Wie lassen sich Hindernisse der sexuellen Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung anhand des medizinischen-und sozialen Modells von Behinderung darstellen?
Die wissenschaftliche und gesellschaftliche Relevanz dieser Arbeit liegt darin, dass Behinderung ein Thema ist, welches oftmals in unserer Gesellschaft verdrängt wird. Menschen mit Behinderung sind eine Randgruppe der modernen Gesellschaft, auch wenn es schon deutliche Verbesserungen und Änderungen gab, leidet diese Gruppe nach wie vor unter Diskriminierung und Ausgrenzung. Die sexuelle Selbstbestimmung eines Menschen zählt zu den Menschrechten, jedoch ist sie bei Menschen mit Behinderung nicht oder kaum thematisiert und noch nicht umgesetzt. Eine Behinderung kann jeden Menschen treffen, beispielsweise im Alter oder durch einen Unfall, daher sollte Behinderung und alles was dazu gehört ein Thema des wissenschaftlichen und öffentlichen Diskurses werden.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
1.1. METHODE
1.2. THEORETISCHER RAHMEN
2. MODELLE VON BEHINDERUNG
2.1. DAS MEDIZINISCHE MODELL VON BEHINDERUNG
2.2. DAS SOZIALE MODELL VON BEHINDERUNG
3. SEXUELLE SELBSTBESTIMMUNG VON MENSCHEN MIT BEHINDERUNG
4. ANWENDUNG DER MODELLE AUF DAS THEMA: SEXUELLE SELBSTBESTIMMUNG
4.1. MEDIZINISCHES MODELL:
4.2. SOZIALES MODELL:
5. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Hindernisse bei der sexuellen Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung auf Basis des medizinischen und des sozialen Modells von Behinderung theoretisch begründet und dargestellt werden können.
- Analyse des medizinischen Modells und dessen Fokus auf Defizite und Normalitätsnormen.
- Untersuchung des sozialen Modells mit Schwerpunkt auf gesellschaftlichen Barrieren.
- Theoretische Einordnung sexueller Selbstbestimmung als grundlegendes Menschenrecht.
- Reflektion über institutionelle Rahmenbedingungen in Wohnheimen und Fremdbestimmung.
Auszug aus dem Buch
2.1. Das medizinische Modell von Behinderung
Das medizinische (oder auch individuelle) Modell von Behinderung ist die älteste Sichtweise auf das Thema Behinderung. Jedoch handelt es sich hier um kein ausformuliertes Konzept, lediglich eine Sichtweise. Vom 18. Jahrhundert bis in die 1970er Jahre ist das medizinische Modell dominierend. Dieses erklärt Behinderung als direktes Resultat einer Krankheit oder einer körperlichen oder geistigen Verletzung (Egen, 2020, S. 23). In diesem Modell wird Behinderung als ein Defizit, oder auch als eine Krankheit wahrgenommen, welche behandelt werden müssen, um möglichst „normal“ zu werden.
„Im Wesentlichen handelt es sich um einen Ansatz, der Behinderung mit dem klinisch relevanten, medizinisch, psychologisch oder pädagogisch diagnostizierbaren Beeinträchtigungen des Individuums gleichsetzt: Die betroffene Person wird nicht behindert, vielmehr ist sie behindert.“ (Waldschmidt, 2020, S. 60).
Waldschmidt führt die Definition des Behinderungsbegriffs der Weltgesundheitsorganisation im Jahre 1980 als Ausdruck des medizinischen/individuellen Modells der Behinderung zurück, „demzufolge eine Behinderung ursächlich aus einer Schädigung resultiert“ (2020, S. 59).
Ziel dieser Behindertenpolitik ist die Rehabilitation, die Wiedereingliederung von Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft. Gesellschaftliche Strukturen, welche Barrieren für Menschen mit Behinderung schaffen blieben unhinterfragt. Hier lässt sich wieder beobachten, dass der nichtbehinderte Mensch als normal angesehen wird, aus der Sichtweise des Medizinischen Modells wird der Mensch mit Behinderung als abnormal betrachtet und stigmatisiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der sexuellen Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung sowie Definition der Relevanz und der methodischen Vorgehensweise.
2. MODELLE VON BEHINDERUNG: Theoretische Auseinandersetzung mit dem medizinischen Modell und dem sozialen Modell von Behinderung zur Strukturierung des Diskurses.
3. SEXUELLE SELBSTBESTIMMUNG VON MENSCHEN MIT BEHINDERUNG: Erläuterung der sexuellen Selbstbestimmung als Menschenrecht und Darstellung der Barrieren und Vorurteile, mit denen Menschen mit Behinderung konfrontiert sind.
4. ANWENDUNG DER MODELLE AUF DAS THEMA: SEXUELLE SELBSTBESTIMMUNG: Kritische Analyse der Auswirkungen beider Modelle auf die Möglichkeiten zur Auslebung von Sexualität, inklusive institutioneller Faktoren.
5. FAZIT: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Synthese der Erkenntnisse hinsichtlich der behandelten Modelle.
Schlüsselwörter
Sexuelle Selbstbestimmung, Menschen mit Behinderung, medizinisches Modell, soziales Modell, Diskriminierung, Stigmatisierung, Menschenrechte, Wohnheime, Fremdbestimmung, Teilhabe, Barrieren, Behinderung, Rehabilitation, Inklusion, sexuelle Aufklärung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der sexuellen Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung im Spannungsfeld gesellschaftlicher Wahrnehmung und institutioneller Strukturen.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse?
Zentrale Themen sind die theoretischen Modelle von Behinderung (medizinisch vs. sozial) sowie deren Einfluss auf die sexuelle Autonomie der Betroffenen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Frage lautet, wie sich Hindernisse der sexuellen Selbstbestimmung anhand des medizinischen und des sozialen Modells von Behinderung darstellen lassen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Die Verfasserin nutzt eine Literaturanalyse basierend auf fachwissenschaftlichen Büchern und Artikeln zum Thema Behinderung und Sexualität.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die beiden Behinderungsmodelle definiert, das Menschenrecht auf Sexualität erörtert und die Anwendung der Modelle auf die Lebensrealität in Wohnheimen und Betreuungsverhältnissen untersucht.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem sexuelle Selbstbestimmung, medizinisches Modell, soziales Modell, Fremdbestimmung und Diskriminierung.
Inwiefern beeinflusst das medizinische Modell die sexuelle Selbstwahrnehmung?
Laut der Arbeit fördert das medizinische Modell die Wahrnehmung als „abnormale“ oder geschädigte Person, was eine positive Entwicklung der eigenen Sexualität erschweren kann.
Wie schränken Wohnheime laut dem sozialen Modell die Selbstbestimmung ein?
Das soziale Modell weist auf strukturelle Barrieren wie fehlende Privatsphäre, nicht abschließbare Zimmer und die Fremdbestimmung durch Betreuungspersonal hin, die das Ausleben von Sexualität verhindern.
Welche Rolle spielt die „Selbstbestimmt-Leben-Bewegung“ in der Arbeit?
Die Bewegung wird als wichtiger Akteur angeführt, der den Paradigmenwechsel weg von der Fürsorge hin zur Anerkennung als gleichberechtigte Bürger vorantreibt.
Warum ist das Thema nach Ansicht der Autorin weiterhin erforschbar?
Da es sich um ein bisher wenig erforschtes Feld mit anhaltenden strukturellen Barrieren handelt, bleibt die wissenschaftliche Auseinandersetzung für die gesellschaftliche Teilhabe hochrelevant.
- Citar trabajo
- Elisa Draheim (Autor), 2021, Sexuelle Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1168193