Kurze, prägnante Formulierungen unterstützen die Verständlichkeit

Eine Analyse der Fachsprache in Bedienungsanleitungen zum Anschluss von Telefon- und Internetanlagen


Bachelorarbeit, 2008
48 Seiten, Note: 2.3

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Bedienungsanleitung, Gebrauchsanweisung oder Benutzerhandbuch
2.1 Begriffsdefinition
2. 2 Notwendigkeit und Funktion der Bedienungsanleitung
2.2.1 Klassifizierung von Texten
2.2.2 Entstehung der Textsorte Bedienungsanleitung
2. 3 Problematik der Bedienungsanleitungen
2.4 Normung von Anleitungen

3 Fachsprache oder Gemeinsprache
3.1 Was ist Gemeinsprache?
3.2 Was ist Fachsprache?
3.2.1 Differenzierung der Fachsprachen
3.2.2 Entstehung und Funktion der Fachsprachen

4 Fachbegriffe in Bedienungsanleitungen der Telekommunikation
4.1 Auflistung der Fachbegriffe
4.1.1 Begriffsauflistung aus den Kapiteln zur Thematik „Anschluss eines DSL-Modems“
4.2 Quantitative Analyse
4.3 Qualitative Analyse
4.3.1 Benutzerhandbuch 1&1 . 28 4.3.2 Bedienungsanleitung Alice
4.3.3 Bedienungsanleitung Arcor
4.3.4 Benutzerhandbuch T-Online

5 Auswirkungen auf die Verständlichkeit
5.1 Verwendung von ikonischen Zeichen zur Unterstützung der Verständlichkeit

6 Auswertung
6.1 Fazit

7 Anhang

8 Quellenangaben

1 Einleitung

„Bestellen Sie einen Techniker, dann brauchen Sie hier nicht weiterzulesen. Für alle anderen gilt: Am Tag der Anschaltung sollten Sie nun noch folgende Schritte durchführen.“[1]

Häufig verzweifeln wir, wenn wir uns mit der Textsorte Bedienungsanleitung konfrontiert sehen. Die Sprache ist unverständlich, die Bilder uneindeutig und die Umsetzung des Gelesenen erweist sich als äußert schwierig. Dabei stellt sich die Frage, warum sich diese Textsorte als so problematisch darstellt? Durch die DINEN62079(VDE 0039) und die dazugehörige Checkliste wurden sogar bestimmte Anweisungen und Informationen für technische Redakteure gegeben diese Textsorte wesentlich verständlicher zu machen. Auf die Verständlichkeit von Texten nehmen dabei verschiedene Faktoren Einfluss, auf welche ich später noch konkreter eingehen möchte. Eine dieser Ursachen, die Schwerpunkt dieser Arbeit sein soll, ist der Einsatz von unerläuterten Fachbegriffen.

Im Gegensatz dazu steht allerdings die These, dass sich gerade kurze und prägnante Formulierungen positiv auf die Verständlichkeit auswirken. Einerseits ist Fachsprache kurz und prägnant und daher nach der Ausgangsthese gut verständlich. Anderseits sind es aber gerade die Fachtermini, die eine erfolgreiche Umsetzung bzw. Durchführung verhindern, da wir sie einfach nicht verstehen und anwenden können.

Daraus ergibt sich für mich ein scheinbares Paradoxon aus der Verwendung von Fachbegriffen und kurzer prägnanter Formulierungen, da Fachsprache aus dem Grund der Kürze und Prägnanz eingesetzt wird und jede Umschreibung des Fachbegriffs zu langatmig ausgedehnt werden würde. Dieses Paradoxon zwischen Verständlichkeit und Unverständlichkeit möchte ich in einer quantitativ-qualitativen Analyse untersuchen. Die Grundlage meiner Arbeit sollen hierbei die Benutzerhandbücher und Bedienungsanleitungen verschiedener Telefon- und Internetanbieter darstellen. Die Texte entstammen dem Internet und können dort auf den Websites der jeweiligen Anbieter als pdf-Datei heruntergeladen werden.

Die erste Frage, der ich mich zuwenden werde, ist, ob es eine genaue Begriffsdefinition dieser Textsorte gibt, da die Meinungen bei dieser Problematik noch stark auseinander gehen. Um allerdings über die Textsorte der Bedienungsanleitung sprechen zu können, ist es meiner Meinung nach wichtig den Textbegriff genauer abzugrenzen. Des Weiteren werde ich Überlegungen anstellen, inwieweit in der besagten Textsorte überhaupt Fachbegriffe vorhanden sind, oder ob diese verwendeten Begriffe (bereits) der Gemeinsprache zugeordnet werden können.

Die quantitative Analyse meiner Arbeit soll sich dabei auf eine Aufzählung und Gewichtung der verwendeten Fachbegriffe in den einzelnen Anleitungen beschränken.

Die Grundlage meiner qualitativen Untersuchung werden die Ergebnisse der DINEN62079(VDE 0039), sowie die Forschungsergebnisse Norbert Groebens und Silke Jahrs bilden.

2 Bedienungsanleitung, Gebrauchsanweisung, Betriebsanweisung oder Benutzerhandbuch

Unter den Oberbegriff der technischen Dokumentation[2] fallen eine Menge verschiedener Begriffe, wie zum Beispiel „Bedienungsanleitung, Gebrauchsanweisung, Benutzerinformation, Bedienungsanweisung, Gebrauchsanleitung, Benutzerhinweise, Bedienanleitung, Betriebsanleitung, Betriebsvorschrift, Anleitung, Bedienungsvorschrift, Manual.“[3]

Stehen diese Begriffe für identische Inhalte oder sind sie differenzierend? Die Meinung der Sprachwissenschaftler geht in diesem Punkt stark auseinander. Um allerdings über diese Textsorte reden zu können und sie zu bewerten, will ich vorerst versuchen eine Definition zu finden, mit welcher ich folgend arbeiten werde.

Auf Grund der Fülle von verschiedenen Begriffen, werde ich mich auf die meiner Meinung nach geläufigsten und für meine Arbeit relevanten Begriffe konzentrieren. Eine Untersuchung aller unterschiedlichen Bezeichnungen wäre im Rahmen dieser Arbeit nicht leistbar.

2.1 Begriffsdefinition

Die Unterscheidung der einzelnen Begriffe reicht von Gleichsetzung, d.h. Synonymisierung bis hin zu Differenzierung, beziehungsweise präziser textsortenspezifischer Abgrenzung.[4] Dabei findet man in einschlägiger Literatur[5], Gebrauchsanweisungen würden meist auf der Verpackung des Produktes stehen, während Bedienungsanleitungen sich in schriftlicher Form auf einem gesonderten Schriftstück, welches dem Produkt beiliegt, befänden. Weiterhin wird der Begriff der Gebrauchsanweisung vorwiegend Haushaltsartikeln zugeordnet und Instruktionen zu technischen Geräten fallen unter den Begriff der Bedienungsanleitung.[6]

Vom Deutschen Institut für Normung (DIN) wurde beispielsweise eine Unterscheidung zwischen Benutzerinformation und Gebrauchsanweisung vorgenommen. Demnach bezeichnete die Benutzerinformation eine Textsorte, die über die Benutzung von Industriegütern informiert, während die Gebrauchsanweisung für die Klasse der Konsumgüter Verwendung fand.[7]

In der aktuellen DINEN62079(VDE 0039) wird der Begriff Anleitung zur Benutzung verwendet. Anleitungen sind nach ebengenannter Norm „Informationen des Produktherstellers für den sicheren und effizienten Gebrauch des Produktes“[8].

Eine direkte begriffliche Differenzierung wird lediglich zu dem Ausdruck Handbuch vorgenommen, was als Dokument mit mehreren Bestandteilen, wie z.B. Anleitungen, definiert wird. Da ich in meiner Untersuchung auch Teilabschnitte, d.h. Anleitungen aus Handbüchern bearbeiten werde, ist dies eine wichtige Definition.

ZIRNGIBL erläutert den Begriff der Bedienungsanleitung wie folgt.

Bedienungsanleitungen sind schriftliche Texte, die einem (technischen) Produkt in der Verkaufsverpackung beiliegen. Sie informieren den Benutzer oder die Benutzerin darüber, wie das Produkt vollständig und korrekt in Betrieb genommen und über sämtliche Funktionen verfügen kann, die den Produktnutzen ausmachen.[9]

Schmidt beschreibt den Begriff der Gebrauchsanweisung in einer nahezu identischen Formulierung.

Gebrauchsanweisungen sind alle die Texte, die einem (technischen) Gerät in der Verkaufsverpackung beiliegen und den Benutzer darüber informieren, wie er das Gerät vollständig und korrekt in Betrieb nehmen und über sämtliche Funktionen, die den Produktnutzen ausmachen verfügen kann.[10]

Beide Definitionen zu dieser Textsorte drücken den gleichen Inhalt aus und unterscheiden sich in den Begriffen Bedienungsanleitung und Gebrauchsanweisung. Laut Neckermann existiert allerdings rechtlich kein Unterschied bzw. eine Einschränkung zur Verwendung beider Begriffe.

Eine Abgrenzung, über die sich die meisten Sprachwissenschaftler einig sind, ist die der Betriebsanleitung/-anweisung. Demnach sollen diese Textsorten ausschließlich für die innerbetriebliche Kommunikation Verwendung finden. Das Deutsche Institut für Normung versteht unter dem Begriff Betriebsanleitung in Punkt 5.10 allerdings folgendes. „Der Benutzer eines Produktes muss mit Informationen für den normalen und sicheren Betrieb versorgt werden.“[11] Ein ausschließlicher Bezug auf einen betrieblichen Kontext wird hier nicht genannt.

Dahingegen nehmen GABRIEL und auch NECKERMANN folgende Abgrenzung vor:

Betriebsanweisungen dagegen sind Regelungen, die ein Unternehmer für den sicheren Betriebsablauf erlässt. Dieser Begriff wird auch ausnahmslos in den an die Betreiber von Betriebsanlagen gerichteten Unfallverhütungsvorschriften verwendet.[12]

NECKERMANN ergänzt, dass der Begriff abhängig von Arbeitsplatz und Tätigkeit ist und schriftlich das Verhalten im Betrieb regelt.[13]

Wie hieraus deutlich geworden ist, gibt es keine allgemeingültigen Definitionen oder inhaltliche und textsortenspezifische Abgrenzungen der einzelnen Begriffe. Auch bei der Unterscheidung von Anleitung und Anweisung konnte ich keine objektiven Regelungen oder Verwendungsweisen feststellen.

Schaut man in das Wörterbuch von Duden wird der Begriff gebrauchen gleichgesetzt mit benutzen. [14] Hinter dem Wort bedienen verbirgt sich für mich, im Bezug auf elektronische Geräte, allerdings ein komplexerer Vorgang als beim Gebrauchen oder Benutzen. Beispielsweise würde man eher sagen, um zu fragen ob jemand mit diesem Gerät umgehen kann:

(1) „Kannst du diese Stereoanlage bedienen?“ als
(2) „Kannst du diese Stereoanlage gebrauchen/benutzen?“

Hierbei ergibt sich in Beispielsatz (2) zusätzlich eine ganz andere Lesart der Begriffe. Gebrauchen impliziert in diesem Fall, ob man Verwendung für diese Art von Gerät hat. Während benutzen im Sinne von ist (sie für dein technisches Vorhaben) geeignet, verwendet wird.

In der Unterscheidung Anweisung oder Anleitung tendiere ich wie KRAUTMANN zu dem Begriff Anleitung, da Anweisung für mich eine striktere Handlungsweise impliziert.

Die Bezeichnungen `Anleitung´ oder `Anweisung´ werden in diesem Zusammenhang häufig synonym benutzt, obwohl von der Wortbedeutung her bei der `Anleitung´ die Hilfe und Wissensvermittlung im Vordergrund stehen und bei der `Anweisung´ die befehlenden, direktiven Töne überwiegen.[15]

Daher werde ich in dieser Arbeit den Begriff der Bedienungsanleitung zur Beschreibung technischer Geräte denen der Gebrauchs- und Bedienungsanweisung vorziehen.

2.2 Notwendigkeit und Funktion der Bedienungsanleitung

Bevor ich die Funktion der Bedienungsanleitung näher erläutere, möchte ich diese Textsorte[16] der Vollständigkeit wegen genauer in den literarischen Kontext einordnen.

2.2.1 Klassifizierung von Texten

Unter dem Begriff Text fasse ich hier alles, was als Kette sprachlicher Zeichen zu verstehen ist oder einfach ausgedrückt, eine sinnvolle Aneinanderreihung von Wörtern.

Textsorten sind Gruppen von Texten mit gleichen inhaltlichen und formalen Merkmalen, wodurch sie sich von anderen Textsorten abgrenzen.

HARTUNG gibt für die Klassifizierung von Texten textinterne, textexterne und die Berücksichtigung beider Kriterien an. Textinterne Kriterien gehen auf die Systematik von Texten ein und sind an die Oberfläche und die Tiefenstruktur von Texten gebunden. Hierunter fallen beispielsweise Merkmale der phonetischen und graphischen Art, der Wortwahl, der Satzbaustrukturen und der Thematik.[17]

Textexterne Kriterien beschäftigen sich hingegen mit funktionalen Aspekten und Kommunikationssituationen, daher auch kommunikative Kriterien. Hierunter fallen zum Beispiel Typen von Kommunikationsprozessen, die Textfunktion und die Kommunikationssituationen.

Da ein enger Zusammenhang zwischen den textinternen und textexternen Kriterien besteht ist die Klassifikation beider Kriterien von Bedeutung. „Das heißt, bestimmte textexterne Kriterien erfordern eine entsprechende Textgestaltung und auf Grund einer jeweiligen Textgestaltung kann man auf entsprechende textexterne Kriterien schließen.“[18]

Es ist allerdings sehr schwierig Texte nach solch feinen linguistischen Kriterien in Sorten zu klassifizieren. „Das bedeutet, dass es derzeit noch nicht gelungen ist, eine “allgemein gültige” Textsortenklassifikation zu erstellen.“[19]

Um dennoch eine sehr grobe Einteilung dieser Textsorte zu wagen, kann man eine Unterteilung in zwei Obergruppen vornehmen. Diese werden als fiktionale und non-fiktionale, literarische und nicht-literarische Texte bezeichnet oder wie Zirngibl sie benennt, als Gebrauchstexte und literarische Texte. Die Textsorte der Bedienungsanleitung gehört nach diesen Unterteilungen in die Kategorie der non-fiktionalen, nicht-literarischen Gebrauchstexte.

Unabhängig von der Bezeichnung sollte allerdings klar sein, dass es einen Unterschied zwischen Texten, die fachlicher Art sind, gibt und Texten, die zur Freude und Unterhaltung des Lesers geschrieben werden.

Um diese Kategorisierung zu spezifizieren möchte ich auf die Aussage von HARTUNG eingehen. Sie ordnet die Textsorte der Bedienungsanleitung den produktbegleitenden Sachtexten zu und grenzt sie gegenüber Werbeprospekten und Informationsschriften, welche ebenfalls zu den produktbegleitenden Texten zählen, ab. Als Grund hierfür nennt sie die unentbehrliche Stellung als Produktbegleiter.[20]

2.2.2 Entstehung der Textsorte Bedienungsanleitung

Die Textsorte der Bedienungsanleitung ist vergleichsweise noch recht jung und entstand erst zu Zeiten der Industrialisierung, etwa zum Ende des 19. Jahrhunderts.[21] Grund hierfür war die stetig steigende Zunahme der Produktion von Konsumgütern. Wurde anfangs dem Kunden noch im Geschäft das Gerät von einem Fachverkäufer vorgestellt und erklärt, galt es nun dem Andrang von Kunden und deren Interesse an technischen Neuerungen entgegen zu kommen. Es musste eine Möglichkeit geschaffen werden das Gerät dem Kunden anderweitig näher zu bringen. Die Bedienungsanleitung stellte für diese Problematik eine scheinbar optimale Lösung dar. Sie ist unabhängig von Ort und Zeit und soll den Nutzer mit der Handhabung des Gerätes systematisch vertraut machen, wie Zirngibl nachfolgend beschreibt.

Nur durch eine schriftliche Bedienungsanleitung, deren Rezeption zeit- und ortsunabhängig erfolgen kann, ist die Masse unbekannter Nutzer und Nutzerinnen systematisch mit der Handhabung der neuen Technikprodukte vertraut zu machen.[22]

Wie bereits in der Definition deutlich geworden ist, hat die Bedienungsanleitung die Hauptaufgabe den Benutzer des Produktes in seinem Handeln anzuweisen und ihm das Gerät näherzubringen. Man kann davon ausgehen, dass in den meisten Fällen eines Produktkaufs eine Vorstellung von dem Gebrauch des Produkts beim Käufer vorhanden ist. Ohne jegliche Vorinformation über den Gebrauchszweck wird in der Regel kein Produkt erworben. Diese Vorinformation lässt das Interesse an der Bedienungsanleitung sinken und in manchen Fällen wird die Anleitung sogar überflüssig.[23] Dies ist häufig bei Geräten der Fall, die selbsterklärend oder mit wenig komplexer Technik ausgestattet sind. Beispielsweise wird kaum ein Nutzer die Bedienungsanleitung eines einfachen Haartrockners oder eines Handrührgerätes lesen müssen, um die Handhabung dieses Gerätes zu verstehen. Wichtig werden Bedienungsanleitungen dann, wenn die Technik der Produkte wesentlich komplexer wird. Beispiele hierfür sind Stereoanlagen oder DVD-Recorder. Einfache Bedienvorgänge, wie CDs oder DVDs abspielen, stellen wahrscheinlich noch keine große Schwierigkeit dar. Beim Bespielen (Brennen) einer DVD oder der Programmierung einzelner TV-Sender kann es allerdings schon zu erheblichen Problemen für den Benutzer kommen. Je mehr Funktionen solch ein technisches Gerät besitzt, desto komplizierter wird dessen Benutzung und desto wichtiger wird auch eine verständliche Bedienungsanleitung. Dass dem Produkt eine Anleitung beiliegt, wird vom Nutzer daher erwartet.[24]

YEO beschreibt die Funktion der Bedienungsanleitung wie folgt.

Sie nutzt nur in Verbindung mit dem sie begleitenden Produkt. D.h., ihr einziger Sinn oder ihre wesentliche Bedeutung besteht darin, daß sie Anwendern den zweckmäßigen Gebrauch durch das Anweisen der korrekten Handlung und/oder Handlungsabfolge am Produkt ermöglichen.[25]

Demnach hat die Bedienungsanleitung ohne das zu beschreibende Produkt keinen pragmatischen Nutzen für den Rezipienten.

YEO geht noch einen Schritt weiter und betrachtet die Funktion der Bedienungsanleitung aus Anwender- und Herstellerperspektive. Hierbei werden zwei völlig unterschiedliche Standpunkte aufgezeigt.

Der eigentliche Handlungs- bzw. Aufgabenbereich einer GBA besteht darin, die zu vermittelnden Informationen durch eine entsprechende Gestaltung bereit zustellen, sodaß die beabsichtigte Handlung leicht durchgeführt werden kann.[26]

Diese Funktion aus Anwenderperspektive deckt sich mit den Ausführungen, die ich bereits gemacht habe. Oberstes Prinzip für Bedienungsanleitungen sollte demnach die Handhabung des erworbenen Produktes sein.

Bedienungsanleitungen sind vom Gesetzgeber vorgeschrieben und somit Pflicht. Die Funktion aus Herstellerperspektive unterscheidet sich dementsprechend von der aus Anwenderperspektive.

Ideale GBA müssen – vom Hersteller aus gesehen – so gestaltet sein, daß sie in den gesetzlichen Rahmen passen, „Unkosten“ sparen und funktionstüchtig sind. […] Unter betriebswirtschaftlichem und juristischem Aspekt ist es wichtig, daß überhaupt GBA vorhanden sind, und zwar gesetzeskonform und kostengünstig. Für die Anwender kann es wichtig sein, daß GBA ausführlich und verständlich formuliert sind. Für den Hersteller stellt dies in erster Linie einen Kostenfaktor dar.[27]

Festzustellen ist also, dass das Anliegen des Herstellers weniger in der Verständlichkeit einer solchen Anleitung liegt, sondern eher darin besteht, wie man Gesetzgebung und Kostenminimierung vereinen kann. D.h. die Gesetzgebung soll mit wenig finanziellen Mitteln eingehalten werden, was sich meiner Meinung nach unter anderem auf die mangelnde Qualität von Bedienungsanleitungen auswirkt.

2.3 Problematik der Bedienungsanleitungen

Wie in der Einleitung bereits erwähnt, stellt diese Textsorte für die Allgemeinheit eine häufig nur schwer zu überwindende Hürde dar. Als Hauptproblematik dieser Textsorte sehe ich die Unverständlichkeit. Dies bedeutet im konkreten Fall, dass der Käufer seine Telefon- und Internetanlagen nur schwer selbst, zum Teil gar nicht installieren kann.

Diese genannte Unverständlichkeit wird von verschiedenen Faktoren bestimmt. Eine wichtige Unterscheidung ist hierbei die zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit. In manchen Fällen kann die Anleitung zur Bedienung eines Gerätes mündlich erfolgen. Dies hat den Vorteil, dass der Zuhörende Nachfragen an den Erklärenden stellen kann. Missverständnisse und Uneindeutigkeiten können somit leicht beseitigt und aufgeklärt werden. In der schriftlichen Form von Anleitungen, mit der ich mich beschäftige, ist dies weitaus schwieriger, da der Rezipient keine Fragen an den Text und somit an den Autor stellen kann.

Deshalb ist es besonders wichtig, eine allgemeine Verständlichkeit der Texte anzustreben, denn bei der Textproduktion muß stets beachtet werden, daß ein Nachfragen seitens des Rezipienten bei Unklarheiten kaum möglich ist.[28]

Der Text muss folglich so gestaltet sein, dass im optimalen Fall Missverständnisse nicht auftreten können. Von den Sprachwissenschaftlern, beispielsweise bei NECKERMANN, werden immer wieder dieselben Gründe für die Unverständlichkeit angesprochen.

Als Gründe für diese Schwerverständlichkeit werden häufig eine unübersichtliche Textgliederung, zu komplexe technische Zeichnungen und Bilder, die fehlende Eindeutigkeit von Text-Bild-Zuordnung oder eine für den Laien nicht verständliche Fachsprache genannt.[29]

Dies führt dazu, dass Vorgänge nicht oder nur teilweise umgesetzt werden können. Sollte die Bedienungsanleitung ihrer Funktion nach, nicht aber das Handeln des Rezipienten unterstützen und ihn zum richtigen Handeln anweisen?

[...]


[1] So richte ich meinen neuen Alice Anschluss ein.

www.alice-dsl.de/kundencenter/export/de/residential/kunde_werden/index.html

(06.06.2008)

[2] Gabriel, Carl-Heinz: Definition zur technischen Dokumentation. tekom nachrichten|15. Jahrgang | 3/1992 | Seite 65. www.tekom.de (14.04.2008)

[3] Zirngibl, Micaëla: Die fachliche Textsorte Bedienungsanleitung. Sprachliche Untersuchungen zu ihrer historischen Entwicklung. Frankfurt am Main: Lang Verlag 2003 S. 55

[4] Schmidt, Ute: Gebrauchsanweisungen – Form und Struktur. Eine textsortenlinguistische Untersuchung. Bonner Diss. Köln: 1996 S. 9

[5] Vgl. Zirngibl, M.: Die fachliche Textsorte Bedienungsanleitung. S. 56

[6] Vgl. Ebd. S. 56

[7] Vgl. Neckermann, Nicole: Instruktionstexte: normativ-theoretische Anforderungen und empirische Strukturen am Beispiel des Kommunikationsmittels Telefon im 19. und 20. Jahrhunderts. Berlin: Weißensee Verlag 2001 S. 42

[8] Dokumentation in der Elektrotechnik.Darstellungsregeln. DIN-VDE Taschenbuch 530. Hrsg: von DIN Deutsches Institut für Normung e.V.. Berlin: Beuth Verlag GmbH 2004 S. 359

[9] Zirngibl, M.: Die fachliche Textsorte Bedienungsanleitung. S. 58

[10] Schmidt, Ute: Gebrauchsanweisungen – Form und Struktur. S. 8

[11] Dokumentation in der Elektrotechnik. Darstellungsregeln. DIN-VDE Taschenbuch 530. S. 359

[12] Gabriel, Carl-Heinz: Definition zur technischen Dokumentation. (14.04.2008)

[13] Vgl. Neckermann, Nicole: Instruktionstexte. S. 42

[14] Duden. Die deutsche Rechtschreibung. Hrsg. von der Dudenredaktion. 24. Auflage. Mannheim u.a.: Dudenverlag 2006 S. 435

[15] Krautmann, Axel: Zur Analyse von Verständlichkeitsproblemen bei der Gestaltung von Gebrauchsanleitungen. Kölner Diss. Köln: 1981 S. 16

[16] Die Begriffe Textsorte, Textart, Textklasse und Texttyp werden in diesem Kontext synonym gebraucht. Eine Differenzierung der einzelnen Begrifflichkeiten werde ich nicht vornehmen.

[17] Vgl. Gadler, Hanspeter: Praktische Linguistik. Einführung in die Linguistik für Logopäden und Sprachheiler. 4. Auflage. Tübingen und Basel: A. Francke Verlag 2006 S. 222

[18] Hartung, Silvia: Zur Textsortenproblematik in der deutschen Gegenwartssprache – dargestellt am Beispiel der Textsorte `Bedienungsanleitung´. Greifswalder Diss. Greifswald: 1992 S. 40

[19] Gadler, Hanspeter: Praktische Linguistik. S. 221

[20] Vgl. Hartung, Silvia: Zur Textsortenproblematik in der deutschen Gegenwartssprache S. 72

[21] Zirngibl, M.: Die fachliche Textsorte Bedienungsanleitung S. 13

[22] Zirngibl, M.: Die fachliche Textsorte Bedienungsanleitung. S. 33

[23] Jong-Moon Yeo: Textpragmatik, Textfunktion, Textanalyse. Frankfurt am Main: Lang Verlag S. 25

[24] Ebd. S. 25

[25] Ebd. S. 26

[26] Jong-Moon Yeo: Textpragmatik, Textfunktion, Textanalyse. S. 28

Die Abkürzung GBA steht in diesem Zitat für Gebrauchsanweisung.

[27] Ebd. S. 29

[28] Hartung, Silvia: Zur Textsortenproblematik in der deutschen Gegenwartssprache S. 74

[29] Neckermann, Nicole: Instruktionstexte: S. 2

Ende der Leseprobe aus 48 Seiten

Details

Titel
Kurze, prägnante Formulierungen unterstützen die Verständlichkeit
Untertitel
Eine Analyse der Fachsprache in Bedienungsanleitungen zum Anschluss von Telefon- und Internetanlagen
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Deutsche Sprache)
Note
2.3
Autor
Jahr
2008
Seiten
48
Katalognummer
V117664
ISBN (eBook)
9783640200498
ISBN (Buch)
9783640206124
Dateigröße
620 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kurze, Formulierungen, Verständlichkeit
Arbeit zitieren
Mareike Gruse (Autor), 2008, Kurze, prägnante Formulierungen unterstützen die Verständlichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117664

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