fall es sich vielmehr um ein Wunder handelt. Diese fehlende Stringenz in der Argumentation Carpentiers stellt auch Dill fest (2005, S. 72/73), zieht allerdings die richtige Schlussfolgerung, dass es sich bei den lateinamerikanischen Wundern um maravillas handelt. Allein diese nämlich sind es, die dem Konzept des real maravilloso einen wirklichen Sinn geben. Das Wunderbare Lateinamerikas zeichnet sich durch viele Dinge aus: Eine multikulturelle und polyethnische Gesellschaft, in der die unterschiedlichen Kulturen und Rassen miteinander leben (und nicht nebeneinander wie es auf den anderen Kontinenten der Fall ist), eine Gleichzeitigkeit der Zeiten und eine Fülle an Naturwundern.

Die Gesellschaft Lateinamerikas besteht zu einem großen Teil aus Mestizen, worin Carpentier ein künstlerisches Potential sah. Im Gegensatz zu Europa, wo miteinander verwandte Völker miteinander verschmelzen, gibt es in Lateinamerika eine Vermischung verschiedenster Rassen, die über Jahrhunderte nicht einmal voneinander wussten (vgl. Webb, S. 19-22). Allein diese Tatsache ist nach Carpentier etwas für Europäer Verwunderliches, ergo „Wunderbares“[5]. Diese multikulturelle Gesellschaft besitzt ein mythenhistorisches Erbe, welches Carpentier als wichtigen Bestandteil des real maravilloso ansah: Die Mythen waren ein Teil der Geschichte der Völker, z.B. das Popol Vuh der Mayas[6] (auf das sich vor allem Miguel Angel Asturias stützte) und andere Schöpfungsgeschichten. Der Wodu-Glaube auf Haiti war für Carpentier in zweifacher Hinsicht wunderbar: Zum einen handelte es sich um ein generell wunderbares Objekt, das das betrachtende Subjekt verwundern ließ, zum anderen handelte es sich hierbei um ein Beispiel für den Synkretismus, der eine wichtige Rolle in Carpentiers Theorie spielte: Der afrikanische Glaube wurde mit karibischen und katholischen, also europäischen, Glaubenselementen vermischt[7]. In den Romanen „¡Ecué-Yamba-O!“ ist der Wodu bereits wichtig, doch in „El reino de este mundo“ ist der Wodu ein Vertreter der Carpentierschen Maravilloso-Theorie.

Die Gleichzeitigkeit der Zeiten ist ein weiteres wunderbares Charakteristikum Lateinamerikas. Es ist möglich, wie Carpentier auch in seinem Roman „Los pasos perdidos“ (1953) zeigt, innerhalb Amerikas tausende von Jahren in der Zeit zurückzureisen. Hierzu lässt er den Protagonisten von einer US-Metropole, die sich in der Jetzt-Zeit befindet, in den südamerikanischen Urwald reisen, in dem die Menschen teils noch leben, wie in der Steinzeit. Die Reise führt ihn in eine lateinamerikanische Stadt, die kulturell auch im 19. Jhd. situiert sein könnte, und durch Agrargebiete, die durchaus dem Mittelalter und der Zeit der spanischen Eroberung gleichen. Diese Gleichzeitigkeit ist in Europa nicht mehr zu finden und stellt ein weiteres wunderbares Element Lateinamerikas dar.

Die Naturwunder Lateinamerikas sind, wie auch die o.g. Beispiele keine Wunder im übernatürlichen Sinne. Es handelt sich vielmehr um Be- / Verwunderung auslösende Dinge, die natürlichen Ursprungs sind. Dies können Wasserfälle wie der des Iguaçu sein, Bergformationen wie jene bei Machu Picchu, die, vom richtigen Winkel aus betrachtet, einem gen Himmel gerichteten Gesicht ähneln, das Rocas Atoll oder das Belize Barrier Reef.

I.3 Die Rolle des Autors und seine Strategie im real maravilloso

Alejo Carpentier hat in seinem Vorwort weder die Rolle des Autors bezeichnet, noch konkret eine Stilrichtung o.ä. vorgegeben, welche ein Autor des real maravilloso anzuwenden hat. Márquez Rodríguez sieht den Autor, im Gegensatz zum Autor des Realismo Mágico, der die Realität transformiert, in der Pflicht, die Wunder Lateinamerikas dem Leser näher zu bringen, ohne die Realität zu verändern, da diese bereits an sich wunderbar sei (vgl. Márquez Rodríguez S. 50, f.).

Um das Wunderbare zur Wirkung zu bringen, ist demzufolge nicht nur die wunderbare Sache an sich, sondern auch die Art und Weise relevant, die der Autor anwendet, um das Verwunderung hervorrufende zu zeigen. Hierbei lässt sich zwischen verschiedenen Situationen unterscheiden:

-Das Ungewohnte: Das Subjekt wird mit einer ihm ungewohnten Situation konfrontiert und wundert sich.
-Das Unerwartete: Die Situation verändert sich in einer Weise, wie das Subjekt dies nicht erwartet hatte.
-Das Bemerken des bisher Unbemerkten: Die Situation bleibt unverändert, aber das Subjekt hat seine Sensibilität erweitert (durch eine Erweiterung der Maßstäbe und Kategorien der Wirklichkeit) und ist besonders sensibilisiert worden (durch eine Art Grenzzustand, wie er auch im Surrealismus gesucht wurde). (vgl. Dill, 1993, S. 73 ff.)

Der Autor muss demzufolge die Personen des Romans immer wieder in solche Situationen versetzen, um den Effekt des Wunderbaren zu erreichen. Anderson Imbert äußert sich folgendermaßen zur Strategie, die der Autor anwenden muss: „La estrategia del escritor consiste en sugerir un clima sobrenatural sin apartarse de la naturaleza y su táctica es deformar la realidad en el magín de personas...“ (Anderson Imbert, S. 19).

[...]


[1] Bereits bei der Übersetzung entsteht ein erstes Problem: Welches der beiden Wörter ist das Substantiv, welches das Adjektiv? Die Meinungen der Kritiker gehen hier auseinander, Dill (Dill, 2005, S. 67) begründet die Substantiv-Funktion von maravilloso grammatikalisch und gelangt so zum „Wirklich-Wunderbaren“, andere Kritiker sehen die Übersetzung „Wunderbare Wirklichkeit“ als korrekt an. Webb (S. 18) unterscheidet in ihrer Übersetzung zwischen „marvelous reality“ - mit Bezug auf die Realität – und „marvelous realism“ - als einem künstlerischen Konzept. Wie in diesem Kapitel gezeigt werden wird, ist diese Diskussion im Prinzip aber obsolet.

[2] Irlemar Chiampi sieht dennoch einen großen Einfluss eines Surrealisten auf Carpentier: In Pierre Mabilles „Le miroir du merveilleux“ findet sie viele Anzeichen, die später auch Carpentier in sein Konzept einbeziehen würde: Die Unterscheidung zwischen peripheren Kulturen, die reich an wunderbaren Dingen sind, und der westlichen Tradition, die verhältnismäßig arm an diesen Dingen ist; die Wichtigkeit der Folklore; die Kritik an der Produktion von Wundern anhand von literarischen Konventionen, die der Authentizität der peripheren Kulturen gegenübersteht; die Magie und der Synkretismus Haitis (vgl. Chiampi, S. 39 f.). Chiampi weist auch darauf hin (S. 46), dass der Ausdruck maravilloso vom Francisco Contreras stammen könnte, der 1927 in seinem Buch „El pueblo maravilloso“ den amerikanischen Mythen und der Folklore viel Bedeutung gab: „Nuestro mitología es, pues, elemento esencial precioso de nuestro espíritu colectivo.“ (Contreras, zitiert ebenda). Ein anderer „Erfinder“ des Ausdrucks könnte der italienische Autor Máximo Bontempelli sein (Pickenhayn, S. 160).

[3] Für eine weitere Diskussion der Carpentierschen Kritik an den Surrealisten sei die Lektüre des dritten Kapitels in Hans-Otto Dills Buch „Lateinamerikanische Wunder und Kreolische Sensibilität“ empfohlen.

[4] Im Sinne von durch die westliche Kultur, besonders Westeuropa und der USA, geprägte Augen.

[5] An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass Carpentier somit auch seine Abneigung gegenüber dem rassistischen Denken, das in Europa zu Beginn der 40er Jahre zu beobachten war, unterstrich.

[6] Bei dem Popol Vuh („Buch des Rates“) handelt es sich um das heilige Buch der Quiché-Mayas, in dem die Schöpfungsgeschichte des Stammes der Quiché beschrieben wird.

[7] Ein weiteres Beispiel für Synkretismus in Lateinamerika ist die Heiligenfigur Maximón, der „Rilaj Mam“, in Santiago Atitlan, Guatemala, die Maya-Glauben und christliche Elemente vereint.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Das Konzept des real maravilloso in Alejo Carpentiers „El siglo de las luces“
Untertitel
"Todo lo insólito es maravilloso"
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Kuba im Spiegel seiner Literatur
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
31
Katalognummer
V114979
ISBN (eBook)
9783640162895
Dateigröße
712 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konzept, Alejo, Carpentiers, Kuba, Literatur, El Siglo de las luces, Lo real maravilloso, Lateinamerikanische Literatur
Arbeit zitieren
Sebastian Frese (Autor), 2007, Das Konzept des real maravilloso in Alejo Carpentiers „El siglo de las luces“ , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114979

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