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Untersuchungen zur Autorschaft in mittelalterlichen Texten am Beispiel des Loher und Maller

Titel: Untersuchungen zur Autorschaft in mittelalterlichen Texten am Beispiel des Loher und Maller

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2007 , 27 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Jörg Thöle (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Roman Loher und Maller, der üblicherweise Elisabeth von Nassau Saarbrücken
zugeschrieben wird, ist in der Forschung nicht gerade für seine literarische Hochwertigkeit
bekannt. Konczak (1991), der sich in seiner Dissertation mit der Druckgeschichte
des Loher und des Herpin beschäftigt, lehnt sogar „eine umfassende Darstellung
der Textgeschichte“ ab, denn sie „hätte den damit verbundenen Aufwand nicht
gerechtfertigt und wäre angesichts der recht bescheidenen literarischen Qualität der
Texte nicht vertretbar“ (S. 19). Von Bloh (2002) ist nur wenig diplomatischer und
gibt an, dass die Texte „von den heutigen Standards für das Erzählen beinahe ebenso
weit entfernt sind wie vom Erzählen in hochmittelalterlichen Romanen“ und „sprachliche
Glanzleistungen tatsächlich nicht präsentieren“ (S. 1). Sie gibt aber zu, dass
diese Wertungen vor allem unseren heutigen Maßstäben geschuldet sein können (S.
8) und dass der Loher über eine „durchaus komplizierte Erzähltechnik“ verfügt (S.
103).
In diese Diskussion soll sich hier nicht eingemischt werden. Der Roman ist nämlich
aus anderen Gründen von hohem wissenschaftlichen Interesse. So ist es einer der ersten
Prosaromane der deutschen Literaturgeschichte. Zudem wird er, ungewöhnlich
für das Mittelalter, einer adligen Frau zugeschrieben. Schließlich handelt es sich um
die deutschsprachige Umsetzung einer nur noch fragmentarisch vorhandenen französischen
Vorlage.
Aus all diesen Gründen werden weniger interpretatorische Fragen als Fragen zur
Autorschaft seit geraumer Zeit in der Wissenschaft diskutiert. Daher bietet es sich
geradezu an, Theorien zur Autorschaft anhand dieses Romans zu überprüfen und
weiterzuentwickeln. Dies soll das Ziel der vorliegenden Arbeit sein.

[...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Booth: Implizierter Autor

2.2 Genette gegen Booth

2.3 Eco

2.4 Paratexte: Genette

2.5 Zusammenfassung

2.6 Autorkonstrukt

3. Grundlegendes zur Biographie Elisabeths von Nassau-Saarbrücken

4. Quellen- und Überlieferungslage

5. Aufbau

6. Stilistische Eigenheiten

7. Paratexte im Loher und Maller

7.1 Subskription / Proömium

7.2 Illustrationen

8. Anwendung auf das Schema

9. Schlussfolgerungen

10. Schlussworte

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, theoretische Ansätze zur Autorschaft kritisch zu diskutieren und ein eigenes Modell (das Autorkonstrukt) zu entwickeln, um das Verhältnis von Autor und Werk anhand des mittelalterlichen Romans "Loher und Maller" wissenschaftlich zu untersuchen und zu analysieren.

  • Analyse theoretischer Konzepte zur Autorschaft (Booth, Genette, Eco)
  • Untersuchung der Entstehungsgeschichte und Überlieferung des "Loher und Maller"
  • Bedeutung von Paratexten für die Autorkonstruktion
  • Einfluss der Rezeption auf das Bild des Autors
  • Anwendung eines schematischen Modells zur Rekonstruktion von Autorkonstrukten

Auszug aus dem Buch

2.6 Autorkonstrukt

Maßgeblich für die Interpretation eines Textes und damit auch für seine gesamte Rezeption ist also nicht Booths impliziter Autor als dem Leser vom Autor vermitteltes Bild seiner selbst, sondern dasjenige Bild, das sich der Rezipient vom Autor macht. Dieses setzt sich zusammen aus dem Autorbild, das das Werk direkt liefert, ob es sich dabei nun um einen impliziten Autor handelt oder nicht, sowie den zusätzlichen Informationen, über die der Rezipient verfügt. Es handelt sich dabei also um ein Autorkonstrukt, das vom realen Autor und vom Rezipienten gleichsam kooperativ hergestellt wird. Der Autor liefert gleichsam ein Angebot für ein Autorkonstrukt, einerseits über den Text, andererseits über die Paratexte, dass der Rezipient annehmen kann oder nicht. Zudem kann der Rezipient dieses Angebot erweitern durch Informationen, auf die der Autor entweder aufgrund ihrer faktischen Natur keinen Einfluss hat, oder die dem Autor selbst vielleicht gar nicht bekannt sind.

Dieses Autorkonstrukt ist dementsprechend nicht nur von Autor zu Autor und von Werk zu Werk, sondern auch von Rezipient zu Rezipient unterschiedlich, abhängig von seiner jeweiligen Kompetenz.

Das eine Autorkonstrukt für ein Werk zu rekonstruieren, ist für einen Literaturwissenschaftler daher unmöglich. Es gilt somit, sich dem maximalen Autorkonstrukt zu nähern, also demjenigen, das der tatsächlich ideale Leser mit maximaler Kompetenz hätte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Vorstellung des Romans "Loher und Maller" sowie Definition der Forschungsfrage, die sich mit Autorschaftstheorien befasst.

2. Theoretische Grundlagen: Diskussion verschiedener wissenschaftlicher Ansätze zur Autorschaft, insbesondere von Booth, Genette und Eco, sowie Einführung des Begriffs "Autorkonstrukt".

3. Grundlegendes zur Biographie Elisabeths von Nassau-Saarbrücken: Darstellung der Lebensdaten und biografischen Hintergründe der dem Roman zugeschriebenen Autorin.

4. Quellen- und Überlieferungslage: Analyse der vorhandenen Handschriften und Drucke des Werkes.

5. Aufbau: Beschreibung der strukturellen Gliederung des Romans in drei inhaltliche Teile und Einordnung in einen größeren Zyklus.

6. Stilistische Eigenheiten: Untersuchung der Prosaauflösung und der stilistischen Nähe zu historiographischen Texten.

7. Paratexte im Loher und Maller: Analyse der Subskriptionen und Illustrationen als wichtige Elemente zur Autorkonstruktion.

8. Anwendung auf das Schema: Übertragung des entwickelten Modells des Autorkonstrukts auf den konkreten Fall des Romans.

9. Schlussfolgerungen: Synthese der Ergebnisse zur Problematik der Identifizierung eines historischen Autors und zur kooperativen Entstehung des Autorkonstrukts.

10. Schlussworte: Resümee über die Bedeutung der Konstruktion im Kopf des Rezipienten für die Interpretation von Texten.

Schlüsselwörter

Autorschaft, Autorkonstrukt, Loher und Maller, Elisabeth von Nassau-Saarbrücken, Literaturwissenschaft, Paratexte, Rezeption, Mittelalter, Prosaroman, Implizierter Autor, Genette, Booth, Überlieferungsgeschichte, Intertextualität, Literaturtheorie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das theoretische Problem der Autorschaft in mittelalterlichen Texten am Beispiel des Romans "Loher und Maller" und entwickelt dafür ein Modell des sogenannten Autorkonstrukts.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind Literaturtheorie, der Umgang mit historischen Quellen, die Bedeutung von Paratexten sowie die Rolle der Rezipienten bei der Interpretation von Werken.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, ein Konzept zu entwickeln, das erklärt, wie sich das Bild eines Autors beim Leser bildet, unabhängig davon, ob der historische Autor zweifelsfrei bekannt ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es werden literaturtheoretische Ansätze (insbesondere von Booth, Genette und Eco) diskutiert und auf die spezifische Überlieferungssituation des "Loher und Maller" angewendet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen dargelegt, die Biografie der Autorin beleuchtet, die Überlieferung und der Aufbau des Textes analysiert sowie Paratexte (Subskriptionen und Bilder) untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Autorkonstrukt, Rezeption, Paratexte und die interdisziplinäre Untersuchung mittelalterlicher Prosaadaptationen.

Warum ist die Bestimmung des Autors beim "Loher und Maller" so schwierig?

Es handelt sich um eine Übersetzung aus dem Französischen, bei der unklar bleibt, ob Elisabeth von Nassau-Saarbrücken als Autorin, Übersetzerin oder lediglich als Auftraggeberin fungierte.

Welche Rolle spielen die Illustrationen im Text?

Die Illustrationen werden als Paratexte interpretiert, die maßgeblich zur Identitätsstiftung innerhalb der adeligen Rezipientenkreise und zur Legitimierung der Geschichte beitrugen.

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Details

Titel
Untersuchungen zur Autorschaft in mittelalterlichen Texten am Beispiel des Loher und Maller
Hochschule
Universität Münster
Veranstaltung
Autor und Werk in der deutschen und lateinischen Literatur des Mittelalters
Note
1,3
Autor
Jörg Thöle (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
27
Katalognummer
V115809
ISBN (eBook)
9783640173563
ISBN (Buch)
9783640173822
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Untersuchungen Autorschaft Texten Beispiel Loher Maller Autor Werk Literatur Mittelalters
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Jörg Thöle (Autor:in), 2007, Untersuchungen zur Autorschaft in mittelalterlichen Texten am Beispiel des Loher und Maller, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115809
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  27  Seiten
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