Weltausstellungen im 19. Jahrhundert in Großbritannien


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
18 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Vorgeschichte zur ersten Weltausstellung
2.1 Nationale Gewerbe- und Industrieausstellungen
2.2 Initialisierung der ersten Weltausstellung
2.3 Joseph Paxton‘s Crystal Palace

3. Die Weltausstellung 1851
3.1 Hindernisse der ersten Weltausstellung
3.2 Ausstellungsgegenstände
3.3 Wirkung der ersten Weltausstellung
3.3.1 Wirkung auf die Besucher
3.3.2 Wirkung auf Queen Victoria V
3.4 Ziele der ersten Weltausstellung

4. Die Weltausstellung im Jahr 1862
4.1 Vorgeschichte der zweiten Weltausstellung in London
4.2 Probleme im Vorfeld der Ausstellung
4.2.1 Militärische Auseinandersetzungen
4.2.2 Organisatorische Probleme
4.2.3 Tod von Prinz Albert

5. Der Ausstellungspalast
5.1 Die Ausstellung

6. Ziele der Ausstellung

7. Schlussbemerkungen

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„the joy expressed in every face, the vastness of the building, with all its decorations and exhibits, the sound of the organ […] and my beloved husband, the creator of this peace festival, uniting the industry and art of all nations of the earth.“[1]

Diese Worte hielt Queen Victoria V. Während der feierlichen Eröffnungszeremonie der ersten Weltausstellung[2] 1851 in Großbritannien in ihrem Tagebuch fest. Die Eröffnungsfeier fand in dem eigens erbauten „Cristal Palace“ inmitten von Bäumen, Palmen, tropischen Gewächsen und einem Kristallbrunnen statt. Diese Feierlichkeit wirkte auf die Queen wie eine „fairy scene“[3], eine zauberischen Szene. Dieser Tagebucheintrag hebt deutlich hervor, dass die Queen von dem Ausstellungsgebäude, den Exponaten und von der einzigartigen Atmosphäre der Ausstellung fasziniert war.

Diese Ausarbeitung gibt einen Überblick über die Weltausstellungen in Großbritannien im 19. Jahrhundert. Hierbei wird der Schwerpunkt auf der weltweit ersten Weltausstellung im Jahre 1851 in London liegen. Ich werde insbesondere auf ihre Vorgeschichte und auf die Grundidee einer internationalen Ausstellung, in der alle Länder der Erde als Teilnehmer eingeladen sind. Die erste Weltausstellung setzte in vielerlei Hinsicht neue Maßstäbe, wie unter anderem bei den Besucherzahlen und der Anzahl an Ausstellungsobjekten. Überdies wurde das Ausstellungsgebäude, der Kristallpalast, für die nachfolgenden Weltausstellungen zum Vorbild.[4] Durch dieses Gebäude wurde ein Wettstreit entfacht, mit dem Ziel ein besseres Gebäude zu bauen, um den Crystal Palace in den Schatten zu stellen. Im zweiten Teil der Arbeit werden die Ziele und der Zweck der Ausstellung beleuchtet.

Im zweiten Teil der Ausarbeitung richtet sich der Fokus auf die zweite in England stattfindende Weltausstellung im Jahr 1862. Diese wurde von diversen Problemen, wie beispielsweise dem Tod von Prinz Albert, der als geistiger Vater der Weltausstellungsidee galt, überschattet. Der Ausstellungspalast spielte ebenfalls im Jahr 1862 eine wichtige Rolle für die Konzeption der Weltausstellung. Weiterhin werden die Hauptziele der Ausstellung in diesem Teil eingehender beschrieben.

Zum Schluss werden die Ausstellungen in Großbritannien im 19. Jahrhundert in einigen Punkten gegenübergestellt und miteinander verglichen.

2. Vorgeschichte zur ersten Weltausstellung

2.1 Nationale Gewerbe- und Industrieausstellungen

Im Vorfeld der ersten Weltausstellung fanden in einigen europäischen Staaten schon seit 1750 Industrie- und Gewerbeausstellungen statt. Diese waren hingegen nur auf regionaler und nationaler Ebene von privaten gewerbefördernden Institutionen durchgeführt worden. Als Hauptziel hatten die Ausstellungen den Informationsaustausch im Gewerbe, Handwerk und Kunst. Besonders hervor zu heben ist in diesem Zusammenhang die fünftägige Ausstellung auf dem Pariser Marsfeld im Jahr 1798. Hierbei folgten auf einen kurzfristigen Aufruf des französischen Innenministers, Francois Neufchateau, 109 Aussteller für Gewerbe und Handel. Der Innenminister verfolgte die Absicht, der französischen Industrie neuen Aufschwung zu geben. Der entstandene große Publikumserfolg hatte infolge dessen bewirkt, dass sich Frankreich die eigene Industrie und das Land selbstbewusster dem Überlegenheitsanspruch Englands entgegengestellte.[5]

Die folgenden Industrieausstellungen in den verschiedenen Ländern Europas nahmen das französische Ausstellungsmodell in der Folgezeit als Vorbild. Dies wurde an den vergleichbaren Präsentationen der Exponate und am Aufbau der Ausstellungen deutlich. Zusammenfassend lässt ich feststellen, dass die im Jahr 1798 durchgeführte Pariser Gewerbeschau den Grundstein für unzählige nationale und internationale Veranstaltungen in aller Welt bot.

Als stärkster Konkurrent Frankreichs galt England. Der Grund hierfür bestand darin, dass diese beiden Länder als einzige Länder über die infrastrukturellen Grundlagen verfügen, um größere Ausstellungen durchzuführen. Die Aussteller- und Besucherzahlen wuchsen stetig an und nahmen eine viel größere Dimension an als die ersten privaten Gewerbeausstellungen.[6] Diese Konkurrenz zwischen Frankreich und England beschleunigte die Planung und die Verwirklichung einer ersten weltweiten Industrieausstellung.

2.2 Initialisierung der ersten Weltausstellung

Im Jahr 1849 besuchten zwei Mitglieder der englischen „Royal Society of Arts“[7] als Berichterstatter eine französische Nationalausstellung. Dort erfuhren sie, dass der französische Wirtschafts- und Handelsminister Buffet alle französischen Handelskammern aufgefordert hatte, sich an der Vorbereitung einer für 1851 geplanten internationalen Industrieausstellung zu beteiligen. Solch eine Ausstellung, besonders mit der Einbeziehung von ausländischen Teilnehmerstaaten hatte es bis dato nicht gegeben. Das vorhandene Wetteifern bei den Ausstellungen zwischen den beiden Ländern war der Grund für den Entschluss der Society of Arts einer französischen internationalen Ausstellung zuvorzukommen. Die Mitglieder der Society erzeugten mit ihrem Vorschlag eine positive Resonanz bei zahlreichen Privatpersonen und vor allem beim Präsident der Royal Society of Arts, dem deutschstämmigen Prinz Albert aus dem Haus Sachsen-Coburg-Gotha.[8]

Der Gemahl von Queen Victoria war seit 1843 Präsident der Society, dieses Ehrenamt und unterstrich seine wissenschaftlichen und künstlerischen Interessen. An seiner Seite stand der neu eingesetzte Sekretär der Society John Scott Russell[9]. Durch sein persönliches Engagement konnte er bei der Organisation und der Finanzierung der extra gegründeten Royal Commission helfen und diese Schwierigkeiten lösen.[10] Die Kommission startete die Ausschreibung für ein festes Austellungsgebäude, in der alle Exponate der Weltöffentlichkeit präsentiert werden konnten. Albert konnte entgegen zahlreicher Widerstände den Hyde Park als Ausstellungsgelände der Royal Society zur Verfügung stellen. Nationale und Internationale Architekten reichten insgesamt 254 unterschiedliche Entwürfe eines Gebäudes ein. Alle 254 Entwürfe der Ausschreibung wurden verworfen. Die Ablehnungsgründe waren vielfältig und wurden damit begründet, dass die Dimensionen der geplanten Ausstellung zu groß waren bis Schwierigkeiten bei der Finanzierung. Daraufhin schlug die Kommission einen eigenen Entwurf vor, der aber von der Presse als zu monströs abgelehnt wurde. Der durch die Presse bekannt gemachte Entwurf von Gartenbauarchitekten, Joseph Paxton, stieß in der Bevölkerung hingegen durchweg auf eine positives Echo.[11]

2.3 Joseph Paxton‘s Crystal Palace

Seine Erfahrungen als Gartenbauarchitekt schloss er in die Planung und den Bau des Ausstellungsgebäudes mit ein. Sein umgesetzter Entwurf bestand aus einer Eisen- und Glaskonstruktion in Form dreier längsgerichteter, stufenförmig aufeinanderfolgender Stockwerke, die in der Mitte von einem Querschiff unterbrochen wurden. Der Crystal Palace war 560 m lang und 125 m breit. Das mittlere Längsschiff erreichte eine Höhe von 20 m und die beiden angrenzenden Längsschiffe 14 m. Das Skelettsystem bestand aus eisernen Säulen und Trägern auf denen das Faltwerk der Glasdächer auflag. Weiterhin wurden die Seitenwände mit Glasplatten eingefasst und nur das Erdgeschoss mit Holz verkleidet. Durch die spezielle Tonnenwölbung des Daches konnten mehrere im Hyde Park stehende Ulmen an ihren Plätzen bleiben. Durch die große Menge an eingesetzten Glasplatten schuf Paxton ein außergewöhnlich lichtdurchflutetes Gebäude. Die Royal Commission forderte in der Ausschreibung eine Ausstellungsfläche von 65000 m². Durch die Konstruktion eines dreistöckigen, fünfschiffigen Gebäudes mit einer umlaufenden Gallerie hatte Paxton eine Grundfläche von 90.000 m² für die ersten Weltausstellung realisiert.[12] Doch während der Planung kam es zu einigen Schwierigkeiten in Bezug auf die Realisierung der Weltausstellung.

3. Die Weltausstellung 1851

3.1 Hindernisse der ersten Weltausstellung

Die Hindernisse der Ausstellung waren vielfältig. Begonnen haben die Probleme bei der Terminfestlegung für den Ausstellungszeitraum. Ziel war es, einer internationalen französischen Industrieausstellung, zuvorzukommen. Aus diesem Grund musste in kurzer Zeit ein geeigneter Ausstellungsort und ein Entwurf für ein neues Gebäude gefunden, geplant und gebaut werden. Dies setzte die Royal Commission unter starken Druck. Prinz Albert konnte das Ausstellungsgelände, den Hyde Park, kostenlos zur Verfügung stellen. Trotzdem war die rechtzeitige Fertigstellung des Ausstellungsgebäudes fraglich. Nur durch die schnelle Bauweise und Fertigstellung des Kristallpalastes konnte die Eröffnungszeremonie zehn Monate nach Baubeginn stattfinden. Jedoch kam es durch den enormen Zeitdruck zu einigen Konstruktionsfehlern und baulichen Mängeln, auf die im Folgenden nicht detaillierter eingegangen wird.[13]

[...]


[1] Zit. n. Utz Haltern: Die Londoner Weltausstellung von 1851, Münster 1971, S.165.

[2] Die offizielle Bezeichnung der ersten Weltausstellung lautet „Great Exhibition of Works of Industry of all Nations“.(vgl. Wörner Martin: Die Welt an einem Ort. Illustrierte Geschichte der Weltausstellungen, Berlin 2000, S.10.)

[3] Zit. n. Utz Haltern: Die Londoner Weltausstellung von 1851, Münster 1971, S.167.

[4] Vgl. Petra Krutisch: Aus aller Herren Länder. Weltausstellungen seit 1851. (Kulturgeschichtliche Spaziergänge im Germanischen Nationalmuseum, Bd. 4.) Nürnberg 2001, S. 8.

[5] Vgl. Ebd., S. 9f.

[6] Vgl. Wörner Martin: Die Welt an einem Ort. Illustrierte Geschichte der Weltausstellungen. Berlin 2000, S. 10.

[7] Die Society war zuständig für die Organisation und Vorbereitung der kleineren nationalen Ausstellungen in Großbritannien. Die eigens für diese Weltausstellung gegründete „Royal Commission“ übernahm die Nachfolge der Society (vgl. Haltern, Weltausstellung, S. 12.).

[8] Vgl. Krutisch, Weltausstellungen, S. 12.

[9] Russelles Vorgänger Francis Whishaw verfolgte den neuen Gedanken einer internationalen Ausstellung erstmal nicht weiter, ausschlaggebender Grund waren seine Zweifel an der Wirtschaftlichkeit eines solchen Vorhabens und die fragwürdige Finanzierung.

[10] Vgl. Halter, Weltausstellung, S. 36.

[11] Vgl. www.expo2000.de/expo2000/geschichte/detail Zugriff am 26.3.2007, S. 4.

[12] Vgl. Haltern, Weltausstellung, S. 72f.

[13] Vgl. www.expo2000.de/expo2000/geschichte/detail; Zugriff am 26.3.2007, S. 3.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Weltausstellungen im 19. Jahrhundert in Großbritannien
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Historisches Institut, Neuere Geschichte 1)
Veranstaltung
London-Paris-Berlin, Metropolen im 19. Jahrhundert
Note
2
Autor
Jahr
2007
Seiten
18
Katalognummer
V115754
ISBN (eBook)
9783640171064
ISBN (Buch)
9783640172900
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Weltausstellungen, Jahrhundert, Großbritannien, London-Paris-Berlin, Metropolen
Arbeit zitieren
Tristan Paar (Autor), 2007, Weltausstellungen im 19. Jahrhundert in Großbritannien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115754

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