Psalm 8 "Offenbarung der Herrlichkeit Gottes am Menschen". Historisch-kritische Exegese


Hausarbeit, 2012

34 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Text in deutscher Übersetzung

3. Synchrone Textanalyse
3.1 Analyse der Textoberfläche
3.2 Analyse der Texttiefenstruktur
3.3 Analyse der Textpragmatik

4. Gattungskritik

5. Literarkritik und Redaktionsgeschichte

6. Traditionsgeschichte

7. Abschließende Interpretation

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Psalter gehört zu den meistgelesenen Büchern der Bibel. Die Besonderheit der Psalmen besteht darin, dass sie die Erfahrungen der Menschen mit Gott aufgreifen.1 Man kann zwischen Psalmen, die Gottes Hilfe bezeugen (z. B. Lobpsalme), und Psalmen, in denen der Mensch klagt, Gott um Hilfe bittet und schließlich von diesem erhört wird (z. B. Klagelieder der Einzelnen), unterscheiden.2

Ziel dieser Proseminararbeit ist die historisch-kritische Exegese von Psalm 8, der den Titel „Offenbarung der Herrlichkeit Gottes am Menschen“ trägt. Das Hauptanliegen der historisch-kritischen Exegese besteht darin den Text so gut wie möglich zu ver­stehen. Schwierigkeiten ergeben sich jedoch durch das hohe Alter der Texte und die Tatsache, dass der Verfasser und Rezipient unterschiedliche Sprachen sprechen und die historischen und kulturellen Kontexte erheblich variieren.3 Eine weitere Schwie­rigkeit besteht darin, dass es innerhalb der Forschung sehr unterschiedliche Positio­nen zu den einzelnen Ebenen der methodischen Analyse, vor allem im Hinblick auf die literarische Einheitlichkeit, von Psalm 8 gibt.4

So bezeichnet Schnieringer Psalm 8 als einen „notorisch schwierige[n] Psalm, der voller Probleme steckt, ja voller ausgemachter cruces interpretum“5. Er wirft auf na­hezu allen Ebenen der Analyse zahlreiche Fragen auf, die einer Lösung bedürfen.6 So stolperte auch ich schon beim ersten Lesen des Psalmes über V. 3, der durch seinen Inhalt und seine befremdliche Formulierung (z. B. „vertilgen“) nicht in den Psalm zu passen scheint. Die Funktion und Entstehung des Verses soll durch die historisch-kri­tische Exegese des Psalmes erschlossen werden.

Im Rahmen dieser Arbeit geht es darum zentrale Forschungspositionen herauszuar­beiten und durch die Auseinandersetzung mit diesen einen eigenen Standpunkt zu entwickeln. Dabei erscheint vor allem Schnieringers Werk „Psalm 8 - Text - Gestalt - Bedeutung“ relevant, da es die unterschiedlichen Sichtweisen der Forschung zur Exegese von Psalm 8 aufgreift und zusammenführt.

Ich habe mich für eine historisch-kritische Exegese von Psalm 8 entschieden, da in diesem zentrale anthropologische Aussagen formuliert werden. Schon die Überschrift „Offenbarung der Herrlichkeit Gottes am Menschen“ weckte großes In­teresse bei mir. So stelle ich mir die Frage, inwiefern sich die Herrlichkeit Gottes an uns Menschen offenbart und welche Rolle wir Menschen in der Welt einnehmen?

Im Folgenden soll nun die Gliederung der Arbeit vorgestellt werden. Dabei muss darauf hingewiesen werden, dass die einzelnen Methodenschritte an dieser Stelle nur kurz genannt werden sollen. Zu Beginn jeden Kapitels erfolgt dann eine ausführli­chere Beschreibung.

Zunächst soll Psalm 8 in der deutschen Übersetzung der revidierten Lutherbibel wie­dergegeben werden (Kapitel 2). Im Anschluss daran folgt die Synchrone Textanalyse (Kapitel 3), in deren Rahmen der Psalm hinsichtlich seiner Textoberfläche (Teilkapi­tel 3.1), Texttiefenstruktur (Teilkapitel 3.2) und Textpragmatik (Teilkapitel 3.3) ana­lysiert werden soll. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse soll in Kapitel 4 die Gat­tungskritik von Psalm 8 erfolgen.

Das 5. Kapitel widmet sich der Literarkritik und Redaktionsgeschichte, die ebenfalls die Ergebnisse der synchronen Textanalyse aus Kapitel 2 aufgreifen. Das Ziel besteht darin mögliche Spannungen des Textes herauszuarbeiten und das literarische Wachs­tum des Textes nachzuvollziehen.

Weiterhin werde ich in Kapitel 6 zwei für das Verständnis des Psalmes relevante As­pekte traditionsgeschichtlich untersuchen. Das Teilkapitel 6.1 fragt dabei nach der Bedeutung des Verbes „krönen“, während das Teilkapitel 6.2 versucht die Bedeutung der Begriffe „Kinder und Säuglinge“ zu klären.

Abschließend werde ich in Kapitel 7 die gewonnen Ergebnisse meiner Arbeit zu­sammenfassen, zueinander in Beziehung setzen und versuchen Antworten auf die in der Einleitung formulierten Fragen zu geben. Ebenso sollen Aussagen zum theologi­schen Gehalt und historischen Ort des Psalmes getroffen werden.

2. Text in deutscher Übersetzung

„Offenbarung der Herrlichkeit Gottes am Menschen“

Psalm 8:Ein Psalm Davids, vorzusingen, auf der Gittit.

[2]Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, der du zeigst deine Hoheit am Himmel!
[3]Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge hast du eine Macht zugerichtet um deiner Feinde willen, dass du vertilgst den Feind und den Rachgierigen.
[4]Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast:
[5]was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?
[6] Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.
[7]Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk,
alles hast du unter seine Füße getan:
[8]Schafe und Rinder allzumal,
dazu auch die wilden Tiere,
[9]die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer und alles, was die Meere durchzieht.
[10]Herr, unser Herrscher,

wie herrlich ist dein Name in allen Landen!

3. Synchrone Textanalyse

Im Folgenden soll eine synchrone Textanalyse von Psalm 8, die eine synchrone Wahrnehmung und Beschreibung des Textes zum Ziel hat, vorgenommen werden. Im Rahmen dieser soll der Text zunächst hinsichtlich seiner Textoberfläche untersucht werden (Teilkapitel 3.1). Im Anschluss daran erfolgen die Analyse der Texttiefen­struktur (Teilkapitel 3.2) und der Textpragmatik (Teilkapitel 3.3). Die synchrone Textanalyse berücksichtigt dabei das Zusammenspiel von Kohäsion und Kohärenz. Die in diesem Kapitel gewonnenen Ergebnisse bilden die Grundlage für die weiteren Methodenschritte Gattungskritik (Kapitel 4) und Literarkritik und Redaktionsge­schichte (Kapitel 5).

3.1 Analyse der Textoberfläche

Ziel der Textoberflächenanalyse ist es, die Struktur von Gliederung und Komposition der Oberfläche eines Textes herauszuarbeiten. In diesem Zusammenhang soll auch der Grad der Stimmigkeit (Kohäsion/Inkohäsion) der Textoberfläche ermittelt wer- den.7 Die Textoberfläche soll im Folgenden in Anlehnung an Utzschneider und Ni- tsche auf den vier Ebenen Lautebene, Wortebene, Satzebene und Textebene analysiert werden.8

Lautebene

Auf der Lautebene kann Kohäsion durch Assonanzen, Reime und Alliterationen er­reicht werden.9 Während die Reimstruktur am hebräischen Originaltext untersucht werden müsste, lassen sich im Text Beispiele für das Prinzip der Rekurrenz finden. Sowohl V. 2 als auch V. 10 beginnen mit dem Ausruf „Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen“. Des Weiteren wird in den Versen 6 und 7 am Anfang jeweils das Personalpronomen „Du“ wiederholt. Daneben fällt in den Versen 2a und 10 die identische Alliteration „Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist [...]“ auf. Eine weitere Alliteration lässt sich in V. 2b feststellen: „Hoheit am Him­mel“.

Wortebene

Auf der Wortebene kann festgestellt werden, dass die Verbform „du + haben + Parti­zip II“ wiederholt auftritt (V. 3.4.6.7). Dies kann als ein Indiz für Kohäsion gewertet werden.

Satzebene

Die Analyse des Textes auf der Satzebene kann anhand der Aspekte Satztyp, Forma­tion und Satzfunktion erfolgen.10 Hinsichtlich der Satztypen kann festgestellt wer­den, dass Verbalsätze, in denen die Handlungen des Herrn beschrieben werden, überwiegen. Jedoch treten in den Versen 2.a.5.10 auch Nominalsätze auf.

Während der Psalmist in den Versen 2.4a.5.10 in der Gegenwart spricht, redet er in den Versen 3.4b.6-9 von der Vergangenheit. In Bezug auf die Funktionen der einzel­nen Sätze ist zu sagen, dass es sich zumeist um Aussagesätze handelt. Lediglich zwei Ausrufesätze bzw. Aufforderungssätze in V. 2 und V. 10 und ein Fragesatz in V. 5 können festgestellt werden. Die Verse 2 und 10 können als Lobpreisungen der Herr­lichkeit Gottes bezeichnet werden, während die Verse 3-9 als direkte Rede zu Gott einzustufen sind. Bei vielen Sätzen handelt es sich zudem um Hypotaxen. Jedoch können auch Parataxen in den Versen 6-8 konstatiert werden.

Textebene

Der Psalm kann größtenteils als phorisch kohäsiv bezeichnet werden, da für fast alle pronominalen Elemente eindeutige Bezugsworte vorliegen. So ist mit dem Personal­pronomen „du“ und dem Possessivpronomen „deiner“ immer der Herr in V. 2 ge­meint. Ebenso wird deutlich, dass das Personalpronomen „ihn“ immer auf den Men­schen in V. 5 verweist. Lediglich unklar bleibt, um wessen Herrscher (V. 2a.10) es sich handelt. Es kann vermutet werden, dass es sich bei diesem um Jahwe, den Gott des Volkes Israel, handelt.

Gegen das Vorhandensein von oberflächenhafter Kohäsion spricht jedoch die Tatsa­che, dass auf die Frage in V. 5, in welcher der Herr gefragt wird „was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?“, keine Antwort des Herrn erfolgt. So beginnt V. 6 mit dem Personalpronomen „du“, mit welchem der Herr direkt angesprochen wird.

Nachdem nun die Textoberfläche auf den vier Ebenen Laut-, Wort-, Satz- und Text­ebene analysiert wurde, kann festgehalten werden, dass sich die Textoberfläche des Psalmes 8 nicht uneingeschränkt als kohäsiv bezeichnen lässt. So können auf der Lautebene zwar Stilmittel wie Alliterationen und Rekurrenz und auf der Wortebene das regelmäßige Auftreten bestimmter Wortarten konstatiert werden. Auch die Phorik erscheint weitgehend kohäsiv. Gegen das Vorhandensein von oberflächenhafter Ko­häsion spricht jedoch die Tatsache, dass auf die Frage in V. 5 keine Antwort durch den Herrn, sondern eine direkte Ansprache des Herrn folgt. Des Weiteren scheinen die Übergänge zwischen V. 2 und V. 3 und V. 9 und V. 10 die Einheit des Textes zu stören.

3.2 Analyse der Texttiefenstruktur

Bei der Analyse der Texttiefenstruktur steht die inhaltliche Gliederung des Textes im Vordergrund. So soll der Frage nachgegangen werden, auf welche Art und Weise der Text seine Inhalte darstellt. Ebenso wie in Teilkapitel 3.1 soll auch in diesem Zu­sammenhang der Grad der Stimmigkeit (Kohärenz/Inkohärenz), den der Text erzielt, ermittelt werden.11 In Anlehnung an Utzschneider und Nitsche soll die Texttiefen­struktur im Folgenden auf den drei Ebenen Laut- und Wortebene, Satzebene und Textebene analysiert werden.12

Laut- und Wortebene

Nach Utzschneider und Nitsche versteht man unter einem Wortfeld „eine Gruppe von Wörtern inhaltlicher Zusammengehörigkeit“13. So häufen sich in Psalm 8 Worte und Wortverbindungen aus dem Bereich Herrschaft / Königtum. Zu diesen gehören:

- Herr / Herrn (V. 2.7.10)
- Herrscher (V. 2.10)
- herrlich (V. 2.10)
- Hoheit (V. 2)
- Macht (V. 3)
- Ehre (V. 6)
- Herrlichkeit (V. 6)
- gekrönt werden (V. 6)
- „unter seine Füße tuen“ (V. 7)

Durch die Herausstellung der Wortfelder können bereits Inhalte der Tiefenstruktur festgestellt werden. Demnach handelt der Psalm von dem Lob der Herrlichkeit Got­tes, die sich in der dem Menschen gegebenen königlichen Stellung über die Schöp­fung offenbart.

Satzebene

Psalm 8 ist in den Versen 4-9 durchgängig durch das Stilmittel des „Parallelismus membrorum“ gekennzeichnet. Es handelt sich dabei immer um den synonymen Par- allelismus, bei dem jeweils die zweite Zeile eines Verses den Sinn bzw. Inhalt der 1. Zeile in etwas modifizierter Form wiedergibt.14 Nach Schnieringer sichere er die Einheit der Form und erziele einen „kontemplativ-emotiven Effekt“15.16 Insbesondere V.3, in dem sich kein synonymer Parallelismus feststellen lässt, scheint diese Kohä­renz zu stören. Weiterhin wird durch V. 2b die Gleichheit der Rahmenverse 2a.10 beeinträchtigt.

Textebene

[...]


1 Vgl. Die Bibel mit Apokryphen, S. 654.

2 Vgl. Weber, Werkbuch Psalmen, S. 38.

3 Vgl. Schnieringer, Psalm 8, S. 1.

4 Vgl. Schnieringer, Psalm 8, S. 1 f.

5 Schnieringer, Psalm 8, S. viii.

6 Vgl. Schnieringer, Psalm 8, S. 1.

7 Vgl. Utzschneider, Nitsche, Arbeitsbuch, S. 103.

8 Vgl. Utzschneider, Nitsche, Arbeitsbuch, S. 76.

9 Vgl. Utzschneider, Nitsche, Arbeitsbuch, S. 77.

10 Vgl. Utzschneider, Nitsche, Arbeitsbuch S. 80.

11 Vgl. Utzschneider, Nitsche, Arbeitsbuch, S. 90.

12 Vgl. Utzschneider, Nitsche, Arbeitsbuch, S. 76.

13 Utzschneider, Nitsche, Arbeitsbuch, S. 93.

14 Vgl. Utzschneider, Nitsche, Arbeitsbuch, S. 96.

15 Schnieringer, Psalm 8, S. 400.

16 Vgl. Schnieringer, Psalm 8, S. 400.

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Psalm 8 "Offenbarung der Herrlichkeit Gottes am Menschen". Historisch-kritische Exegese
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
34
Katalognummer
V1181233
ISBN (Buch)
9783346605290
Sprache
Deutsch
Schlagworte
psalm, offenbarung, herrlichkeit, gottes, menschen, historisch-kritische, exegese
Arbeit zitieren
Hanna Rath (Autor:in), 2012, Psalm 8 "Offenbarung der Herrlichkeit Gottes am Menschen". Historisch-kritische Exegese, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1181233

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