Die Internalisierung negativer externer Effekte nach Pigou und Coase


Seminararbeit, 2004

23 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung und Begriffsabgrenzungen
1.1. Marktversagen
1.2. Definition und Detailgliederung externer Effekte

2. Die Internalisierung nach Pigou
2.1. Die Pigou -Steuer
2.2. Probleme der Pigou -Internalisierung

3. Die Internalisierung nach Coase
3.1. Grundlegende Thesen des Modells
3.2. Instrumente der Coase -Internalisierung
3.3. Offene Probleme der Coase -Internalisierung

4. Gibt es eine optimale Internalisierungsstrategie?

5. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Die verschiedenen Formen des Marktversagens

Abb. 2 Die Grundeinteilung externer Effekte

Abb. 3 (a) Das Angebot vor und nach der Internalisierung sowie

(b) Grenzvermeidungs- und Grenzschadenskosten bei Vorliegen von externen Effekten

Abb. 4 Vollständige Untergliederung negativer externer Effekte

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung und Begriffsabgrenzungen

Die Berücksichtigung bzw. Beseitigung[1] eines durch CO2-Emissionen verursachten Ernteeinbruchs einer Obstplantage stellt ein Beispiel für die Internalisierung eines negativen externen Effekts dar.[2]

Um die Einordnung eines solchen negativen externen Effektes in die Wirtschaftstheorie zu erleichtern, wird zunächst auf das Marktversagen als Entstehungsursache externer Effekte eingegangen. Darauf folgend wird eine Detailuntergliederung derselben dargestellt, woran sich die Beschreibung der beiden Internalisierungsstrategien anschließt. Das vierte Kapitel zieht einen Vergleich zwischen den beiden Extremen: Staatseingriff versus Laissez Faire. Im abschließenden Kapitel wird neben einem Ausblick auch auf die tatsächliche Umsetzung der Internalisierung in Deutschland eingegangen. Weiterhin zieht dieses Kapitel einen Vergleich des „Glaubensstreit[s] zwischen Staatseingriff [ Pigou -Internalisierung] und Laisse[z] Faire“ [ Coase -Internalisierung]“[3].

1.1. Marktversagen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Die verschiedenen Formen des Marktversagens[4]

Unter Marktversagen i. w. S.[5] versteht man die Abweichung „des Ergebnisses marktmäßiger Koordination von einem [pareto-]optimalen […] Ergebnis“[6]. Dieses Marktversagen unterteilt sich in Marktversagen i. e. S und Marktablehnung. Marktversagen i. e. S. „betrifft [die] Effizienz des wirtschaftlichen Wohlstands“[7], also die Allokationstheorie auf Güter- und Faktormärkten, während die Marktablehnung verteilungspolitische Defizite, wie Einkommens- und Sicherungsdefizite, darstellt.

Marktversagen i. e. S. unterteilt sich in Marktmacht, d. h. im Extremfall Monopolbildung[8] ; Nichtgeltung des Ausschlussprinzips[9] ; sowie externer Effekte. Hierbei sind die individuellen Gesamtkosten nicht identisch mit den volkswirtschaftlichen. Dass dies unter der Annahme rationalem Verhalten und Gewinn- bzw. Nutzenmaximierung der Wirtschaftssubjekte grundsätzlich zu Fehlallokationen führt, wird im Folgenden genauer beleuchtet werden.[10]

1.2. Definition und Detailgliederung externer Effekte

Externe Effekte[11] stellen Auswirkungen der Produktion oder des Konsums auf Dritte dar, die selbständig nicht kompensiert werden. Diese Auswirkungen können in positive und negative unterteilt werden.[12]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Die Grundeinteilung externer Effekte[13] (nach Luckenbach (2000), S. 147)

Da positive externe Effekte schwer erkennbar und quantifizierbar sind,[14] werden im Folgenden ausschließlich negative externe Effekte betrachtet (z. B. CO2-Emissionen von Kraftfahrzeugen).

Des Weiteren unterteilen sich negative externe Effekte in psychologische, technologische sowie pekuniäre Effekte. Da es sich bei pekuniären[15] als auch bei psychologischen negativen externen Effekten stets um saisonale Präferenzänderungen handelt und diese kurzfristig automatisch internalisiert werden,[16] werden im Folgenden nur technologische negative Effekte berücksichtigt.

Negative technologische externe Effekte[17] entstehen entweder auf Seiten der Haushalte durch Konsum, oder auf Seiten der Unternehmen. Bei negativen technologischen externen Effekten lassen sich klein- und großzahlige externe Effekte unterscheiden: Während kleinzahlige nur Auswirkungen auf eine begrenzte Anzahl an Betroffenen haben,[18] weisen großzahlige technologische negative externe Effekte eine sehr große Betroffenenzahl auf.[19]

Eine analoge Einteilung der negativen technologischen externen Effekte auf Unternehmensebene führt zur gleichen Einteilung: in klein- und großzahlige.

Die jeweilige Beseitigung dieser Effekte ist Gegenstand der Internalisierungstheorie und stellt einen wesentlichen Pfeiler der Wirtschaftstheorie und –politik, insbesondere der Umwelttheorie und -politik einer Volkswirtschaft dar. Die Anfänge dieser Internalisierungstheorie stellen die zwanghafte Internalisierung, z.B. nach Pigou, in den 20er Jahren dar. Seit den 70er Jahren ist in der wissenschaftlichen Literatur eine Abkehr von diesen Ansätzen zu erkennen. Verstärkt diskutiert werden freiwillige Internalisierungen, wie zum Beispiel das Coase -Theorem.[20]

2. Die Internalisierung nach Pigou

Pigou (1920) geht davon aus, dass die einzelnen Wirtschaftssubjekte keine sozialen, tatsächlichen, gesamten Kosten, sondern allein ihre privaten Kosten für Produktion- und Konsumentscheidungen berücksichtigen.[21] Als Folge dessen greift die Pigou -Internalisierung bei Vorliegen von Marktversagen i. e. S. auf die typischen fiskalpolitischen Mittel Steuern und Subventionen zurück, indem sie einen Steuersatz implementiert, der jeweils den „Grenzschäden“ (d. h. dem marginalen Schäden einer weiteren Gütereinheit) des negativen externen Effekts entspricht (v gl. Abb. 3 ).[22]

2.1. Die Pigou -Steuer

Die Pigou -Steuer findet Anwendung bei negativen kleinzahligen externen Effekten, wenn die privaten Kosten unter den gesellschaftlichen Kosten liegen. So würde die Anwendung der Grenzkosten-Preis-Regel bei vollständiger Konkurrenz und der Gewinnmaximierungsbedingung dazu führen, dass der Produzent (wie in Abb. 3 (a) dargestellt) eine zu hohe Ausbringungsmenge (x) bei einem zu niedrigen Preis (p) ansetzt (x* zu p*).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3 (a) Das Angebot vor und nach der Internalisierung sowie (b) Grenzvermeidungs- und Grenzschadenskosten bei Vorliegen von externen Effekten[23]

In Abb. 3 (a) seien die individuellen Grenzkosten durch die Kurve A* symbolisiert. Bei Annahme vollständiger Konkurrenz und der damit verbundenen fixen Preislinie in Höhe p* ergibt sich ohne Pigou -Internalisierung ein Produktions- und Konsumpunkt in C. Dort entsprechen die privaten Grenzkosten dem Marktpreis, d. h. der Produzent wird ohne Internalisierung die Menge x* ausbringen. Gesellschaftlich optimal aber die Menge x1, da die gesellschaftlichen Grenzkosten (A1) oberhalb der privaten Grenzkosten verlaufen. Um diese Outputmenge zu erreichen, wendet Pigou eine Steuer (t) in Höhe der Differenz zwischen privaten und gesellschaftlichen Grenzkosten an. Dadurch erhöhen sich die privaten Grenzkosten und fallen mit den gesellschaftlichen zusammen. Bei Anwendung der Grenzkosten-Preis-Regel wird somit beim Preis p1 die Menge x1 realisiert, d. h. es fand eine Mengenreduktion und eine Preissteigerung statt.[24]

Abb. 3 (b) verdeutlicht die Ermittlung der optimalen Pigou -Steuer durch eine Marginalbetrachtung in Form einer Gegenüberstellung von Grenzschadensfunktion und Grenzvermeidungskosten. Die Grenzschadensfunktion steigt mit steigender Ausbringungsmenge (x), d. h. die Beseitigung externer Effekte ist positiv mit der Emissionsmenge korreliert. Dem gegenüber verhalten sich die Grenzvermeidungskosten reziprok: Durch steigende Ausbringungsmenge lassen sich z. B. die Kosten für eine Wasseraufbereitungsanlage pro Ausbringungsmenge sukzessiv verringern. Ohne Internalisierung würde der einzelne Unternehmer x0 realisieren, nach der Steuereinführung in Höhe von t* nur noch x*.

[...]


[1] Im Folgenden soll für die Beseitigung externer Effekte der Begriff „Internalisierung“ verwendet werden. Dabei befasst sich diese Arbeit vorwiegend mit der Internalisierung auf nationaler Ebene, die regionale Internalisierung von so genannten „spillover“-Effekten u. a. soll im Folgenden vernachlässigt werden. Näheres hierzu in Nowotny (1974), S. 300 – 307.

[2] In Anlehnung an die Beispiele von Peistrup (2004), Folie 4, weitere Beispiele für positive und negative externe Effekte in Mankiw (1999), S. 220.

[3] Vgl. Bahnsen (2001), S. 26.

[4] Nach Luckenbach (2000), S. 131 – 132.

[5] Marktversagen i. w. S. kann mit Planversagen bei Zentralplanwirtschaften gleichgesetzt werden, im Folgenden wird der Einfachheit halber jedoch stets von einer marktwirtschaftlichen Organisationsform ausgegangen. Vgl. Luckenbach (2000), S. 131 – 132.

[6] Vgl. Gabler (2000), S. 2072; für eine detaillierte formale Ableitung siehe Lohr (1989), S. 424 – 431.

[7] Vgl. Luckenbach (2000), S. 131, sowie Gerhard (1997), S. 2, Bahnsen (2001), S. 39 – 45 und Kemper (1989), S. 31.

[8] Vgl. Enders (2000), S. 13 – 14.

[9] Nichtgeltung des Ausschlussprinzips bedeutet, dass ein weiterer Konsument vom Konsum eines Gutes nicht ausgeschlossen werden kann, z. B. kann (ohne Eingangskontrolle) niemand vom „Konsum“/Besuch öffentlicher Güter, wie z. B. Parkanlagen oder Wälder ausgeschlossen werden.

[10] Vgl. Weimann (2002), S. 4.

[11] Nach Weimann (2002), S. 4 steht „extern“ für Preisbeziehungen und „Effekt“ für die „Beanspruchung einer knappen Ressource“. Nach Steger (1988) lässt sich der Begriff „externe Effekte“ in der Betriebswirtschaftslehre mit „negativer Kuppelprodukt[ion]“ gleichsetzen. Dabei wird jedoch vernachlässigt, dass externe Effekte nicht nur im Konsum- sondern auch im Produktionssektor auftreten.

[12] Vgl. Mas-Colell et al. (1995), S. 352 Nowotny (1974) S. 66, Hirshleifer (1998), S. 484 f., Luckenbach (2000), S. 147, Wicke (1982), S. 40. Streng von den externen Effekten sind die (de)meritorischen Güter zu unterscheiden. Bei ihnen steht primär ein über-/unterproportionaler Konsum im Vordergrund, den es zum Optimum zurückzuführen gilt.

[13] Vgl. ergänzend Bahnsen (2001), S. 21 – 24, Aberle (2003), S. 575, Nowotny (1974), S. 66 jeweils mit Erweiterung um psychologische externe Effekte; Die vollständige Einteilung negativer externer Effekte: siehe Anhang, Abb. 4 S. 17 .

[14] Als Beispiel für positive externe Effekte soll hier auf das weitverbreitete Meade ’sche Beispiel des Obstplantagenbesitzers und des Imkers herangezogen werden: Während der Obstplantagenbesitzer seine Bäume mit Hinblick auf deren zukünftigen Obstertrag gepflanzt hat, nutzt der Imker die vorhanden Bäume für seine Bienen zur Honigherstellung. Ohne die Obstplantage hätten jedoch die Bienen des Imkers keine Möglichkeit Honig zu produzieren. Trotzdem gehen in die Kalkulation des Imkers allein seine Kosten für den Bienenankauf, -zucht, -haltung und evtl. die Verarbeitung des Honigs ein. Evtl. Mietkosten für vorhandene Obstbäume bleiben außen vor. Der Obstplantagenbesitzer produziert mit seiner Obstplantage somit positive externe Effekte für den Imker. Vgl. Bahnsen (2001), S. 19 – 20.

[15] In der Literatur werden pekuniäre und monetäre externe Effekte synonym verwendet, vgl. Heinemann (1966), S. 33 sowie Sälter (1989), S. 58 – 61. Als Beispiel für pekuniäre negative externe Effekte gelten beispielsweise saisonale Nachfrageschwankungen z. B. auf dem Markt für Skibekleidung, die Preisanpassungen nach sich ziehen.

[16] Internalisierung bedeutet, den durch den externen Effekt entstandenen Wohlstandsgewinn/-verlust wieder zu kompensieren.

[17] Vereinfachend soll im Folgenden auf die Untergliederung der technologischen externen Effekte der Produktion in linear additive und nicht-linear additive externe Effekte sowie marginale und nicht-marginale verzichtet werden. Nähere Informationen hierzu, vgl. Heinemann (1966), S. 33 – 35.

[18] Als Beispiel für kleinzahlige negative technologische externe Effekte sei hier z. B. die Geruchsbelästigung der Nachbarn durch das Grillen im Sommer erwähnt.

[19] Ein großzahliger negativer technologischer externer Effekt ist z. B. die CO2-Luftverschmutzung durch Verbrennungsmotoren sowie die darin resultierende Ozonschichtzerstörung weltweit. Vgl. desweiteren Luckenbach (2000), S. 148.

[20] Vgl. Luckenbach (2000), S. 152 – 153.

[21] Sälter (1989), S. 9/10. aus Pigou (1960), S. 172 über private und soziale Kosten: „In general industrialists are interested, not in the social, but only in the private, net product of their operations. […] self-interest will tend to bring about equality in the values of the marginal private net products of resources invested in different ways. But it will not tend to bring about equality in the values of the marginal social net products except when marginal private net product and marginal social net product are identical. When there is a divergence between these two sorts of marginal net products, self-interest will not, therefore, tend to make the national dividend a maximum”.

[22] Vgl. Endres (2000), S. 16 – 19, Heinemann (1966), S. 131 – 134, sowie Endres (1986), S. 407 – 408.

[23] Vgl. Luckenbach (2000), S. 154, Endres (2000), S. 17, sowie Aberle (2003), S. 575 i. V. m. 576.

[24] Vgl. Pearce/Turner (1990), S. 84 – 100, Mas-Colell (1995), S. 355 – 359, Endres (1985), S. 26 – 29; Endres (1988), S. 2 – 3 zeigt die praktische Anwendung einer Pigou -Steuer als Emissionssteuer für Deutschland), vgl. ergänzend auch Aberle (2003), S. 578, Heinemann (1970), S. 483 – 487.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Internalisierung negativer externer Effekte nach Pigou und Coase
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
3,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
23
Katalognummer
V117420
ISBN (eBook)
9783640195732
ISBN (Buch)
9783668098688
Dateigröße
763 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Internalisierung, Effekte, Pigou, Coase
Arbeit zitieren
Kai Liegl (Autor), 2004, Die Internalisierung negativer externer Effekte nach Pigou und Coase, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117420

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