An einem heitern sonnenhellen Juliustage hatte sich alles Volk zu Göthaborg auf der Reede versammelt. Ein reicher Ostindienfahrer, glücklich heimgekehrt aus dem fernen Lande, lag im Klippahafen vor Anker und ließ die langen Wimpel, die schwedischen Flaggen, lustig hinauswehen [216] in die azurblaue Luft, während hunderte von Fahrzeugen, Böten, Kähnen, vollgepfropft mit jubelnden Seeleuten, auf den spiegelblanken Wellen der Göthaelf hin und her schwammen und die Kanonen von Masthuggetorg ihre weithallenden Grüße hinüberdonnerten in das weite Meer. Die Herren von der ostindischen Kompanie wandelten am Hafen auf und ab und berechneten mit lächelnden Gesichtern den reichen Gewinn, der ihnen geworden, und hatten ihre Herzensfreude daran, wie ihr gewagtes Unternehmen nun mit jedem Jahr mehr und mehr gedeihe und das gute Göthaborg im schönsten Handelsflor immer frischer und herrlicher emporblühe. Jeder sah auch deshalb die wackern Herrn mit Lust und Vergnügen an und freute sich mit ihnen, denn mit ihrem Gewinn kam ja Saft und Kraft in das rege Leben der ganzen Stadt.
Inhaltsverzeichnis
E.T.A. Hoffmann
Die Bergwerke zu Falun
Zielsetzung & Themen
Die Erzählung thematisiert die existenzielle Zerrissenheit des jungen Seemanns Elis Fröbom, der nach dem Tod seiner Mutter an seiner beruflichen Bestimmung zweifelt. Im Zentrum steht der Konflikt zwischen der sonnendurchfluteten Welt der See und der geheimnisvollen, gefährlichen Unterwelt der Bergwerke von Falun, welche Elis zunehmend in einen fatalen Bann zieht.
- Die psychologische Suche nach Heimat und Zugehörigkeit.
- Die Symbolik des Bergbaus als Ort der Versuchung und Entfremdung.
- Die Macht von Träumen und schicksalhaften Begegnungen.
- Die Spannung zwischen menschlicher Liebe und der unbarmherzigen Natur.
- Das Thema der ewigen Treue über den Tod hinaus.
Auszug aus dem Buch
Die Bergwerke zu Falun
An einem heitern sonnenhellen Juliustage hatte sich alles Volk zu Göthaborg auf der Reede versammelt. Ein reicher Ostindienfahrer, glücklich heimgekehrt aus dem fernen Lande, lag im Klippahafen vor Anker und ließ die langen Wimpel, die schwedischen Flaggen, lustig hinauswehen [216] in die azurblaue Luft, während hunderte von Fahrzeugen, Böten, Kähnen, vollgepfropft mit jubelnden Seeleuten, auf den spiegelblanken Wellen der Göthaelf hin und her schwammen und die Kanonen von Masthuggetorg ihre weithallenden Grüße hinüberdonnerten in das weite Meer.
Die Herren von der ostindischen Kompanie wandelten am Hafen auf und ab und berechneten mit lächelnden Gesichtern den reichen Gewinn, der ihnen geworden, und hatten ihre Herzensfreude daran, wie ihr gewagtes Unternehmen nun mit jedem Jahr mehr und mehr gedeihe und das gute Göthaborg im schönsten Handelsflor immer frischer und herrlicher emporblühe. Jeder sah auch deshalb die wackern Herrn mit Lust und Vergnügen an und freute sich mit ihnen, denn mit ihrem Gewinn kam ja Saft und Kraft in das rege Leben der ganzen Stadt.
Die Besatzung des Ostindienfahrers, wohl an die hundertundfunfzig Mann stark, landete in vielen Böten, die dazu ausgerüstet, und schickte sich an ihren Hönsning zu halten. So ist nämlich das Fest geheißen, das bei derlei Gelegenheit von der Schiffsmannschaft gefeiert wird, und das oft mehrere Tage dauert. Spielleute in wunderlicher bunter Tracht zogen vorauf mit Geigen, Pfeifen, Oboen und Trommeln, die sie wacker rührten, während andere allerlei lustige Lieder dazu absangen. Ihnen folgten die Matrosen zu Paar und Paar. Einige mit buntbebänderten Jacken und Hüten schwangen flatternde Wimpel, andere tanzten und sprangen, und alle jauchzten und jubelten, daß das helle Getöse weit in den Lüften erhallte.
Zusammenfassung der Kapitel
E.T.A. Hoffmann: Einleitende biografische und werkhistorische Einordnung der Erzählung.
Die Bergwerke zu Falun: Die Haupthandlung schildert den inneren Wandel des Elis Fröbom, seine Begegnung mit dem Bergmann Torbern, den verhängnisvollen Sog der Erzgrube in Falun und seine tragische, zeitlose Liebe zu Ulla Dahlsjö.
Schlüsselwörter
E.T.A. Hoffmann, Bergbau, Falun, Schicksal, Romantik, Unterwelt, Erzählung, Seele, Liebe, Tod, Unheimliches, Heimat, Naturmystik, Verwandlung, Tragik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Erzählung grundsätzlich?
Die Erzählung schildert das Schicksal des jungen Seemanns Elis Fröbom, der nach dem Tod seiner Mutter den Halt verliert und sich in den Bann der unterirdischen Welt der Bergwerke von Falun ziehen lässt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Suche nach Lebenssinn, die Ambivalenz zwischen oberirdischem Leben und unterirdischer Macht, die Kraft der Liebe sowie die verhängnisvolle Vorherbestimmung durch geheimnisvolle Mächte.
Was ist das primäre Ziel des Protagonisten?
Elis sucht nach einer neuen, tieferen Heimat, nachdem das Seemannsleben für ihn an Bedeutung verloren hat, und findet diese zunächst in der Arbeit in der Grube und in seiner Liebe zu Ulla.
Welche literarische Strömung prägt den Stil?
Das Werk ist der Epoche der Romantik zuzuordnen, was sich besonders in der Naturmystik, der Bedeutung von Träumen und der melancholischen Grundstimmung zeigt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beschreibt Elis' Weg von der Küste nach Falun, seine Konfrontation mit der düsteren Welt der Gruben, die Begegnung mit der Liebe und sein letztliches Scheitern an seiner Fixierung auf das "unterirdische Paradies".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Wichtige Begriffe sind Romantik, Bergbau, Fatalismus, das Unheimliche, Liebe und die Symbolik von Gestein und Metall.
Welche Bedeutung hat die Figur des Torbern?
Torbern fungiert als unheimlicher Mahner oder Verführer, der Elis' Schicksal in Richtung des Bergbaus lenkt und eine Brücke zwischen der rationalen Oberwelt und der geheimnisvollen Tiefe schlägt.
Wie endet die Geschichte von Elis und Ulla?
Sie endet tragisch mit dem Tod von Elis durch einen Bergsturz an seinem Hochzeitstag und der erst Jahrzehnte später erfolgenden Entdeckung, die Ulla zur Rückkehr und zum Tod an der Seite ihres geliebten Bräutigams führt.
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- E.T.A. Hoffmann (Author), 2008, Die Bergwerke zu Falun, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116129