Rating als Instrument der Bonitätsanalyse


Seminararbeit, 2008

29 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 DAS RATING
2.1 ENTSTEHUNG UND ENTWICKLUNG
2.2 BONITÄTS ALS AUSDRUCK DER KREDITWÜRDIGKEIT
2.3 RATING ALS BONITÄTSANALYSE

3 DIE RATINGAGENTUR
3.1 AUFTEILUNG IN RATINGGRUPPEN
3.2 STANDARD & POOR’S
3.3 MOODY’S INVESTORS SERVICE
3.4 FITCH IBCA

4 DER RATING-PROZESS IM ÜBERBLICK

5 DAS RATINGVERFAHREN
5.1 QUALITATIVER RATINGANSATZ
5.2 QUANTITATIVER RATINGANSATZ
5.3 BEISPIELHAFTE ANWENDUNG DES RATINGVERFAHRENS

6 GRENZEN DES RATINGS UND AUSBLICK
6.1 GRENZEN DES RATINGVERFAHRENS
6.2 VERHALTENSKODEX FÜR RATINGAGENTUREN
6.3 ENTLOHNUNG DER RATING-AGENTUREN

ANHANG

LITERATURVERZEICHNIS

INTERNETQUELLEN

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1:Schematische Darstellung der Kreditwürdigkeit

Abbildung 2:Der Rating-Prozess

Abbildung 3:Mustererkennung zur Bonitätsbeurteilung von Jahresabschlussinformationen

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1:Auswertung der qualitativen Kriterien

Tabelle 2:Auswertung der quantitativen Kriterien

Tabelle 3:Gesamtergebnis

Tabelle 4:Bedeutung der Ratingsymbole Anhang

1 Einleitung

Der Begriff des Ratings besteht bereits seit fast 100 Jahren und hat in dieser Zeit nicht an Bedeutung und Brisanz verloren. Das Gegenteil ist wohl eher der Fall, wie man aktuell im Zuge der Subprime-Krise in den Vereinigten Staaten sehen kann. Durch die Einführung der Basler Eigenkapitalvorschläge, bei denen die Bewertung von Unternehmen im Vordergrund steht, hat der Begriff in Deutschland und auch in Europa stark an Bedeutung gewonnen. Im Gegensatz zur Vergangenheit, wo ausschließlich die klassische Bonitätsanalyse zur Unternehmensbeurteilung verwendet wurde, nutzt man seit einigen Jahren vermehrt das Rating als Instrument zur Bonitätsanalyse von Unternehmen. Hierbei unterscheidet man das interne, von Banken durchgeführte, und das externe Rating, welches von speziellen Agenturen erstellt wird. In der vorliegenden Abhandlung soll der Schwerpunkt auf das externe Rating der Agenturen gelegt werden, da dieses eine höhere Relevanz für Börsen- bzw. Emissionsgeschäfte besitzt und gerade in jüngster Vergangenheit durch die Subprime-Krise in den Vereinigten Staaten stark in die Kritik geraten ist.

In dieser Arbeit werden zunächst der Begriff der Bonität in Zusammenhang mit der klassischen Bonitätsanalyse sowie der Begriff des Ratings separat und als Instrument der Bonitätsanalyse erläutert. Des Weiteren werden die einzelnen Ratingarten sowie einige Ratingagenturen vorgestellt. Es folgt eine ausführliche Erläuterung des Ratingprozesses sowie des Ratingverfahrens anhand eines Beispiels. Abschließend soll auf die Grenzen des Ratings hingwiesen und ein Ausblick hinsichtlich der aktuellen Entwicklungen des Ratings gegeben werden.

2 Das Rating

2.1 Entstehung und Entwicklung

Nach dem Bertelsmann Lexikon ist Rating ein „in den anglo-amerikanischen Ländern entwickeltes Verfahren, mit dem Vermögensanlageobjekte (z.B. Aktien) in verschiedene Risikoklassen unterteilt werden“1 können. Daraus geht hervor, dass der Begriff seinen Ursprung in den USA hat, wo die ersten Ratingagenturen bereits zu Beginn des letzten Jahrhunderts gegründet wurden. Hierzu gehören unter anderem Moody’s und Standard & Poor’s. In den USA hat das Rating demnach eine sehr lange Tradition und auch einen sehr hohen Stellenwert. Aber erst durch die Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren kam es zur Etablierung des Ratings. Da im Zuge dessen die Stimmen laut wurden, Verordnungen einzuführen, um Krisen frühzeitig erkennen zu können bzw. zu verhindern. Weitere Gründe für die wachsende Bedeutung des Ratings sind die Überschuldung nach dem II Weltkrieg, die zunehmende Globalisierung der Finanzmärkte, die Deregulierungsentwicklungen in den 1980er Jahren sowie eine Vielzahl gesetzlicher Regelungen für die Krisenvorbeugung. Dies alles führte dazu, dass sich eine Art „Ratingkultur“ entwickelt hat.2

In Deutschland erfolgten die ersten Ratings in den 1970er Jahren. Sie wurden vor allem bei Großbanken durchgeführt, die darin eine gute Möglichkeit sahen, sich günstiger am amerikanischen Kapitalmarkt zu refinanzieren. In der Gesamtbetrachtung ist das Verfahren in Deutschland jedoch noch nicht so weit verbreitet. Die kann man unter anderem daran erkennen kann, dass hier circa 100, vor allem große Unternehmen ein internationales Ratingurteil tragen, während in den USA 8.000 Firmen ein solches aufweisen können. Auch in Deutschland weist dieser Bereich hohe Wachstumszahlen aufweist. Die deutsche Ratingagentur „Euroratings AG“ sah 2002 in Deutschland und Österreich ein Ratingpotential von bis zu 20.000 mittelständischen Firmen.

Ein Grund für die sich anbahnende Ratingentwicklung in Deutschland waren die Basler Eigenkapitalvorschläge im Jahr 1999. Hiernach wurden erstmalig Ratingverfahren zur Ermittlung des Risikopotentials eingesetzt, um unterschiedliche Bonitäten der Kreditnehmer zu identifizieren. Das Regelwerk des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht enthält Empfehlungen, die nur für „Global-Player“ bindend sind. Für kleine und mittlere Unternehmen sind die Regelungen freiwillig. Trotzdem sind auch sie bei der Kreditvergabe auf eine Ratinganalyse angewiesen, da die Bonität des Kreditnehmers auch die Höhe der Kreditzinsen bestimmt. Der Basler Akkord hat sich inzwischen zu einem international anerkannten Kapitalstandard entwickelt, der in über 100 Ländern bereits zur Anwendung kommt.3

2.2 Bonitäts als Ausdruck der Kreditwürdigkeit

„Bonität ist ein Synonym für die Kreditwürdigkeit.“4Die Kreditwürdigkeit ist eine Eigenschaft von natürlichen oder juristischen Personen, die sich, wie in Abbildung 1 dargestellt, in persönliche und wirtschaftliche Kreditwürdigkeit unterscheidet. Die persönliche Kreditwürdigkeit ist stark subjektiv. Zu ihr gehören die persönliche Zuverlässigkeit sowie die beruflichen und fachlichen Qualifikationen. Im Gesamten geht es um die Frage, ob der Unternehmer die Zahlungsverpflichtungen erfüllen kann und will. Unter der wirtschaftlichen Kreditwürdigkeit versteht man die wirtschaftliche Fähigkeit, Kredite zurückzuzahlen. Es geht hierbei also um die rechtliche und wirtschaftliche Voraussetzung sowie die wirtschaftliche Lage von Unternehmen. Die wirtschaftliche Kreditwürdigkeit wird anhand von Einkommensnachweisen und Bilanzen ermittelt. Zusätzlich können SCHUFA- oder Bankauskünfte eingeholt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Schematische Darstellung der Kreditwürdigkeit

2.3 Rating als Bonitätsanalyse

Der Begriff „rate“ stammt aus dem Englischen und bedeutet Bewertung / Einschätzung. Er bezieht sich also auf die Einschätzung bzw. Beurteilung einer Sache. Demnach versteht man heute unter Rating ein Verfahren für die Einschätzung von Personen, Gegenständen, Unternehmen oder Staaten, wobei man verschiedene Arten von Ratings unterscheidet:

- Emittentenrating

Bei dem Emittentenrating wird die Kreditwürdigkeit des Schuldners ermittelt. Dies kann auf Grundlage der aktuellen Unterlagen des Emittenten sowie auf Basis von Informationen aus zuverlässigen Quellen erfolgen. Als Grundlage ist jedoch immer eine umfangreiche Unternehmensanalyse erforderlich.

- Emissionsrating

Das Emissionsrating bezieht sich auf bestimmte Finanztitel. Hierbei wird zwar ebenfalls die Kreditwürdigkeit eines Schuldners ermittelt, aber diesmal in Bezug auf einen ganz bestimmten Finanztitel. Da bei dieser Art des Ratings auch die Laufzeit, der Rang sowie die Sicherheiten des Finanztitels mit einbezogen werden, können durchaus Abweichungen zu dem Emittentenrating auftreten.5

- Staatenrating

Das Rating von Staaten bezeichnet man auch als „sovereign rating“. Die Bonitätseinschätzung für Staaten ist sehr schwierig, da nicht ausschließlich die Zahlungsfähigkeit sondern auch eine mögliche, politisch motivierte Zahlungsunwilligkeit beachtet werden muss. Als Beispiel für das Rating von Staaten wären Deutschland und Österreich zu nennen, die ein AAA-Rating erhalten haben.6

- Internes Rating

Das interne Rating wird von Banken durchgeführt, um daraus die Kreditwürdigkeit und Ausfallwahrscheinlichkeit der Kunden abzuleiten. Die Bewertung erfolgt nach bankeigenen Kriterien unter der Verwendung von numerischen Codes. Um ein anerkanntes Rating zu vergeben, müssen Banken bestimmte Auflagen erfüllen und werden von der Bankenaufsicht in ihrer Vorgehensweise kontrolliert.

- Externes Rating

Bei dem externen Rating handelt es sich um eine von Spezialisten, in der Regel Ratinganalysten aus international tätigen Ratingagenturen, durchgeführte Unternehmensanalyse. Die Analyse soll Auskunft darüber geben, mit welcher Wahrscheinlichkeit das Unternehmen die Verbindlichkeiten fristgerecht zurückzahlen kann. Der Schwerpunkt der Betrachtung liegt dabei auf den qualitativen Unternehmenswerten. Der wesentliche Unterschied zu einem internen Rating liegt in dem Ablauf. Vor allem der Zeitablauf weicht stark voneinander ab. Das externe Rating einer Agentur kann vier bis sechs Wochen dauern. Durch diesen großen Zeitraum ist es möglich eine umfassende und spezifische Analyse zu erstellen, die eine ganzheitliche neutrale Unternehmensbewertung garantiert und jederzeit eine Anpassung an die betrieblichen Besonderheiten ermöglicht. Aufgrund der Vielzahl der Ratingagenturen werden bestimmte Anforderungen gestellt, die den Kunden zum Einen die Auswahl erleichtern sollen und zum Anderen die Möglichkeit geben einen vergleichbaren Standard herzustellen. Zu diesen an eine Agentur gestellten Anforderungen gehören: Objektivität, Verfahrenstransparenz, Qualität, sowie Aktualität der verwendeten Informationen, die Qualität der Analysten, die Internationalität, sowie die Vergleichbarkeit der Ratingergebnisse in zeitlicher und sachlicher Hinsicht. Die Vergleichbarkeit ist jedoch nur bedingt gewährleistet, da jede Agentur ihre eigenen Symbole und Kategorieeinstufungen verwendet. Es ist also zunächst zu überprüfen, ob die gleiche Bedeutung hinter den jeweiligen Symbolen steht. Ein kurzer Überblick über die Symbole ist für die drei großen international tätigen Ratingagenturen im Anhang dargestellt.

Bei Ratings wird nach Risikogruppen differenziert, mit deren Hilfe Kreditnehmer nach ihrer individuellen Bonität bzw. Kreditausfallwahrscheinlichkeit klassifiziert werden können. Es erfolgt also eine Einschätzung der Zahlungsfähigkeit des Schuldners mit Hilfe eines bestimmten Ratingcodes. Durch diesen können die Sachverhalte oder Objekte durch ein Symbol, welches ordinal skaliert ist, dargestellt und kommuniziert werden. Der Vorteil liegt darin, dass die Symbole relativ leicht interpretierbar und vergleichbar sind. Damit stellen sie eine gute Orientierungsgröße für Investoren, Banken und Unternehmen dar.

Im Banken- und Finanz- sowie im Börsensektor spricht man von dem sogenannten Credit-Rating. Hierbei geht es im engeren Sinn um die „Meinung über die künftige Fähigkeit und rechtliche Verpflichtung eines Emittenten, Zahlungen von Zins und Tilgung einer von ihm begebenen Schuldverschreibung termingerecht und vollständig zu erfüllen“7sowie im weiteren Sinn um „die Bonitätsbeurteilung durch festgelegte Ratingsymbole von definierten Forderungstiteln“8. Auch die zukünftige Zahlungsfähigkeit eines Kreditnehmers kann durch interne Kreditwürdigkeitsprüfungen oder Ratingagenturen ermittelt werden. Eine solche Ermittlung ist zwingend erforderlich, um am Kapitalmarkt flexibler und unabhängiger von den Banken zu werden. Sie ist jedoch mit erheblichen Kosten verbunden.

Erfolgt eine Neubewertung, so kann diese weitreichende Auswirkungen haben. Es gibt zwei Richtungen, in die sich ein Rating entwickeln kann. Entweder kommt es zu einem Downgrade, d. h. einer Verschlechterung bzw. Abwertung des vorhandenen Ratings oder es erfolgt ein Upgrade, also eine Verbesserung bzw. Aufwertung. Das Downgrade ist mit erheblichen Nachteilen verbunden, da i.d.R. die Kapitalkosten steigen. Dies liegt daran, dass die Verschlechterung zu einer Neubewertung der Konditionen für die Fremdkapitalbeschaffung führt. Durch den Anstieg der Zinsen, die Stellung der Sicherheiten oder schlechtere Rückzahlungsbedingungen wird das Fremdkapital in der Regel teurer. Für Neuemissionen bedeutet eine Abwertung ein höheres Disagio oder eine höhere Verzinsung, wodurch eine allgemein höhere Rendite erforderlich ist. Ein Upgrade hat genau die entgegengesetzten Folgen zu einem Downgrade. In diesem Fall sinken die Kapitalkosten, steigen die Marktpreise für die verbrieften Eigen- und Fremdkapitalanteile usw. Derartige Änderungen des Ratingurteils werden häufig, bereits lange vor der Veröffentlichung des eigentlichen Ratingberichts, durch einen sogenannten Ausblick der Ratingagenturen angekündigt. Dies hat zur Folge, dass sich die Preise der Anleihen bereits vor der Erscheinung des Ratingberichts an die neue Einschätzung angepasst haben.

[...]


1 Bertelsmann Lexikothek, S. 113.

2 Vgl. Hückmann, C. (2002), S. 7f.

3 Vgl. Hückmann, C. (2002), S. 10f und 21.

4 Wikipedia (2008), Stand 05.06.2008.

5 Vgl. Hückmann, C. (2002), S. 2.

6 Vgl. HypRating GmbH, Stand 05.06.2008.

7 Hückmann, C. (2002), S. 1.

8 Hückmann, C. (2002), S. 1.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Rating als Instrument der Bonitätsanalyse
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Berlin früher Fachhochschule
Veranstaltung
Finanzwirtschaft
Note
1,7
Autoren
Jahr
2008
Seiten
29
Katalognummer
V116722
ISBN (eBook)
9783640190089
ISBN (Buch)
9783640190171
Dateigröße
666 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schwerpunkt der Seminararbeit ist das von den Ratingagenturen durchgeführte externe Rating. Verdeutlicht bzw. veranschaulicht wird die Vorgehensweise beim Rating anhand eines fixtiven Beispiels am Ende der Arbeit. Schwerpunkt der Seminararbeit ist das von den Ratingagenturen durchgeführte externe Rating. Verdeutlicht bzw. veranschaulicht wird die Vorgehensweise beim Rating anhand eines fixtiven Beispiels am Ende der Arbeit.
Schlagworte
Rating, Instrument, Bonitätsanalyse, Finanzwirtschaft, Moodys, Standard & Poor's, Fitch, Wirtschaftskrise, Finanzmarktkrise, Ratingverfahren, Ratingprozess, Ratingagenturen, Ratingansatz, Verhaltenskodex für Ratingagenturen, externes Rating, internes Rating, Wirtschaftskrise Rating
Arbeit zitieren
Ronny Scharschmidt (Autor)Christin Frauendorf (Autor), 2008, Rating als Instrument der Bonitätsanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116722

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Rating als Instrument der Bonitätsanalyse



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden