Diese Arbeit befasst sich mit den "critical incident techniques" (CITs). Ausgegangen wird von den Forschungsfragen: Nach welchen Verfahren werden CITs entwickelt und wie werden sie angewendet – vor allem im Bereich der interkulturellen Kommunikation? Welche Vor- und Nachteile weisen die CITs auf?
Zum ersten Mal fiel in den 1960er-Jahren der Begriff der Globalisierung, der für eine internationale Zusammenarbeit in den unterschiedlichsten Bereichen wie Wirtschaft, Umwelt und Politik steht. Globalisierung umfasst aber nicht nur Staaten oder große Unternehmen, sondern auch Einzelpersonen, die aus anderen Nationen stammen und miteinander in Verbindung treten.
Seither haben jedoch zahlreiche Veränderungen stattgefunden, vor allem im digitalen Bereich: Durch die Entwicklung und den Ausbau der technologischen Errungenschaft des Internets ist es nun möglich geworden, nicht nur politische und wirtschaftliche Informationen auszutauschen, sondern auch Privatpersonen können weltweit über das WorldWideWeb miteinander in Kontakt treten.
Auch moderne Verkehrsmittel haben zu einer engeren Zusammenarbeit beziehungsweise zum Aufeinandertreffen von Menschen aus allen kulturellen Kreisen geführt. Zwischenzeitlich ist das Reisen mit den unterschiedlichsten Transportmitteln, wie der Bahn, dem Schiff, dem Auto und auch natürlich der Luftfahrt, für alle zugänglich und leistbar geworden. Insbesondere der Flugverkehr hat das Reisen in weit entfernte Staaten nicht nur für Politiker, Manager und Unternehmer ermöglicht, auch immer mehr Privatpersonen verreisen aus den unterschiedlichsten Gründen – egal ob in den Urlaub, zum neuen Arbeitsplatz, zum Studentenaustausch oder zum Praktikum – ins Ausland. Ungeachtet dessen, wie verschiedenartig die Gründe des Aufenthaltes in einem fremden Gebiet ausfallen mögen, kommt es mehr oder weniger häufig zum Kontakt beziehungsweise kommunikativen Austausch zwischen Menschen mit kulturell anderen Ansichten und Lebensweisen. Eng verbunden mit der Globalisierung, ja sogar ein wichtiger Bestandteil dieser, ist die Kommunikation zwischen den Kulturen. Jedoch kann es aufgrund der unterschiedlichen kulturellen Herkünfte zu Schwierigkeiten und Missverständnissen kommen, den sog. "kritischen Ereignissen" oder "Critical Incidents".
Inhaltsverzeichnis
1. Die Entstehung und Entwicklung von Critical Incident Techniques
2. Das Verfahren der CIT
3. Anwendungsbereiche der Critical Incident Technique
4. CITs und interkulturelle Kommunikation
5. Vor- und Nachteile der CI-Methode als Trainingsprogramm
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die Critical Incident Technique (CIT) als semiotisches Instrument zur Identifikation und Analyse kritischer Ereignisse in der interkulturellen Kommunikation, um Missverständnisse durch ein verbessertes Verständnis für fremde Kulturstandards zu vermeiden.
- Historische Entwicklung der CIT durch John C. Flanagan
- Strukturierte Phasen des CIT-Analyseverfahrens
- Einsatzmöglichkeiten von CI-Methoden im beruflichen und pädagogischen Kontext
- Anwendung der CIT bei der Analyse interkultureller Interaktionen
- Kritische Reflexion der CI-Methode als Trainingsprogramm
Auszug aus dem Buch
4. CITs und interkulturelle Kommunikation
CITs im Zusammenhang mit interkultureller Kommunikation stellen ins Zentrum, sich mit verschiedenen und individuellen Situationen auseinanderzusetzen, die zu den kritischen Ereignissen führen. Zur Vermeidung der kritischen Situationen werden Evaluierungen von Einzelpersonen und ihren Kenntnissen sowie ihrem Erleben durchgeführt. In vier Punkten skizziert wird eine solches Vorgehen von Hans Jürgen Heringer in Interkultureller Kommunikation:
1. Eine Grundbedingung für diese Kategorie von Critical Incidents ist, dass zwei Kulturen (K1 und K2) aufeinandertreffen.
2. Protokolliert werden diese kritischen Ereignisse von einem Forscher (K1?).
3. Befragt werden hierbei Personen – Heringer nennt sie Erlebende (E) – aus K1 zu ihren Erfahrungen im Ausland und darüber, welche CIs ihnen widerfahren sind.
4. Nun beteiligt sich ein Partner (P) aus K2, in der E auf ein CI gestoßen ist, und ein Nutzer (N) aus K1, der etwas aus der kritischen Situation lernen will.
Im weiteren Verfahren geht man ähnlich vor wie bei der Analyse der anderen CIs: Es soll eine Befragung mit E durchgeführt werden, die protokoliert wird. Dieser wird dazu angehalten, sich zu kritischen Szenen in der Kommunikation zwischen K1 und K2 zu äußern. Anschließend werden die angegebenen CIs von Experten aus beiden Kulturen analysiert und nach ihrer Wahrscheinlichkeit angeordnet. Jedes kritische Ereignis wird von den Experten erläutert und darauffolgend in Kategorien eingeteilt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Entstehung und Entwicklung von Critical Incident Techniques: Dieses Kapitel erläutert die Ursprünge der Methode, die durch John C. Flanagan während des Zweiten Weltkriegs für die US Airforce entwickelt wurde.
2. Das Verfahren der CIT: Hier werden die fünf wesentlichen Schritte des Analyseverfahrens von der Zieldefinition bis zur Berichterstattung detailliert dargestellt.
3. Anwendungsbereiche der Critical Incident Technique: Das Kapitel verdeutlicht die Vielseitigkeit der CIT, die weit über militärische Kontexte hinaus in Schulen und der Arbeitswelt angewendet werden kann.
4. CITs und interkulturelle Kommunikation: Diese Sektion widmet sich der speziellen Adaption der CIT für interkulturelle Missverständnisse und der methodischen Analyse von Alltagsszenarien.
5. Vor- und Nachteile der CI-Methode als Trainingsprogramm: Hier werden die Stärken der Sensibilisierung gegen die Gefahren von Stereotypisierung und der methodischen Vereinfachung abgewogen.
Schlüsselwörter
Critical Incidents, CIT, Interkulturelle Kommunikation, Semiotik, John C. Flanagan, Kulturstandards, Trainingsprogramm, Multiple-Choice-Verfahren, Analyse, Verhaltensmuster, Missverständnisse, US Airforce, interkulturelles Training, Fremdkultur, Lernmethodik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Critical Incident Technique (CIT) als Methode zur Analyse kritischer, meist interkulturell bedingter Missverständnisse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die historische Entwicklung der Technik, ihre methodische Struktur sowie ihr Einsatz in der interkulturellen Sensibilisierung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Nutzen der CIT als Werkzeug zur Vermeidung von Fehlern in der Kommunikation zwischen unterschiedlichen Kulturen zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Anwendung der CI-Methode auf theoretische Fallbeispiele aus der interkulturellen Kommunikation.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erstreckt sich von der historischen Herleitung über das fünfstufige Verfahren bis hin zur kritischen Bewertung der Methode anhand von Trainingsbeispielen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Critical Incidents, interkulturelle Kommunikation, Kulturstandards und Trainingsprogramm geprägt.
Wie unterscheidet sich die Anwendung der CIT bei Piloten von der im interkulturellen Kontext?
Während die Anwendung bei Piloten primär auf die technische und sicherheitsrelevante Fehleranalyse abzielte, fokussiert sich der interkulturelle Einsatz auf das Verständnis von kulturellen Werten und Verhaltensnormen.
Welche Kritikpunkte äußert die Autorin an der CI-Methode?
Die Autorin kritisiert insbesondere die potenzielle Einseitigkeit der Analyse, wenn Forscher nur aus der Kultur der Lernenden stammen, sowie die Gefahr der Verallgemeinerung und Stereotypenbildung.
Warum ist das Beispiel des "Schnäuzens" so relevant für die Arbeit?
Es dient als anschauliches, alltagsnahes Beispiel, um zu verdeutlichen, wie kulturspezifische Hygieneregeln schnell zu unbeabsichtigten Spannungen führen können, wenn der interkulturelle Hintergrund fehlt.
- Arbeit zitieren
- Vanessa Hauser (Autor:in), 2019, Critical Incident Techniques. Entstehung, Anwendung, Vor- und Nachteile, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1158856