Glückliche Scheidungskinder!?

Vorstellung und Rezension eines Konzeptes mit dem Thema „Wie Kinder trotz Scheidung glücklich bleiben“, mit weiterführenden Gedanken in pädagogischer Hinsicht


Seminararbeit, 2004

20 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhalt

1 EINLEITUNG

2 GLÜCKLICHE SCHEIDUNGSKINDER
2.1 Grundgedanken zum Buch
2.2 Zum Zeitpunkt der Trennung
2.2.1 Wie sagen wir es unseren Kindern?
2.2.2 Was verstehen Kinder unter Liebe, Ehe, Trennung?
2.2.3 Wie sehr werden sich das Kind und der getrennt lebende Elternteil vermissen?
2.2.4 Weshalb ist eine Scheidung für Jugendliche so belastend?
2.3 Der Alltag nach der Trennung
2.3.1 Wie wissen wir ob es den Kindern gut geht?
2.3.2 Was ändert sich für die Eltern im Alltag nach der Trennung?
2.3.3 Wieviele unterschiedliche Zuhause verträgt ein Kind
2.3.4 Wieviel und was für eine Betreuung braucht ein Kind?
2.3.5 Wie viel Unterstützung brauchen die Eltern?
2.3.6 Getrennt leben - gemeinsam erziehen
2.4 Die Ebene der Gefühle
2.4.1 Kann es den Kindern gut gehen, wenn es den Eltern schlecht geht?
2.4.2 Weshalb ist der Streit der Eltern so negativ für das Kind?
2.4.3 Wie wirken sich Familienmuster und sittliche Werte auf Eltern und Kind aus?
2.5 Die Vielfalt der Familienformen
2.5.1 Was passiert mit den Kindern wenn sich die Eltern neu verlieben?
2.5.2 Was empfinden Kinder, wenn ihre Eltern neue Familie gründen und was erwarten die Eltern?
2.5.3 Was bedeuten Halb- und Stiefgeschwister für Kinder?

3 CONCLUSIO FÜR PÄDAGOGINNEN

4 LITERATUR

1 Einleitung

Diese Arbeit setzt sich zum Ziel aufzuzeigen, wie Kinder in den Phasen vor einer Trennung, während der Trennung und auch nach der Trennung behandelt werden müssen, damit die Trennung nicht zu einem schmerzhaften Erlebnis wird. Es soll aufgezeigt werden, was Eltern tun müssen um ihrem Kind das Gefühl zu vermitteln, eine Trennung bedeutet nicht, sich von den Eltern und deren Zuwendung verabschieden zu müssen. Ein Abschied vom bisherigen Familienleben soll erleichtert werden und den Kindern das Gefühl gegeben werden, dass das Leben in einer neuen familiären Situation nicht bedeutet, dass von einem Elternteil weniger Zuwendung erfahren werden muss. Basis dieser Arbeit ist der Ratgeber von Remo H. Largo und Monika Czernin unter dem Titel „Glückliche Scheidungskinder“.

Diese Arbeit wird nicht unkritisch die Gedanken der beiden Autoren wiedergeben, sondern versuchen, im Ratgeber ungeklärten Fragen nachzugehen und die Gedanken der beiden Autoren weiterzudenken. Weiters beinhaltet diese Arbeit, da in einem pädagogischen Kontext verfasst, den Versuch einer Conclusio für PädagogInnen, d.h. sie wird versuchen aufzuzeigen, was nun anhand der Gedanken von Largo und Czernin eine Pädagogin oder ein Pädagoge konkret tun können und wie in der Klasse mit Kindern die Trennungserfahrungen machen oder gemacht haben umzugehen ist.

2 Glückliche Scheidungskinder

Dieser Abschnitt stellt die einzelnen Kapitel des Ratgebers „Glückliche Scheidungskinder“ kurz vor und versucht eine kritische Rezension der Kapitel.

2.1 Grundgedanken zum Buch

Der Grundgedanke, auf dem das ganze Buch beruht ist ein entwicklungspsychologischer Ansatz. Glücklich sind Menschen dann, wenn all ihre Grundbedürfnisse erfüllt sind. Diese Grundbedürfnisse sind einerseits physischer Natur und andererseits psychischer Natur. Die drei Grundbedürfnisse eines Kindes sind:

- Nähe, Zuwendung, Schutz (als physische Komponente)
- Geborgenheit, Zuwendung, soziale Akzeptanz (als psychische Komponente)
- Förderung in der Entwicklung (sowohl in physischer als auch psychischer Hinsicht)

Diese Grundbedürfnisse müssen befriedigt werden, damit ein glückliches Weiterleben möglich ist. Auch beim Thema der Zufriedenheit von Eltern oder anderen Erwachsenen werden diese Grundbedürfnisse uns begegnen. Berechtigterweise kann man natürlich anfragen, ob dieser Ansatz wirklich umfassend ist und ob es tatsächlich nur an den Grundbedürfnissen festzumachen ist, dass Menschen glücklich sind oder nicht.

Möglicherweise ist es besser zu sagen, dass sehr viele verschiedene Faktoren mitspielen und dass es zu Verletzungen kommt, wenn aber diese Grundbedürfnisse befriedigt werden, kann man mit den verletzenden Erfahrungen besser umgehen. Außerdem beinhaltet das Befriedigen dieser Grundbedürfnisse, dass der Elternteil, der die Familie verlässt, nicht das Kind verlässt. Das heißt, dass dieser Elternteil weiter für das Kind da ist, wenn auch an einem anderen Platz und in einem anderen Kontext. Das bedeutet, dass das Kind in diesem Fall keine Verlusterfahrung machen muss, und damit auch Verletzungen vorgebeugt wird. Ich denke zu versuchen die Bedürfnisse eines Kindes auch nach der Scheidung zu decken ist ein Weg, den viele Eltern einschlagen können, ohne damit Probleme und Streitereien zu schüren und außerdem nimmt dieser Ansatz sehr viel Last von den Schultern der Eltern, die ja vielfach mit Schuldgefühlen gegenüber ihren Kindern kämpfen.

2.2 Zum Zeitpunkt der Trennung

2.2.1 Wie sagen wir es unseren Kindern?

Das erste große Problem vor dem Eltern ihren Kindern gegenüber stehen, nachdem sie sich zur Trennung / Scheidung entschlossen haben, oder die Trennung / Scheidung schon durchgeführt haben, ist die Frage wie sie es ihren Kindern beibringen sollen. Die meisten Eltern haben eine sehr große Angst vor diesem Gespräch, befürchten schlimme Reaktionen von Seiten der Kinder und wissen nicht recht wie sie es sagen sollen. Remo Largo und Monika Czernin illustrieren ihre Gedanken immer mit kleinen Geschichten aus dem Alltag. Zuerst ist da eine Mutter, die ihrer kleinen vierjährigen Tochter lang und breit erklärt, dass ihr Mann und sie am Vortag bei Gericht waren und die Scheidung einreichten. Sie erwartet sich eine schockierte Reaktion der Tochter, jedoch nichts dergleichen passiert. Die Tochter erzählt ganz unauffällig Erlebnisse aus dem Kindergarten. Warum diese Reaktion: Remo Largo deutet in diesem Fall die Reaktion der Vierjährigen nicht als eine Verdrängung oder Unterdrückung des Schmerzes sondern er meint, Trennung und Scheidung sind kein Thema für Kinder mit vier Jahren. Das heißt sie verstehen diese Begriffe in ihren ganzen Ausmaßen nicht. Eine andere Geschichte erzählt von einem kleinen Jungen, namens Peter, dem die Mama am Abend vor dem Einschlafen die Geschichte „Papa zieht in die Heinrichstraße“ vorliest und Peter reagiert darauf mit einem „Das will ich aber nicht!“. Dieses Gespräch ist allem Anschein nach schief gegangen. Warum nun das: Mit der Geschichte hat die Mutter bei Peter Ängste geweckt, nämlich die tiefste Angst eines Kindes. Der Vater geht weg, er verlässt ihn. Kinder verstehen die Trennung der Eltern nur allzu oft nicht als eine Trennung der Eltern sondern als Trennung von sich selbst. Peter hatte Angst, dass der Vater ihn verlässt.

Liebe bedeutet für ein Kind, jemand ist für mich da und wenn dieser jemand mich verlässt, ist er nicht für mich da! Erst die Erfahrung kann in dem Falle Peter beruhigen, dass sein Vater immer für ihn da sein wird trotzdem er woanders wohnt.

Worüber müssen sich Eltern laut den Autoren nun konkret Gedanken machen?

Eltern müssen sich über Aspekte klar werden, die die Betreuung des Kindes betreffen: wie wird diese in Zukunft aussehen, wird sich für das Kind etwas ändern? Wird der Elternteil, der wegzieht, auch weiterhin für das Kind da sein können? Wie wird sich außerdem die Beziehung zu diesem Elternteil entwickeln? Wo und wann können sich Kind und Elternteil treffen und wird nach der Trennung etwas anders sein als vorher und was? Ändert sich die außerfamiliäre Umgebung des Kindes? Muss es eine andere Schule besuchen und verliert dabei Freunde?

Bevor Eltern mit dem Kind sprechen, müssen sie abmachen, worüber sie sprechen werden. Sie sollen das Verbindende betonen und nicht das Trennende, es ist nicht wichtig was sie sagen sondern vielmehr wie sie es sagen.

Beim Gespräch ist es wichtig, dass die Eltern selbst in einer guten emotionalen Verfassung sind. Wenn die Mama weint, während sie dem Kind von der neuen Familiensituation erzählt, dann wird auch das Kind traurig sein. Kinder fühlen sehr stark wie es Eltern geht und bekommen das mit. Auch Verärgerung und Frustration sollten nach Möglichkeit nicht das Gespräch bestimmen.

Kinder können sich gegenüber negativen Gefühlen zwischen den Elternteilen nicht abgrenzen. Sie empfinden negative Gefühle zwischen den Elternteilen als negativ gegenüber sich selbst. Das Kind fühlt sich abgelehnt oder verunsichert. Das sollten Eltern sich immer bewusst machen und versuchen negative Gefühle wie Wut und Hass beim Gespräch mit dem Kind nicht einfließen zu lassen. Bei einem gemeinsamen Gespräch ist es wichtig, dass beide Elternteile sich über ihre persönlichen Wut- und Hassgefühle erheben und versuchen auf eine vernünftige Weise gemeinsam mit dem Kind zu sprechen.

Langfristig wird das Kind sich geborgen fühlen nicht durch die Worte, die die Eltern in dieser Situation an es richten, sondern eher durch die Erfahrungen, die es in der neuen Situation macht. Sind diese positiv, wird sich das Kind angenommen und geborgen fühlen.

Ich denke dieses Kapitel ist ein sehr wichtiges im Umgang mit dieser Situation. Gerade im Gespräch mit den Kindern können Eltern leider sehr viele Fehler machen. Ich finde den Gedanken gut, dass Worte weniger wichtig sind als Taten oder Erfahrungen, die das Kind macht. Wenn man dem Kind zu verstehen gibt, ich bin immer für dich da, auch wenn ich nicht mehr hier wohne, dann hilft es dem Kind sicher mehr als viele Worte, die oft nur verängstigen.

2.2.2 Was verstehen Kinder unter Liebe, Ehe, Trennung?

Wenn man mit Kindern über das Thema Trennung oder Scheidung spricht, ist es ganz wichtig sich vor Augen zu führen, wie weit das Verständnis diesen Themen gegenüber bei den Kindern ausgeprägt ist. Ein Kind hat ein ganz anderes Weltbild als ein Erwachsener und das ist unbedingt zu beachten. Wichtig ist zu wissen, wie die Entwicklung der Vorstellung sozialer Strukturen beim Kind vor sich geht. (siehe Tabelle 2.2.2.1)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2.2.2.1 – Entwicklung der Vorstellung von sozialen Strukturen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Tabelle zeigt uns, dass Kinder erst recht spät eine Vorstellung davon bekommen, was es heißt eine Partnerschaft zu haben und was es somit bedeutet, diese Partnerschaft aufzulösen, zu trennen. Weiters wichtig ist die Entwicklung der Vorstellung von räumlichen Strukturen. Kinder können mit der Beruhigung „Papa wohnt nur einen Kilometer weit weg“ nichts anfangen, da sie sich diese Entfernung kaum vorstellen können. Tabelle 2.2.2.2 gibt uns Aufschluss über diese Entwicklung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2.2.2.2 – Entwicklung der Vorstellung von räumlichen Strukturen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Glückliche Scheidungskinder!?
Untertitel
Vorstellung und Rezension eines Konzeptes mit dem Thema „Wie Kinder trotz Scheidung glücklich bleiben“, mit weiterführenden Gedanken in pädagogischer Hinsicht
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz  (Institut für Religionspädagogik)
Veranstaltung
Fachdidaktisches Seminar: „Kinder mit Trennungs- und Verlusterfahrungen“
Note
1
Autor
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V117844
ISBN (eBook)
9783640209071
ISBN (Buch)
9783640209682
Dateigröße
686 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Glückliche, Scheidungskinder, Fachdidaktisches, Seminar, Trennungs-, Verlusterfahrungen“
Arbeit zitieren
Leonhard Stampler (Autor), 2004, Glückliche Scheidungskinder!?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117844

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