Die Unternehmensform und -struktur hat einen weitreichenden Einfluss auf sämtliche betriebswirtschaftliche Bereiche und Funktionen. Gerade im Bereich des internationalen Handels kann eine entsprechende Modifizierung der Unternehmensstruktur in ein multinationales Unternehmen (MNU) zu einer Transaktionskostensenkung und somit zu Wettbewerbsvorteilen führen. Ein in der Literatur bisher kaum behandelter Beweggrund für multinationales Engagement sind Steuerspareffekte, die sich aus dem internationalen Steuerwettbewerb unter den Staaten ergeben. So offerieren Regierungen und fiskalische Behörden in ihrem Kampf um international mobiles Kapital und das sich daraus ergebende Steueraufkommen neben niedrigen Steuersätzen auch Steuerschlupflöcher, speziell für MNU. Organisationen wie die EU und OECD sehen in diesem diskriminierenden Verhalten einen schädlichen Steuerwettbewerbund fordern deshalb einen koordinierten, weltweiten Abbau der Steuerbegünstigungen für MNU.Im Rahmen dieser Arbeit wird nun u.a. modelltheoretisch analysiert, ob die von der OECD und EU postulierte Reduzierung der internationalen Steuerschlupflöcher zu Wohlfahrtsgewinnen führt und somit weiterzuverfolgen ist. Dazu wird im ersten Teil der Zusammenhang zwischen Unternehmensstruktur und Besteuerung verdeutlicht. Im zweiten Abschnitt werden der internationale Steuerwettbewerb und mögliche sich daraus ergebende Gefahren charakterisiert. Anschließend wird mithilfe eines Steuerwettbewerbsmodells analysiert, inwieweit die Schließung internationaler Steuerschlupflöcher wohlfahrtsfördernd ist. Abschließend werden die hergeleiteten Ergebnisse in einem Fazit zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Unternehmensstruktur und Besteuerung
1.1. Kapitalmobilität und internationale Kapitaltransfers
1.1.1 Direkt- versus Portfolioinvestition
1.1.2 Arten grenzüberschreitender Direktinvestitionen
1.1.3 Motivation für grenzüberschreitende Direktinvestitionen
1.2. Grenzüberschreitende Direktinvestitionen und Besteuerung
1.2.1 Steuerliche Beweggründe für grenzüberschreitende Direktinvestitionen
1.2.2 Steuervorteile ausländischer Niederlassungen im Verhältnis zu lokalen Unternehmen
2. Steuerwettbewerb und steuerpolitische Gegenmaßnahmen
2.1 Internationale ökonomische Integration und Steuerwettbewerb
2.2 Gefahren des Steuerwettbewerbs
2.3 Fiskalische Maßnahmen gegen schädlichen Steuerwettbewerb
3. Steuervorteile für MNU in der modelanalytischen Betrachtung
3.1 Modellaufbau
3.2 Benchmark-Modell
3.2 Wahl des Steuersatzes
3.3 Wahl der Unternehmensstruktur
3.4. Wahl des Diskriminierungsgrades
3.4.1 Nicht-kooperative Lösung
3.4.2 Kooperative Lösung
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert modelltheoretisch den Zusammenhang zwischen Unternehmensstrukturen und internationalem Steuerwettbewerb, um zu prüfen, ob die von OECD und EU geforderte Reduzierung von Steuerschlupflöchern für multinationale Unternehmen (MNU) tatsächlich wohlfahrtssteigernd wirkt.
- Zusammenhang zwischen internationaler Unternehmensstruktur und Besteuerung
- Strategisches Verhalten von Staaten im internationalen Steuerwettbewerb
- Modellbasierte Analyse optimaler Steuersätze und Diskriminierungsgrade für MNU
- Bewertung der steuerpolitischen Gegenmaßnahmen von EU und OECD
Auszug aus dem Buch
1.2.1 Steuerliche Beweggründe für grenzüberschreitende Direktinvestitionen
Im Rahmen des Gewinnoptimierungsinteresses ist jedes Unternehmen bestrebt, seine erwirtschafteten Erträge weiter zu maximieren und die anfallenden Kosten zu minimieren, um so den größtmöglichen Gewinn nach Steuern zu erwirtschaften. Mit von zentraler Bedeutung ist hierbei der Kostenblock Steuern. Folglich versuchen die Unternehmen, sich mit möglichst niedrigen Kapitalkosten bei einer geringen Steuerbelastung zu finanzieren. Sind die Unternehmen aber in einem Hochsteuerland angesiedelt, reichen die nationalen Gestaltungsmöglichkeiten nicht aus, um eine niedrige Steuerbelastung und somit größere Gewinnspannen zu gewährleisten. In diesem Fall bestehen besonders für MNU Anreize, typische Gewinnsegmente ihres Konzerns durch Gestaltungsmaßnahmen in Niedrigsteuerländer zu verlagern. Dieses sog. „Profit Shifting“ setzt ein Auslandsengagement in Form einer FDI voraus, wobei sich die Gründung einer ausländischen Tochterkapitalgesellschaft besonders eignet, da diese als rechtlich selbständiges Unternehmen auf Grund des sog. Belegenheitsprinzips mit ihren Erträgen nur im Niedrigsteuerland der Besteuerung unterliegt.
Besteht nun eine durch FDI begründete Niederlassung im Niedrigsteuerausland, z.B. in Form einer Tochterkapitalgesellschaft, so gibt es verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten, die im Inland erzielten Gewinne ins Ausland zu verschieben und sie so der hohen inländischen Besteuerung zu entziehen. Zu nennen sind die Erbringung von Forschungs- und Managementdienstleistungen durch ausländische Koordinierungszentren, das Einziehen von Forderungen durch Factoringgesellschaften und die Lohnveredelung. Darüber hinaus können Gewinne mittels Verrechnungspreisen und Lizenzgebühren sowie durch die Vergabe von Darlehen transferiert werden. Diese Hauptgestaltungsmöglichkeiten sind in der Literatur breit diskutiert worden und werden an dieser Stelle nur kurz erläutert. MNU können bei unternehmensinternen Leistungen vom Inland ins Niedrigsteuerland mittels überhöhter Verrechnungspreise Gewinne verschieben. Idealerweise sind die wahren Kosten der Leistungen hierbei nicht vom Markt beobachtbar. Darüber hinaus ergeben sich aus der Finanzierungsstruktur des Unternehmens Steuergestaltungsmöglichkeiten. So kann beispielsweise die Tochtergesellschaft (Niedrigsteuerland) die Muttergesellschaft (Inland) mit Fremdkapital versorgen. Die von der Mutter an die Tochter geleisteten Zinszahlungen sind dann im Inland abzugsfähige BA und werden somit der Besteuerung im Hochsteuerland entzogen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Unternehmensstruktur und Besteuerung: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen von Kapitalmobilität und internationalen Direktinvestitionen und zeigt steuerliche Anreize für Unternehmen auf, ihre Strukturen zu internationalisieren.
2. Steuerwettbewerb und steuerpolitische Gegenmaßnahmen: Hier wird der Wettbewerb zwischen Staaten um mobiles Kapital und Steueraufkommen charakterisiert sowie die fiskalischen Strategien gegen schädliche Steuerpraktiken diskutiert.
3. Steuervorteile für MNU in der modelanalytischen Betrachtung: Der Hauptteil analysiert mittels eines vierstufigen Modells das strategische Verhalten von Regierungen bei der Wahl von Steuersätzen und der Diskriminierung mobilen Kapitals.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass eine koordinierte Schließung von Steuerschlupflöchern nicht in jedem Fall wohlfahrtseffizient ist, sondern von der unternehmerischen Elastizität abhängt.
Schlüsselwörter
Steuerwettbewerb, Unternehmensstruktur, Direktinvestitionen, Profit Shifting, Fiskalpolitik, Multinationales Unternehmen, Wohlfahrt, Steuersatz, Diskriminierung, Steuerbasis, Kapitalmobilität, Verhaltenskodex, OECD, EU, Modellanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie multinationale Unternehmen durch ihre Strukturierung Steuerspareffekte erzielen und wie Staaten darauf mit Steuerwettbewerb oder Gegenmaßnahmen reagieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die internationale Besteuerung, die Motivation für Direktinvestitionen, der Wettbewerb zwischen Standorten und die ökonomische Effizienz staatlicher Steuerpolitik.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist die modelltheoretische Analyse, ob die von OECD und EU geforderte Schließung internationaler Steuerschlupflöcher tatsächlich zu einer Steigerung der Gesamtwohlfahrt führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein modelltheoretischer Ansatz in Form eines vierstufigen, sequentiellen Spiels gewählt, um das optimale Verhalten von Staaten und Unternehmen zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil wird ein Benchmark-Modell entwickelt, das den Einfluss von Steuersatzentscheidungen und den Grad der Diskriminierung mobilen Kapitals gegenüber immobilen Unternehmen untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Steuerwettbewerb, Profit Shifting, Steuervorteile für MNU und wohlfahrtstheoretische Analyse.
Wie unterscheidet sich die "nicht-kooperative" von der "kooperativen" Lösung im Modell?
Die nicht-kooperative Lösung beschreibt das strategische Vorgehen einzelner Staaten, während die kooperative Lösung eine koordinierte Politik zwischen den Staaten, wie von der EU und OECD angestrebt, simuliert.
Welches Ergebnis erzielt die Analyse in Bezug auf die Empfehlungen der OECD?
Die Analyse zeigt, dass eine generelle Reduzierung der Steuervorteile nur dann wohlfahrtseffizient ist, wenn Unternehmen unelastisch auf Steuerschlupflöcher reagieren; bei hoher Elastizität kann eine koordinierte Ausweitung sogar effizienter sein.
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- B.A. Economics Sven Wegener (Author), 2008, Steuerwettbewerb und Unternehmensstruktur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117672