Das Phänomen, dass sich der Autor der vorliegenden Arbeit zur Aufgabe gemacht hat, zu untersuchen heißt: Text-auf-T-Shirt. Marketingexperten haben zumindest für einen Teil dieses Phänomens den kürzeren und einprägsameren Begriff Funshirt gefunden. Gemeint sind damit T-Shirts mit irgendwie lustigen Aussagen, um die es in der vorliegenden Arbeit im Wesentlichen gehen soll.
Dabei beschränkt sich das Phänomen nicht auf die Deutsche oder die Europäische Gesellschaft, sondern kursiert weltweit. Kluge Geschäftleute müssen also einer wirtschaftsanalytischen Betrachtung folgend einen Bedarf erkannt und beliefert haben, den es immer noch zu beliefern gilt, denn die große öffentliche Verbreitung betexteter T-Shirts ist so unbestreit- wie wahrnehmbar. Anlass genug, das T-Shirt auch zum Gegenstand einer linguistischen Untersuchung zu machen, was mit der vorliegenden Arbeit geleistet werden soll.
Zuerst soll dabei die allgemeine aber unvermeidliche Frage beantwortet werden, warum der Mensch ein Kleidungsstück auswählt, um Text, dessen Aussagekraft erfahrungsgemäß weit über die Vermittlung ästhetischer Informationen hinausgeht, darauf zu applizieren. Wie kommt man dazu oder besser: Was verleitet dazu? Was bietet das T-Shirt, das andere Kleidungstücke nicht haben? Daraus ergeben sich weitere Fragen: Was will der Mensch mit seinem T-Shirt aussagen? Was ist das überhaupt; ein Mensch mit einem Text auf dem T-Shirt? Wen will er erreichen (wenn er jemanden erreichen will)? Was ist das für eine Art von Text auf dem T-Shirt, handelt es sich dabei um eine Textsorte? Gibt es gemeinsame Merkmale aller dieser Texte?
Nachdem sie nun gestellt worden sind, so soll es im Folgenden dazu kommen auf all diese Fragen entsprechende Antworten zu finden. Schon jetzt sei auf den dieser Arbeit anhängenden, stichprobenartig gewonnenen Korpus hingewiesen, der einerseits einen Überblick über die Variabilität des Gegenstandes Funshirt geben soll, anderseits dient er der Merkmalsanalyse, und wird damit auch Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die allgemeine Ortung des Phänomens
2.1 Zielsetzung
2.2 Die Beziehung von Platz und Masse oder: Warum man sprachliche Zeichen auf T-Shirts unterbringen kann
2.3 Oberfläche als Spielwiese und damit verbundene Zeichenhaftigkeit
3. Warum Text eine einführende Betrachtung
4. Auf den Spuren einer Textsorte
4.1. Einführung
4.2 T-Shirt als Medium
4.3 kommunikativ-pragmatisches Textmodell – Suche nach dem Zweck
4.3 Transporteure des Mitzuverstehenden - propositionale Aspekte und der Unterschied zwischen Meinen und Verstehen
4.4 sprachliche Merkmale als Spediteure des Mitzuverstehenden
4.4.1 Hyperbel
4.4.1.1 Transporteure der Übertreibung - graphostilistische Mittel
4.4.2 Ellipse
4.4.3 Polysemie
4.4.5 Intertextualität
4.5 Der situative Aspekt als Übermittler des Mitzuverstehenden
4.5.1 Der Zweck der Funshirt-Kommunikation
4.5.2 systemtheoretische Annäherung
4.6 Die Textsorte
5. Auf Lustig sein folgt Lachen - Perlokutive Betrachtung
5.1 Auf Lachen folgt …? - eine weitere perlokutive Betrachtung
6. Zusammenfassung und Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen „Text-auf-T-Shirt“, insbesondere die als Funshirts bekannte Kategorie, um deren Status als Textsorte innerhalb eines soziolinguistischen Rahmens zu klären und den kommunikativen Zweck dieser Ausdrucksformen zu bestimmen.
- Linguistische Analyse von T-Shirt-Texten als Medium der Kommunikation.
- Untersuchung der Differenz zwischen Gesagtem und Gemeintem mittels rhetorischer Stilmittel wie Hyperbel, Ellipse und Polysemie.
- Betrachtung situativer Aspekte und des Kommunikationsbereichs „Party“ als institutionellen Rahmen.
- Einordnung der Funshirts in die Kategorie der „Sprüche“ als soziale Praktik.
Auszug aus dem Buch
4.4.1 Hyperbel
Wie festgestellt wurde, dienen sprachlich-stilistische Mittel und das allgemeine Wissen über deren Gebrauch zur Herstellung und Anzeige propositionaler Ambivalenz. Von Polenz postulierte Ironie und Hyperbel als rhetorische Stilmittel, denen unter anderem die Übermittlung des Mitzuverstehenden obliegt. Die aufgedeckte Differenz von Gesagtem und Gemeinten äußert sich in den Texten der Funshirts vor allem im vulgären Wortgebrauch und damit der Hyperbel. Die durchweg gebrauchten vulgären Wörter (ficken, fickt, saufen, gesoffen, geil, kotzen, kotzt, scheiße, Arsch, Arschloch, Vollidioten, Titten, unkaputtbar, u. v. a.) übertreiben die Aussage dermaßen, dass sie den Text als nicht ernstnehmbar bzw. scherzhaft gemeint klassifizieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt das Phänomen der weltweit verbreiteten Funshirts vor und formuliert die grundlegende linguistische Fragestellung nach der Funktion und Textualität dieser betexteten Kleidungsstücke.
2. Die allgemeine Ortung des Phänomens: Hier wird das T-Shirt als eine durch Platz und Masse ausgezeichnete Oberfläche definiert, die den Wechsel vom klassischen Design zur modernen Anwenderfreundlichkeit und damit zu einer „Spielwiese“ für Kommunikation darstellt.
3. Warum Text eine einführende Betrachtung: Dieses Kapitel erläutert, warum Text auf T-Shirts eindeutiger kommuniziert als reine Farbsymbolik oder Bilder und diskutiert die Herausforderung der Textdefinition bei dieser hohen Formenvariabilität.
4. Auf den Spuren einer Textsorte: Dieser Hauptteil analysiert das T-Shirt als Medium, untersucht das kommunikativ-pragmatische Textmodell und diskutiert sprachliche Merkmale wie Hyperbel, Ellipse, Polysemie und Intertextualität sowie situative Faktoren als Übermittler des Gemeinten.
5. Auf Lustig sein folgt Lachen - Perlokutive Betrachtung: Das Kapitel betrachtet die perlokutive Wirkung der Funshirts, die primär auf Belustigung und Lachen abzielt, und untersucht die soziale Identität des Trägers durch den „Sprechakt“ des Funshirt-Tragens.
6. Zusammenfassung und Schluss: Der Abschluss fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt den Status des Funshirts als Medium scherzhafter Kommunikation im Kontext „Party“ und reflektiert die soziolinguistische Bedeutung dieser Ausdrucksform.
Schlüsselwörter
Funshirt, Textsorte, Linguistik, Hyperbel, Polysemie, Intertextualität, Kommunikation, Sprechakt, Belustigung, Alltagskommunikation, Textualität, Pragmatik, Soziolinguistik, T-Shirt, Medien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht linguistisch, wie Funshirts als Medium der Kommunikation funktionieren und welche Rolle die Texte auf der Kleidung bei der Übermittlung von persönlichen Aussagen und Humor spielen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die linguistische Textanalyse, den Gebrauch von Vulgarismen und rhetorischen Stilfiguren, die Bedeutung der situativen Umgebung („Party“) sowie die soziolinguistische Funktion von Kleidung als Kommunikationsmittel.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Funshirts linguistisch als Textsorte zu erfassen, indem die Diskrepanz zwischen dem wörtlich Gesagten und dem eigentlich Gemeinten (die „Ambivalenz der Proposition“) analysiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine Kombination aus textlinguistischen Ansätzen, sprechakttheoretischen Modellen und systemtheoretischen Überlegungen, ergänzt durch eine Korpusanalyse von ausgewählten Funshirt-Beispielen.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Analyse der sprachlichen Mittel (Hyperbel, Ellipse, Intertextualität) und der situativen Kontextualisierung, die es dem Rezipienten ermöglichen, den provokanten Inhalt als spielerisch und nicht als Beleidigung zu verstehen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Funshirt, Textsorte, Pragmatik, Soziolinguistik und den „Kommunikationsbereich Party“.
Wie wird das Verhältnis zwischen Vorder- und Rückseite bei T-Shirts erklärt?
Es wird aufgezeigt, dass in den meisten Fällen eine komplementäre Beziehung besteht, bei der die Rückseite die auf der Vorderseite aufgeworfene Frage oder Behauptung auflöst und vervollständigt.
Warum werden diese Texte laut der Arbeit nicht als echte Beleidigungen wahrgenommen?
Durch den soziolinguistischen Kontext der „Party“ oder Spaßgesellschaft wird eine „Narrenfreiheit“ gewährt, die dazu führt, dass die obszönen oder provokanten Texte als Teil eines humorvollen Spiels und nicht als Tatsachenbehauptungen interpretiert werden.
- Quote paper
- Eric Wallis (Author), 2007, T-Shirt-Text: Wie und Was man heute mittels Kleidung kommuniziert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116415