Diese Arbeit untersucht die Transaktionsform des Share Deal unter besonderer Berücksichtigung der Gestaltung vertraglicher Risikoallokation zwischen den Parteien. Nach Ausbruch der Covid-19-Pandemie fällt das Transaktionsvolumen weltweiter M&A-Deals in 2020 nahezu auf den Stand von 2013 zurück, was sich gleichermaßen im zahlenmäßigen Rückgang deutscher M&A-Deals in 2020 widerspiegelt. Unter Berücksichtigung der zurückliegenden wirtschaftlichen Situation in 2020 muss die im Verkehr gebotene Sorgfalt verschärft und eine intensive Analyse verkaufsauslösender Faktoren der Zielgesellschaft vor Transaktionsabschluss betrieben werden, da beim Share Deal sämtliche Assets & Liabilities miterworben werden.
Auf die wirtschaftliche Situation zurückzuführende, temporär gesunkene Unternehmensbewertungen sind mitunter positiv zu verzeichnen, sollten diese in steuerlich begünstigenden Effekten bei der familieninternen Unternehmensnachfolge resultieren, was gegenwärtig bei der zunehmend in den Fokus rückenden Nachfolgeregelung der Baby-boomer-Generation relevant wird. Indessen scheinen die wirtschaftlichen Auswirkungen des Jahres 2020 auf Unternehmenstransaktionen aufgrund des sich erholenden M&A Markts überwunden , gleichwohl stehen Unternehmenstransaktionen vor einer bewegten Zukunft. Insofern könnten Gewinnentwicklungen des Zielunternehmens schwieriger zu ermessen sein, worauf die Zunahme erfolgsabhängiger Long-Earn-Out-Klauseln (17 % in 2019 auf 26 % in 2020), wodurch ein variabler Kaufpreisanteil erst gezahlt wird, wenn im Vertrag festgelegte Bedingungen in der Zukunft tatsächlich eintreten, jetzt schon hindeutet.
Dies zeigt sich beispielhaft in der Automobilbranche, welche pandemiebedingt und aufgrund des Chipmangels nicht produzierte Fahrzeuge im Wert von 210 Milliarden US-Dollar auflaufen lassen muss. Mangelnde Post-Corona Akquisitionsbereitschaft zeigt sich primär in der Old Economy (Textil, Automotive), sodass die Pandemie beiläufig als Motor einer grüneren, technologisierteren New Economy fungiert, in welcher primäre Akquisitionsziele die Restrukturierung zum Aufbau größerer Widerstandsfähigkeit, Kostensenkung, strategische Neupositionierungen und die Expansion neuer Märkte sind. Ein Trend zu digitalisierungsbedingten Unternehmensakquisitionen (2 % in 2020) zeichnet sich jedoch nicht ab. Beschleunigt wird der Markt durch schnellere Dekarbonisierung, die Unternehmen zu einer umfassenden Transformation und niedrigeren CO2-Ausstößen zwingt.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Share Deal
1. Abgrenzung zum Asset Deal
III. Vertragliche Vereinbarungen zwischen Verkäufer und Käufer bei der Transaktionsform des Share Deal
1. Rechts- oder Unternehmenskauf und die Folgen für die Gewährleistung
2. Ausschluss der gesetzlichen Gewährleistung
3. Garantien und Freistellungen
IV. Besonderheiten in der Insolvenz des Targets
Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die rechtliche Transaktionsform des Share Deal mit einem besonderen Fokus auf die vertragliche Gestaltung der Risikoallokation zwischen Käufer und Verkäufer in einem unsicheren wirtschaftlichen Umfeld.
- Rechtliche Abgrenzung des Share Deal vom Asset Deal
- Gewährleistungsfolgen bei Rechts- und Unternehmenskäufen
- Vertragliche Mechanismen zur Risikominimierung (Garantien, Freistellungen, MAC-Klauseln)
- Herausforderungen durch Arglistige Täuschung und vorvertragliche Aufklärungspflichten
- Besonderheiten und Lösungsansätze bei Transaktionen in der Insolvenz
Auszug aus dem Buch
a. MAC-Klausel
Darüber hinaus bietet die vertragliche Mitaufnahme von unternehmensspezifischen sowie branchenspezifischen MAC-Klauseln ein Rücktrittsrecht oder Möglichkeiten zur Kaufpreisanpassung bei einer Verschlechterung des Targets zwischen Signing und Closing. Im Unterschied zu § 313 BGB, welcher lediglich auf eine Anpassung verweist, kann eine direkte Lösung vom Vertrag verlangt, beziehungsweise dessen dinglicher Vollzug verhindert und die Zahlung einer Reverse Break-up Fee abgewendet werden. Trotz Covid-19 Pandemie ist kein Anstieg der Unternehmenstransaktionen mit MAC-Klauseln zu verzeichnen, vielmehr sind diese um 1% auf 15% (2020) gefallen, was der wirtschaftlich unsicheren Situation der Zielgesellschaften im letzten Jahr entgegenläuft, aber auf zu erwartende Nachholeffekte des Jahres 2021 im Zuge eines sich erholenden M&A Markts hindeutet. Mittelfristig sollte ein dem anglo-amerikanischen Recht angepasster SPA mitsamt MAC-Klauseln (in 97% der Transaktionen bei US-Deals; 15% bei europäischen Deals), häufiger in deutschen Transaktionen in Erwägung gezogen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Beleuchtung des M&A-Marktes im Kontext der Covid-19-Pandemie und Notwendigkeit präziserer Risikoanalysen bei Unternehmensakquisitionen.
II. Share Deal: Definition des Share Deal als Erwerb gesellschaftsrechtlicher Beteiligungen im Vergleich zum Asset Deal.
III. Vertragliche Vereinbarungen zwischen Verkäufer und Käufer bei der Transaktionsform des Share Deal: Detaillierte Untersuchung der Gewährleistungsrechte, Garantiekataloge, Freistellungsverpflichtungen sowie spezieller Instrumente wie MAC-Klauseln und W&I-Versicherungen.
IV. Besonderheiten in der Insolvenz des Targets: Analyse der Risiken beim Erwerb von Geschäftsanteilen an insolventen Unternehmen und Darstellung alternativer Sanierungsmöglichkeiten.
Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Verschiebung hin zu einem Käufermarkt und der gestiegenen Bedeutung vertraglicher Risikoverteilungsinstrumente in Krisenzeiten.
Schlüsselwörter
Share Deal, Unternehmenskauf, Risikoallokation, Gewährleistung, Garantien, Freistellungen, MAC-Klausel, W&I-Versicherung, Due Diligence, Insolvenz, Kaufpreisanpassung, Arglistige Täuschung, M&A-Transaktion, Unternehmenskaufvertrag, Haftungsbegrenzung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die rechtlichen Rahmenbedingungen und Gestaltungsoptionen beim Share Deal, insbesondere unter dem Aspekt einer effektiven Risikoallokation zwischen Käufer und Verkäufer.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen Gewährleistungsfragen, Garantien und Freistellungen, die Auslegung von Vertragsklauseln in Krisenzeiten sowie die Besonderheiten bei Akquisitionen aus der Insolvenz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie vertragliche Instrumente genutzt werden können, um bei gestörtem Äquivalenzverhältnis die Interessen der Parteien auszugleichen und Haftungsrisiken präzise zu steuern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine rechtswissenschaftliche Analyse, die aktuelle Rechtsprechung, Literaturmeinungen und statistische Daten zur M&A-Marktentwicklung auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die Abgrenzung zum Asset Deal, die Haftung bei Mängeln, die Bedeutung von MAC-Klauseln, die Ausgestaltung von Reps & Warranties sowie die Rolle von W&I-Versicherungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Share Deal, Risikoallokation, Gewährleistung, Garantiekatalog und MAC-Klauseln definieren.
Welche Bedeutung haben MAC-Klauseln im aktuellen Umfeld?
Obwohl deren Nutzung 2020 leicht zurückging, dienen sie als essenzielles Instrument, um auf unvorhersehbare Marktentwicklungen zwischen Vertragsunterzeichnung und Vollzug flexibel reagieren zu können.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Reps & Warranties und Indemnities wichtig?
Da diese Begriffe im deutschen Recht teilweise anders besetzt sind als im angelsächsischen Rechtsraum, ist eine präzise vertragliche Zuweisung essenziell, um Auslegungsprobleme und ungewollte Beweislastverteilungen zu vermeiden.
Wie unterscheidet sich die Haftung bei einer Insolvenz des Zielunternehmens?
Bei der Insolvenz sinkt die Werthaltigkeit von Garantien, da kein solventer Schuldner zur Verfügung steht, was alternative Sicherungsinstrumente wie Treuhandkonten oder spezielle Distressed-M&A-Versicherungen erforderlich macht.
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- Robin Steinwachs (Author), 2021, Share Deal beim Unternehmenskauf. Rechtliche Betrachtung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1181186