Warum es für mich wieder einmal wichtig ist, über Respekt zu reden. Respekt jeder Lebensform gegenüber, Respekt für jede Tätigkeit, Respekt für uns selber und Respekt vor dem Leben. Das Thema der Gleichberechtigung ist für mich so allumfasend, dass ich es schwer finde, mich auf ein bestimmtes Thema zu fokussieren. Viel wurde gesagt, viel wurde getan, aber was bedeutet es überhaupt, gleichberechtigt zu sein? Die Möglichkeit, gleiche Rechte theoretisch einzufordern, die doch gesellschaftlich nicht immer gelebt werden? Als Schutz sind Gesetze allemal besser, als der Willkür von Machtverhältnissen ausgesetzt zu sein, aber warum brauchen wir überhaupt Gesetze, die einen scheinbaren fairen Ausgleich schaffen müssen als Wiedergutmachung für etwas, was gesellschaftlich nicht praktiziert wird? Warum wird der Mensch in unserer Gesellschaft am Beispiel der Gleichberechtigung der Frau auf sein Frausein oder sein Mann sein, auf seine Andersartigkeit reduziert und in bestimmte Rollen gedrängt, die einen von Privilegien ausschließen und sozial differenzieren und diskriminieren können? Und warum reden wir eigentlich in Bezug zu diesem Thema nicht von Gleichwertigkeit, und dass es doch völlig unerheblich ist, für den anderen zu wissen, welches biologische Geschlecht oder Sexualität ich habe, um in dieser Welt zu leben, die wir gemeinsam gestalten und aus der wir gemeinsam schöpfen?
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Einleitung: Biologisches Geschlecht als Soziales Konstrukt
Hauptteil: "doing gender"
Fazit: Dekonstruktion von Geschlechterrollen in der sozialen Arbeit
Zielsetzung & Themen
Das Ziel dieses Essays ist die kritische Auseinandersetzung mit der sozialen Konstruktion geschlechtlicher Rollenbilder und deren Auswirkungen auf das Individuum sowie die gesellschaftliche Praxis.
- Die Entstehung und Reproduktion von Geschlechterrollen durch soziale Konstruktionsprozesse
- Die Bedeutung der frühkindlichen Sozialisation und kultureller Normen
- Das Konzept "doing gender" als fortlaufender Herstellungsprozess von Geschlecht
- Kritik an der männlichen Hegemonie und traditionellen Rollenbildern
- Ansätze der Sozialen Arbeit zur Dekonstruktion starrer Geschlechterschemata
Auszug aus dem Buch
Hauptteil: "doing gender"
Warum ist es uns so wichtig, welches Geschlecht wir haben? Regine Gildemeister geht in ihrem Text "Soziale Praktiken der Geschlechterunterscheidung" davon aus, dass "Geschlecht als sozial folgenreiche Unterscheidung hervorgebracht und reproduziert wird." (Gildemeister (1987): 132) Die Geschlechterzugehörigkeit in einem fortlaufenden Herstellungsprozess definiert wird, welches zwar auf biologische Unterschiede zurückzuführen ist, aber über komplexe Prozesse sozial konstruiert wird, die so bedeutsam sind, dass eine Infragestellung dieser Geschlechterzugehörigkeit einem Normbruch gleichkommt. Dabei können der "situative Sinn und die die situative Relevanz der Geschlechterunterscheidung sehr verschieden sein(...)" ( Gildemeister (1987): 137) Das heißt, dass wir "Geschlecht nicht einfach haben, sondern es Ergebnis von Konstruktionsprozessen ist" (Debus/ Stuve (2012): 33), die wir de-konstruieren könnten.
Die Frage, welche Relevanz die Geschlechterunterteilung einst hatte und heute noch hat, und welche Grundüberzeugungen dieser zugeschrieben werden könnten, kann ich an dieser Stelle aufgrund der Kürze des Essays nicht erörtern. Anmerken möchte ich an dieser Stelle aber, ob es sich vielleicht um ein "Grundlegendes Muster der Vergesellschaftung" handelt, welches in seinen Grundzügen überaltert ist und gerade neu definiert werden könnte. Als eines von vielen Beispielen wäre hier die Thematik der ungleichen Gehälter bei gleicher Arbeit zu nennen. Wie werden wir zukünftig gemeinsam auf Augenhöhe miteinander arbeiten? Wie miteinander in Beziehung treten. Relevanz hat für mich in dem Bezug der Geschlechterunterscheidung auch das Prinzip der männlichen Hegemonie, die Festlegung einer männlichen Norm, die das männliche Prinzip als autoritäre Instanz sieht, die sich über andere hinwegsetzen kann. Diese Prinzip ist meines Erachtens überaltert und wird sich neu definieren müssen, wenn es nicht weiterhin persönliche Verluste in Kauf nehmen möchte.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Die Autorin reflektiert über die Bedeutung von Respekt gegenüber jeder Lebensform und hinterfragt, warum menschliche Identität so stark auf biologische Geschlechter reduziert wird.
Einleitung: Biologisches Geschlecht als Soziales Konstrukt: Dieses Kapitel erläutert, wie gesellschaftliche Normen und Makrosysteme die Entwicklung von Kindern beeinflussen und geschlechtstypisches Verhalten durch Sozialisation prägen.
Hauptteil: "doing gender": Basierend auf dem Konzept des "doing gender" wird dargelegt, dass Geschlecht ein fortlaufender, sozial konstruierter Prozess ist, der männliche Hegemonie festigt und neu definiert werden muss.
Fazit: Dekonstruktion von Geschlechterrollen in der sozialen Arbeit: Das Fazit skizziert die Möglichkeiten der Sozialen Arbeit, traditionelle Rollenbilder kritisch zu hinterfragen und den Menschen unabhängig von seinem Geschlecht urteilsfrei zu betrachten.
Schlüsselwörter
Soziales Engagement, Geschlechterrollen, Doing Gender, Sozialisation, Gleichberechtigung, Soziale Arbeit, Geschlechterunterscheidung, Männliche Hegemonie, Soziale Konstruktion, Identifikation, Diskriminierung, Autonomie, Geschlechterforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Hinterfragung von geschlechtlichen Rollenbildern und deren Ursprung in sozialen Konstruktionsprozessen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themen umfassen die Sozialisation, die Konzepte der Geschlechterunterscheidung, die Dynamik der "doing gender"-Theorie sowie die Rolle der Sozialen Arbeit bei der Dekonstruktion dieser Schemata.
Was ist das primäre Ziel des Essays?
Das Ziel ist es, das Bewusstsein für die soziale Konstruktion von Geschlecht zu schärfen und zu hinterfragen, warum gesellschaftliche Strukturen weiterhin an überalterten, geschlechtsspezifischen Normen festhalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Reflexion und Auseinandersetzung mit entwicklungspsychologischen sowie soziologischen Fachtexten zum Thema Geschlechterforschung.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil wird das Konzept "doing gender" analysiert und die Frage gestellt, wie veraltete Machtstrukturen wie die männliche Hegemonie im gesellschaftlichen Alltag neu verhandelt werden können.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie "Doing Gender", "Soziale Konstruktion", "Gleichberechtigung" und "Dekonstruktion" stehen im Zentrum der inhaltlichen Auseinandersetzung.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Sozialen Arbeit?
Die Autorin sieht in der Sozialen Arbeit eine wichtige Instanz, die beratend tätig werden und dabei helfen kann, traditionelle Geschlechterrollen zu hinterfragen und für individuelle Rechte einzustehen.
Welche Bedeutung hat das Zitat von Anna Julia Cooper?
Es dient als Leitmotiv für die Arbeit, um zu unterstreichen, dass menschliche Identität und Existenz nicht auf Basis vorgegebener Rollen abgewertet werden sollten.
- Citation du texte
- Laura Griesch (Auteur), 2021, (De-)Konstruktion von geschlechtlichen Rollenbildern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1157857