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„Transformation der Lebensweise“ - Visionen, Experimente und Probleme der Familien- und Wohnungspolitik in der Sowjetunion (1917-32)

Titel: „Transformation der Lebensweise“ - Visionen,  Experimente und Probleme der Familien- und Wohnungspolitik in der Sowjetunion (1917-32)

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2007 , 37 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Frank Henschel (Autor:in)

Geschichte Europas - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
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Zusammenfassung Leseprobe Details

(...) Knapp zusammengefasst: Euphorie und Tatendrang kurz nach der Revolution, Stagnation aufgrund wirtschaftlicher Unzulänglichkeiten und politischen Hindernissen, Desillusionierung und Entzug der politischen Unterstützung zu Beginn der Dreißiger Jahre. „Kriegskommunismus“, „Neue ökonomische Politik“ (NĖP) und Erster Fünfjahres-Plan sind die politisch induzierten ökonomischen Rahmen in die die Transformationsbemühungen hineinfallen. Dieser Zeitraum wurde gewählt, weil er in ökonomischer, politischer und kultureller Hinsicht die „experimentellen Jahre“ darstellt, in denen durch eine gewisse Kontingenz noch gesellschaftliche Diskurse und emanzipatorische Projekte möglich waren, zwar immer wieder von Ordnungsansprüchen bedroht, denen aber letztendlich erst mit der Etablierung des Stalinismus die Grundlagen entzogen wurden. Obwohl der Zusammenhang in der neueren Literatur Beachtung findet, zeigt ihn keine dem Autor bekannte Arbeit ausführlicher auf oder beleuchtet die gemeinsamen Entwicklungspfade der Bemühungen, die „Transformation der Lebensweise“ im Rahmen der Frauen- oder Wohnungspolitik zu vollziehen. Das soll diese Hausarbeit, zumindest in überblicksartiger Weise, leisten. Leitende Fragen sollen dabei sein: Welche Akteure oder Institutionen vertraten die Idee der „Transformation der Lebensweise“? Welche konkreten Maßnahmen wurden ergriffen, um sie zu befördern? Welchen Einfluss hatten die ökonomischen Rahmenbedingungen auf die Verwirklichungsmöglichkeiten der „Transformation“? Welche Tendenzen zeigte die politische Führung gegenüber den Bemühungen und Maßnahmen der jeweiligen Akteure, also wann wurde was warum unterstützt oder zum Scheitern gebracht? Da der Verfasser des Russischen nicht mächtig ist, können leider die zahlreichen russischsprachigen Veröffentlichungen und Quellen, nicht berücksichtigt werden, doch sind die Themen von englischen und in letzter Zeit auch von deutschen Wissenschaftlern umfangreich bearbeitet, bzw. wesentliche russische Beiträge übersetzt worden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Euphorie und Tatendrang 1917-1921/22

2.1 Die Aktivistinnen und ihre Utopie

2.2. Erste Schritte zur Umsetzung der Utopie

2.3 Experimente des „Neuen Wohnens“

2.3.1 Die Gartenstadt

2.3.2 Das Kommune-Haus

2.3.3 Die Kommunalwohnung

2.3.4 Abwehr der Avantgarde

3. Stagnation 1921/22-1927/28

3.1 Probleme der Frauenarbeit

3.1.1 Das Scheidungsgesetz

3.1.2 Die Kinderbetreuung

3.1.3 Der Arbeitsplatz

3.2 Probleme der Wohnungswirtschaft

3.2.1 Siedlungsbau

3.2.2 Kommune-Häuser und Wohnungen

4. Hoffnung und Desillusionierung 1927/28-32

4.1 Die Auflösung des Ženotdel und das Ende der Frauenpolitik

4.2 Das „Kollektive Wohnen“ und die „Sozialistische Stadt“

4.2.1 „Typ F“

4.2.2 „Die Sozialistische Stadt” – (De-)Urbanistische Visionen

5. Resümee

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Versuche der bolschewistischen Führung, die Lebensweise in der Sowjetunion zwischen 1917 und 1932 durch radikale Veränderungen in der Familien- und Wohnungspolitik zu transformieren. Dabei wird analysiert, inwiefern ideologische Utopien auf die ökonomische und soziale Realität der frühen Sowjetjahre trafen, welche Akteure diese Transformationen vorantrieben und warum diese Bemühungen letztlich am Widerstand, an materieller Not und dem politischen Kurswechsel zum Stalinismus scheiterten.

  • Die Rolle der „Ženotdel“ (Frauenabteilung) bei der Emanzipation und Mobilisierung der Frauen.
  • Architektonische Utopien wie die „Gartenstadt“, das „Kommune-Haus“ und die „Sozialistische Stadt“.
  • Die Auswirkungen wirtschaftlicher Phasen (Kriegskommunismus, NEP, Erster Fünfjahresplan) auf die Lebensverhältnisse.
  • Die Diskrepanz zwischen politischem Anspruch und der Realität in der kommunalen Wohnsituation.
  • Der Einfluss der stalinistischen Herrschaft auf die Transformation der Lebensweise.

Auszug aus dem Buch

1. Einleitung

„Die Frau bleibt nach wie vor Haussklavin, trotz aller Befreiungsgesetze, denn sie wird erdrückt, erstickt, abgestumpft, erniedrigt von der Kleinarbeit der Hauswirtschaft, die sie an die Küche und an das Kinderzimmer fesselt und sie ihre Schaffenskraft durch eine geradezu barbarisch unproduktive, kleinliche, entnervende, abstumpfende, niederdrückende Arbeit vergeuden läßt. Die wahre Befreiung der Frau, der wahre Kommunismus wird erst dort und dann beginnen, wo und wann der Massenkampf (unter der Führung des am Staatsruder stehenden Proletariats) gegen diese Kleinarbeit der Hauswirtschaft, oder richtiger, ihre massenhafte Umgestaltung zur sozialistischen Großwirtschaft beginnt.“

Mit dieser Feststellung formulierte Vladimir Ilji Uljanov, besser bekannt als Lenin, 1919 die gewaltige Herausforderung, der sich die Bolschewisten hinsichtlich der Befreiung der Frauen stellen müssten. Die Geschlechterverhältnisse waren, spätestens seit August Bebels Schrift „Die Frau und der Sozialismus“ von 1879, ein wichtiges Thema in der internationalen Sozialdemokratie. Beklagt wurde die ökonomische Abhängigkeit der Frau vom Mann, die ihr keine gleichberechtigte Stellung ermögliche und die eine Entwicklung ihrer Persönlichkeit, da sie sich nur um Kindererziehung und Haushaltsführung zu kümmern habe, nicht zulasse.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die theoretischen Grundlagen und die zentrale Fragestellung der Arbeit zur Transformation der Lebensweise in der frühen Sowjetunion.

2. Euphorie und Tatendrang 1917-1921/22: Analyse der anfänglichen Utopien der Frauenbewegung sowie der frühen architektonischen Experimente wie Gartenstädte und Kommunehäuser.

3. Stagnation 1921/22-1927/28: Untersuchung der Krisen während der NEP-Zeit, die den Alltag der Frauen sowie den Wohnungssektor durch Arbeitslosigkeit und Mangelwirtschaft prägten.

4. Hoffnung und Desillusionierung 1927/28-32: Darstellung der Auswirkungen des Ersten Fünfjahresplans auf die Frauen- und Wohnungspolitik bis hin zur Auflösung des Ženotdel.

5. Resümee: Synthese der Ergebnisse, die das Scheitern der Transformationsbemühungen aufgrund von Ideologie, Mangelwirtschaft und politischer Unterdrückung hervorhebt.

Schlüsselwörter

Transformation der Lebensweise, Sowjetunion, Frauenpolitik, Ženotdel, Wohnungspolitik, Kommunalwohnung, Avantgarde, Arbeiterinnen, Industrialisierung, Erster Fünfjahresplan, Kollektivierung, Bolschewismus, Neue ökonomische Politik, stalinistische Ära, Sozialistische Stadt

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit analysiert die sowjetische Familien- und Wohnungspolitik in den Jahren 1917 bis 1932 und untersucht, wie die bolschewistische Führung versuchte, durch gesellschaftliche Umstrukturierungen eine „neue Lebensweise“ zu etablieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Hauptthemen umfassen die rechtliche und soziale Emanzipation der Frau, die Rolle des Ženotdel, architektonische Wohnkonzepte sowie die Auswirkungen staatlicher Wirtschaftsplanung auf das Alltagsleben.

Welches ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die Erforschung der Diskrepanz zwischen den ideologischen Visionen eines befreiten, kollektiven Lebens und der harten, durch Mangel und autoritäre Strukturen geprägten Realität der Sowjetunion.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer umfassenden Auswertung zeitgenössischer Quellen sowie aktueller englisch- und deutschsprachiger Forschungsliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die drei Phasen Euphorie, Stagnation und Desillusionierung, in denen jeweils die Probleme der Frauenarbeit und der Wohnungswirtschaft detailliert analysiert werden.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie „Transformation der Lebensweise“, „Ženotdel“, „Kommune-Haus“, „NEP“ und „Stalinismus“ geprägt.

Warum scheiterte das Ženotdel laut der Arbeit?

Das Scheitern wird auf den hohen, unrealistischen Anspruch, interne Kompetenzkonflikte mit anderen Parteigremien sowie den wachsenden Druck zur Instrumentalisierung der Frauen für die industrielle Mobilisierung zurückgeführt.

Welche Rolle spielte die „Avantgarde“ in der Wohnungspolitik?

Die Architekten der Avantgarde sahen in innovativen Wohnformen wie dem Kommune-Haus das Mittel, den „Neuen Menschen“ zu formen, konnten ihre Visionen jedoch aufgrund mangelnder Mittel und des späteren politischen Kurswechsels zum Neoklassizismus kaum umsetzen.

Was waren „besprizorniki“?

Dies bezeichnete die Millionen verwahrloster Kinder, die infolge der wirtschaftlichen Krisen, der Zerrüttung traditioneller Familienstrukturen und fehlender Betreuungsmöglichkeiten in den zwanziger Jahren obdachlos wurden.

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Details

Titel
„Transformation der Lebensweise“ - Visionen, Experimente und Probleme der Familien- und Wohnungspolitik in der Sowjetunion (1917-32)
Hochschule
Universität Leipzig  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Revolution als Kultur. Kultureller Wandel und Selbstinszenierung des bolschewistischen Russland 1917-1930er Jahre
Note
1,0
Autor
Frank Henschel (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
37
Katalognummer
V115841
ISBN (eBook)
9783640171392
ISBN (Buch)
9783640173051
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wohnungspolitik Sowjetunion Revolution Kultur Russland Sozialpolitik Gender Familienpolitik Kommunismus 1917-1935 Russische Revolution Oktoberrevolution
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Frank Henschel (Autor:in), 2007, „Transformation der Lebensweise“ - Visionen, Experimente und Probleme der Familien- und Wohnungspolitik in der Sowjetunion (1917-32), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115841
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Leseprobe aus  37  Seiten
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