In dieser Arbeit wird der zweitgrößte Bereich der Korruption in Deutschland, also der nicht-öffentliche beziehungsweise private Sektor, genauer dargestellt und beleuchtet. Unter Korruption werden vermutlich meistens Vorgänge im öffentlichen Sektor, in der allgemeinen öffentlichen Verwaltung, verstanden. Dieser Zielbereich nimmt tatsächlich mit 50,6 % (Stand 2020) auch den größten Anteil der 5.510 im Jahr 2020 bekanntgewordenen Korruptionsstraftaten ein. Knapp 66 % des Restanteils, also 33,2 %, werden hierbei jedoch in der Wirtschaft begangen.
Der Begriff Korruption dürfte in der westeuropäischen Bevölkerung größtenteils bekannt sein, trotzdessen, dass dieses "Phänomen" in Ländern wie Deutschland, Österreich oder der Schweiz nicht so stark vertreten ist wie in östlichen Kulturen, beispielsweise Syrien oder dem Sudan. Aufschluss hierüber gibt der jährliche Corruption Perceptions Index, welcher insgesamt 180 Ländern anhand des Korruptions-Levels im öffentlichen Sektor in eine Bepunktung zwischen 0 und 100 einordnet ( 0 = "highly corrupt" – 100 = "very clean"). Deutschland befand sich hierbei 2020 mit einem Wert von 80 auf Rang 9 der Liste und zählt damit im Vergleich zu den „sauberen“ Ländern. Der Durchschnittswert liegt bei 43/100 Punkten - etwa 66 % der Länder haben eine Bepunktung unter 50 erreicht.
Auch wenn der öffentliche Sektor in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern weniger korrupt zu sein scheint, entsteht auch in unserem Land eine enorme Schadenssumme durch entsprechende Vorgänge. Laut Bundeskriminalamt entstand im Jahr 2020 eine Schadenssumme von ca. 81.000.000 €, was im Vergleich zu den Vorjahren jedoch noch relativ niedrig ist (z.B. 2017 = 291 Mio €).
Inhaltsverzeichnis
1 Korruption im allgemeinen
1.1 Darstellung und Definition
1.2 Privater Sektor
2 Modellierung und Formen der Korruption
2.1 Prinzipal-Agent-Klient-Modell
2.2 Formen der Korruption
3 Rechtsvorschriften der Korruption im privaten Sektor
3.1 Darstellung
3.2 Rechtshistorische Entwicklung
3.3 Beispielfälle
4 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Korruption im privaten Sektor, um ein tieferes Verständnis für die Mechanismen und rechtlichen Rahmenbedingungen abseits des öffentlichen Dienstes zu schaffen. Ziel ist es, die ökonomische Modellierung korruptiver Beziehungen zu analysieren und die relevanten strafrechtlichen Normen sowie deren Entwicklung kritisch zu beleuchten.
- Analyse von Korruptionsphänomenen außerhalb des öffentlichen Sektors
- Anwendung des Prinzipal-Agent-Klient-Modells zur Strukturierung korruptiver Beziehungen
- Unterscheidung zwischen verschiedenen Korruptionsformen wie struktureller und situativer Korruption
- Untersuchung der strafrechtlichen Regelungen gemäß §§ 299 und 300 StGB
- Einordnung anhand von Fallbeispielen aus der Wirtschaft
Auszug aus dem Buch
2.1 Prinzipal-Agent-Klient-Modell
Im Prinzipal-Agent-Klient-Modell werden Beziehungen und Vereinbarungen / Verträge zwischen dem Prinzipal und dem Agenten sowie einem Klienten beschrieben. Der Prinzipal und der Agent stehen dabei in einer Beziehung A zueinander, welche durch einen Vertrag in irgendeiner Form bestimmt ist – dies kann ein Vertrag über Leistungen oder Gegenleistungen sowie ein Arbeitsverhältnis sein. Hier wird explizit das Verhältnis zu anderen Akteuren, so u.a. auch dem Klienten, geregelt. Der Agent hat hierbei einen Auftrag, den der Prinzipal entweder selbst nicht ausführen kann oder will, erhält für die Ausführung des Auftrag jedoch eine Gegenleistung, die im entsprechenden Vertrag A festgelegt ist. Beide Parteien befinden sich meist in einer Organisation oder in einem gemeinsamen Gefüge.
Ausschlaggebend ist bei dem relevanten Auftrag eine sog. „Informationsasymmetrie“, d.h. der Prinzipal kann die Leistung des Agenten nicht komplett einschätzen, entweder, weil hierzu ein sehr hoher Beaufsichtigungsaufwand notwendig ist, oder, weil ggf. auch entsprechende Fachkenntnisse fehlen. Aus diesem Grund wird dem Agenten auch ein gewisser Handlungsspielraum eingeräumt, in welchem er seinen Auftrag wahrnehmen kann.
Ferner besteht eine Beziehung C zwischen dem Agenten und dem Klienten, in welchem Leistung und Gegenleistung geregelt ist. In dieser Beziehung ist es dem Agenten möglich, aufgrund des Handelsspielraums, welchen dieser vom Prinzipal erhalten hat, Leistungen oder Güter anzubieten oder zu verweigern, an welchen der Klient ebenfalls interessiert ist. Sofern beide Parteien einen nach der jeweiligen Auffassung angemessenen Vorteil erhalten, führen sie den entsprechenden Tausch oder die Bezahlung durch. Erwähnt sei, dass nicht zwangsläufig Geldmittel fließen müssen - andere Güter wie Gegenstände, Leistungen, Jobs oder Prostitution sind ebenfalls denkbar. Auch handelt es sich bei dem Vertrag zwischen Agent und Klient, im Gegensatz zu dem zwischen Agent und Prinzipal, keinesfalls um einen zivilrechtlichen Vertrag sondern eine Form der Abmachung untereinander, die auch nicht mit den üblichen staatlichen Mitteln durchgesetzt werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Korruption im allgemeinen: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Korruption und grenzt den öffentlichen vom privaten Sektor ab.
2 Modellierung und Formen der Korruption: Hier wird das Prinzipal-Agent-Klient-Modell zur Erklärung von Korruptionsstrukturen eingeführt und verschiedene Arten der Korruption wie Belastungs- und Entlastungskorruption erläutert.
3 Rechtsvorschriften der Korruption im privaten Sektor: Dieses Kapitel behandelt die strafrechtlichen Bestimmungen, insbesondere die §§ 299 und 300 StGB, sowie deren historische Entwicklung und relevante Fallbeispiele.
4 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einem Fazit zur gesellschaftlichen Relevanz der Korruptionsbekämpfung und der Notwendigkeit eines fairen Wettbewerbs.
Schlüsselwörter
Korruption, Privater Sektor, Prinzipal-Agent-Klient-Modell, Strafgesetzbuch, §299 StGB, Bestechlichkeit, Bestechung, Informationsasymmetrie, Belastungskorruption, Entlastungskorruption, Wirtschaftskriminalität, Wettbewerb, Compliance, Rechtsgeschichte, Korruptionsprävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Korruption im privaten Sektor, also der Korruption außerhalb der öffentlichen Verwaltung, und beleuchtet deren theoretische Grundlagen sowie strafrechtliche Rahmenbedingungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die ökonomische Modellierung korruptiver Beziehungen, die strafrechtliche Einordnung der §§ 299 und 300 StGB sowie die Analyse von Korruptionsformen wie Belastungs- und Entlastungskorruption.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, Korruption im privaten Sektor genauer darzustellen und die zugrundeliegenden Machtmechanismen sowie die rechtliche Entwicklung der einschlägigen Strafnormen verständlich zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf einer umfangreichen Literaturrecherche und der Anwendung ökonomischer Modelle (Prinzipal-Agent-Klient) auf den Bereich der Wirtschaftskriminalität basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Modellierung korruptiver Prozesse durch das Prinzipal-Agent-Klient-Modell, die theoretische Differenzierung verschiedener Korruptionsformen sowie die detaillierte Betrachtung der gesetzlichen Bestimmungen und konkreter Fallbeispiele aus der Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Korruption, Privater Sektor, Prinzipal-Agent-Klient-Modell, Bestechlichkeit und Wirtschaftskriminalität charakterisieren.
Was unterscheidet Belastungs- von Entlastungskorruption?
Bei der Entlastungskorruption entsteht ein Interessenausgleich zwischen Agent und Klient zum Vorteil beider, während die Belastungskorruption den Klienten zwingt, eine Zahlung zu leisten, um eine eigentlich geschuldete Leistung überhaupt zu erhalten.
Warum ist das Prinzipal-Agent-Klient-Modell relevant für diese Analyse?
Das Modell ermöglicht es, die „Informationsasymmetrie“ und den Handlungsspielraum von Akteuren in Organisationen zu analysieren, was essenziell ist, um zu verstehen, wie Korruption hinter einer „Informationsbarriere“ verborgen und betrieben werden kann.
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- Janik Rebell (Author), 2021, Korruption im privaten Sektor in Deutschland. Allgemeines, Formen und Rechtsvorschriften, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1158303