Diese Arbeit ist der Versuch, einen Überblick über verschiedenartige Schriftsysteme zu geben und die historischen Entwicklungslinien ihrer Entstehung nachzuzeichnen.
Die Verwendung von Schrift ist ein wesentliches Mittel der gesellschaftlichen Kommunikation. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass keine moderne Gesellschaft ohne Schrift existieren könnte. Für ihr Funktionieren ist es notwendig, Information zu sichern und über Entfernungen und längere Zeiträume hinweg ohne Änderung zu verbreiten; es ist unerlässlich, Regeln festzulegen und verbindlich festzuschreiben. All dies wäre ohne das Vorhandensein von Aufzeichnungssystemen nicht möglich.
Die ersten Schriftsysteme waren allerdings noch keine Alphabete. Das Prinzip der Phonographie bzw. Lautschrift, dass allen echten Alphabeten zugrunde liegt, hat sich erst allmählich im Zuge eines langwierigen Evolutionsprozesses herausgebildet. Am Anfang der Aufzeichnung stand zunächst die Zeichnung. Die verwendeten Zeichen hatten dabei einen unmittelbaren Bezug zum be- bzw. gezeichneten Gegenstand.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Vom Piktogramm zur Silbenschrift
Piktogramme und Ideographie
Logographie, Phonographie und Silbenschrift
Ideographische Ursprünge der modernen Alphabetschriften
Die ägyptischen Schriftsysteme
Die Hieroglyphenschrift
Hierartische und demotische Schrift
Ursprung moderner Alphabete
Die Polygenese-Theorie
Adaption des semitischen Alphabets
Adaptionen des griechischen Alphabets
Das lateinische ABC
Das kyrillische Alphabet
Entstehung der slavischen Schriftlichkeit
Weitere Entwicklungsstufen des kyrillischen Alphabets
Zusammenfassung der Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung von Schriftsystemen, von frühen Piktogrammen bis hin zur modernen Alphabetschrift, und analysiert die dabei auftretenden Adaptionsstrategien bei der Übertragung von Schriften auf unterschiedliche Sprachen.
- Evolution von Bilderschriften zu phonographischen Systemen
- Strukturelle Besonderheiten ägyptischer und semitischer Schriftsysteme
- Theorien zur Entstehung und Verbreitung moderner Alphabete
- Anpassungsprozesse des lateinischen Alphabets an die deutsche Sprache
- Historische und sprachwissenschaftliche Entwicklung des kyrillischen Alphabets
Auszug aus dem Buch
Ideographische Ursprünge der modernen Alphabetschriften
Eine vergleichbare Entwicklung lässt sich auch bei der ägyptischen Schrift beobachten, die sich ebenfalls aus Piktogrammen zu einem logographischen Schriftsystem entwickelt hatte. Erstaunlich an den ägyptischen Hieroglyphen ist jedoch, dass sie im Laufe ihrer Geschichte kaum eine Veränderung erkennen lassen, wie Faulmann hervorhebt: „Auf den ältesten Denkmälern, in den Pyramiden von Gizeh, welche vor 6000 Jahren […] erreicht wurden, findet sich die Hieroglyphenschrift bereits in derselben Weise ausgebildet wie zur Zeit des Untergangs der ägyptischen Religion am Beginn unserer Zeitrechnung“.
Der gleichzeitige Untergang von ägyptischer Religion und Schrift ist durchaus kein Zufall, wurde doch die Hieroglyphenschrift ausschließlich zu religiösen bzw. staatlich-repräsentativen Zwecken verwendet. Gleichzeitig sind dies typische Lebensbereiche, die in Bezug auf die kommunizierbaren Inhalte keine große Variation zulassen. Im Gegenteil: Die schriftliche Fixierung bezweckt ja gerade, Abweichungen und Umdeutungen religiöser Mythen zu verhindern, so dass im Falle der Hieroglyphen die Unveränderlichkeit der Zeichen mit der Konstanz der Inhalte korrespondiert. Eine weitere Erklärung für die Beständigkeit der Hieroglyphenschrift über 4000 Jahre hinweg ist, dass sie als logographische Schrift auch die phonetischen und strukturalen Veränderungen, denen jede natürliche Sprache unterworfen ist, weitgehend außer Acht lassen konnte. Auch wenn die Hieroglyphen auf den heutigen Betrachter eher piktographisch wirken, täuscht dieser Eindruck, denn „so realistisch die Ägypter in ihren Bildern auch waren […], ihre Schrift ist entweder symbolisch oder lautlich“, also logographisch und phonographisch.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit erläutert die Bedeutung der Schrift als Mittel der gesellschaftlichen Kommunikation und führt in das Ziel ein, die historischen Entwicklungslinien von Schriftsystemen nachzuzeichnen.
Vom Piktogramm zur Silbenschrift: Es wird die prähistorische Entwicklung von Piktogrammen und Ideogrammen dargestellt, die zwar Gedanken fixieren, aber noch keine vollwertige sprachgebundene Schrift darstellen.
Ideographische Ursprünge der modernen Alphabetschriften: Dieser Abschnitt analysiert die ägyptischen Schriftsysteme hinsichtlich ihrer Beständigkeit und führt in Theorien zum Ursprung moderner Alphabete ein.
Adaptionen des griechischen Alphabets: Hier wird der historische Prozess der Buchstabenübernahme und die methodische Erweiterung des Zeicheninventars thematisiert.
Das lateinische ABC: Das Kapitel behandelt die Vermittlung des Alphabets durch die Etrusker und die spezifische Anpassung des lateinischen Systems an die phonetischen Gegebenheiten des Deutschen.
Das kyrillische Alphabet: Die Arbeit beschreibt die missionarische Entstehung der slavischen Schriftlichkeit durch Kyrill und Method sowie die fortlaufende Entwicklung und Reform des kyrillischen Alphabets.
Zusammenfassung der Ergebnisse: Die Untersuchung schließt mit einer Reflexion über das Spannungsfeld zwischen Lautbild und Schriftbild in der modernen Orthographie.
Schlüsselwörter
Schriftgeschichte, Piktogramm, Ideographie, Logographie, Phonographie, Schriftsysteme, Hieroglyphen, Alphabetschriften, Polygenese, Phönizier, Griechisches Alphabet, Lateinisches Alphabet, Kyrillisches Alphabet, Orthographie, Phonem.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und Evolution von Schriftsystemen, von den ersten bildhaften Darstellungen bis hin zu komplexen, modernen Alphabetschriften.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung der Phonographie, die Adaptionsprozesse verschiedener Alphabete an neue Sprachen und der Vergleich zwischen Schriftbild und Lautbild.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, einen Überblick über verschiedene Schriftsysteme zu geben und die historischen Entwicklungslinien ihrer Entstehung fundiert nachzuzeichnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historisch-vergleichende Methode, um die Evolution der Schrift am Beispiel verschiedener Sprachsysteme wie der chinesischen, ägyptischen, griechischen, lateinischen und kyrillischen Schrift zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Schriftsystemen, die Analyse der Entstehung von Alphabeten und die detaillierte Darstellung, wie Alphabete an spezifische Lautinventare von Sprachen angepasst werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Schriftsysteme, Logographie, Phonographie, historische Entwicklung der Schrift und sprachliche Adaption charakterisieren.
Warum wird die chinesische Schrift in der Arbeit als Beispiel herangezogen?
Die chinesische Schrift dient als Beispiel für das älteste, heute noch gebräuchliche Schriftsystem, um die Entwicklung von der Ideographie hin zur logographischen und silbenschriftlichen Darstellung zu illustrieren.
Welchen Einfluss hatte die Orthographiereform von 1917 auf das kyrillische Alphabet?
Die Reform führte zur Abschaffung überflüssiger Buchstaben, darunter griechische Relikte, wodurch das russische Alphabet auf den heutigen Bestand von 32 bzw. 33 Buchstaben reduziert wurde.
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- Tetyana Lysenko (Autor), 2010, Ideographische Ursprünge der modernen Alphabetschriften. Vom Piktogramm zur Silbenschrift, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1158286