Straßenkinder von Brasilien


Hausarbeit, 2006

22 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Das Land Brasilien
2.1 Geographische Strukturen
2.2 Geschichtliche Hintergründe
2.3 Bevölkerung und Religion
2.4 Massenelend / Sozialstrukturen
2.5 Das brasilianische Familienleben

3 niños de la calle
3.1 Definition: Straßenkind
3.2 Ursachen für Straßenkindheit
3.3 Todesschwadronen und Polizeirazzien
3.4 Kinderrechtsbewegungen

4 Straßenprostitution
4.1 Sexuelle Ausbeutung von Kindern
4.2 Aids und Sextourismus

5 Schlusswort

Literaturverzeichnis:

1 Einleitung

In meiner Seminararbeit werde ich über das Thema „Straßenkinder in Brasilien“ schreiben.

Ich habe mir dieses Thema ausgesucht, da man eine Zeit lang vermehrt über diese Kinder durch die Presse erfahren hat. So wuchs zum Beispiel Anfang der 90er Jahre das Interesse der Öffentlichkeit für die Straßenkinderproblematik aufgrund grausamer Ermordungen von Straßenkindern in Brasilien durch Todesschwadronen, aber diese Berichte sind längst wieder aus den Medien verschwunden.

In meiner Arbeit werde ich zunächst das Land Brasilien vorstellen, da es mir wichtig erscheint, den „Schauplatz“ und seine geschichtlichen Hintergründe, die gesellschaftlichen Strukturen sowie die Familienstrukturen kennen zu lernen, um einen besseren Einblick in die Materie zu bekommen. Außerdem ist es für mich sehr interessant, Neues über ein mir bisher kaum bekanntes Land zu erfahren.

Im Anschluss werde ich einen kurzen Einblick in das Leben der Kinder der Straße geben, indem ich versuche, eine Definition über das Straßenkind aufzustellen. In meiner Arbeit werde ich mich hauptsächlich den niños de la calle zuwenden, also den Kindern, die völlig auf sich alleine gestellt auf der Straße leben, ohne Kontakt zu ihrer Familie. Hierzu habe ich auch selbstständig ein Schaubild der vielfältigen Möglichkeiten eines Weges vom Elternhaus auf die Straße entwickelt und gestaltet.

Weiterhin werde ich in diesem Kapitel über die oben genannten Todesschwadronen und Polizeiattacken auf die Kinder berichten, worauf ich dann im dritten und letzten Kapitel über den stark anwachsenden Trend des Sextourismus in Brasilien schreiben werde. Der Sextourismus und die damit verbundene sexuelle Ausbeutung ist eine Art Kinderarbeit und neuartige Sklaverei, die neben den anderen alltäglich gefährlichen Situationen eine der größten Gefahren für die Kinder darstellt.

Ziel dieser Arbeit ist es, einen umfassenden Einblick über das Leben der Straßenkinder zu geben und vor allem aufzuzeigen, wie vielen Gefahren sie in ihrem Kampf ums Überleben ausgesetzt sind.

2 Das Land Brasilien

2.1 Geographische Strukturen

Das tropische Großreich Brasilien ist mit 8.5 Millionen km² das fünftgrößte Staatsgebilde der Erde und ist zwischen dem 5. Grad nördlicher und dem 33. Grad südlicher Breite sowie dem 35. und 75. Längengrad gelegen. Brasilien bedeckt 5,7% der Landoberfläche der Erde und wird dadurch an Landmasse nur von Russland, Kanada, den USA und der Volksrepublik China übertroffen.

Brasilien zählt 22 Bundesstaaten. Im Norden, welcher etwa 42% des Landes umfasst, liegt unter anderem auch der Bundesstaat Amazonas. Allein dieser Staat ist achtmal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland und damit das größte tropische Waldgebiet der Erde. Der Nordosten Brasiliens umfasst ca. 18% des Staatsgebiets und zählt zu den ärmsten Regionen Brasiliens. Hier ist noch viel des kolonialen Brasiliens erhalten geblieben. Die Staaten des Mittelwestens machen etwa 22% des Landes aus. In diesem Landesteil liegt auch die Hauptstadt Brasília. Zu den Südoststaaten zählen unter anderem Rio de Janeiro und São Paulo. Dieser Teil Brasiliens umfasst ca. 10% und hat trotz der kleinen Landfläche einen Bevölkerungsanteil von 43% der Gesamtbevölkerung und macht 63% der gesamten industriellen Produktion des Landes aus. Der Süden des Landes ist noch sehr stark europäisch beeinflusst und beträgt etwa 8% der Gesamtfläche.

Brasilien weist die verschiedensten Landschaftsformen auf. An der Atlantikküste zieht sich ein Gebirge (Serra do Mar) entlang, vor welchem östlich der Küstenstreifen Beira-mar liegt. Im brasilianischen Hinterland breiten sich ausgedehnte Kamp-Flächen, Savannen, einzelne Waldstücke (Capoeiras) und Urwälder aus.

Zur geographischen Struktur gehören auch die Ströme des Landes. Hier ist vor allem der Amazonas zu nennen, dessen System ein Gebiet von der Größe Europas bewässert. Neben dem Amazonas durchlaufen die Flüsse Rio São Francisco vollständig und der Rio de la Plata teilweise das Land.[1]

2.2 Geschichtliche Hintergründe

Brasilien wurde um 1500 von Pedro Álvares Cabral[2] für Portugal in Besitz genommen. Im Jahr 1822 erklärte Brasilien unter dem portugiesischen Kronprinzen Pedro I.[3] seine Unabhängigkeit. Der neue brasilianische Kaiser Pedro II.[4] begünstigte eine starke europäische Einwanderung, um die Entwicklung der brasilianischen Wirtschaft zu fördern.

Die Abschaffung der Sklaverei führte im Jahr 1889 zum Sturz des Kaisertums und zur Einführung der Republik.

Im Jahre 1930 übernahm dann Getulio Vargas[5] die Präsidentschaft und „es war der Machtantritt des Dr. Getúlio Vargas, der – analog zu Roosevelts New Deal – den Estado Novo schuf, den Neuen Staat.“[6]

1942 trat Brasilien auf alliierter Seite aktiv in den Zweiten Weltkrieg ein, denn „seit die USA in den Krieg eingetreten waren, wuchs deren Druck auf die brasilianische Regierung, die wohlwollende Neutralität aufzugeben und sich auf `gute Nachbarschaft` mit Nordamerika zu besinnen.“[7]

Unter der Präsidentschaft von Juscelino Kubitschek de Oliveira[8] wurde die neue Hauptstadt Brasília gebaut, wovon sich Brasilien wirtschaftlichen Fortschritt versprach.

Nach der Regierung von Kubitschek de Oliveira und der damit verbundenen Überlastung des Staatshaushaltes regierte Staatspräsident João Belchior Marques Goulart[9], bis er 1964 vom Militär gestürzt wurde.

1985 wurde nach 21 Jahren der erste zivile Präsident Brasiliens, Tancredo Neves,[10] gewählt. Dieses bedeutete die Wiederherstellung der Demokratie.

Am 5.Oktober 1988 wurde die demokratische Verfassung verabschiedet und im Jahr 1994 mit der Einführung des Reals als neuer Währung die Inflation unter Kontrolle gebracht. Im selben Jahr wurde der ehemalige Finanzminister Fernando Henrique Cardoso[11] zum Präsidenten gewählt.

Im Oktober 2000 ging die Arbeiterpartei PT (Partido dos Trabalhadores) aus den Kommunalwahlen als stärkste Partei hervor.

Am 1.Januar 2003 tritt Luiz Inácio Lula da Silva, (genannt Lula),[12] sein Amt als Präsident an.[13]

2.3 Bevölkerung und Religion

„Als halb offiziöser nationaler Feiertag gilt in Brasilien (wie in anderen lateinamerikanischen Ländern auch) der Dia da Raça, der Tag der Rasse. Er ist dem brasilianischen Menschen gewidmet. –Dem brasilianischen Menschen?“[14]

Die größte brasilianische Bevölkerungsgruppe bilden die Mulatten mit etwa 22%, gefolgt von den Personen portugiesischer Abstammung (15%). Die Mestizen bilden etwa 12% der Bevölkerung, die Italiener und Schwarzafrikaner 11% und Spanier 10%. Die restliche Bevölkerung setzt sich aus Deutschen, Japanern und den Nachfahren der präkolumbianischen Bewohner zusammen.

Nach neusten Angaben (2003) hat Brasilien etwa 182 Millionen Einwohner, von denen etwa 82% in den Städten leben.

Ungefähr 88% der brasilianischen Bevölkerung gehören der römisch - katholischen Konfession an und von diesen Katholiken sind zugleich 20% auch Anhänger afrobrasilianischer Glaubensvorstellungen, wie zum Beispiel dem Macumba- Kult[15].

Daneben gibt es im Land mindestens fünf Millionen Angehörige der lutheranischen, methodistischen und der Episkopal- Kirche[16]. Darüber hinaus hat sich eine kleine jüdische Gemeinde gebildet. Die Nachfahren der vorkolumbianischen Bevölkerung üben meist ihre alten Religionen aus.[17]

2.4 Massenelend / Sozialstrukturen

In kaum einem Land sind die Unterschiede zwischen Arm und Reich so gravierend wie in Brasilien, wobei aufgrund der immer noch vorherrschenden Rassendiskriminierung ein Großteil der Armen schwarz ist. In Brasilien leben ca. 54 Millionen Menschen am Rande der Gesellschaft, die Hälfte von ihnen verfügt noch nicht einmal über ein Existenzminimum. Hinzu kommt das Wohnungselend in den Außenbezirken der Millionenmetropolen liegenden favelas (Wohnviertel der Armen), in denen katastrophale hygienische Bedingungen herrschen. Hier fehlen meist die minimalsten Mittel zur Befriedigung der Grundbedürfnisse und Schiessereien, Raub und Vergewaltigung sind an der Tagesordnung. Kinder, die hier hinein geboren werden, wachsen in einem höchst unterprivilegierten sozialen Umfeld auf. Aus dieser Situation des Massenelends resultieren für Brasilien schwerwiegende soziale Probleme, wie Arbeitslosigkeit, schlechte Arbeitsbedingungen, hohe Analphabetenquote (15%), erhöhte Gewaltbereitschaft, Landflucht, Kinderarbeit und –prostitution und Straßenkinder.

Der amtierende brasilianische Präsident Lula versucht durch neue Reformen, wie zum Beispiel die Einführung der Rentenversicherung, gegen die sozialen Probleme des Landes anzugehen.

2.5 Das brasilianische Familienleben

„Onde come um, comem dez!“ („Reicht das Essen für einen, reicht es auch für zehn“) besagt eines der ältesten brasilianischen Sprichwörter und meint damit, dass Familien in jedem Fall füreinander da sind. Auch wenn der Platz im Haus sehr knapp ist oder ein Streit eskaliert, die Unterbringung der Familie hat hohe Priorität, weshalb bisweilen auch zwei oder drei Familienmitglieder in einem Bett schlafen. Zur brasilianischen Norm gehört auch, dass die Töchter oder Söhne bis zu ihrer Hochzeit zu Hause leben und sich versorgen lassen. Sind allerdings die Eltern in Not, versuchen die Kinder nach bester Kraft zu helfen.

In Brasilien existiert noch die traditionelle Großfamilie, wobei die Verwandten väterlicher- und mütterlicherseits denselben Stellenwert einnehmen. Pflegebedürftige Familienmitglieder leben bei ihren Kindern, denn in Brasilien gilt es als Schande, sie in ein Altersheim zu schicken.

[...]


[1] vgl. FABER, Gustav 1970, S. 17- 22

[2] (1467/68- 1526), portugiesischer Seefahrer

[3] (1798-1834), Kaiser Pedro I.

[4] (1825- 1891), Sohn von Pedro I. und Maria Leopoldine von Österreich

[5] (1882/83- 1954, Selbstmord), brasilianischer Politiker; 1930- 1945 und 1951- 1954 Staatspräsident Brasiliens

[6] FABER, Gustav 1970, S.90

[7] FABER, Gustav 1970, S.94

[8] (1902- 1976), brasilianischer Politiker; 1956- 1961 Staatspräsident; Vertrauensmann von Vargas’

Sozialdemokratischer Partei

[9] (1918-1976), brasilianischer Politiker; 1961- 1964 Staatspräsident

[10] (1910- 1985), brasilianischer Politiker; 1985 zum Präsidenten gewählt, starb aber vor seinem Amtsantritt

[11] (*1931), brasilianischer Politiker; 1995- 2002 Staatspräsident

[12] (*1945), brasilianischer Politiker; seit 2003 Staatspräsident

[13] vgl. URL : http://www.auswaertiges-amt.de/…

[14] FABER, Gustav 1970, S.121

[15] synkretistische, weniger streng geltende Religionsform in Brasilien

[16] katholisches Kirchenverfassungsprogramm, wonach dem Papst nur ein Ehrenprimat zukommt, die oberste Jurisdiktion aber bei der im allgemeinen Konzil versammelten Gesamtheit der Bischöfe liegt

[17] vgl. URL: http://www.kippenhan.net/brasil... ; URL: http://www.wikipedia.de...

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Straßenkinder von Brasilien
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Veranstaltung
Entwicklungsländer
Note
1,5
Autor
Jahr
2006
Seiten
22
Katalognummer
V115179
ISBN (eBook)
9783640167418
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Straßenkinder, Brasilien, Entwicklungsländer
Arbeit zitieren
Sandra Haßebrock (Autor), 2006, Straßenkinder von Brasilien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115179

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