In der östlichen Berliner Innenstadt hat sich in den letzten Jahren eine hohe Konzentration von Firmen der Kultur- und Medienwirtschaft entwickelt (vgl. Krätke: 2002). Diese Arbeit will, ausgehend von den Annhamen flexibler Beschäftigungsformen in diesem Wirtschaftssektor und einem daraus resultierenden berufszentrierten Lebensstil, der eine große Nähe zu den sogenannten ´neuen Lebensstilen´ der stadtsoziologischen Literatur aufweisen müsste, untersuchen, inwieweit eine Verschmelzung von Arbeit und Freizeit, Freundes- und Kollegenkreis und eine Verschränkung der räumlichen Kontexte von Arbeiten und Leben, Merkmale dieses Lebensstils sein könnten.
Im ersten Teil der Arbeit werden die Ursachen erläutert, die zu einem überdurchschnittlichen Wachstum der Kulturwirtschaft führen und die Merkmale der Arbeitsorganisation dieses Wirtschaftssektors dargestellt, die anschließend mit Lebensstilkonzepten verknüpft werden.
Der zweite Teil der Arbeit widmet sich der Situation in Berlin.
Dazu wurden neben einer sekundärstatistischen Analyse Interviews mit Unternehmern und Beschäftigten aus verschiedenen Branchen der Kulturwirtschaft in Berlin-Mitte und Prenzlauer Berg durchgeführt und vor dem Hintergrund der Fragestellung interpretiert.
Gliederung
I. Einleitung
I.I Fragestellung
I.II Vorgehensweise
1. Theoretischer Teil
1.1 Merkmale der Kulturwirtschaft
1.1.1 Warum Träger der Kulturwirtschaft als Untersuchungsgegenstand?
1.1.2 Was ist Kulturwirtschaft? Eine definitorische Abgrenzung
1.1.3 Dominanz von kleineren und mittleren Unternehmen
1.1.4 Vertikale Desintegration
1.1.5 Tendenz zur räumlichen Konzentration
1.1.6 Cluster
1.1.7 Institutionelle Infrastruktur
1.1.8 Perspektive der Arbeitnehmer und Firmengründer / Arbeitsmarkt
1.1.9 Standortmuster der Akteure
1.1.10 Milieubildungen
1.2 Formen der Arbeit in symbolanalytischen Dienstleistungsbranchen
1.2.1 Begriffsbestimmung
1.2.2 Arbeitsformen
1.2.3 Formen der Beschäftigungsverhältnisse
1.3 Neue urbane Mittelschichten
1.3.1 Begriffsbestimmung
1.3.2 Entstehungsfaktoren
1.3.3 Yuppies und Alternative
1.4 Lebensstilkonzept
1.4.1 Ursachen für wachsende Bedeutung von Lebensstilisierungsprozessen
1.4.2 Bewertung dieser Entwicklungen
1.4.3 Schrittweise Bestimmung / Operationalisierung von Lebensstilen
1.4.3.1 Lüdtke
1.4.3.2 Dimensionen nach Abel & Rütten
1.4.3.3 Dimensionen nach Müller
1.4.4 Indikatoren
1.4.5 Raumbezug von Lebensstilen
1.5 Milieukonzept
1.5.1 Allgemeine Begriffsbestimmung
1.5.2 Ursachen für den Wandel von Milieus
1.5.3 Wechselwirkungen zwischen Lebensstil und Milieu
1.5.4 Milieu und Raum
1.5.5 Wissensmilieus
1.5.6 Berufsmilieus
1.5.7 Merkmale und Indikatoren von Berufsmilieus
1.6 Zusammenfassung
2. Empirischer Teil
2.1 Kulturwirtschaft in Berlin
2.1.1 Darstellung der Entwicklung seit der Wende
2.1.2 Auswahl der zu untersuchenden Branchen
2.1.3 Clusterbildung
2.1.4 Versuch einer kleinräumigen Gebietsbestimmung
2.1.5 Gebietsauswahl
2.2 Erhebung
2.2.1 Methode der Erhebung
2.2.1.1 Darstellung der Struktur des Fragebogens
2.2.1.2 Durchführung der Erhebung
2.2.1.3 Stichprobenbeschreibung
2.2.2 Nähe von Arbeiten und Wohnen
2.2.3 Räumliche Muster der Nutzung der Infrastruktur
2.2.4 Kopplung von Arbeit und Freizeit
2.2.5 Arbeitsmarkt
2.2.6 Funktionscluster
2.2.7 Milieubildung
3. Schlußfolgerungen
4. Anhang
4.1 Abbildung 1: Zum Versuch einer kleinräumigen Gebietsbestimmung
4.2 Abbildung 2: Untersuchungsgebiet
4.3 Abbildung 3: Standorte der Firmen in denen die Befragten arbeiten
4.4 Fragebogen
4.5 Tabelle Stichprobenbeschreibung
5. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der räumlichen Konzentration von Firmen der Kultur- und Medienwirtschaft in Berlin-Mitte und dem Prenzlauer Berg sowie der Herausbildung berufszentrierter Lebensstile und Milieus bei deren Beschäftigten. Im Fokus steht die Forschungsfrage, ob Arbeit und Wohnen in diesem urbanen Kontext räumlich verschmelzen und ob sich daraus eine spezifische alltägliche Lebenswelt für diese neue urbane Mittelschicht ergibt.
- Analyse der Kulturwirtschaft als dynamischer Wachstumssektor in Berlin.
- Untersuchung der räumlichen Kopplung von Arbeit und Freizeit in innerstädtischen Quartieren.
- Erforschung von Beschäftigungsstrukturen und informellen Netzwerken als Basis für Milieubildung.
- Einfluss von Standortfaktoren auf die Ansiedlung von kreativen Unternehmen.
Auszug aus dem Buch
1.1.2 Was ist Kulturwirtschaft? Eine definitorische Abgrenzung
In einer ersten Annäherung kann man nach Allen Scott (2000: 2) drei Typen kultureller Produkte unterscheiden: Erstens solche handwerklicher Art (Kleidung, Möbel oder Schmuck), zweitens solche, die er unter der Rubrik Dienstleistungen subsumiert (Führer, Theater oder Werbung) und drittens solche, die für ihn Hybridformen darstellen (Musikaufnahmen, Bücher und ähnliches). Als Gemeinsamkeiten der in diesen Bereichen produzierten Güter nennt dieser Autor:
"Whatever the physico - economic constitution of such products, the sectors that make them are all engaged in the creation of marketable outputs whose competitive qualities depend on the fact that they function at least of social display, aestheticized objects, forms of entertainment and distraction, or sources of information and self - awareness, i. e. as artifacts whose psychic gratification to the consumer is high relative to utilitarian purpose." (Scott 1997: 323 - 324)
Piesk und Werner (2003: 26f.) definieren in ihrer Studie zur Kulturwirtschaft in Hessen ihren Untersuchungsgegenstand als bestehend aus drei Bereichen: Die marktorientierte Kulturwirtschaft (Unternehmen, deren Tätigkeit auf Gewinnerzielung gerichtet ist und mehrheitlich in einer privaten Rechtsform organisiert sind: Z. B. Tonstudios, Buchverlage, sowie Selbständige wie z. B. Drehbuchautoren oder Musikveranstalter), die freie Kulturszene (Vereine, gemeinnützige GmbHs und Projekte in kommunaler Trägerschaft, die in der Regel nicht auf Gewinnerzielung ausgerichtet sind: Wie soziokulturelle Zentren, Kulturcafes oder freie Theatergruppen) und den öffentlichen Kulturbetrieb (Kulturinstitutionen, die unmittelbar von der öffentlichen Hand getragen werden: Theater, Museen, Orchester u.ä.). Weiterhin untergliedern die beiden Autoren diese Bereiche in sechs verschiedene Teilmärkte: Die Musikwirtschaft, den Literatur-, Buch- und Pressemarkt, den Kunstmarkt (wozu auch die Werbebranche gerechnet wird), die Film-, TV- und Videowirtschaft, die darstellenden und unterhaltenden Künste sowie das kulturelle Erbe (Piesk und Werner 2003: 29).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Theoretischer Teil: Dieses Kapitel liefert die theoretische Basis zu Themen wie Kulturwirtschaft, Arbeit in Dienstleistungsbranchen, urbanen Mittelschichten, Lebensstilkonzepten und Milieubildung, um das Analyseraster für die Untersuchung zu erstellen.
2. Empirischer Teil: Hier wird der Wirtschaftsstandort Berlin mittels Sekundäranalyse untersucht, die Erhebungsmethode erläutert und die Ergebnisse der Experteninterviews zur räumlichen Kopplung von Arbeiten und Wohnen dargestellt.
3. Schlußfolgerungen: Dieses Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen, wonach der Berliner Cluster der Kultur- und Medienwirtschaft zwar existiert, aber noch jung ist, und bestätigt die Bedeutung weicher Standortfaktoren sowie die räumliche Nähe von Arbeit und Wohnen für die untersuchten Professionellen.
Schlüsselwörter
Kulturwirtschaft, Berlin, Medienwirtschaft, Cluster, Neue urbane Mittelschichten, Lebensstil, Milieubildung, Gentrification, räumliche Konzentration, Arbeitsmarkt, Projektarbeit, Wissensmilieus, Dienstleistungssektor, Standortwahl, urbane Lebensstile.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit analysiert, wie sich das berufliche und private Leben von Mitarbeitern der Berliner Kultur- und Medienwirtschaft in den Innenstadtbezirken Mitte und Prenzlauer Berg räumlich organisiert und ob dies zur Bildung spezifischer Milieus führt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft stadtsoziologische Ansätze mit wirtschaftsgeographischen Konzepten, insbesondere zu den Themen Clusterbildung, Lebensstile, Milieubildung und die Bedeutung räumlicher Nähe für Arbeitsprozesse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es zu untersuchen, ob sich bei den Trägern berufszentrierter Lebensstile eine räumliche Verschränkung von Arbeit und Wohnen feststellen lässt, die über bloßen Konsum hinausgeht und ein räumlich lokalisierbares Milieu konstituiert.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein qualitativer Ansatz gewählt. Nach einer theoretischen Fundierung erfolgte eine empirische Untersuchung durch 13 Experteninterviews mit Beschäftigten und Firmengründern aus der Film-, Werbe- und Multimedia-Branche.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Begriffsbestimmung (Kulturwirtschaft, Lebensstile, Milieu) und einen empirischen Teil, in dem der Standort Berlin analysiert und die erhobenen Interviewdaten zu Wohnortwahl, Arbeitsstrukturen und Milieubildung ausgewertet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Kulturwirtschaft, Berlin, Cluster, neue urbane Mittelschichten, Lebensstil, Milieubildung und räumliche Konzentration charakterisieren.
Wie bewerten die Befragten die Rolle des Prenzlauer Bergs für ihren Beruf?
Die Mehrheit der Befragten empfindet das Quartier als anregend für ihren Beruf, da sich dort die Zielgruppe ihrer Arbeit aufhält, inspirierende Infrastrukturen existieren und die räumliche Nähe zum Arbeitsplatz die hohen Arbeitsanforderungen erleichtert.
Spielt die informelle Vernetzung in Berlin eine entscheidende Rolle für die Karriere?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die informelle Vernetzung zwar präsent ist (z.B. durch Parties oder Branchentreffen), aber noch nicht die exklusive Bedeutung für den Arbeitsmarkt hat, wie sie in etablierteren Medienzentren beschrieben wird.
Ist das "Re-Embedding" moderner Milieus im Untersuchungsgebiet dauerhaft?
Die Untersuchung zeigt, dass die Mehrheit der Befragten eine Dauerhaftigkeit anstrebt, wobei der Raum für sie tatsächlich einen Arbeits- und Lebenszusammenhang darstellt, der durch soziale Einbettung und die Nutzung lokaler Infrastruktur gefestigt wird.
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- Diplom Sozialwissenschaftler Marco Müller (Author), 2004, Arbeiten und Leben in der Berliner Innenstadt , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116857