Innerhalb meiner Arbeit werde ich aufzeigen, mit welchen Besonderheiten in den
wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen und vor allem in Bezug auf das
Personalmanagement ein Unternehmer rechnen muss, der sich mit Expansionsgedanken auf
dem japanischen Markt trägt. So ist es das Ziel meiner Arbeit, möglichst vielen expandierenden Unternehmen wenigstens zum Teil die nötige Einsicht in den japanischen
Markt zu verschaffen. Zu diesem Zweck habe ich meine Arbeit in zwei größere Bereiche
aufgeteilt, nämlich zum einen den Bereich, in dem ich generell den japanischen Arbeitsmarkt
und dessen Umfeld beschreibe, und weiterhin einen Bereich, in welchem ich speziell auf das
japanische Management eingehen werde.
Den entscheidenden Anstoß dazu, gerade in diesem Themenbereich zu forschen und eine
Arbeit zu verfassen, habe ich zum einen durch mein einjähriges Praktikum beim deutschen
TÜV in Yokohama (Japan) erhalten. Hier war ich unter anderem für die Dauer von 4 Monaten
in der Abteilung FEMAC (=Far Eastern Market Access) tätig. Diese war auch für die
Beantwortung der Fragen von auf den japanischen Markt expandierender Kunden zuständig.
Daher hatte ich unter anderem Kontakte zur DIHK in Japan, in der mehrfach Gespräche im
Bereich meiner Arbeit aufkamen, die den Grundgedanken der Thematik in mir erzeugt haben.
Ein zweiter Grund ist für mich die Neigung zum Themenbereich der Internationalen
Personalorganisation, denn mit dem Studium an dieser Arbeit kann ich mich schon jetzt mit
meinem angestrebten zukünftigen Arbeitsbereich eingehend befassen.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Markteintritts- und Exportstrategien – Grundgedanken
3. Kulturelle, soziale und ökonomische Besonderheiten in Japan
3.1 Keiretsu
3.2 Sprachbarrieren
3.3 Deregulierung
3.4 Wohlfahrtssystem
a) Altersversorgung
b) Arbeitsversicherung
c) Kranken- und Pflegeversicherung
3.5 Kultur
a) Rolle der Familie
b) Einstellung zur Arbeit / zum Arbeitgeber (allgemein)
c) Ethische Weltanschauung und Religion
d) Bildung und Erziehung
e) Die Rolle der Frau in der Gesellschaft
3.6 Geschäftsbeziehungen
3.7 Beziehungen zu Politik und Verwaltung
3.8 Der hohe Anspruch von Markt und Verbraucher in Japan
4. Probleme ausländischer Firmen
4.1 Informationsgewinnung
4.2 Staatliche Rahmenbedingungen und Fördermaßnahmen zur Gründung
a) MITI
b) Prinzipien der Sozialpolitik
c) Das politische System
4.3 Arbeitsmarktlage
5. Personalpolitik in Japan
5.1 Staatliche Rahmenbedingungen der Personalpolitik
5.2 Traditionelle Strukturen
5.2.1 Die Identifikation des Arbeitnehmers mit seinem Betrieb
5.2.2 Die Grundprinzipien des japanischen Managements
a) Das Prinzip der lebenslangen Beschäftigung
b) Das Senioritätsprinzip
c) Die duale Struktur des Beschäftigungssystems
d) Betriebsgewerkschaften
5.3 Arbeitszeit und Jahresurlaub
5.4 Die Rolle der Frau im japanischen Beschäftigungssystem
5.5 Arbeitsplatzgestaltung
5.6 Wandel der traditionellen Strukturen
5.6.1 Veränderung der Arbeitsmoral
5.6.2 Veränderte Einstellung zu Grundprinzipien
5.6.3 Die aktuelle Diskussion zur Arbeitszeit
5.6.4 Neue Chancen für Arbeitnehmerinnen
5.7 Recruitment
5.8 Firmenimage
5.9 Problematik der Personalauswahl
5.10 Personalentwicklung in japanischen Unternehmen
5.11 Anreizsysteme japanischer Unternehmen
5.12 Personalanpassung in Krisensituationen
6. Gründung des Unternehmens vor dem Hintergrund der Besonderheiten Japans – ein Fallbeispiel
7. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, ausländischen Unternehmen, die eine Expansion auf den japanischen Markt anstreben, ein fundiertes Verständnis für die dortigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu vermitteln. Die Arbeit untersucht, mit welchen spezifischen Herausforderungen, insbesondere im Bereich des Personalmanagements, Unternehmer rechnen müssen und wie sie ihre Strategien an die japanischen Gegebenheiten anpassen können.
- Analyse des japanischen Markteintritts und der damit verbundenen Exportstrategien
- Untersuchung kultureller, sozialer und ökonomischer Besonderheiten, wie z.B. Keiretsu-Strukturen und Sprachbarrieren
- Evaluierung der traditionellen japanischen Personalpolitik und des dortigen Beschäftigungssystems
- Diskussion über den Wandel traditioneller Strukturen und die Auswirkungen auf die Unternehmensführung
- Fallbeispiel einer erfolgreichen Unternehmensgründung zur Veranschaulichung der theoretischen Ansätze
Auszug aus dem Buch
3.1 Keiretsu
Die japanische Wirtschaft wird gezeichnet durch netzwerkartige Verflechtungen, die eine historische Tradition besitzen und heute in Form von Keiretsu - Unternehmensgruppen anzutreffen sind. Diese industriellen Konglomerate sind nach horizontalen und vertikalen Keiretsu zu unterscheiden und in nahezu allen Wirtschaftssektoren Japans zu finden. Eine Arbeitsteilung im Sinne der Keiretsu ist auch in Deutschland nicht unüblich, jedoch nennt man sie anders. Keiretsu in Japan werden ebenso sehr hart umstritten, wie auch bewundert. Je nach eigenem Standpunkt verbindet man mit den Keiretsu entweder Begriffe aus den Bereichen Marktbeherrschung und nicht-tarifäre Marktzugangshemmnisse oder Sicherheit und Stabilität.
Will man die japanischen Verbundgruppen definieren, so stellt sich schon anfangs die Frage nach der korrekten Bezeichnung für diese Unternehmensgruppen, die den Inhalt solch einer Gruppe seiner individuellen Bedeutung entsprechend am besten wiedergibt. In der Fachliteratur finden sich die unterschiedlichsten Bezeichnungen für die Unternehmensgruppen: Mischkonzerne, Unternehmensverbände, Konsortien, Horizontal- und Vertikalgruppen, Produktions- und Distributionsverbände. Auch im Japanischen finden sich diverse, wenn auch vage Begriffe, wie Kigyō Keiretsu, Kigyō Shūdan, Shihon Keiretsu, etc. Zwar bildet sich mit solchen Bezeichnungen genug Spielraum für unterschiedliche Interpretationen heraus, den man zum Vergleich von Aufbau, Zusammenhalt und Erscheinungsbild einzelner Gruppen auch benötigt, jedoch sollte man sich auf einen Terminus einigen können. So kann man eindeutig zunächst den Bereich einzugrenzen, mit dem man sich überhaupt eingehender befassen will. Nach meiner Meinung eignet sich dazu noch am ehesten der Begriff „Wirtschaftliche Verbundgruppe“, der seinen Ursprung in der deutschen Betriebswirtschaftslehre hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen für ausländische Unternehmer beim Markteintritt in Japan und betont die Notwendigkeit, das Marktbild sowie kulturelle Besonderheiten objektiv zu analysieren.
2. Markteintritts- und Exportstrategien – Grundgedanken: Dieses Kapitel erörtert die historische Rezession Japans und die Bedeutung von Deregulierungsmaßnahmen für den Marktzugang sowie die evolutionären Phasen eines internationalen Markteintritts.
3. Kulturelle, soziale und ökonomische Besonderheiten in Japan: Hier werden die komplizierten gesellschaftlichen und kulturellen Strukturen Japans analysiert, die sich von westlichen Modellen unterscheiden und maßgeblich den geschäftlichen Erfolg beeinflussen.
4. Probleme ausländischer Firmen: Dieses Kapitel behandelt die spezifischen Hürden für ausländische Unternehmen, insbesondere bei der Informationsgewinnung und der Interaktion mit staatlichen Rahmenbedingungen.
5. Personalpolitik in Japan: Der Schwerpunkt dieses Kapitels liegt auf der detaillierten Beschreibung des japanischen Personalwesens, seiner traditionellen Strukturen und der Transformation durch den aktuellen Wertewandel.
6. Gründung des Unternehmens vor dem Hintergrund der Besonderheiten Japans – ein Fallbeispiel: Am Beispiel der Firma Bosch wird der praktische Markteintritt und der Rekrutierungsprozess in Japan verdeutlicht.
7. Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die zentrale Erkenntnis zusammen, dass Japan zwar einen Wertewandel durchläuft, traditionelle Strukturen aber weiterhin eine prägende Kraft bleiben.
Schlüsselwörter
Japan, Markteintritt, Personalpolitik, Unternehmenskultur, Keiretsu, Beschäftigungssystem, Senioritätsprinzip, Lebenslange Beschäftigung, Deregulierung, Unternehmensgründung, Personalrekrutierung, Wertewandel, Arbeitsmoral, Führungskräfte, Unternehmensimage
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen, denen sich ausländische Unternehmen bei einem Markteintritt in Japan gegenübersehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die Besonderheiten des japanischen Wirtschaftssystems (wie Keiretsu), die traditionelle Personalpolitik, den kulturellen Einfluss auf die Arbeitswelt und die Rekrutierung von Personal.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ausländischen Unternehmen Einsichten in die japanischen Marktstrukturen zu geben, um Expansionspläne erfolgreich zu planen und umzusetzen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Literaturanalyse, ergänzt durch persönliche Praxiserfahrungen während eines einjährigen Praktikums in Japan.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Markteintrittsstrategien, kulturellen Hintergründen, den Problemen ausländischer Firmen sowie eine tiefgreifende Untersuchung der japanischen Personalpolitik und Unternehmenskultur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Japan, Unternehmenskultur, Keiretsu, Personalpolitik, Senioritätsprinzip und die Transformation der japanischen Arbeitswelt.
Wie verändert sich die Arbeitsmoral der jüngeren Generation in Japan?
Die jüngere Generation, oft als "neue Menschheit" bezeichnet, legt zunehmend mehr Wert auf Individualität und Selbstverwirklichung und stellt die traditionellen Werte wie absolute Loyalität und Unterordnung infrage.
Warum ist die Rolle der Frau in japanischen Unternehmen ein kritisches Thema?
Frauen sind traditionell oft in untergeordnete Rollen gedrängt, was aus westlicher Sicht als ineffizient und diskriminierend wahrgenommen wird; obwohl sich das Selbstbewusstsein der Frauen wandelt, bleibt die strukturelle Integration in Führungspositionen eine große Herausforderung.
- Arbeit zitieren
- Sonja Wendel (Autor:in), 2008, Personalpolitik. Herausforderungen bei Gründung und Aufbau einer Firma in Japan, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115272