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Sprachwandel nach Rudi Keller. Fragestellungen und Antworten

Titel: Sprachwandel nach Rudi Keller. Fragestellungen und Antworten

Essay , 2008 , 8 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Patrick Hillegeist (Autor:in)

Germanistik - Linguistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In einem wissenschaftlichen Streitgespräch über den (vermeintlichen oder tatsächlichen) Sprachverfall vertritt der Sprachwissenschaftler Rudi Keller die Ansicht, die deutsche Sprache sei nicht heute, sondern „im 16. und 17. Jahrhundert“ bedroht gewesen: „Damals sprachen der Adel Französisch, die Gelehrten Latein und nur die Bauern Deutsch. Es gab zu der Zeit sogar den ernst gemeinten Vorschlag, in Deutschland das Französische als allgemeine Umgangssprache einzuführen, anstatt mühsam zu versuchen, die deutsche Sprache zu kultivieren. Heute sehe ich dagegen keine Bedrohung; die deutsche Sprache ist gut in Schuss. Was wir als Sprachverfall wahrnehmen, ist nichts anderes als der allgegenwärtige Sprachwandel. Und den hat es immer schon gegeben.“ Nehmen sie zu dieser Einschätzung Stellung, indem Sie a.) einleitend kurz und prägnant (auch unter Bezugnahme auf weitere Ansätze) den Terminus des Sprachwandels klären und b.) Kellers Ansicht unter Bezugnahme auf seine Theorie der unsichtbaren Hand deuten. Reflektieren Sie abschließend c.) die Rolle und Bedeutung, die dem einzelnen Sprecher in diesem Entwurf zukommt. 2.) Begreift man Sprache als ein komplexes System konventioneller Regeln, verdient die Übertretung dieser Konventionen durch den Einzelnen in der Erklärung von Sprachwandelprozessen besondere Beachtung. Begründen Sie diese Einschätzung, indem Sie auf die von Hermann Paul vertretene Auffassung eines solchen Wandels zurückgreifen. 3.) Folgt man der sprachwissenschaftlichen Überzeugung von der Erklärbarkeit sprachlichen Wandels, müssen die Gründe für die Abweichung vom Sprachusus, die am Beginn des Prozesses stehen, aufzeigbar sein. Skizzieren Sie für die folgenden Fälle jeweils eine in sich konsistente Erklärung für den sich abzeichnenden Wandel. Gegeben seien drei Beispiele: a.) ein Deklinationsproblem: Im Herbst diesen Jahres sehen wir uns wieder (statt des korrekten im Herbst dieses Jahres) – Wieso wählen selbst gebildete Sprecher diese Form, während sie niemals die Hosen diesen Kindes oder der Motor diesen Autos sagen würden? b.) ein syntaktisch-semantisches Problem: Ich muss jetzt gehen, weil die Geschäfte machen gleich zu. Welcher Prozess ist hier im Gang?; c.) eine lexikalische Neuerung: son, in seiner femininen Form sone, z.B. Son Ding/Sone Maschine hab ich nich nie gesehen bzw. im Dativ som/sone, z.B. Mit som Ding/soner Maschine geht das wunderbar. Um welche Wortkreation handelt es sich hierbei und was leistet sie?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1.) In einem wissenschaftlichen Streitgespräch über den (vermeintlichen oder tatsächlichen) Sprachverfall vertritt der Sprachwissenschaftler Rudi Keller die Ansicht, die deutsche Sprache sei nicht heute, sondern „im 16. und 17. Jahrhundert“ bedroht gewesen: „Damals sprachen der Adel Französisch, die Gelehrten Latein und nur die Bauern Deutsch. Es gab zu der Zeit sogar den ernst gemeinten Vorschlag, in Deutschland das Französische als allgemeine Umgangssprache einzuführen, anstatt mühsam zu versuchen, die deutsche Sprache zu kultivieren. Heute sehe ich dagegen keine Bedrohung; die deutsche Sprache ist gut in Schuss. Was wir als Sprachverfall wahrnehmen, ist nichts anderes als der allgegenwärtige Sprachwandel. Und den hat es immer schon gegeben.“ Nehmen sie zu dieser Einschätzung Stellung, indem Sie

a.) einleitend kurz und prägnant (auch unter Bezugnahme auf weitere Ansätze) den Terminus des Sprachwandels klären und

b.) Kellers Ansicht unter Bezugnahme auf seine Theorie der unsichtbaren Hand deuten. Reflektieren Sie abschließend

c.) die Rolle und Bedeutung, die dem einzelnen Sprecher in diesem Entwurf zukommt.

2.) Begreift man Sprache als ein komplexes System konventioneller Regeln, verdient die Übertretung dieser Konventionen durch den Einzelnen in der Erklärung von Sprachwandelprozessen besondere Beachtung. Begründen Sie diese Einschätzung, indem Sie auf die von Hermann Paul vertretene Auffassung eines solchen Wandels zurückgreifen.

3.) Folgt man der sprachwissenschaftlichen Überzeugung von der Erklärbarkeit sprachlichen Wandels, müssen die Gründe für die Abweichung vom Sprachusus, die am Beginn des Prozesses stehen, aufzeigbar sein. Skizzieren Sie für die folgenden Fälle jeweils eine in sich konsistente Erklärung für den sich abzeichnenden Wandel. Gegeben seien drei Beispiele:

a.) ein Deklinationsproblem: Im Herbst diesen Jahres sehen wir uns wieder (statt des korrekten im Herbst dieses Jahres) – Wieso wählen selbst gebildete Sprecher diese Form, während sie niemals die Hosen diesen Kindes oder der Motor diesen Autos sagen würden?

b.) ein syntaktisch-semantisches Problem: Ich muss jetzt gehen, weil die Geschäfte machen gleich zu. Welcher Prozess ist hier im Gang?;

c.) eine lexikalische Neuerung: son, in seiner femininen Form sone, z.B. Son Ding/Sone Maschine hab ich nich nie gesehen bzw. im Dativ som/sone, z.B. Mit som Ding/soner Maschine geht das wunderbar. Um welche Wortkreation handelt es sich hierbei und was leistet sie?

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit Theorien zum Sprachwandel auseinander, untersucht die Rolle des Individuums bei sprachlichen Veränderungsprozessen und analysiert spezifische Beispiele für lautliche, syntaktische und lexikalische Neuerungen im Deutschen.

  • Kritische Analyse von Rudi Kellers „Invisible-hand-Theorie“
  • Die Bedeutung des individuellen Sprechers als Ausgangspunkt für Sprachwandel
  • Hermann Pauls Auffassung zur Übertretung konventioneller Sprachregeln
  • Erklärung aktueller sprachlicher Phänomene (Genitivabbau, epistemisches weil, Klitika)
  • Der Zusammenhang zwischen Sprachökonomie und Sprachwandel

Auszug aus dem Buch

Zu 1a.): KELLER beschreibt den Sprachwandel als existentiellen Bestandteil einer Sprache, „so lange sie in aktivem Gebrauch […]“ (KELLER/KIRSCHBAUM 2003: 7) ist. Grundsätzlich folgt er damit den Gedanken von William D. WHITNEY, Hermann PAUL oder Eugenio COSERIU, der als Negativbeispiel das „Latein Ciceros […]“ (COSERIU 1974: 24) anführt, um deutlich zu machen, dass eine statische, festgezurrte Sprache nur eine begrenzte Lebensdauer erfahren kann. In diesem Punkt der Auswirkungen von ausbleibendem Sprachwandel, kann man einen erheblichen Unterschied fest machen. Als Beispiel für ein hohen Grad an Wandel führt KELLER Latein an, welches in weiterentwickelten Versionen, wie beispielsweise der italienischen Sprache, durchaus noch existiert und gerade nicht leblos ist (KELLER/KIRSCHBAUM 2003: 8). Demnach kann eine Sprache nur aussterben, wenn die gesamte Sprechergemeinschaft mit einem Schlag ausstirbt und vorher kein Kontakt mit anderen Sprechergemeinschaften stattgefunden hat.

COSERIU und KELLER legen Wert darauf, den Sprachgebrauch als Impulsgeber und Indikator von Sprachwandel hervorzuheben und rücken somit den einzelnen Sprecher in das Blickfeld des sprachwissenschaftlichen Interesses. Da der individuelle Sprecher oder die individuelle Sprecherin aber niemals in seiner beziehungsweise ihrer Gesamtheit erfasst werden kann, ist eine praktische Anwendung einer solchen Theorie nicht möglich, da auch sie keine Antwort auf die Fragen nach dem Erscheinungszeitpunkt und der darauf folgenden Tendenz von Sprachwandel bereithält (NÜBLING 2006: 123).

Zusammenfassung der Kapitel

1.): In diesem Kapitel wird der Begriff des Sprachwandels theoretisch geklärt, Kellers „Invisible-hand-Theorie“ erörtert und die Rolle des Sprechers als Ausgangspunkt für Wandel kritisch reflektiert.

2.): Hier wird der Sprachwandel aus der Perspektive von Hermann Paul analysiert, wobei besonders die individuelle Freiheit des Sprechers gegenüber konventionellen Regeln im Vordergrund steht.

3.): Dieses Kapitel bietet konkrete Analysen aktueller Sprachveränderungen, wie den Abbau des Genitivs, das „epistemische weil“ und die Entstehung von Klitika, um die Erklärbarkeit des Wandels zu demonstrieren.

Schlüsselwörter

Sprachwandel, Rudi Keller, Hermann Paul, Invisible-hand-Theorie, Sprachverfall, Sprachgebrauch, Sprachökonomie, Klitikon, Genitiv, Epistemisches weil, Sprachkonvention, Diachronie, Sprachvariation, Sprachnorm, Individuelle Freiheit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt grundlegende linguistische Theorien zum Sprachwandel und hinterfragt die Annahme eines „Sprachverfalls“ im Kontext der deutschen Sprache.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Zentral sind die theoretischen Ansätze zur Erklärung von Sprachveränderungen, die Rolle des Sprechers und die Untersuchung spezifischer grammatikalischer sowie lexikalischer Neuerungen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die kritische Auseinandersetzung mit Kellers und Pauls Theorien und die Anwendung dieser Konzepte auf moderne Phänomene des Sprachgebrauchs.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine essayistische Analyse und Argumentation auf Basis linguistischer Fachliteratur, ergänzt durch die deduktive Herleitung von Sprachwandelprozessen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung durch Keller und Paul sowie die fallbasierte Analyse von Deklinationsproblemen, syntaktischen Verschiebungen und Wortneubildungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sprachwandel, Sprachkonvention, Invisible-hand-Theorie, Sprachökonomie und Sprachvariation maßgeblich bestimmt.

Warum sieht der Autor den „Sprachverfall“ kritisch?

Unter Berufung auf Keller wird argumentiert, dass Sprachwandel ein natürlicher und existentieller Prozess ist, nicht ein Verfall, und dass eine lebendige Sprache sich ständig verändern muss.

Wie erklärt das Dokument die Entstehung des sogenannten „epistemischen weil“?

Das „epistemische weil“ wird als Konstruktion erklärt, die durch den Austausch mit der Konjunktion „denn“ und den Wunsch nach flüssigerer Kommunikation trotz abweichender syntaktischer Regeln entsteht.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Sprachwandel nach Rudi Keller. Fragestellungen und Antworten
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Sprachwandeltheorien
Note
1,3
Autor
Patrick Hillegeist (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2008
Seiten
8
Katalognummer
V116523
ISBN (eBook)
9783640181919
ISBN (Buch)
9783656951629
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprachwandel Sprachwandeltheorien
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Patrick Hillegeist (Autor:in), 2008, Sprachwandel nach Rudi Keller. Fragestellungen und Antworten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116523
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  8  Seiten
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