In der Arbeit soll die Frage erörtert werden, inwiefern sich die Jugendsprache als eine Varietät des Deutschen klassifizieren lässt. Ausgehend von dieser Frage werden zunächst die Sprecher*innen der Jugendsprache erforscht. Um ein genaueres Bild der Jugendsprache zu erhalten, werden anschließend die Merkmale der Jugendsprache anhand empirischer Untersuchungen zusammengetragen. Daraufhin wird die Beziehung zwischen der Jugendsprache und der Standardsprache erforscht und ermittelt, inwiefern und worin sich diese gegenseitig beeinflussen. Im Anschluss soll die deutsche Jugendsprache im Rahmen einer kontrastiven Analyse anhand empirischer Daten mit der spanischen, französischen und portugiesischen Jugendsprache auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede hinsichtlich ihrer Stilbildung auf die Standardsprache untersucht werden.
Bereits im Jahre 1982 wurde diese Frage von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung gestellt. Auch heutzutage unterscheiden sich die jugendtypischen Wörter und Sprachstile noch deutlich von den Ausdrucksweisen anderer Bevölkerungsgruppen. Ob man die Jugendsprache als eine neue Sprache einstufen kann bzw. gegebenenfalls sollte, spielt somit ebenso nach fast 40 Jahren noch eine zentrale Rolle.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Jugendliche
3. Merkmale der Jugendsprache
4. Verhältnis von Jugendsprache und Standardsprache
5. Kontrastive Analyse
6. Jugendsprache als Varietät
7. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die Klassifizierung der Jugendsprache als eine Varietät der deutschen Sprache. Dabei wird analysiert, inwiefern sich jugendsprachliche Ausdrucksweisen von anderen sozialen Gruppen abgrenzen und wie eine wechselseitige Beeinflussung zwischen Jugendsprache und Standardsprache stattfindet, ergänzt durch einen internationalen Vergleich.
- Identität und Charakteristika der Sprechergruppe "Jugendliche"
- Analyse typischer jugendsprachlicher Merkmale (Bricolage, Neologismen, Ellipsen)
- Interdependenz von Standard- und Jugendsprache (Destandardisierung und Restandardisierung)
- Kontrastive Betrachtung deutscher, französischer, spanischer und portugiesischer Jugendsprache
- Diskussion der soziolinguistischen Einordnung der Jugendsprache als Varietät
Auszug aus dem Buch
3. Merkmale der Jugendsprache
Trotz der Pluralität von Sprachstilen innerhalb der heterogenen Gruppe von Jugendlichen ähneln sich die Weisen, wie sich die Sprachstile innerhalb der jeweiligen Peergroups herausbilden. Dadurch lassen sich einige Gemeinsamkeiten hinsichtlich der jugendsprachlichen Merkmale finden. Die jugendsprachlichen Ausdrucksweisen entstehen dadurch, dass sich die Jugendlichen von der restlichen Gesellschaft als auch von anderen Peergroups abgrenzen wollen und diese Abgrenzung nicht nur auf modischer oder musikalischer, sondern ebenso auf sprachlicher Ebene stattfindet (vgl. Neuland 2018: 105f.). Wie bereits oben erläutert, unterscheidet sich diese sprachliche Andersartigkeit je nach Peergroup. Dennoch lassen sich einige Gemeinsamkeiten feststellen, die im Folgenden ausgearbeitet werden.
Die am weitesten verbreitete, jugendsprachliche Stilbildung ist die sogenannte Bricolage. Diese umfasst, „dass sprachliche Elemente aus verschiedenen kulturellen und medialen Bereichen (z. B. Werbung, Fernsehen, Öffentlichkeit) aus der Matrix der bestehenden Kontexte herausgelöst und in einen neuen sprachlichen und jugendkulturellen Kontext übergeführt werden.“ (Neuland 2018: 106)
In Peergroups wird die Bricolage vor allem genutzt, um unterhaltsam zu sein und ein Verbundenheitsgefühl herzustellen (vgl. Ziegler 2018: 35). Diese De- und Rekontextualisierung beinhalten bspw. das Zitieren von Filmszenen oder bestimmte Phraseologien wie Wayne interessiert’s, bei der auf den Fußballer Wayne Rooney angespielt wird (vgl. Neuland 2018: 52, Könning 2020: 338). Die Bricolage umfasst jedoch ebenso nicht-sprachliche, jugendtypische Phänomene wie bspw. das Tragen von Sicherheitsnadeln als Ohrringe oder Goldketten als Symbol des sozialen Aufstiegs in der Musikszene (vgl. Bahlo 2019: 65).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, ob Jugendsprache als Varietät des Deutschen klassifiziert werden kann, und skizziert das methodische Vorgehen.
2. Jugendliche: Es wird die Heterogenität der Gruppe der Jugendlichen beleuchtet und erläutert, warum eine eindeutige Definition und Abgrenzung aufgrund der Peergroup-Strukturen schwierig ist.
3. Merkmale der Jugendsprache: Dieses Kapitel analysiert zentrale sprachliche Phänomene wie die Bricolage, Neologismen, Derivate und syntaktische Besonderheiten, die zur Identitätsbildung dienen.
4. Verhältnis von Jugendsprache und Standardsprache: Hier wird der wechselseitige Einfluss durch Prozesse wie Destandardisierung und Restandardisierung untersucht, bei denen sprachliche Elemente zwischen den Bereichen migrieren.
5. Kontrastive Analyse: Durch den Vergleich mit anderen Einzelsprachen wird aufgezeigt, dass Jugendsprache als globales bzw. glokales Phänomen zu verstehen ist.
6. Jugendsprache als Varietät: Es wird diskutiert, ob Jugendsprache als historische, dialektale, soziolektale oder situative Varietät einzustufen ist, mit dem Ergebnis, dass sie Merkmale einer solchen vereint.
7. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert die Plausibilität der Klassifizierung als Varietät und weist auf die forschungsrelevante Herausforderung der Schnelllebigkeit der Jugendsprache hin.
Schlüsselwörter
Jugendsprache, Varietät, Peergroup, Bricolage, Neologismen, Standardsprache, Destandardisierung, Restandardisierung, Soziolekt, Sprachwandel, glokales Phänomen, Sprachstil, Jugendliche, Sprachvergleich, Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der linguistischen Einordnung der Jugendsprache als eine Varietät der deutschen Sprache sowie mit ihren charakteristischen Merkmalen und Funktionen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die Definition der Sprechergruppe, die Analyse jugendsprachlicher Stilelemente, das Wechselverhältnis zur Standardsprache und den internationalen Vergleich.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist es, zu erörtern, inwiefern sich die Jugendsprache wissenschaftlich als Varietät des Deutschen klassifizieren lässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturgestützte Analyse durchgeführt, die durch eine kontrastive Analyse empirischer Daten verschiedener Sprachen ergänzt wird.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil behandelt die Merkmale der Jugendsprache (wie Bricolage), die gegenseitige Beeinflussung mit der Standardsprache und die Frage nach globalen Gemeinsamkeiten.
Welche Begriffe beschreiben die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Varietät, Jugendsprache, Peergroup, Restandardisierung und Sprachwandel charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Jugendsprache von einem Soziolekt?
Die Arbeit stellt fest, dass die Einordnung als Soziolekt schwierig ist, da die Jugendlichen keine einheitliche Gruppe bilden, weshalb eher die Sprachstile der einzelnen Peergroups als Soziolekte zu sehen sind.
Warum ist die Erforschung der Jugendsprache methodisch schwierig?
Aufgrund der extremen Schnelllebigkeit der jugendsprachlichen Trends gelten erhobene Daten oft bereits nach kurzer Zeit als veraltet, was eine langfristige empirische Erforschung erschwert.
- Arbeit zitieren
- B.A. Miriam Schiele (Autor:in), 2021, Jugendsprache als Varietät der deutschen Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1176539