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´... der Sprung is´ ja kaputt...´ - Eine Untersuchung zum Blackout-Phänomen im Trampolinturnen

Title: ´... der Sprung is´ ja kaputt...´ - Eine Untersuchung zum Blackout-Phänomen im Trampolinturnen

Examination Thesis , 1997 , 155 Pages , Grade: 1

Autor:in: Thomas Springub (Author)

Sport - Kinematics and Training Theory
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Summary Excerpt Details

Das Trampolinturnen ist eine recht junge und seit kurzem auch olympische Sportart. Im Spitzenbereich gehören Dreifachsalti mit eingebauter Längsachsendrehung bereits zum Standard-Repertoire. Die Wettkampfübungen des Leistungssports bestehen aus zehn verschiedenen Sprüngen; Mehrfach-Vorwärts- und -Rückwärtssalti zumeist mit Mehrfach-Schrauben. Um auf zehn verschiedene und dennoch schwierig und ästhetisch wirkende Elemente zu kommen, muß der Springer die Bewegungen in unterschiedlicher Körperhaltung (gebückt, gestreckt, gehockt) und v.a. die Schrauben zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Bewegung turnen. Dennoch sehen die Sprünge für den Laien `irgendwie alle gleich´ aus, und so werden Spitzenspringer manchmal gefragt: „Wie schaffst du das nur? Kommst du da nicht auch ´mal durcheinander?“
Leider muss die Antwort mancher Athleten hierauf "Ja" lauten. Plötzlich können Sprünge, die zuvor schon viele hundert Male geturnt wurden, nicht mehr abgesprungen werden. Nicht selten werden andere Sprünge geturnt, als der Athlet sich vorgenommen hatte (z. B. Salto mit zwei Schrauben, anstatt Schraubensalto). Oder die Bewegung beginnt normal, wird aber mittendrin abgebrochen. Manchmal kann ein Turner keine Ansprünge mehr machen, ohne ständig einen Salto rw zu turnen.
In der Fachsprache des Trampolinturnens hat sich für diese Erscheinungen der Begriff Blackout durchgesetzt. Obwohl im englisch-amerikanischen Bereich auch der Begriff `Lost-Skill-Syndrome´ kursiert, bevorzuge ich in dieser Arbeit die Bezeichnung Blackout (BO) - nicht nur, weil er inoffiziell schon ein Fachbegriff ist, sondern auch weil mir für ein derart komplexes Thema dieser relativ offene Begriff angebrachter erscheint.
Da nicht nur ich, sondern noch viele anderer Leistungssportler mit diesem Phänomen mehr oder weniger in Konflikt geraten sind und noch werden - einige geben deswegen den Sport sogar auf - und, weil es in der Literatur bislang so gut wie gar nicht behandelt wurde, möchte ich mich nun damit auseinandersetzen. Ich denke, daß es dringend notwendig ist, etwas Licht in das Dunkel des Blackout-Phänomens zu bringen, und daß der Schleier der Neurose von den Betroffenen genommen wird.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Bewegungstheoretischer Bezugsrahmen

1.1 Abgrenzung von der Kybernetik

1.1.1 Entstehung unterschiedlicher Bewegungsauffassungen

1.1.2 Digitaler Mensch?

1.1.3 Kybernetik und Regelkreise

1.2 Ganzheitlicher Ansatz

1.2.1 Der Bewegungsbegriff

1.2.2 Bewegungshandlungen als Beziehung zwischen Mensch und Welt

1.2.3 Die Bewegung als Gestalt

1.2.3.1 Die Gesetze der Gestalt

1.2.3.2 Gestalt und Form

1.2.3.3 Bewegungsgestalt und Bewegungsform

1.2.4 Der Gestaltkreis

1.2.5 Innere Bilder

1.2.5.0 Exkurs zum Bewußtsein

1.2.5.1 Die Bewegungseinstellung

1.2.5.2 Die Reafferenzfigur

1.2.5.2.1 Die visuelle Orientierung

1.2.5.2.2 Der Zeitsinn

1.2.5.3 Das Bewegungsengramm

1.2.6 Lernen und Üben in schöpferischer Freiheit

1.2.6.1 Lernen als Organisationsprozeß

1.2.6.2 Maximen des Übens

1.2.6.3 Schöpferische Freiheit als erstrebenswerter Zustand des Sich-Bewegenden

1.3 Bewegungsformen im Trampolinturnen

1.3.1 Translations- und Rotationsbewegungen

1.3.2 Bewegungsformen des Wettkampfsports

1.3.3 Bewegungs- bzw. Sprungphasen

2. Das Phänomen des Blackout im Trampolinturnen

2.1 Definition und Schilderung

2.1.1 Blackout

2.1.2 Abgrenzung zu ähnlichen Erscheinungen

2.1.3 Erscheinungsarten des Blackout

2.2 Versuch einer theoretischen Eingrenzung - motorische Handlungsfehler

2.2.1 Merkmale des motorischen Handlungsfehlers

2.2.2 Entstehungsmöglichkeiten von Handlungsfehlern

3. Untersuchung

3.1 Fragestellung

3.2 Methode

3.3 Durchführung

3.3.1 Die geplante Voruntersuchung

3.3.2 Die narrativen Interviews

3.4 Ergebnisdarstellung und -interpretation

3.4.1 Beschreibung der Fälle

3.4.1.1 Erscheinungsarten und Entwicklungen

3.4.1.2 Betroffene Sprünge

3.4.2 Bezug der spezifischen Situation im Training zur Entstehung

3.4.3 Zusammenhang zur allgemeinen Lebenssituation

3.4.4 Die Rolle der Ichhaftigkeit bei ersten Fehlversuchen

3.4.5 Die Rolle der Ichhaftigkeit bei der Entwicklung eines BO

3.4.5.1 Angst vor dem Unvorstellbaren

3.4.5.2 Angst vor körperlichen Schäden

3.4.5.3 Angst vor dem Versagen

3.4.6 Zusammenhang zu den allgemeinen Trainingsbedingungen und den Lehr- und Lernmethoden

3.4.7 Innere Vorgänge

3.4.7.1 ... vor der BO-Bewegung

3.4.7.2 ... während der BO-Bewegung

3.4.7.3 ... nach der BO-Bewegung

3.4.8 Die Ähnlichkeit der Sprünge und das Problem der trennscharfen Codierung

4. Fazit

4.1 Zusammenfassende Erklärungsversuche

4.1.1 Die ersten Fehlhandlungen

4.1.2 Die Verfestigung

4.1.3 Die Erweiterung

4.2 Folgerungen für die Trainingspraxis

4.2.1 Prophylaxe

4.2.2 Rehabilitation

4.2.2.1 Der Kampf gegen die Ichhaftigkeit

4.2.2.2 Gewöhnung verhindern und Unterscheidung erleichtern

5. Schluß

Zielsetzung und Forschungsgegenstand

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des sogenannten „Blackouts“ (BO) im Trampolinturnen, bei dem Leistungssportler scheinbar grundlos die Fähigkeit verlieren, zuvor sicher beherrschte Sprünge korrekt auszuführen. Ziel ist es, die subjektiven Erlebnisse der Betroffenen und die theoretischen Hintergründe dieser Bewegungsstörung durch qualitative narrative Interviews zu ergründen, um Erklärungsmodelle für Entstehung, Verfestigung und Erweiterung des Blackouts zu entwickeln und praxisnahe Empfehlungen für das Training und die Rehabilitation abzuleiten.

  • Phänomenologische Untersuchung des „Blackout“ im Trampolinsport als subjektive Bewegungsstörung.
  • Theoretische Verortung in einer qualitativen Bewegungslehre und Abgrenzung von kybernetischen Regelkreismodellen.
  • Analyse von Ursachen wie Ichhaftigkeit, Versagensangst und Überforderung durch hohe kognitive Anforderungen bei komplexen Bewegungen.
  • Erforschung des Zusammenhangs zwischen situativen Stressfaktoren, allgemeinen Lebensumständen und der Störanfälligkeit von Bewegungsgestalten.
  • Entwicklung von präventiven Trainingsansätzen und therapeutischen Strategien zur Bewältigung des Blackouts.

Auszug aus dem Buch

Die Ähnlichkeit der Bewegungen und das Problem der trennscharfen Codierung

Bereits bei der Beschreibung der untersuchten BO-Fälle ist aufgefallen, daß die Fehlhandlungen den geplanten Bewegungshandlungen zumeist sehr ähnlich waren. Besonders bei der Blackout-Art `Längenachsen-Hyperrotation´, aber auch bei der `Breitenachsen-Hyperrotation´ und beim `Unorthodoxen Abbrechen´ ist zu erkennen, daß die BO-Bewegung nur bis zu einem gewissen Grad von der `richtigen´ Handlung abweicht. Bei Mehrfachsalti wird der Fehler teilweise erst im letzten Moment der Bewegung deutlich. Könnte es nicht also sein, daß hier eine Art Verwechslung vorliegt?

Um diese Frage zu erleuchten, ist es zunächst notwendig zu untersuchen, wo, wann und wie denn im allgemeinen die für die verschiedensten Sprünge notwendigen Unterschiede sowohl im subjektiven Erleben als auch aus biomechanischer Sicht gemacht werden. Daß die Unterschiede zwischen den Bewegungselementen des Trampolinturnens z. T. äußerst gering sind, wird schon beim Anblick der Stammbäume von ÜBELACKER (1982, hier in 1.3.2) sehr deutlich. Um diese extremen Ähnlichkeiten jedoch noch anschaulicher zu machen, werden sie in den Bildreihen der Abbildungen 14 und 15 ad oculos demonstriert.

Zusammenfassung der Kapitel

0. Einleitung: Die Einleitung führt in das Phänomen des „Blackouts“ im Trampolinturnen ein, beschreibt die persönliche Betroffenheit des Autors und umreißt die methodische Herangehensweise der Arbeit.

1. Bewegungstheoretischer Bezugsrahmen: Dieses Kapitel etabliert einen ganzheitlichen Ansatz der Bewegungslehre, der den Menschen als Subjekt und die Bewegung als gestaltete Beziehung zur Welt betrachtet, und kontrastiert dies mit kybernetischen Modellen.

2. Das Phänomen des Blackout im Trampolinturnen: Hier erfolgt die Definition des Blackouts als spezifische Bewegungsstörung, deren Abgrenzung zu normalen Lernfehlern und eine erste theoretische Einordnung als motorischer Handlungsfehler.

3. Untersuchung: Der Hauptteil beschreibt die methodische Durchführung qualitativer Interviews sowie die tiefgehende Ergebnisdarstellung und -interpretation der Blackout-Fälle und ihrer Ursachen.

4. Fazit: Das Fazit fasst die Erklärungsansätze für das Blackout-Phänomen zusammen und leitet daraus konkrete Folgerungen für die Prophylaxe und Rehabilitation in der Trainingspraxis ab.

5. Schluß: Eine abschließende Reflexion der Arbeit, die die Komplexität des Themas betont und auf den Bedarf an weiterer Forschung sowie die Übertragbarkeit auf andere Sportarten hinweist.

Schlüsselwörter

Trampolinturnen, Blackout, Lost-Skill-Syndrom, Bewegungslehre, Gestaltkreis, Ichhaftigkeit, motorische Handlungsfehler, Bewegungssteuerung, Reafferenzfigur, Angst, Versagensangst, Bewegungsgestalt, Training, Rehabilitation, Prophylaxe.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem sogenannten „Blackout“ im Trampolinturnen – einem Phänomen, bei dem Leistungssportler plötzlich die Fähigkeit verlieren, zuvor beherrschte Sprünge korrekt auszuführen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die qualitative Bewegungslehre, die psychologischen Ursachen von Bewegungsstörungen wie Angst und „Ichhaftigkeit“ sowie die motorische Kontrolle bei komplexen Sportarten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, das Phänomen „Blackout“ theoretisch zu fundieren, die auslösenden Faktoren durch qualitative Interviews mit Sportlern und Trainern zu identifizieren und konkrete Hilfestellungen für das Training zu formulieren.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Der Autor nutzt die Methode der narrativen Interviews, um das subjektive Erleben der Sportler zu erfassen, ergänzt durch eine phänomenologische Analyse der gesammelten Daten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die konkreten Fälle von betroffenen Springern, die Rolle von Leistungsdruck und Stress, sowie die inneren Vorgänge und die Ähnlichkeit von Sprüngen, die zu Verwechslungen führen können.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Fachbegriffe sind „Ichhaftigkeit“, „Reafferenzfigur“, „Bewegungsengramm“, „Gestaltkreis“ und „Erwartungsangst“.

Kann ein Blackout im Trampolinturnen durch andere Sportler ausgelöst werden?

Der Autor diskutiert den sogenannten „Ansteckungscharakter“, bei dem die Beobachtung eines Blackouts bei Trainingskollegen zu eigener Verunsicherung und zur Bildung einer „Ichhaftigkeit“ führen kann.

Sind alle Fehlversuche im Training ein Anzeichen für einen Blackout?

Nein, der Autor grenzt Blackouts bewusst von normalen Lernfehlern ab; ein Blackout liegt erst dann vor, wenn ein zuvor sicher beherrschter Sprung über einen längeren Zeitraum hinweg qualitativ erheblich verändert oder gar nicht mehr ausgeführt werden kann.

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Details

Title
´... der Sprung is´ ja kaputt...´ - Eine Untersuchung zum Blackout-Phänomen im Trampolinturnen
College
Carl von Ossietzky University of Oldenburg  (Fachbereich Sport)
Course
1. Staatsexamen
Grade
1
Author
Thomas Springub (Author)
Publication Year
1997
Pages
155
Catalog Number
V1163
ISBN (eBook)
9783638107334
ISBN (Book)
9783640396085
Language
German
Tags
Bewegungslehre Gestalttheorie Trampolin
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Springub (Author), 1997, ´... der Sprung is´ ja kaputt...´ - Eine Untersuchung zum Blackout-Phänomen im Trampolinturnen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1163
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