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Gottfried Keller - Der schlimm-heilige Vitalis

Titel: Gottfried Keller - Der schlimm-heilige Vitalis

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2005 , 29 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Stephan Kilter (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

An der Erzählung Gottfried Kellers Der schlimm-heilige Vitalis, Teil der Sieben Legenden, die er während seiner Berliner Zeit entwarf , aber erst viel später veröffentlichte, erscheinen viele Aspekte bemerkenswert. Mit Hilfe seines heiteren wie humorvollen, dabei aber stets hintergründig kritischen Schreibstils, vermochte er es, der traditionell-kirchlichen Legendenvorlage Ludwig Theobul Kosegartens neues Leben einzuhauchen und diese somit in die Moderne zu transferieren. Kellers Verhältnis zur Religion, sein Frauenbild, aber auch sein Bedürfnis nach Erfüllung privaten Glücks in der harmonisch-reinen Beziehung zwischen Mann und Frau, in dem er seinen eigenen, trostlosen und von der Liebe enttäuschten Berliner Alltag verarbeitete, kommen deutlich in den Sieben Legenden zum Ausdruck und finden sich teilweise auch im „schlimm-heiligen Vitalis“ wieder. Jeden dieser Fäden aufzugreifen und angemessen zur Geltung kommen zu lassen, würde den Rahmen dieser Hauptseminarsarbeit aber bei weitem überschreiten, so dass wir uns in erster Linie auf den religiösen Gehalt der Legende konzentrieren wollen. Darauf aufbauend einen genaueren Blick auf Kellers Einstellung zur Religion werfen zu können, soll denn auch den Zielpunkt dieser Arbeit darstellen.
Natürlich darf bei alledem nicht vergessen werden, in vorherigen Abschnitten zunächst eine grobe Einordnung der Erzählung in den Gesamtkontext der „Sieben Legenden“ vorzunehmen, deren Aufbau und Entstehungsgeschichte kurz zu skizzieren, daneben aber auch auf die Form, Sprache, den Stil und die symbolischen Bezüge der Vitalis-Erzählung einzugehen.
Der Auftakt zur Beschäftigung mit Kellers Einstellung gegenüber Kirche und Religion wird mit der Betrachtung des ursprünglichen, historischen Ortes der Handlung, Alexandria, nebst seiner Hauptpersonen, dem heiligen Vitalis von Gaza und dem heiligen Erzbischof Johannes von Alexandrien, erfolgen, um gleich danach mit einer Charakterisierung der Kellerschen Legendenhauptperson fortzufahren und dessen Zwiespalt zwischen kirchlicher Tugendliebe und unterdrückter Weltlichkeit in den Mittelpunkt zu stellen. Die hieraus gewonnenen Erkenntnisse sollen schließlich in einem Fazit zusammengefasst und daneben aufgezeigt werden, an welcher Stelle die wissenschaftliche Bearbeitung des Themas darüber hinaus umfangreicher fortgesetzt werden könnte.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Kellers „Sieben Legenden“

1. Entstehungsgeschichte

2. Zeitgenössische Rezension

3. Inhalt und Form

III. Der Schlimm-heilige Vitalis

1. Inhalt und Form

2. Sprache, Stil und symbolische Bezüge

3. Mittelalterliches Legendenvorbild:„Von St. Johannes dem Almosner“

IV. Der religiöse Gehalt der Vitalis-Legende

1. Exkurs: Der historische Ort Alexandria

2. Charakterisierung Vitalis: Von der Religiosität seines Bekehrertreibens

3. Kellers Religionskritik in den Sieben Legenden

V. Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht Gottfried Kellers Erzählung „Der schlimm-heilige Vitalis“ im Kontext seiner „Sieben Legenden“, wobei der Fokus primär auf dem religiösen Gehalt und der spezifischen Religionskritik des Autors liegt. Ziel ist es, die Transformation der traditionellen Legendenvorlage in ein modernes, novellistisches Werk zu analysieren und den inneren Reifeprozess der Hauptfigur Vitalis von einer verirrten Askese hin zur weltlichen Erfüllung aufzuzeigen.

  • Analyse der Entstehungsgeschichte und zeitgenössischen Rezeption der „Sieben Legenden“.
  • Untersuchung der formalen und sprachlichen Gestaltung der Vitalis-Erzählung.
  • Vergleich der Kellerschen Erzählung mit der historischen Vorlage Kosegartens.
  • Deutung der Symbolik und der zugrundeliegenden Religionskritik Kellers.

Auszug aus dem Buch

1. Inhalt und Form

In der Erzählung Der schlimm-heilige Vitalis, bei der bereits der scheinbare Widerspruch im Titel auf den im weiteren Handlungsverlauf dargestellten inneren Konflikt der Hauptfigur hinweist, geht es um einen Mönch, der sich dazu berufen fühlt, die Freudenmädchen der Stadt Alexandria auf den rechten Weg der Tugend zurückzuführen. Die Art und Weise wie er dies vollbringt, mit dem nach Außen hin - trotz sittlich einwandfreier Gebetsbekehrung - absichtlich gewahrten, höchst ruchbaren Schein, bringt ihn jedoch schnell in den übelsten Ruf und lässt ihn zum Gerede der Stadtgemeinde werden. Dieses selbst auferlegte Martyrium – das auf den ersten Blick befremdlich wirkt - vor der Öffentlichkeit und städtischen wie klerikalen Gemeinschaft als fehlgeleiteter Geistlicher zu gelten, dabei jedoch im Verborgenen Gutes zum Wohle der Jungfrau Maria zu vollbringen, bildet das Spannungsmoment in welches hinein sich die Geschichte entwickelt.

Mit seiner Missionierungstätigkeit zunächst sehr erfolgreich, beginnt die Erzählung an Dynamik zu gewinnen, als Vitalis von einer neuen Buhlerin hört, „einer besonders gefährlichen Person, welche durch ihre Schönheit und Ungewöhnlichkeit viel Unheil und selbst Blutvergießen“ hätte anrichten können. Doch bei ihr scheitert Vitalis trotz größter Bemühungen grandios und steigert sich immer mehr in einen wahren Bekehrungswahn, in dessen Verlauf er zum Schläger, Kirchenräuber, ja selbst zum Totschläger wird.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die zentrale Fragestellung der Arbeit ein, welche sich mit Kellers Religionskritik und seinem Umgang mit der mittelalterlichen Legendenvorlage im „Schlimm-heiligen Vitalis“ auseinandersetzt.

II. Kellers „Sieben Legenden“: Dieses Kapitel skizziert die Entstehungsgeschichte der Sammlung sowie die kontroverse zeitgenössische Rezeption, die zwischen Begeisterung und harscher Kritik schwankte.

III. Der Schlimm-heilige Vitalis: Der Fokus liegt hier auf der inhaltlichen und formalen Analyse der Erzählung, wobei insbesondere der Vergleich zur Vorlage von Kosegarten und die Bedeutung des sprachlich-symbolischen Stils dargelegt werden.

IV. Der religiöse Gehalt der Vitalis-Legende: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Rahmen Alexandrias, charakterisiert die religiöse Besessenheit des Mönchs Vitalis und arbeitet die explizite Religionskritik Kellers heraus.

V. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und reflektiert die Einschränkungen der Arbeit bei der Behandlung komplexer psychologischer und interdisziplinärer Aspekte.

Schlüsselwörter

Gottfried Keller, Sieben Legenden, Der schlimm-heilige Vitalis, Religionskritik, Kosegarten, Legende, Alexandria, Bekehrungswahn, Askese, Weltlichkeit, Symbolik, Literaturkritik, Novelle, Marienlegende, Sittlichkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert Gottfried Kellers Erzählung „Der schlimm-heilige Vitalis“ und untersucht, wie der Autor das Genre der mittelalterlichen Heilslegende durch seine spezifische Religionskritik und novellistische Formgebung in die Moderne überführt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Askese und weltlicher Natur, die Funktion religiöser Symbole bei Keller, der Wandel der Legendenvorlage sowie Kellers kritische Distanz zur kirchlichen Dogmatik.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?

Das Hauptziel besteht darin, aufzuzeigen, wie Keller durch den „Schlimm-heiligen Vitalis“ den Zwiespalt zwischen kirchlicher Tugend und unterdrückter Weltlichkeit thematisiert und damit eine moderne, lebensbejahende Weltsicht artikuliert.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Werktext im Kontext der Entstehungsgeschichte, der zeitgenössischen Literaturkritik sowie unter Einbeziehung von Sekundärliteratur (etwa zu Kellers Feuerbach-Rezeption) untersucht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die formale und inhaltliche Beschreibung der Erzählung, die Gegenüberstellung mit der Vorlage von Kosegarten, eine Charakterisierung Vitalis' sowie die historische und philosophische Einordnung der Kellerschen Religionskritik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Gottfried Keller, Sieben Legenden, Religionskritik, Askese, Weltlichkeit, Symbolik und die spezifische Gattung der Legende.

Wie unterscheidet sich Kellers Vitalis-Figur von der Vorlage?

Im Gegensatz zur traditionellen Vorlage, bei der Vitalis ein religiöses Exempel statuiert, wird er bei Keller zu einer psychologisch komplexeren Figur, deren vermeintliches Martyrium als Resultat einer unterdrückten Natürlichkeit entlarvt wird.

Welche Bedeutung kommt der Rolle von Jole in der Erzählung zu?

Jole dient in der Erzählung als Werkzeug, das den Mönch Vitalis mit der realen, weltlichen Welt konfrontiert und ihn letztlich durch einen persönlichen Reifeprozess von seiner dogmatischen Fixierung erlöst.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Gottfried Keller - Der schlimm-heilige Vitalis
Hochschule
Technische Universität Berlin  (Neuere deutsche Philologie)
Veranstaltung
HS Gottfried Keller
Note
1,0
Autor
Stephan Kilter (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2005
Seiten
29
Katalognummer
V116616
ISBN (eBook)
9783640186877
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gottfried Keller Vitalis Gottfried Keller
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Stephan Kilter (Autor:in), 2005, Gottfried Keller - Der schlimm-heilige Vitalis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116616
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Leseprobe aus  29  Seiten
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