Lyrikanalyse: Georg Trakl "Grodek"


Seminararbeit, 2008

15 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsübersicht

1. Einleitung

2. Das Gedicht in der Sprache
2.1 Klangfiguren
2.2 Der sprachliche Aufbau des Gedichts

3. Wort, Bild und Bedeutung des Gedichts
3.1 Die Wortarten
3.2 Die Tropen im Gedicht

4. Personen- und Kommunikationsstrukturen im Gedicht

5. Das Gedicht Grodek im Expressionismus

6. Schluss

7. Bibliographie
7.1. Primärliteratur
7.2 Sekundärliteraturen

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit soll Georg Trakls Gedicht Grodek analysiert werden.

Die Forschung bietet einige Interpretationsansätze, die größtenteils das Gedicht mit Trakls Biographie in Zusammenhang bringen. Dies soll hier vermieden werden. Die Analyse stützt sich ausschließlich auf Informationen, die der Text liefert und soll nicht am Text belegbare Assoziationen möglichst außer Acht lassen. Das Gedicht soll nur als reiner Text gelesen werden, denn

[w]enn beispielsweise von vornherein eine Psychose Trakls die Interpretationsgrundlage darstellt, wenn ein psychoanalytischer Interpretationsmaßstab angelegt wird, wenn die Zeit der Unsicherheit im Horizont des ersten Weltkriegs über die Gedichte geblendet wird, lässt sich letztlich nur die Zulässigkeit oder Unzulässigkeit der jeweiligen Verstehensfolie begründen.[1]

Mit dem Entstehungsjahr des Gedichts 1914 fällt es in den literaturgeschichtlichen Kontext des Expressionismus. Nach der Gedichtanalyse soll kurz an einigen Hauptmerkmalen des Gedichts geprüft werden, ob Grodek tatsächlich in den Expressionismus einzuordnen ist. Eine Hypothese dazu, ob Trakl als Dichter selbst zu den Expressionisten zählen kann, soll darüber hinaus nicht näherer Gegenstand der Arbeit sein, da hierzu die Analyse und der Vergleich mehrer Gedichte des gesamten Trakl- Werks notwendig sind.

2. Das Gedicht in der Sprache

2.1 Klangfiguren

Im Folgenden wird das Gedicht in seiner klanglichen Darstellung betrachtet. Die einzelnen Klangfiguren sind nicht gattungsspezifisch, spielen aber für das Verständnis des Gedichts eine entscheidende Rolle.

Trakls Gedicht Grodek reimt sich nicht und es ist nicht metrisch geregelt. An dieser Stelle muss allerdings betont werden, dass die Feststellung freier Rhythmen nicht etwa mit einer völligen Regellosigkeit des Gedichts gleichzusetzen ist. Offensichtlich sind je Vers drei bis sechs Hebungen zu erkennen und gleichzeitig beschränkt Trakl sich auf ein- bis zweisilbige Senkungen im gesamten Gedicht. Ebenso ist die Wiederholung der betonten Silben relativ regelmäßig. Dies ist eine erkennbare Ordnung des Gedichts, die aber allein wegen der stark variierenden Zeilenlänge nicht als Metrum bezeichnet werden kann. Hans Krah nennt den Rhythmus ein „[…] Prinzip der regelmäßigen Wiederkehr des Gleichen/ Ähnlichen; […]“[2] Demnach ist es hier so, dass Grodek durch den regelmäßigen Wechsel von Hebungen und Senkungen sehr monoton wirkt. Diese Monotonie wird im Wesentlichen dadurch verstärkt, dass Trakl Wörter eines gleichen beziehungsweise ähnlichen Wortstamms in beinahe direkter Folge aufeinander verwendet, wie beispielsweise im Fall von „tönen“ (Vers 1) und „tödlich (Vers 2), die auch einen syntaktischen Bezug zueinander haben. Weiterhin sind Worte durch Alliteration verbunden, wie im Vers 12: „[…] sch wankt der Sch wester Sch atten durch den sch weigenden Hain.“ „Assonanz [a] und [ai]; Nasale; schleppendes Metrum“[3] Diese klanglichen Mittel unterstützen die Monotonie, welche deutlich durch die häufige Nutzung der Vokale a-o-au verstärkt wird. Klänge, die den Versen etwas Melodisches, Musikalisches verleihen. Das Monotone wird zum „Psalmodieren[…] Das Psalmodieren wirkt oft getragen und weihevoll.“[4].

Zum Musikalischen in Grodek ist anzumerken, dass die häufige Verwendung von Liquiden und Nasalen, oft in direkter Folge aufeinander wie bei „doch stille sammelt“ (Vers 7), die Stimmung des Gedichts unterstreicht.

2.2 Der sprachliche Aufbau des Gedichts

Das Gedicht Grodek, bestehend aus 17 Versen, ist optisch nicht in einzelne Strophen unterteilt und erfüllt mit der Gliederung des Textes in Verse eine erste Minimalanforderung eines Gedichts. An der Interpunktion orientierend kann das Gedicht in vier Sätze eingeteilt werden. Durch die Zeilenumbrüche wird das Gedicht schon rhythmisch von der Alltagssprache abgetrennt, da der Lesefluss kontrolliert unterbrochen beziehungsweise verändert wird.

Ebenfalls ist im ersten Teil zu beachten, dass sich die Verbstellung von der alltagssprachlichen Norm unterscheidet.

„[…] darüber die Sonne

Düsterer hinrollt; umfängt die Nacht

Sterbende Krieger […]“ (Vers 3-5)

Bei dieser Inversion steht das zweite Prädikat „umfängt“ vor dem Subjekt, was in der Alltagssprache einen Fragesatz ausmachen würde. An der Interpunktion ist allerdings klar zu erkennen, dass es sich hier um einen Aussagesatz handelt. Es unterscheidet sich die Vers- von der Satzstruktur. Durch die Aufeinanderfolge der Verben „hinrollt“ und „umfängt“, wird auf der semantischen Ebene die Nacht als etwas Gewaltiges dargestellt, da die beiden Verben auf der Ebene der Syntax mit dieser indirekt, durch die „düstere Sonne“, und direkt, durch das Substantiv „Nacht“, in Verbindung gebracht werden. Die beiden genannten Subjekte, die sich auf die Nacht beziehen, klammern die Prädikate ein und schaffen schon syntaktisch eine Einheit.

Speziell die hier genannten Zeilenumbrüche und Inversionen heben die Bedeutung der semantischen Ebene des Gedichts hervor, denn durch den veränderten Lesefluss und Rhythmus der Sprache sind möglicherweise verschiedene Assoziationen der Syntagmen möglich.

Im Anschluss an die Zeilenumbrüche, zeichnet sich Grodek durch eine Vielzahl von Enjambements aus. Hier ist beachtenswert, dass die Versgrenze in einem Fall, im vorangegangenen Zitat, innerhalb eines Syntagmas liegt und es in zwei Kola teilt. Das heißt in einem Fall weist das Gedicht ein hartes Enjambement auf, während in den restlichen Fällen des Zeilensprungs die Satz- und Versgrenzen miteinander übereinstimmen. Die Enjambements lassen das Gedicht eher prosanah erscheinen und stiften gleichzeitig noch mehr Verwirrung, da logische Zusammenhänge innerhalb einer syntaktischen Einheit nicht offensichtlich sind, sondern entschlüsselt werden müssen.

Durch die Wiederholung des Wortes „tönen“ im Zusammenhang mit dem Herbst wird ein Rahmen um die Beschreibung des Krieges geschaffen und stellt einen Kontrast innerhalb des Gedichts heraus. Zu Beginn des Gedichts wird eine harmonische Natur mit den Worten „herbstliche Wälder“ (Vers1), „goldene Ebenen“ (Vers 2) und „blaue Seen“

(Vers 3) beschrieben. Dies wird aber durch das Tönen der Waffen, gefolgt von der hinrollenden Sonne und den sterbenden Kriegern (Verse 3-5), in seiner positiven Bedeutung unterbrochen und stellt vielmehr eine „radikale Deformation der Naturharmonie“[5] dar.

[...]


[1] [1] Stephan Jaeger: Theorie lyrischen Ausdrucks, Das Unmarkierte Zwischen in Gedichten von Brentano, Eichendorff, Trakl und Rilke. München 2001. S. 222.

[2] Hans Krah: Einführung in die Literaturwissenschaft Textanalyse. Kiel 2006. S.111.

[3] Jaak de Vos: Alle Strassen münden in schwarze Verwesung. Georg Trakls Gedicht ‚Grodek’“. In: Sprachkunst 26 1. Halbband (1995). Beiträge zur Literaturwissenschaft. Wien. S. 53-63, hier S. 60.

[4] Heinz Wetzel: „Klang und Bild in den Dichtungen Georg Trakls“. In: Hans Neumann u.a. (Hrsg.): Palaestra. Untersuchungen aus der deutschen und englischen Philologie und Literaurgeschichte Göttingen 1972. S.67.

[5] Theo Buck: Vorschein der Apokalypse. Das Thema des Ersten Weltkriegs bei Georg Trakl, Robert Musil und Karl Kraus. Tübingen 2001. S.22.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Lyrikanalyse: Georg Trakl "Grodek"
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Seminar: Lyrikanalyse
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V115568
ISBN (eBook)
9783640173181
ISBN (Buch)
9783640173297
Dateigröße
581 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lyrikanalyse, Georg, Trakl, Grodek, Seminar
Arbeit zitieren
Nadine Hansen (Autor), 2008, Lyrikanalyse: Georg Trakl "Grodek", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115568

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