Die Arbeit befasst sich mit der Forschungsfrage, ob und wie sich die Höhe des bilanzierten Goodwills auf die Marktbewertung börsennotierter Unternehmen auswirkt. Zielsetzung ist es, mit Hilfe einer empirischen Untersuchung dazu eine wissenschaftlich fundierte Aussage zu treffen. Daneben wird basierend auf den aktuell geltenden Vorschriften gemäß IFRS beleuchtet, welche Gestaltungsmöglichkeiten börsennotierte Unternehmen bei der Goodwill-Bilanzierung überhaupt haben. Schlussendlich wird auf Basis der Ergebnisse aus der empirischen Untersuchung und vor dem Hintergrund der Spielräume innerhalb der Bilanzierungsvorschriften eine Empfehlung ausgesprochen, wie börsennotierte Gesellschaften, im Hinblick auf das Ziel einer hohen Marktbewertung, die Goodwill-Bilanzierung praktizieren sollten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Abgrenzung und Aufbau der Arbeit
2 Grundlegende Erläuterungen zum Goodwill
2.1 Begriffsbestimmung und Erklärung des Goodwills
2.1.1 Originärer, derivativer und negativer Goodwill
2.1.2 Aktivierungsfähigkeit des Goodwills gemäß IFRS
2.2 Ökonomische Bedeutung der Goodwill-Position
2.2.1 Ökonomische Substanz des Goodwills
2.2.2 Ursachen für den Bedeutungszuwachs des Goodwills
3 Bilanzielle Behandlung des Goodwills gemäß IFRS/IAS
3.1 Einführung in die Thematik
3.1.1 Zielsetzung und Grundsätze der internationalen Rechnungslegung
3.1.2 Entwicklung der Goodwill-Bilanzierung
3.1.3 Zielsetzung und Anwendungsbereich von IFRS 3
3.2 Unternehmenszusammenschlüsse
3.3 Zugangsbilanzierung nach der Erwerbsmethode
3.3.1 Grundsätzliche Vorgehensweise als Prozessübersicht
3.3.2 Analyse des Unternehmenszusammenschlusses
3.3.3 Ansatz und Bewertung des erworbenen Nettovermögens
3.3.4 Ermittlung des Goodwills und Goodwill-Allokation
3.4 Folgebilanzierung gemäß IAS 36
3.4.1 Grundkonzeption des Werthaltigkeitstests
3.4.2 Feststellung eines Wertberichtigungsbedarfs
3.4.3 Kritische Würdigung der Folgebewertung
3.5 Möglichkeiten zur bilanzpolitischen Einflussnahme
4 Grundlagen der Marktbewertung börsennotierter Gesellschaften
4.1 Einordnung des Multiplikatorverfahrens in die Unternehmensbewertung
4.2 Durchführung des Multiplikatorverfahrens
4.3 Multiplikatoren zur marktorientierten Unternehmensbewertung
5 Empirische Analyse über die Auswirkungen der Goodwill-Bilanzierung auf die Marktbewertung der TecDAX-Unternehmen
5.1 Hinführung zur empirischen Untersuchung
5.1.1 Herleitung der Hypothesen und Zielsetzung
5.1.2 Methodische Vorgehensweise
5.2 Analyse, Bearbeitung und Bereinigung der Daten
5.2.1 Datenanalyse und Durchführung der grundlegenden Berechnungen
5.2.2 Prüfung der Datenbasis der Stichprobe
5.3 Auswirkungen der Goodwill-Bilanzierung auf die Marktbewertung
5.3.1 Regressionsanalyse Goodwill und P/E-Ratio
5.3.2 Regressionsanalyse Goodwill und EV/EBITDA-Ratio
5.3.3 Zusammenfassung und Bewertung der empirischen Untersuchung
6 Fazit
6.1 Abschließende kritische Stellungnahme
6.2 Handlungsempfehlungen und Zukunftsausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Forschungsfrage, ob und wie sich die Höhe des bilanzierten Goodwills auf die Marktbewertung börsennotierter Unternehmen auswirkt, um daraus Handlungsempfehlungen für die Goodwill-Bilanzierung abzuleiten.
- Goodwill-Bilanzierung unter IFRS und deren bilanzpolitische Spielräume
- Methodik der marktorientierten Unternehmensbewertung mittels Multiplikatoren
- Empirische Analyse anhand von TecDAX-Unternehmen
- Einfluss der Goodwill-Position auf die Marktbewertung (P/E- und EV/EBITDA-Ratio)
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
Die Goodwill-Bilanzierung ist eines der ältesten und gleichzeitig umstrittensten Gebiete der Rechnungslegung überhaupt. Bereits im Jahr 1929 stellte der Ökonom John B. Canning fest: „Accountants […] economists […] have all tried their hands at defining goodwill […]. The most striking characteristic of this immense amount of writing is the number and variety of disagreements reached.” Zwar ist die Rechnungslegung heutzutage, anders als zur Zeit Cannings, durch Vorschriften reguliert, die Goodwill-Bilanzierung bleibt dennoch umstritten.
Der Impairment only Approach, welcher anstelle einer planmäßigen Abschreibung nur dann eine Abschreibung des Goodwills verlangt, sofern eine Wertminderung vorliegt, stößt seit der Einführung durch IFRS 3 im Jahr 2004 auf starke Kritik. Vor allem in der Finanzkrise 2008/2009 stand die Methode oftmals als Negativschlagzeile in den Wirtschaftszeitungen, da die Unternehmen weniger Goodwill-Abschreibungen als erwartet vornahmen. Die derzeit geltenden Bilanzierungsvorschriften halten den Goodwill in den IFRS-Bilanzen auf hohem Niveau und blähen diese auf, weshalb oftmals von einer „Goodwill-Blase“ oder einer „tickenden Zeitbombe in der Bilanz“ die Rede ist. In der aktuell herrschenden Wirtschaftskrise ausgelöst durch die COVID-19-Pandemie ist die Diskussion um die Bilanzierung und vor allem um die Werthaltigkeit des Goodwills aktueller denn je. Im Diskussionspapier des IASB vom 19.03.2020 steht nun sogar die Wiedereinführung der planmäßigen Abschreibung des Goodwills zur Debatte, wodurch die Kontroverse rund um die Goodwill-Bilanzierung erneut zunimmt.
Praxisfälle aus der Vergangenheit haben gezeigt, was Unternehmen mit einer zu hohen Goodwill-Position über einen langen Zeitraum hinweg droht: Das Abschreibungsrisiko steigt – und damit auch das Verlustrisiko für die beteiligten Anleger. Der US-Warenhausriese Macy`s beispielsweise wies im Jahresabschluss 2019 eine Goodwill-Position in Höhe von 3,9 Milliarden US-Dollar aus und ist an der Börse mittlerweile, nach vielzähligen Kursabstürzen bedingt durch eine geringere Werthaltigkeit der übernommenen Unternehmen als ursprünglich angenommen, weniger als halb so viel Wert, wie die einst bezahlten Übernahmeprämien.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Goodwill-Bilanzierung ein und definiert das Forschungsziel, den Einfluss dieser Position auf die Marktbewertung zu untersuchen.
2 Grundlegende Erläuterungen zum Goodwill: In diesem Kapitel werden der Goodwill definiert, seine verschiedenen Formen erläutert und seine ökonomische Bedeutung sowie die Ursachen für seinen Bedeutungszuwachs analysiert.
3 Bilanzielle Behandlung des Goodwills gemäß IFRS/IAS: Hier werden die IFRS-Vorschriften zur Behandlung des Goodwills, von der Zugangsbilanzierung bis hin zur Folgebewertung und den bilanzpolitischen Gestaltungsspielräumen, detailliert dargelegt.
4 Grundlagen der Marktbewertung börsennotierter Gesellschaften: Dieses Kapitel erläutert das Multiplikatorverfahren als marktorientierte Bewertungsmethode, welche für die anschließende empirische Analyse als Basis dient.
5 Empirische Analyse über die Auswirkungen der Goodwill-Bilanzierung auf die Marktbewertung der TecDAX-Unternehmen: Die empirische Untersuchung führt Regressionsanalysen durch, um den Einfluss des Goodwills auf Bewertungskennzahlen wie die P/E-Ratio und EV/EBITDA-Ratio zu prüfen.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, nimmt eine kritische Stellungnahme ein und gibt Handlungsempfehlungen sowie einen Ausblick für die zukünftige Praxis.
Schlüsselwörter
Goodwill, IFRS 3, IAS 36, Impairment only Approach, Marktbewertung, Multiplikatorverfahren, TecDAX, Unternehmensbewertung, Kaufpreisallokation, Eigenkapital, Bilanzpolitik, Regressionsanalyse, Investoren, Werthaltigkeit, Unternehmenszusammenschluss.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch die Auswirkungen der Goodwill-Bilanzierung nach IFRS-Vorschriften auf die Marktbewertung börsennotierter Unternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Goodwill-Bilanzierung, die theoretischen Grundlagen der marktorientierten Unternehmensbewertung und führt eine empirische Analyse der Auswirkungen in TecDAX-Unternehmen durch.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, ob und wie die Höhe des bilanzierten Goodwills die Marktbewertung von Unternehmen beeinflusst, um daraus Empfehlungen für eine „vernünftige“ Goodwill-Bilanzierung abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine empirische, quantitativ-analytische Methode eingesetzt, insbesondere einfache lineare Regressionsanalysen, um den Zusammenhang zwischen Goodwill-Positionen und Bewertungsmultiplikatoren zu prüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen des Goodwills, die bilanzielle Behandlung nach IFRS, Grundlagen des Multiplikatorverfahrens sowie die Durchführung und Auswertung der empirischen Analyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören unter anderem Goodwill, IFRS 3, Marktbewertung, Multiplikatorverfahren, TecDAX, Regressionsanalyse und Bilanzpolitik.
Welche Bedeutung hat der „Impairment only Approach“ in der Arbeit?
Dieser Ansatz wird als Auslöser für Kritik an der Goodwill-Bilanzierung dargestellt, da er nach Meinung der Autorin zu aufgeblähten Bilanzen und verzögerten Abschreibungen führt.
Welche Erkenntnis liefert die Regressionsanalyse bezüglich der P/E-Ratio?
Die Analyse zeigt einen mittelstarken negativen Zusammenhang: Ein steigender Goodwill-Buchwert im Verhältnis zum Eigenkapital führt zu einer niedrigeren Forward P/E-Ratio.
- Arbeit zitieren
- Sandra Wolf (Autor:in), 2021, Auswirkungen der Goodwill-Bilanzierung auf die Marktbewertung börsennotierter Gesellschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1171530