Demografischer Wandel und bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen.

Eine Modellregion: „Potsdam-Mittelmark auf dem Weg zum seniorenfreundlichen Landkreis“


Diplomarbeit, 2008
197 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Empirische Studien zum Alter(n) und bürgerschaftlichen Engagement

3. Demografischer Wandel in Deutschland
3.1 Bevölkerungsentwicklung
3.2 Mehr ältere Menschen
3.3 Geburten-, Sterblichkeits- und Wanderungsentwicklung
3.4 Lebenserwartung
3.5 Herausforderungen der demografischen Alterung
3.6 Fazit: Demografischer Wandel in Deutschland

4. Das Alter(n)
4.1 Altersbegriffe
4.1.1 Kalendarisches Alter
4.1.2 Biologisches Alter
4.1.3 Psychologisches Alter
4.1.4 Soziologisches Alter
4.1.5 Fazit: Altersbegriffe
4.2 Strukturwandel des Alters
4.2.1 Verjüngung
4.2.2 Entberuflichung
4.2.2.1 Renteneintrittsalter mit 65 Jahren
4.2.2.2 Renteneintrittsalter mit 67 Jahren
4.2.3 Feminisierung
4.2.4 Singularisierung
4.2.5 Hochaltrigkeit
4.2.6 Fazit: Strukturwandel des Alters
4.3 Alternstheorien und -modelle
4.3.1 Defizitmodell
4.3.2 Kompetenzmodell
4.3.3 Disengagement-Theorie
4.3.4 Aktivitätstheorie
4.3.5 Differenzielle Theorie
4.3.6 Fazit: Alternstheorien und -modelle
4.4 Gesellschaftliche Bedeutung des Alter(n)s: „Alterslast versus Alterskapitel“
4.4.1 Belastungs- und Kostenperspektive
4.4.2 Ressourcen- und Chancenperspektive
4.4.3 Potenziale des Alters für die Gesellschaft

5. Bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen
5.1 Begriffserklärung
5.1.1 Freiwillig
5.1.2 Nicht auf materiellen Gewinn gerichtet
5.1.3 Gemeinwohlorientiert
5.1.4 Im öffentlich Raum stattfindend
5.1.5 Kooperative Tätigkeit
5.1.6 Traditioneller und ideengeschichtlicher Bezug
5.1.7 Begriffserklärung in verschiedenen empirischen Studien
5.1.7.1 Zeitbudgeterhebung 2001/2002
5.1.7.2 Freiwilligensurvey 1999/2004
5.1.7.3 Alterssurvey 1996/2002
5.1.8 Fazit: Begriffserklärung
5.2 Faktisches bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen
5.2.1 Beteiligungsquoten am Engagement
5.2.1.1 Beteiligungsquoten nach Altersgruppen und Geschlecht
5.2.1.2 Beteiligungsquoten nach Erwerbs-, Bildung- und Einkommensstatus
5.2.1.3 Beteiligungsquoten im Ost-West-Vergleich
5.2.2 Engagementbereiche
5.2.3 Zugang zum Engagement
5.2.4 Beweggründe für ein Engagement
5.2.5 Zeitliche Engagementstrukturen
5.2.6 Engagementbereitschaft
5.2.7 Verbesserungswünsche bei den Rahmenbedingungen des Engagements
5.2.7.1 Verbesserungswünsche an die Organisationen
5.2.7.2 Verbesserungswünsche an den Staat und die Öffentlichkeit
5.2.8 Fazit: Faktisches bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen
5.3 Politische Partizipation älterer Menschen
5.3.1 Politisches Interesse älterer Menschen
5.3.2 Aktive poltische Partizipation älterer Menschen
5.3.3 Passive politische Partizipation älterer Menschen
5.4 Bürgerschaftliches Engagement als „Lückenbüßer“?
5.5 Bürgerschaftliches Engagement zur Steigerung der Lebensqualität im Alter?
5.6 Handlungsmöglichkeiten zur Förderung des Engagements älterer Menschen
5.6.1 Engagement fördernde Infrastruktur
5.6.2 Bürgerorientierung
5.6.3 Bewusster Umgang mit bürgerschaftlich Engagierten
5.6.4 Anerkennungskultur
5.6.5 Beteiligungsmöglichkeiten schaffen
5.6.6 Abbau der sozialen Ungleichheiten des Engagements
5.6.7 Schule als Akteur bürgerschaftlichen Engagements
5.6.8 Unternehmen als Akteur bürgerschaftlichen Engagements

6. Soziale Arbeit und bürgerschaftliches Engagement
6.1 Schaffung neuer Angebote für ältere Menschen
6.2 Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen
6.3 Fazit: Soziale Arbeit und bürgerschaftliches Engagement

7. Beispiele innovativer Angebote für und von älteren Menschen

8. Das Land Brandenburg
8.1 Demografischer Wandel
8.2 Seniorenpolitik
8.3 Bürgerschaftliches Engagement
8.4 Der Landkreis Potsdam-Mittelmark
8.4.1 Demografischer Wandel
8.4.2 Bürgerschaftliches Engagement

9. These

10. Datenerhebung und Datenauswertung
10.1 Die Erhebungsmethode: Befragung
10.1.1 Das Experteninterview
10.1.1.1 Konstruktion des Interviewleitfadens
10.1.1.2 Durchführung der Interviews
10.1.2 Die schriftliche Befragung mittels Fragebogen
10.1.2.1 Konstruktion des Fragebogens
10.1.2.2 Durchführung der Befragung
10.2 Datenanalyse
10.2.1 Datenanalyse der Experteninterviews
10.2.1.1 Resultate der qualitativen Inhaltsanalyse
10.2.2 Datenanalyse der schriftlichen Befragung mittels Fragebogen
10.2.2.1 Resultate der deskriptiven Statistik
10.3 Fazit: Datenerhebung und Datenauswertung

11. Vergleich der Resultate mit der These

12. Fazit und Ausblick

13. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Anhänge

A Empirische Studien.

B Exkurs: Bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen

in den neuen Bundesländern

B.1 Engagementstrukturen in der DDR

B.2 Folgen des Transformationsprozesses für die Engagementstrukturen

B.3 Sonstige Gründe für ein geringeres Engagement

B.4 Förderung des bürgerschaftlichen Engagements

B.5 Fazit

C Ergänzende Informationen

D Interviews

D.1 Interviewleitfaden

D.2 Interviewvereinbarung

D.3 Transkriptionslegende

D.4 Interview-Transkript 1

D.5 Interview-Transkript 2

E Fragebogen

E.1 Anschreiben

E.2 Fragebogenexemplar

E.3 Anonymisierte Antworten

F Abbildungen

G Tabellen

1. Einleitung

In der öffentlichen Diskussion über den demografischen Wandel in Deutschland wird die Alterung der Gesellschaft oft als Belastung vor allem für die sozialen Sicherungssysteme gesehen, aber immer mehr werden auch die positiven Seiten des Alter(n)s diskutiert und Potenziale des Alters erkannt, wie der fünfte Altenbericht[1] der Bundesregierung mit dem Titel „Potenziale des Alters in Wirtschaft und Gesellschaft. Der Beitrag älterer Menschen zum Zusammenhalt der Generationen“ beweist. Hier in dieser Arbeit geht es um die Potenziale des Alters für bürgerschaftliches Engagement. Es besteht in der Gesellschaft ein überwiegend negativ besetztes Altersbild. Kann dieses Altersbild durch bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen positiv beeinflusst werden? Ausgangspunkt der Diskussion über Alter(n) und bürgerschaftliches Engagement ist die demografische Alterung, die durch eine Zunahme älterer Menschen im Vergleich zu den Jüngeren und besonders durch einen Anstieg der Hochaltrigen ab 80 Jahren gekennzeichnet ist. Folgt daraus auch, dass sich mehr ältere Menschen bürgerschaftlich engagieren? Welche Bedeutung hat bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel bzw. ist es für die Bewältigung der mit dem demografischen Wandel verbundenen Herausforderungen notwendig? Werden die Potenziale älterer Menschen für die Gesellschaft ausreichend genutzt und gefördert? Wie kann das Potenzial Älterer für bürgerschaftliches Engagement aktiviert und genutzt werden? Diese zentralen Fragen werden in der Arbeit behandelt. Dazu werden im Einzelnen im zweiten Kapitel bestimmte empirische Studien und Literatur genannt, die sich mit den Themen Alter(n) und bürgerschaftlichen Engagement älterer Menschen beschäftigen. Die Ergebnisse ausgewählter empirischer Studien dienen später zur Darstellung der Daten und Fakten des bürgerschaftlichen Engagements. Im dritten Kapitel wird der demografische Wandel in Deutschland und dessen Herausforderungen vorgestellt. Die Lebensphase Alter verändert sich, das wird verdeutlicht, zum einen durch den demografischen Wandel und zum anderen durch den von Tews beschriebenen „Strukturwandel des Alters“, dessen fünf Konzepte nach einer Erläuterung zur Bedeutung von „Alter“ und „Alter(n)“ im vierten Kapitel beschrieben werden. Im fünften Kapitel erfolgt die Darstellung des Spektrums bürgerschaftlichen Engagements älterer Menschen, d.h. es wird als erstes der Begriff „Bürgerschaftliches Engagement“ erklärt, danach erfolgt die Betrachtung des faktischen bürgerschaftlichen Engagements älterer Menschen, das beinhaltet u.a. die Beteiligungsquoten älterer Menschen am Engagement, ihre bevorzugten Engagementbereiche sowie die Zugangswege zum Engagement und auch die Beweggründe älterer Menschen für ein Engagement. Dazu werden geschlechtsspezifische, soziale und regionale Unterschiede der Engagierten erläutert. Diese Differenzen werden in der Arbeit und auch als Exkurs im Anhang behandelt. Ferner werden im fünften Kapitel Verbesserungswünsche der älteren Menschen zu den Rahmenbedingungen des Engagements genannt und nachfolgend Handlungsmöglichkeiten zur Förderung des Engagements aufgezeigt. Innerhalb des fünften Kapitels werden die folgenden Fragen diskutiert: Wird bürgerschaftliches Engagement als „Lückenbüßer“ für staatliche Finanzlöcher benutzt? Steigert bürgerschaftliches Engagement die Lebensqualität älterer Menschen? Ein weiterer wichtiger Punkt des fünften Kapitel ist das Thema „politische Partizipation älterer Menschen“, besonders im Hinblick auf den demografischen Wandel und der Frage, ob die älteren Menschen aufgrund dessen zukünftig auch mehr politische Macht erhalten. Bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen spielt für die Soziale Arbeit in vielen Bereichen eine große Rolle und auch zur Entwicklung der Sozialen Arbeit hat das bürgerschaftliche Engagement beigetragen. Diese und weitere Aspekte werden im sechsten Kapitel näher ausgeführt. Im siebten Kapitel werden Beispiele innovativer Angebote für und auch von älteren Menschen vorgestellt. Das Projekt „Potsdam-Mittelmark auf dem Weg zum seniorenfreundlichen Landkreis“, das im Rahmen dieser Arbeit untersucht wurde, wird hier jedoch nur genannt und später im zehnten Kapitel näher erläutert. Hierbei wird dann verdeutlicht, wie sich ältere Bürgerinnen[2] und Bürger für das Gemeinwohl engagieren können. Im achten Kapitel wird das dazugehörige Untersuchungsgebiet vorgestellt, genauer gesagt, das Land Brandenburg und im Speziellen der Landkreis Potsdam-Mittelmark als Modellregion, wo das Projekt aktuell durchgeführt wird. Mit einer qualitativen und quantitativen Erhebungsmethode, der Befragung, bzw. Experteninterviews und einer schriftlichen Befragung mittels Fragebogen wurde das Projekt „Potsdam-Mittelmark auf dem Weg zum seniorenfreundlichen Landkreis“ näher beleuchtet, mit dem Ziel, zu beweisen, dass es ein innovatives Beispiel für bürgerschaftliches Engagement im Hinblick auf den demografischen Wandel darstellt und zeigt, dass bürgerschaftliches Engagement auch notwendig ist. Diese Erhebungsmethoden werden im zehnten Kapitel analysiert und ausgewertet. Abschließend werden im zwölften und dreizehnten Kapitel ein Fazit und eine Zusammenfassung aus den vorhergehenden Ausführungen abgeleitet.

Viele interessante und auch wichtige Themen im Zusammenhang mit bürgerschaftlichen Engagement älterer Menschen und demografischen Wandel können aufgrund des zeitlichen und inhaltlichen Rahmens dieser Arbeit nicht behandelt werden. Es wird jedoch innerhalb der Arbeit darauf verwiesen und tiefergehende wissenschaftliche Lektüre dazu genannt.[3]

In den letzten Jahren hat das Thema bürgerschaftliches Engagement in der wissenschaftlichen und politischen Diskussion an Bedeutung gewonnen. Auf Bundesebene hat sich z.B. im Jahr 2002 das „Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE)“ gebildet, mit dem Ziel das bürgerschaftliche Engagement und die Bürgergesellschaft in allen Bereichen der Gesellschaft und Politik nachhaltig zu fördern. Dafür sollen staali-che, kommunale, wirtschaftliche und bürgerschaftliche Akteure zusammenarbeiten.[4]

2. Empirische Studien zum Alter(n) und bürgerschaftlichen

Engagement

Mehrere empirische Studien beschäftigen sich in Deutschland mit den Themen „Alter“ und „Alter(n)“ sowie mit dem bürgerschaftlichen Engagement älterer Menschen. Zum Beispiel der Alterssurvey, dessen Ziel „eine umfassende Beobachtung der Lebensumstände von Menschen in der zweiten Lebenshälfte“ ist.[5] Im Rahmen des Alterssurveys fanden im Jahr 1996 und 2002 Befragungen von circa 5000 Menschen „im Alter zwischen 40 und 91 Jahren“ statt.[6] Die Personen wurden „umfassend zu ihrer Lebenssituation befragt, u.a. zu ihrem beruflichen Status oder ihrem Leben im Ruhestand, zu gesellschaftlicher Partizipation und nachberuflichen Aktivitäten, zu wirtschaftlicher Lage und Wohnsituation, zu familiären und sonstigen sozialen Kontakten sowie zu Gesundheit, Wohlbefinden und Lebenszielen.“[7] Eine weitere Studie ist der Freiwilligensurvey von 1999 und 2004. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gab in der zweiten Hälfte der 90er Jahre den Freiwilligensurvey, eine umfassende quantitative und repräsentative Erhebung zum freiwilligen Engagement in Deutschland, in Auftrag. Die Durchführung des Freiwilligensurveys in den Jahren 1999 und 2004 übernahm die TNS Infratest Sozialforschung, München. Die Basis der Erhebung bilden telefonische Befragungen von etwa 15.000 Menschen ab 14 Jahren.[8] Der Vertiefungsteil des Freiwilligensurveys 2004 beschäftigt sich u.a. mit den Menschen im Alter ab 60 Jahren.[9] Die dritte bedeutende Studie ist die Zeitbudgeterhebung. Das Statistische Bundesamt führte in den Jahren 1991/1992 und 2001/2002 zwei Zeitbudgeterhebungen im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend durch. Dabei arbeite das Statistische Bundesamt mit den Statistischen Landesämtern zusammen. Bei der ersten Zeitbudgeterhebung 1991/1992 wurden ca. 16.000 Personen und bei der zweiten Zeitbudgeterhebung 2001/2002 wurden 12.600 Personen ab dem zehnten Lebensjahr bezgl. ihrer Zeitverwendung (ihrer Aktivitäten, z.B. ehrenamtliche Tätigkeiten, Freiwilligenarbeit) mittels eines Zeittagebuches und einem Personenfragebogens befragt.[10]

Folgende empirische Studien werden nur genannt und im Anhang kurz dargestellt: die Berliner Altersstudie (BASE)[11], das Sozio-ökonomische Panel (SEOP)[12], die Interdisziplinäre Langzeitstudie des Erwachsenenalters (ILSE)[13] sowie der Wohlfahrtssurvey[14] .

Einen Überblick über die Lebenslagen älterer Menschen bieten auch die Altenberichte[15] der Bundesregierung. Der Deutsche Bundestag hat im Jahr 1999 die Enquete-Kommission „Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements“ beauftragt „eine Bestandsaufnahme bürgerschaftlichen Engagements vorzunehmen und daraus Handlungsempfehlungen zu seiner Förderung zu entwickeln.“[16] Insgesamt existieren elf Bände der Schriftenreihe Enquete-Kommission „Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements“.[17]

Ausgangspunkt der gesellschaftlichen Diskussion über Alter(n) und bürgerschaftliches Engagement ist der demografische Wandel. Zur Beschreibung des demografischen Wandels in Deutschland gibt es zuverlässige empirische Daten, sehr gute technologische Simulationen und Prognosen der zukünftigen Bevölkerungsentwicklung,[18] wie z.B. die aktuellste 11. Bevölkerungsvorausberechnung, die zwischen dem Statistischen Bundesamt und den Statistischen Ämtern der Länder im Jahr 2006 koordiniert wurde[19] so-wie den „Wegweiser Demographischer Wandel“, der von der Bertelsmann Stiftung entwickelt wurde, um Kommunen „bei der Gestaltung des demographischen Wandels vor Ort“ zu unterstützen.[20]

3. Demografischer Wandel in Deutschland

Der Demografische Wandel führt zu einer „Alterung der Gesellschaft“. Die Bevölkerung in Deutschland wird immer älter und auch immer weniger. Die entscheidenden Faktoren dafür sind die Geburten-, Sterblichkeits- und Wanderungsentwicklung sowie die bisherige Bevölkerungsentwicklung.[21]

3.1 Bevölkerungsentwicklung

Die Altersstruktur in Deutschland verändert sich gegenwärtig enorm. Das zeigt der Vergleich mit den Bevölkerungsstrukturen aus früheren Jahren (siehe Abbildung 1 im Anhang F, S. 182). Im Jahr 1910 im Deutschen Reich stellte eine „Alterspyramide“ die Form der Bevölkerungsstruktur dar. Diese „Alterspyramide“ verdeutlicht, dass damals die Kinder die stärksten Jahrgänge stellten. 1950 zeichnet die Bevölkerungsstruktur durch „die beiden Weltkriege und die Wirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre deutliche Kerben in der Pyramide“ ab. Die heutige Bevölkerungsstruktur sieht eher einer „zerzausten Wettertanne“ ähnlich statt einer Pyramide. Am stärksten ist das mittlere Alter besetzt und am wenigsten die jüngeren (unter 20-Jährigen) und älteren (ab 65-Jährigen) Jahrgänge. Aus der Pyramidenform wird im Jahr 2050 eine „Urnen- oder Pilzform“ werden, die den Bevölkerungsaufbau darstellt. Die mittleren Jahrgänge werden „weiter nach oben verschoben und von zahlenmäßig kleineren ersetzt, so dass sich der Altersaufbau weiter verändert.“[22] Ende 2006 lebten in Deutschland 82,31 Millionen Einwohner.[23] Im Jahr 2050 werden es ca. 69 bis 74 Millionen sein.[24] Die Bevölkerung in Deutschland wird somit immer weniger und auch immer älter.

3.2 Mehr ältere Menschen

Zukünftig wird es mehr ältere Menschen in Deutschland geben. Die Anzahl „der 65-Jährigen und Älteren wird bis Ende der 2030er Jahre um etwa die Hälfte ansteigen“. Im Jahr 2005 gab es etwa 16 Millionen 65-Jährige. 2050 wird es dann circa 23 Millionen geben. Auch die Zahl der 80-Jährigen und Älteren wird ansteigen. Von 3,7 Millionen im Jahr 2005 auf 10 Millionen im Jahr 2050. Folglich hätte sich die Zahl der 80-Jährigen und Älteren verdreifacht. Demnach wird auch der Anteil der Hochbetagten anwachsen.[25] Dabei erhöht sich der Anteil der Hochaltrigen jedoch überproportional im Vergleich zur gesamten Entwicklung. „Während die gesamte Bevölkerung in Deutschland von 1953 bis zum Jahr 2000 um 17,1% zugenommen hat, betrug die Zunahme der 80-Jährigen und Älteren in dieser Zeit ca. 275% und die der 90-Jährigen und Älteren 1521%!“[26]

3.3 Geburten-, Sterblichkeits- und Wanderungsentwicklung

Die Geburtenzahl wird zukünftig weiter sinken, das heißt, dass auch immer weniger potentielle Mütter geboren werden, die Kinder bekommen können.[27] Die Geburtenzahl sinkt jedes Jahr „von derzeit etwa 685.000 auf rund 500.000 im Jahr 2050.“[28] Somit wird das Geburtendefizit im Jahr 2050 viermal so hoch sein wie im Jahr 2005.[29] Durch diesen Geburtenrückgang hat der Anteil älterer Menschen zugenommen. „Das Geburtendefizit wird durch die Zuwanderungsüberschüsse aus dem Ausland nicht mehr kompensiert“[30] und wächst aufgrund der höheren Sterbefälle immer rasender. Die Sterbefälle werden zunehmen, da „Jahrgänge in das höhere Alter kommen, die weit stärker als die der heute Hochbetagten besetzt sind.“ Jedoch ist die Sterblichkeit seit 130 Jahren aus den gleichen Gründen, weshalb die Lebenserwartung steigt, gesunken.[31]

3.4 Lebenserwartung

Neben der Sterblichkeit ist die Lebenserwartung ein weiterer bedeutender Faktor für die Entwicklung der Bevölkerung. Seit einigen Jahren ist die Lebenswartung stetig gestiegen und immer mehr Menschen werden älter. Die Gründe dafür sind allgemein verbesserte Arbeits- und Wohnbedingungen, medizinischer Fortschritt, verbesserte Hygiene und Ernährung sowie ein gestiegener materieller Wohlstand.[32] Dadurch ist auch die Sterblichkeitsrate gesunken, die eine höhere Lebensdauer zur Folge hat. Die durchschnittliche Lebenserwartung betrug 1871/1881 im Deutschen Reich „bei Geburt für Jungen 35,6 Jahre und für Mädchen 38,4 Jahre.“ Heute ist die durchschnittliche Lebens-

erwartung (siehe Tabelle 1 im Anhang G, S. 184) enorm gestiegen und beträgt bei der Geburt für Jungen 76,6 und für Mädchen 82,1 Jahre (2004/2006). Frauen haben eine höhere Lebenserwartung als Männer. Im Jahre 1871/1881 konnten etwa „31% der Männer und 36% der Frauen“ das 60. Lebensjahr erreichen. Im Jahr 2002/2004 waren es etwa „88% Männer und 93% Frauen, die das 60. Lebensjahr erleben“ konnten.[33] Folglich ist nicht nur die durchschnittliche Lebenswartung bei Geburt gestiegen, sondern auch die der älteren Menschen. Die Lebenserwartung der 65-Jährigen steigt bis 2050 um etwa 4,5 Jahre.[34] Ferner wird auch ein hoher Anstieg der Lebenserwartung bei Geburt bis zum Jahr 2050 erwartet. Man vermutet eine durchschnittliche Lebenserwartung 2050 bei der Geburt für Jungen von 83,5 und für Mädchen von 88,0 Jahren.[35] Das ergibt eine Zunahme der Lebenserwartung bei Jungen von 6,9 und bei Mädchen von 5,9 Jahren im Vergleich zur Lebenserwartung in den Jahren 2004/2006. Somit steigt die Lebenserwartung in Deutschland zukünftig weiter an.

3.5 Herausforderungen der demografischen Alterung

Die demografische Alterung stellt an die Gesellschaft vielfältige soziale, wirtschaftliche, politische, kulturelle und medizinische Herausforderungen.[37] Wichtige Themen [36]

sind z.B. die ökonomische Wettbewerbsfähigkeit im Zusammenhang mit der Alterung

der Erwerbstätigen sowie die Folgen für die Sozialversicherungen.[38] In diesem Zusammenhang wird häufig auch über das Thema Alterssicherung diskutiert. Für die Alterssicherung ist die Anzahl der Beschäftigten und der Beitragszahler entscheidend. Da sich der Altersquotient im Jahre 2030 verdoppeln wird, scheinen die Renten nicht mehr „si-cher“ zu sein.[39] Der Altersquotient gibt das Verhältnis der Anzahl älterer Menschen (über 64 Jahren), die nicht mehr erwerbsfähig sind, zur Anzahl jüngerer erwerbsfähiger Menschen (zwischen 18 und 64 Jahren) an. Heute kommen „auf jede Person im Ruhestandsalter noch rund vier Personen im erwerbsfähigen Alter, [..] nach dem Jahr 2030 sind es nur noch zwei“.[40] Es werden somit immer mehr ältere Menschen im Ruhestand, jüngeren Menschen im Erwerbsalter gegenüberstehen.

Die demografische Entwicklung wird Auswirkungen auf die unterschiedlichsten Lebensbereiche haben, wie z.B. „auf Kinderbetreuungseinrichtungen, das Bildungswesen, Zahl und Struktur der Erwerbspersonen und den Gesundheits- und Pflegesektor“[41] sowie auf Wohnungsplanung und die politische und gesellschaftliche Partizipation.[42] Da der Anteil der älteren Menschen und besonders die Zahl der Hochaltrigen zunehmen, kommt es häufiger zu Krankheiten und zu Pflegebedürftigkeit.[43] Durch den demografischen Wandel wird der Bereich Pflege also zunehmend in Anspruch genommen werden müssen. Und da die Bereitschaft zur häuslichen Pflege in Zukunft sinken wird, „muss dann immer häufiger auf öffentliche Pflege in Heimen zurückgegriffen werden.“ Diese Aussage gründet z.B. auf „Prognosen des zukünftigen Hilfe- und Pflegebedarfs von 1995 bis 2020“, die einen Anstieg des Bedarfs von fast 43 Prozent voraussagen sowie eine überproportionale Zunahme des Pflegebedarfs in Heimen prognostizieren.[44]

Dementsprechend wird es einen höheren Bedarf an ärztlicher, pflegerischer und sozialer Versorgung im Alter geben müssen.

3.6 Fazit: Demografischer Wandel in Deutschland

Die Bevölkerung in Deutschland schrumpft und wird immer älter. Ursachen dafür sind die Geburten-, Sterblichkeits- und Wanderungsentwicklung sowie die damit verbundene höhere Lebenserwartung und die früheren Bevölkerungsentwicklungen. Die demografische Alterung stellt an unsere Gesellschaft verschiedene Herausforderungen. Nach Kruse/Schmidt sind es drei grundlegende gesellschaftliche Aufgaben. Erstens „die Aufgabe einer solidarischen und gerechten Verteilung der Lasten des demografischen Wandels auf die Generationen“, zweitens „die Aufgabe, die Rahmenbedingungen für eine Ver-

einbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern und damit zu einer kinderfreundlicheren Gesellschaft beizutragen“ und als dritte Aufgabe „muss die Gesellschaft realisieren, dass sie bereits heute nicht mehr auf die Potenziale älterer Menschen verzichten kann“.[45] Was die „Potenziale älterer Menschen“ sind, wird im Kapitel 4.4.3 näher beschrieben. Kösters vertritt die Meinung: „Nicht das Altern, sondern der absehbare und sich voraussichtlich beschleunigende Rückgang unserer Bevölkerung ist das zentrale demographische Problem.“[46]

Im nächsten Kapitel wird der Frage nachgegangen, ab wann ein Mensch eigentlich alt oder älter ist und somit versucht die Begriffe Alter und Altern zu erklären.

4. Das Alter(n)

Im dritten Kapitel wurde dargelegt, dass unsere Gesellschaft immer älter wird. Dabei wird das Alter „an einer bestimmten Anzahl absolvierter Lebensjahren festgemacht.“[48] Im folgenden Kapitel wird u.a. erläutert, ob mit diesen konstanten Altersgrenzen das [47]

„Alter“ ausreichend definiert ist.

4.1 Altersbegriffe

Wann beginnt das „Alter“ oder „Altern“? Wann ist ein Mensch alt? Diese Fragen lassen sich nicht eindeutig beantworten, „denn das Alter ist relativ.“[49] Die Bestimmung des Alters ist kontextabhängig, d.h. es kommt darauf an, von welcher Perspektive des Individuums man ausgeht. Zum Beispiel halten Kinder schon einen 30-Jährigen für einen alten Mann oder 40-Jährige glauben mit 65 Jahren beginnt das Alter, dabei fühlen sich viele 65-Jährige gar nicht als alt. Ein 35-Jähriger Fußballspieler ist für uns „uralt“, im Gegensatz zu einem gleichaltrigen Bankdirektor, der „extrem jung ist“.[50] Ferner sind die Begriffe des Alters und Alterns von der jeweiligen Kultur und Gesellschaft abhängig.[51] „Jede Kulturgruppe hat eigene Altersvorstellung, Altersbestimmung und eine eigene Bewertung des Alters.“[52]

4.1.1 Kalendarisches Alter

Das kalendarische Alter bezeichnet eine feste Altersgrenze, die gewisse Lebensabschnitte kennzeichnet, wie z.B. das Rentenalter.[53] Häufig wird das Ausscheiden aus dem Erwerbsleben als Altersgrenze genannt. Demnach gilt im Allgemeinen das 65. Lebensjahr als alt.[54] Die Wahl einer festen Altersgrenze ist willkürlich, aber für z.B. statistische Datenerhebungen notwendig. Da sich der Berufsaustritt häufig vor dem 65. Lebensjahr ereignet, „rückt das kalendarische Alter dann in vielen Fällen auch in der Statistik auf das 60. Lebensjahr vor.“ Danach zählen alle Personen ab dem 60. Lebensjahr zu den älteren Menschen.[55] Davison/Neale konstatieren, dass die Gerontologen um dem Spektrum des Alterns gerecht zu werden, eine Unterteilung in die „jungen Alten zwischen 65 und 74 Jahren und die alten Alten, die 74 Jahre und mehr zählen“ unternommen haben.[56] Bei Thiele dagegen beginnt die Altersgruppe der „jungen Alten“ bereits ab 60 Jahren und endet mit 75 Jahren. Sie unterteilt jedoch die Gruppe der älteren Menschen auch noch differenzierter, weil sie meint, dass ältere Menschen keine „homogene Gruppe“, sondern eine differenzierte und heterogene Altersgruppe seien. Daher nimmt sie eine „Binnendifferenzierung“ vor, d.h. „eine etwas detailliertere Unterscheidung“ des Alters und differenziert zwischen:

- „Junge Alte = 55-65 Jahre,
- Ältere = 66-75 Jahre,
- Betagte = 76-85 Jahre,
- Hochbetagte = ab 86 Jahre.“[57]

Ein weiterer Autor, Druyen, unterteilt „die Lebensphasen jenseits der fünfzig“ noch detaillierter: „in zwölf Abschnitte, die jeweils vier oder fünf Jahre umfassen“, damit die Individualität zum Ausdruck kommt.[58]

Die Weltgesundheitsorganisation unterscheidet wiederum auf der Grundlage des kalendarischen Alters zwischen ganz anderen Altersgruppen:

- „zwischen alternden Menschen (51. bis 60. Lebensjahr),
- älteren Menschen (60- bis 75jährigen),
- alten Menschen (75- bis 90jährigen),
- hochbetagten Menschen (über 90jährigen) und
- langlebigen Menschen (über 100 Jahre alt).“[59]

Ein weiteres Beispiel ist die Altersaufteilung im Alterssurvey, einer empirischen Studie. Dort wird zwischen folgenden drei Altersgruppen unterschieden:

- die Gruppe der 40- bis 54-Jährigen, die zum Kern der Erwerbstätigen gehört,
- die Gruppe der 55- bis 69-Jährigen, die sich am Übergang zwischen Erwerbstätigkeit und Ruhestand befindet („junge Alte“),
- die Gruppe der 70- bis 85-Jährigen, die im Ruhestand ist („mittleren Alten“).[60]

Im Alterssurvey von 1996 wurde gefragt: „Ab welchen Alter würden Sie jemanden als alt bezeichnen?“ Im Durchschnitt nannten die Befragten das Alter „zwischen 70 und 75 Jahren“ als Altersbeginn. Das entspricht nicht der Rentenaltersgrenze, sondern eher der in der Wissenschaft verwendeten Altersgruppe der „jungen Alten“, die jedoch hier auch später beginnt.[61]

4.1.2 Biologisches Alter

Das biologische Alter wird bestimmt durch einen normalen Prozess, der durch Abbauerscheinungen gekennzeichnet ist.[62] „Ab dem 30. Lebensjahr“ setzt ein sukzessiver „Abbau physiologischer Funktionen“ ein.[63] „Die Lunge nimmt weniger Sauerstoff auf, die Durchblutung ist vermindert, die Muskelmassen nehmen ab, der Mineralgehalt der Knochen sinkt“ sowie „Gleichgewicht und Reaktionsgeschwindigkeit sind verringert“[64] und „die Sinnesorgane nehmen weniger wahr.“[65] „Als Ursache vermutet man den

Abbau von Nervenzellen und die Verminderung der Leitungsgeschwindigkeit von elek-trischen Impulsen in den Nervenbahnen.“[66] Die biologischen Alternsprozesse sind langsam voran schreitende normale Vorgänge, d.h. sie stellen keine Krankheit dar.[67] Die Menschen nehmen diese Vorgänge oft erst wahr, wenn sie die Einschränkungen der verminderten Leistungsfähigkeit spüren.[68]

4.1.3 Psychologisches Alter

Das psychologische Alter äußert sich im subjektiven Empfinden im Sinne von: „Man ist so alt wie man sich fühlt“. Zum Beispiel kann sich eine Person nach dem psychologischen Alter wie ein(e) 60-Jährige(r) fühlen und nach dem kalendarischen Alter aber schon viel älter sein.[69] Im Alterssurvey von 1996 wurde gefragt: „Wie alt fühlen Sie sich?“. Im Durchschnitt fühlten sich die Befragten 10 Jahre jünger, als sie nach ihrem kalendarischen tatsächlich Alter waren.[70] In „der psychologischen Literatur“ wird diese „subjektive ‚Verjüngung‘“ als Zeichen „eines positiven Selbstbildes“ gedeutet.[71] Die Festlegung des Alters ist primär eine persönliche Sache und hängt damit zusammen, wie jemand mit Verlusten, Veränderungen und Anforderungen in seinem Leben umgeht und auch wie man seinem Alterungsprozess entgegen tritt.[72]

4.1.4 Soziologisches Alter

Der soziologische Begriff des Alters wird „durch Positionen und deren Be­urteilung im individuellen wie kollektiven Leben“ charakterisiert. Das bedeutet, im Laufe des Lebens nimmt der Mensch unterschiedliche Positionen ein, z.B. die Position als Schüler, als Mutter oder Vater, als Pensionär. Diese Positionen werden von dem Individuum selbst und auch von der Gesellschaft bewertet und gedeutet.[73] „Das Erreichen eines bestimm-ten Lebensjahrzehnts oder die äußere Erscheinung machen eine bestimmte Person noch nicht alt; erst die Vor­stellungen und Meinungen, die in der Gesellschaft an das Altsein geknüpft sind, lassen jemanden als alt erscheinen.“[74] Ein Altersbegriff wird somit von der Gesellschaft definiert. Gesellschaftlich betrachtet, beginnt das Alter mit dem Eintritt ins Rentenalter.[75] Im Alter können auch neue Positionen aufgrund der gewachsenen Erfahrungen und eines besseren Urteilsvermögen gewonnen werden, z.B. die Position als Vorstand eines Seniorenbeirates.[76] Thiele empfiehlt für soziale Berufe „die Betrachtung des soziologischen Altersbegriffs“, weil dieser die kalendarischen, biologischen und psychologischen Aspekte des Alters umfasse. Thiele meint weiterhin, dass die „sozialwissenschaftlichen Altersdefinitionen die gesamte Lebenssituation“ älterer Menschen mitberücksichtige. „Hierzu zählen Veränderungen in den sozialen Bindungen, der Familie, des Netzwerkes, der Wohnsituation, des Einkommens und der Beschäftigung, ebenso gesundheitliche Verhältnisse und Umweltbedin­gungen insgesamt.“[77]

4.1.5 Fazit: Altersbegriffe

Wann beginnt das Alter(n)? Auf diese Frage gibt es keine konkrete Antwort. Häufig wird das Ausscheiden aus dem Erwerbsleben als Altersgrenze genannt. Demnach beginnt das Alter mit dem regulären Renteneintrittsalter ab 65 Jahren.[78] (Ab 2029 beginnt das Renteneintrittsalter dann ab 67 Jahren). Aufgrund des früheren Berufsaustritts verschiebt sich die Altersgrenze oft schon auf das 60. Lebensjahr.[79] In den empirischen Studien und in der wissenschaftlichen Literatur gibt es unterschiedliche Einteilungen der Altersgruppen, z.B. wird im Alterssurvey eher eine Lebenslaufbezogene Gliederung der Altersgruppen vorgenommen[80] und nach z.B. Davison/Neale 1988 werden ältere Menschen in die Gruppe der „jungen Alten“ und „alten Alten“ eingeteilt.[81]

Aufgrund der Heterogenität des Alters reicht eine festgesetzte kalendarische Altersgrenze zur Bestimmung des Altersbeginns nicht aus. Eine Unterscheidung in differenzierte Altersgruppen ist notwendig und „ermöglicht gerade für soziale Berufe eine spezifische Sicht auf die verschiedenen Altersphasen und deren unterschiedlichen Bedürfnisla-gen.“[82] Aufgrund der verschiedenen Altersabgrenzungen in der Literatur wird die „Mehrdimensionalität des Alter(n)sbegriffes“ ersichtlich.[83] Es wird unterschieden zwischen dem biologischen, psychologischen und soziologischen Alter, das viele Jahre auseinander liegen kann.[84] Gesellschaftlich betrachtet, beginnt das Alter mit dem Ein-tritt ins Rentenalter und biologisch sowie psychologisch gesehen, ist die Bestimmung des Alters willkürlich, weil „das Älterwerden“ ein sukzessiv „verlaufender Prozess“

ist.[85] Zum Beispiel kann sich eine Person nach dem psychologischen Alter wie ein(e)

60-Jährige(r) fühlen und nach dem kalendarischen Alter aber schon viel älter sein.[86] Die Gruppe der älteren Menschen ist daher sehr vielfältig, besonders in ihrem Erscheinen. Man hat herausgefunden, dass sich ältere Menschen voneinander „stärker unterscheiden als Angehörige anderer Altersgruppen.“[87] Es wird aber auch konstatiert, dass Paare mit dem Alter, die lange zusammenleben, sich immer mehr ähneln.[88]

4.2 Strukturwandel des Alters

Der „Strukturwandel[89] des Alters“ ist eine Folge des demografischen Wandels und der Entwicklungen in der Gesellschaft. Tews beschreibt die „Veränderungen des Alter(n)s und deren Auswirkungen auf die Lebenssituation im Alter.“[90] Er stellt diese Veränderung als „Strukturwandel des Alters“ anhand folgender fünf Konzepte dar.[91]

4.2.1 Verjüngung

Mit „Verjüngung“ ist gemeint, dass die alten Menschen jünger geworden sind. Tews unterscheidet dabei positive, negative und neutrale Effekte der Verjüngung. Positive Effekte der Verjüngung sind z.B. wenn ältere Menschen im Vergleich zu früheren Altersgruppen sich selbst als jünger einschätzen. Studien, die Tews anführt, belegen, dass sich Menschen für jünger halten und auch die Ergebnisse des Alterssurvey von 1996 bestätigen diese Aussage (vgl. dazu Punkt 4.1.3). Negative Effekte der Verjüngung bestehen, „z.B. wenn ältere Arbeitslose aus Altersgründen nicht mehr eingestellt werden und diese Altersgrenze deutlich nach unten gedrückt ist“. Heute zählen bereits 45-Jährige zu den älteren Arbeitnehmern, die sich dadurch früher mit „Altersproblemen“ auseinandersetzen müssen, obwohl sie sich subjektiv noch nicht als alt fühlen. Neutrale Effekte der Verjüngung sind z.B. wenn die Erziehungspflichten früher beendet sind und aus diesem Grund, meistens die Mütter, dann auch früher Lebenszeit zu freien Verfügung übrig haben.[92]

4.2.2 Entberuflichung

Aufgrund der frühen Aufgabe des Berufes und der höheren Lebenserwartung kommt es zur „Entberuflichung des Alters“, das bedeutet, die Lebenszeit ohne Berufstätigkeit verlängert sich.[93] Gensicke äußert, dass nur ca. ein Fünftel der 60- bis 69-Jährigen Befrag-ten im Rahmen des Freiwilligensurvey von 2004 einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Dieser geringe Anteil an den Erwerbstätigen lässt erkennen, dass sich der größte Teil dieser Altersgruppe bereits im Ruhestand befindet.[94] Obwohl die Menschen eine höhere Lebenserwartung haben, besteht ein Trend zur Frühverrentung. Demzufolge dehnt sich die Altersphase aus.[95]

Welche Auswirkung wird das neue Renteneintrittsalter auf die Entberuflichung im Alter haben? Stellt das gesetzliche Renteneintrittsalter von 65 Jahren oder zukünftig von 67 Jahren den Beginn des Alters dar?

4.2.2.1 Renteneintrittsalter mit 65 Jahren

Wie bereits unter Punkt 4.1.1 ausgeführt, wird das gesetzliche Renteneintrittsalter von derzeit 65 Jahren[96] im Allgemeinen als Altersbeginn bezeichnet. Aufgrund des Trends zur Frühverrentung oder zum früheren Berufsaustritt z.B. wegen Arbeitslosigkeit, Berufsunfähigkeit verschiebt sich diese Altersgrenze häufig auf das 60. Lebensjahr.[97] Entsprechend der Statistik der Deutschen Rentenversicherung lag das durchschnittliche Rentenzugangsalter bei den Altersrenten im Jahr 2006 bei 63,2 Jahren.[98] Backes/Clemens konstatieren dagegen, dass eine allgemein gültige Altersgrenze den Berufsaustritt nicht kennzeichnet, da jeder Mensch über den Beginn seines Berufsaustritts individuell entscheide. Sie meinen weiterhin, dass der Zeitpunkt des Berufsaustritts im Alter und „der Übergang in den Ruhestand […] die stärkste gesellschaftliche Zuschreibung von ‚Alter‘“ symbolisieren.[99]

4.2.2.2 Renteneintrittsalter mit 67 Jahren

Zukünftig wird das 67. Lebensjahr die „Regelaltersgrenze“ darstellen. „Der Bundesrat hat in seiner Sitzung am 30.03.2007 das bereits vom Deutschen Bundestag am 09.03.2007 […] verabschiedete Gesetz zur Anpassung der Regelaltersgrenze an die demografische Entwicklung und zur Stärkung der Finanzierungsgrundlagen der gesetzlichen Rentenversicherung (RV-Altersgrenzenanpassungsgesetz) (BT-Drs. 16/4372) gebilligt.“[100] Mit dem Gesetz soll das „Renteneintrittsalter“ in den Jahren 2012 bis 2029 schrittweise von 65 auf 67 Jahren heraufgesetzt werden. Danach müssen „Versicherte, die 1964 oder später geboren sind […] in der Regel bis zum 67. Lebensjahr arbeiten.“[101] Das Ziel des späteren Renteneintrittsalters ist es, „den Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung stabil zu halten“ und ein „zu stark“ sinkendes „Rentenniveau“, also „das Verhältnis der Rente eines Durchschnittsverdieners zum durchschnittlichen Nettoverdienst aller Beschäftigten“ zu verhindern.[102] In Deutschland wird aktuell darüber diskutiert, ob die Anhebung des Renteneintrittsalters auf das 67. Lebensjahr zumutbar und notwendig ist. Prager/Schoof stellen dabei fest, dass sich die Diskussion überwiegend „um die damit verbundenen Zumutungen rankt“ und die „vielfältigen Chancen, die sich für jeden Einzelnen und für die Gesellschaft aus der insgesamt gestiegene Lebenserwartung ergeben“ kaum Beachtung in der Diskussion finden.[103] Im Gegenteil zu Prager/Schoof nimmt Kruse eine Bewertung zu der Anhebung des Renteneintrittsalters vor. Kruse und auch die Verfasserin vertreten die Meinung, dass die Anhebung des Renteneintrittsalters für einige Berufsgruppen eine höhere körperliche Belastung und Anforderung als für andere Berufsgruppen darstelle und deshalb ein flexibles Renteneintrittsalter wünschenswerter wäre.[104] Beispielsweise gibt es in Finnland seit Inkrafttreten der Rentenreform im Jahr 2005 „ein variables Renteneintrittsalter von 63 bis 68 Jahre. Dabei erhalten Arbeitnehmer einen finanziellen Anreiz, wenn sie den Antrag auf Rente zeitlich hinausschieben.“[105] Gemäß Clemens/Naegele sind die Voraussetzungen für eine längere Erwerbstätigkeit älterer Menschen in Deutschland noch nicht ausreichend gegeben.[106] Ob die neue Regelaltersgrenze von 67 Jahren in der Gesellschaft als neue Altersgrenze anerkannt wird, bleibt abzuwarten. Tesch-Römer/Engstler/Wurm stellen fest, dass zukünftig die Anzahl älterer Erwerbstätiger mit großer Wahrscheinlichkeit zunehmen wird und daher nicht mehr von einem Trend zum frühen Berufsausstieg und damit von einer „Entberuflichung des Alters“ gesprochen werden könne. Auch das spätere gesetzliche Renteneintrittsalter verdeutlicht, das davon ausgegangen wird, dass ältere Menschen zukünftig länger arbeiten werden. Somit zeichnet sich bei diesem Konzept von Tews „eine Trendwende ab“.[107]

4.2.3 Feminisierung

Das Verhältnis der Geschlechter der Altenpopulation ist unausgeglichen. Zwei Drittel der Älteren unter 75 Jahren und drei Viertel bei den über 75-Jährigen sind Frauen. Aufgrund ihrer längeren Lebenserwartung und den Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges, bei dem besonders viele Männer starben, stellen Frauen die größere Anzahl an der Altenpopulation dar.[108] Folglich ist das Alter weiblich.[109] Tesch-Römer/Engstler/Wurm ergänzen die Ausführungen von Tews. Sie merken an, dass der Anteil der Männer zunehmen wird, weil sich zum einen die Auswirkungen des Krieges auf die Struktur der Geschlechter kompensieren werden und zum anderen, der Anteil der älteren Männer an der „Migrantenbevölkerung der ersten Generation“ seine Wirkung zeigt.[110]

4.2.4 Singularisierung

Der Anteil der allein lebenden älteren Menschen nimmt zu. Das Alleinleben im Alter ist z.B. durch Verwitwung erzwungen und wird dann zum „Lebensstil“, da ältere Menschen diese Lebenssituation als wenig veränderbar betrachten. Vereinsamung und Isolation treten bei Alleinlebenden häufiger auf. Eine zunehmende „Singularisierung im Alter“ muss aber nicht zu einer zunehmenden Vereinsamung und Isolation führen, „wenn bei den nachwachsenden Altersgenerationen stärker individualisierende Lebensstile häufiger und häufiger lange erprobt sind.“[111] In Deutschland leben ca. 40 Prozent der äl-teren Menschen ab dem 65. Lebensjahr allein. Davon sind mehr als 85 Prozent Frau-

en.[112]

4.2.5 Hochaltrigkeit

Die Menschen werden immer älter und leben somit auch länger. Heute zählt man die über 80-Jährigen zu den Hochaltrigen. Früher galten schon „die über 75jährigen zu den ‚richtig‘ Alten“. Im hohen Alter überwiegen die negativen Seiten des Alters, wie z.B. psychische und physische Erkrankungen, Pflegebedürftigkeit, Isolierung und Vereinsamung (die sozialen Kontakte werden geringer). Zwar dominieren die negativen Seiten, dennoch verbleibt die Mehrheit der Hochaltrigen lange Zeit in einer Lebenssituation, die „nicht nur negativ“ gekennzeichnet ist.[113]

4.2.6 Fazit: Strukturwandel des Alters

Tews beschreibt anhand der fünf Konzepte die veränderte Entwicklung des Alters im Lebenslauf, „im Sinne von je älter, desto quantitativ häufiger“ also „immer mehr alte Menschen werden noch etwas älter“.[114] Dadurch, dass die Menschen immer älter werden (aufgrund der höheren Lebenserwartung und auch wegen der „Verjüngung des Alters“) und aus ihrem Beruf früher aussteigen, dehnt sich die Altersphase immer mehr aus. Menschen können heute meist ein Viertel ihres Lebens in der Altersphase verbringen. Folglich wird die Zeit der Altersphase für viele ältere Menschen immer bedeutender. Durch die Ausdehnung der Altersphase wird es auch differenziertere Lebenslagen im Alter geben.[115] Tews fügt dazu noch an, das sich bei den meisten älteren Menschen „die Lebenslagen im Alter materiell und immateriell […] verbessert“ haben. Er fasst zusammen, dass das „neue Alter“ differenzierter und „variabler geworden“ ist und das es „eingebettet in veränderte quantitative und qualitative Einschnitte im Lebenszyklus – individuell und kollektiv“ ist.[116]

4.3 Alternstheorien und -modelle

Es gibt unterschiedliche Modelle und Theorien des Alterns. Fünf davon werden im Folgenden dargestellt.

4.3.1 Defizitmodell

Das Defizitmodell geht von einem negativen Bild des Alterns aus, das durch generelle biologische Funktions- und Leistungsabbauprozesse gekennzeichnet ist.[117] Der Alterungsprozess wird dabei nur mit „Abbau, Verlust, Rückbildung usw. in Verbindung gebracht“.[118] Nach dem Defizitmodell leben ältere Menschen isoliert und einsam, verlieren ihre sozialen Kontakte, leiden eventuell unter Depressionen und auch ihre „emotionale[n] Qualitäten (Sensibilität, Empathie, Tiefe von Empfindungen usw.)“ nehmen ab.[119] Von diesem negativen Bild des Alterns gingen früher die Forschungen und Theorien der

Gerontopsychologie[120] aus.[121] Heute akzeptiert man die „These vom generellen Leistungsabbau im Alter“ nicht mehr und gemäß Lehr wurde das Defizitmodell durch Studien widerlegt.[122] Ungeachtet dessen ist das Defizitmodell aber nach wie vor „im Alltagsdenken präsent und bestimmt wesent­lich die Haltung gesellschaftlicher Instanzen gegenüber Alten und das eigene Selbstbild.“[123] Dem „Defizitmodell des Alterns“ wird heute das „Kompetenzmodell des Alterns“ entgegengesetzt.[124]

4.3.2 Kompetenzmodell

Das Kompetenzmodell erkennt bestimmte biologische Funktions- und Leistungsabbauprozesse im Alter an, hebt aber hervor, „dass dadurch kein genereller Leistungsabbau bedingt ist“ und fragt nach den Kompetenzen der älteren Menschen, die erst im Alter entstehen und wie diese genutzt werden können.[125] In diesem Modell wird die Entwicklung der älteren Menschen „als kompensierende Anpassung“ gesehen. Laut P. B. Baltes bleibt ein positives Bild im Alter „durch die Mechanismen Selektion, kompensierende Maßnahmen und Optimierung“ erhalten. Selektion meint hierbei, dass sich ältere Menschen nur auf für sie wichtige Aufgaben beschränken, die auch noch ihrer Leistungsfähigkeit entsprechen. Kompensierende notwendige Maßnahmen sind z.B. eine Brille, Hörgerät und Gedächtnistechniken. Sie setzen ein, wenn bestimmte Funktionen der älteren Menschen eingeschränkt sind oder ausfallen.[126] Unter Optimierung versteht man

hier, dass physische und geistige Reserven durch Übung verbessert werden können.[127] Folglich kann durch eine Verbesserung der physischen und geistigen Reserven, mit entsprechenden Anreizen, ein Ausgleich der Defizite im Alter (also des „Verlustes an adaptiven Kapazitäten“) erreicht werden.[128] „Nach Baltes […] ist selektive Optimierung mit Kompensation das Modell erfolgreichen Alterns“.[129] „Erfolgreiches Altern“ bezieht sich auf die Bereiche der „Selbstständigkeit im Alter, der Langlebigkeit, der kognitiven Leistungsfähigkeit und der Bewältigung von Altersproblemen“. Um ein „erfolgreiches Altern“ zu erreichen, sind z.B. „ein ‚gesunder‘ Lebensstil“ und „Aktivitäten im Familien-, Freizeit- und Arbeitsbereich, die zum Aufbau von Kapazitätsreserven“ führen, notwendig, um eventuell auftretende negative Altersbedingungen zu vermindert.[130] Eine weitere Grundlage für ein „erfolgreiches Altern“ ist das Vorhandensein eines sozialen Netzwerkes. Soziale Kontakte und Beziehungen sind besonders in schwierigen Situationen notwendig, damit sie Hilfe und Unterstützung geben können.[131] Das Fehlen sol-cher sozialer Kontakte, hat einen negativen Einfluss auf das psychische Wohlbefinden und die Zufriedenheit älterer Menschen und erhöht die „Wahrscheinlichkeit einer Heimunterbringung“.[132] Backes/Clemens kritisieren am Kompetenzmodell, das es sich nur auf die einzelnen Individuen richte und dabei gesellschaftliche Bedingungen außer Acht lasse, die jedoch für Interventionen wichtig seien. Ihrer Meinung nach, müsse auch auf gesellschaftlicher Ebene nach Gestaltungsmöglichkeiten für ein „erfolgreiches Altern“ gesucht werden „(z.B. durch soziale Rahmenbedingungen, […] soziale, psychologische und medizinische Prävention).“[133]

4.3.3 Disengagement-Theorie

Vertreter[134] der Disengagement-Theorie gehen davon aus, dass alte Menschen „weniger soziale Kontakte pflegen als Jüngere und weniger in öffentlich wahrgenommenen Aktivitäten engagiert sind.“ Dieses „Rückzugsverhalten“ wird durch Verluste im sozialen Umfeld (z.B. Tod des Partners/in) und Einkommenseinbußen noch verstärkt. Aufgrund des „biologischen Altern“ und der „entwicklungspsychologischen Hinwendung zum

herannahendem Tod“ wird dieses „Rückzugsverhalten aus Aktivitäten und Rollen des mittleren Alters“ als notwendiges, allgemeines und natürliches Kennzeichen des Alternsprozesses betrachtet. Nach dieser Theorie wenden sich ältere Menschen psychisch und sozial ab, um sich „auf den Tod vorzubereiten oder die Folgen des To­des durch die zunehmende Distanz zum ‚Leben‘ erträglicher zu machen.“ Die älteren Menschen sind nach dieser Theorie mit ihrem Leben zufrieden, wenn die Gesellschaft weniger Anforderungen an sich stellt und sie selbst weniger Interesse und Bereitschaft zur Teilnahme haben. Die intrinsische Motivation älterer Menschen ist für das Rückzugsverhalten wichtig.[135] Das Defizitmodell stellt die Grundlage für die Disengagement-Theorie dar.[136] Gegen die Disengagement-Theorie spricht, dass sich ältere Menschen eher wegen der „beruflichen Ausgliederung“ zurückziehen und deswegen sozial ausgegrenzt und oft nicht zufrieden seien. Von einem natürlichen Geschehen kann daher nicht die Rede sein.[137] In der Alternsforschung wurde die Disengagement-Theorie häufig kritisiert. Besonders in die Kritik geraten ist dabei, dass das soziale Rückzugsverhalten als ein natürlicher und allgemeiner Prozess gedeutet werde.[138] Dabei verläuft aber, wie bereits unter Punkt 4.1.5 beschrieben, der Alternsprozess sehr individuell.

4.3.4 Aktivitätstheorie

Die Aktivitätstheorie[139] wurde als „Reaktion auf die Defizit- und die Disengagement-Theorie“ entworfen und wendet sich auch der Frage nach der Zufriedenheit älterer Menschen zu. Die Theorie legt dar, dass das Alter zwar mit Verlusten von Rollen und Funktionen, z.B. in der Familie oder im Beruf verbunden sein kann und es deshalb zum psychosozialen Rückzug älterer Menschen kommen könne, aber allgemein könne nicht „von einem Abbau kognitiver und sozialer Kompetenzen“ ausgegangen werden. Stattdessen können durch Anforderungen, die an die alten Menschen gestellt werden, sogar Leistungssteigerungen auftreten, aber nur in dem Rahmen, indem die körperlichen Leistungen das zulassen. Die Grundannahme der Aktivitätstheorie ist, dass die „menschliche Natur [..] auf Tätigkeit hin ausgerichtet [sei] […] und deshalb laufe Untätigkeit der Natur zuwider.“ Hierbei bedeutet Tätigkeit nicht nur „Produktivität“, sondern umfasst auch Beschäftigungen, die als nicht produktiv bewertet werden, z.B. „Lesen“.[140] Also nur wenn ältere Menschen aktiv sind, von anderen gebraucht werden, sind sie zufrieden und glücklich, denn Aktivität kompensiert Verluste von Rollen und Funktionen.[141] Außerdem haben sozialmedizinische Untersuchungen gezeigt, dass besonders durch mangelnde körperliche Tätigkeit und „durch allgemeine Passivität“ eine abnehmende „körperliche Leistungsfähigkeit oder verminderte funktionale Kompetenzen“ bedingt seien. Wer im hohen Alter gesund ist, hat „ein eher aktives Leben geführt.“ Besonders die soziale Aktivität (z.B. Treffen mit Freunden, Bekannten) soll eine der wesentlichsten Voraussetzung für die Zufriedenheit im Leben und für „ein positives Selbstbild im Alter sein“. Daher gehen Vertreter der Aktivitätstheorie davon aus, dass „‘aktives Altern normales Altern‘ sei“ und alte Menschen nur aufgrund verlorener Rollen, Aufgaben und Funktionen, sich zurückziehen und meistens dann auch unzufrieden seien. Ältere Menschen können bis ins hohe Alter aktiv sein. Einschränkungen (besonders in sensorischer und motorischer Form) der Aktivitäten können durch „Krankheiten oder Behinderungen“ geschehen, dann sollten jedoch die Aktivitäten angepasst und weiter ausgeübt werden, um weitere Einschränkungen zu reduzieren.[142] Weiterhin besagt die Theorie, dass ältere Menschen wenig Interesse an Aktivitäten haben, liege daran, weil sich die Gesellschaft von den älteren Menschen „gegen deren Willen“ zurückziehe. Das zentrale Beispiel dafür sei die Ausgliederung älterer Menschen aus der Berufswelt. Backes/Clemens kritisieren an der Aktivitätstheorie wie auch schon beim Kompetenzmodell, dass bestimmte Bedingungen (hierbei z.B. politische, ökonomische, sozialstrukturelle, biographische, gesellschaftliche Bedingungen) der Situation älterer Menschen außer Acht gelassen werden und der einzige Bezugspunkt anscheinend „der Mensch und seine Aktivierung“ sei. Sie kritisieren weiterhin, dass die mit steigendem Alter auftretenden Veränderungen, die nicht mehr durch Aktivität ausgeglichen werden können, ungeachtet bleiben (z.B. „arbeitsplatzbedingte Verschleißerscheinungen“, Pflegebedürftigkeit).[143]

4.3.5 Differenzielle Theorie

Die differenziellen Theorieansätze lehnen stark generalisierende Ansätze zur Erklärung des Alterns wie z.B. bei den vier vorhergehenden Theorien und Modellen ab und befassen sich daher mit „der Individualität und Heterogenität des Altwerdens und Altseins“. Demzufolge können sich je „nach persönlicher Lebensführung, Beruf, Bildung, Gewohn­heiten, Haltungen und Orientierungen, nach ausgeübten Rollen, nach kognitiver und verhaltensmäßiger Starrheit oder Flexibilität und Lernfähigkeit als Cha­raktereigenschaften“ einige Menschen im Alter weiterentwickeln und andere verbleiben im Status quo oder erleben einen Abbau, weil sie die veränderten Anforderungen im Alter nicht bewältigen können.[144] Auf die persönlichen Unterschiede der Individuen wird dabei im Gegensatz zu den anderen Theorien und Modelle besonders geachtet. Hierbei wird konkret zwischen inter- (zwischen den einzelnen Individuen) und intraindividuellen (innerhalb derselben Person je nach Funktionsbereich) Vorgängen des Alternsprozesses unterschieden.[145] Das Altern ist demnach durch individuelle Unterschiede gekennzeichnet. Daher hat sich in der Wissenschaft „das Bild vom differenziellen Altern“ etabliert.[146]

4.3.6 Fazit: Alternstheorien und -modelle

Fünf unterschiedliche Modelle und Theorien des Alterns wurden im Vorangegangenen dargestellt. Das Defizitmodell, das von einem negativen Bild des Alterns ausgeht, wurde in Studien bereits widerlegt. Mit Hilfe des Kompetenzmodells, dass Selektion, Kompensation und Optimierung beinhaltet, können Defizite im Alter ausglichen und somit eine bestmögliche Gestaltung des Alternsprozesses erreicht werden. Ein „erfolgreiches Altern“ kann durch das Zusammenwirken von drei Strategien entstehen: „sich wenige, klare Ziel zu setzen (Selektion), diese Ziele energisch zu verfolgen und die bestmöglichen Mittel zu wählen, um sie zu erreichen (Optimierung), und auf den Wegfall von Mitteln mit der Aktivierung innerer und äußerer Ressourcen zu reagieren (Kompensation).“[147] Nach der Disengagement-Theorie ziehen sich alte Menschen aus sozialen Rollen und Aktivitäten zurück und bereiten sich auf ihr Lebensende vor. Das ist für eine Zufriedenheit im Alter wichtig. Dieses Rückzugsverhalten alter Menschen wird als natürlicher und allgemeiner Alternsprozess beschrieben. Diese Aussage wird besonders in der Alternsforschung kritisiert. Die Aktivitätstheorie geht von dem Gegenteil der Disengagement-Theorie aus. Nach dieser Theorie sind die Menschen glücklich und zufrieden, wenn sie aktiv sind, wenn sie gebraucht werden und daher stellt Aktivität ein Merkmal des normalen Alterns dar. Ältere Menschen seien nur unzufrieden und ziehen sich aus dem sozialen Umfeld zurück, wenn sie bestimmte Rollen und Funktionen verlieren und noch keinen neuen Ersatz, d.h. noch keine neue Aktivität gefunden haben. Die Disengagement-Theorie und das Defizitmodell gehen beide von einem Abbau von Fähigkeiten und einem verminderten Bedürfnis nach Aktivität im Alter aus. Das wird jedoch nach der Aktivitätstheorie mit den häufig gesellschaftlich bedingten Verlusten von Rollen, Aufgaben und Funktionen erklärt. Die Disengagement-Theorie ist aufgrund ihrer Rückzugsempfehlungen abzulehnen und eher die Aktivitätstheorie zu bevorzugen, jedoch bezieht sich diese zum größten Teil nur auf die Aktivität älterer Menschen und vernachlässigt dabei andere wichtige Bedingungen. Jedoch Backes/Clemens sind z.B. der Auffassung, dass zurückgezogene Menschen seltener zufrieden sind als Aktivere.[148] Dennoch sind beide Theorien in bestimmten Situationen berechtigt, da Menschen sich für eine bestimmte Zeit „aufgrund eines gewollten Disengagement“[149] zurückziehen und dann wieder aktiv werden können.[150] Bei der Disengagement-Theorie bleibt jedoch fraglich, ob Menschen, die das Disengagement selbst wollen, sich auch dabei auf den Tod konzen-trieren. Sowohl die Disengagement-Theorie als auch die Aktivitätstheorie generalisieren einzelne Verhaltensweisen älterer Menschen im Unterschied zu den differenziellen Theorieansätzen, die sich mit „der Individualität und Heterogenität des Altwerdens und Altseins“ befassen. Das Altern ist demnach durch individuelle Unterschiede gekennzeichnet.[151] In der Wissenschaft hat sich ebenfalls „das Bild vom differenziellen Altern“ etabliert.[152] Backes/Clemens fassen noch zusammen, dass ein „erfolgreiches Altern“ von verschiedenen Lebensstilen, Persönlichkeitstypen und Bedingungen abhängig sei und daher nicht von einem bestimmten Konzept die Rede sein könne.[153]

4.4 Gesellschaftliche Bedeutung des Alter(n)s: „Alterslast versus Alterskapital“

In der Wissenschaft und Politik sind für die Bewertung der Bedeutung des Alter(n)s für die Gesellschaft zwei gegensätzliche Diskussionen erkennbar. Auf der einen Seite wird Alter(n) als „Belastungs- und Kostenperspektive“ und auf der anderen Seite als „Ressourcen- und Chancenperspektive“ betrachtet.[154]

4.4.1 Belastungs- und Kostenperspektive

Alter(n) als „Belastungs- und Kostenperspektive“ wird im Zusammenhang mit der demografischen Entwicklung besonders unter ökonomischen Gesichtspunkten diskutiert. Dabei spielt die „soziale Sicherung und Versorgung im Alter“ eine große Rolle. Da der Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung steigt, wird auch der Anteil der pflegebedürftigen älteren Menschen (besonders unter den Hochaltrigen[155] ) zunehmen. Dadurch wird befürchtet, dass jüngere Erwerbstätige „für ältere Nichterwerbstätige, Kranke und Pflegebedürftige“ mehr finanzielle Leistungen aufbringen müssen (z.B. steigende Beiträge in Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung) und dass auch der Generationsvertrag gefährdet sei, weil immer weniger Erwerbstätige mit ihren Beiträgen die Renten der zunehmenden älteren Nichterwerbstätigen sichern müssen. Das wird auch als „Alterslast“ bezeichnet.[156]

4.4.2 Ressourcen- und Chancenperspektive

Auf der anderen Seite erkennt man „die Handlungspotenziale und finanziellen Ressourcen vieler älterer und alter Menschen sowie ihre gesellschaftliche Macht, die sich u.a. in ihrem zu verer­benden Vermögen ausdrücke.“ Im Hinblick auf die Potenziale und Ressourcen älterer Menschen wird das Alter(n) für die Gesellschaft auch als „Alterskapital“ bezeichnet. Die zwei gegensätzlichen Diskussionen über „Alterslast“ und „Alterskapital“ konzentrieren sich nur auf eine Sichtweise der gesellschaftlichen Bedeutung des Alter(n)s und „tragen so - unbeabsichtigt - zumindest zur Bestätigung und Verfestigung einer gesonderten ‚Gruppe älterer und alter Menschen‘ bei.“ Daneben werden die Zusammenhänge von Alter(n) und Gesellschaft auch nicht ausreichend beachtet.[157]

Im Folgenden wird auf die „Potenziale des Alters“ im Allgemeinen näher eingegangen.

4.3.3 Potenziale des Alters für die Gesellschaft

In der öffentlichen Diskussion wird infolge der demografischen Entwicklung zunehmend „die Nutzung von Potenzialen des Alters[158] “ für die Gesellschaft thematisiert.[159]

Der Anteil älterer Menschen und ihre Lebenserwartung nehmen zukünftig zu. Sie verbringen mehr Zeit in der Ruhestandsphase als die älteren Generationen vor ihnen, jedoch sind sie nicht nur jünger und leben länger, sondern weisen ebenfalls eine „bessere Bildung, eine bessere Gesundheit und auch eine bessere finanzielle Absicherung auf.“[160] Demzufolge bringen die älteren Menschen immer bessere Bedingungen „für eine aktive und produktive Gestaltung mit in die nachberufliche Lebensphase.“[161] Als „Potenziale des Alters“ werden besonders die „hohen materiellen Ressourcen“ älterer Menschen für die Wirtschaft erkannt. Im Jahr 2003 verfügten älteren Menschen über fast ein Drittel der Kaufkraft.[162] Neben den materiellen Ressourcen älterer Menschen bestehen noch

weitere wichtige „Potenziale des Alters“ für andere gesellschaftliche Bereiche wie z.B. für die Arbeitswelt.[163] Geißler stellt die weiteren „Potenziale des Alters“ genauer dar und benennt sie als „Arbeitspotenzial“, „Innovationspotenzial“, „Solidaritätspotenzial“, „Zeitpotenzial“, „Netzpotenzial“, „zeitgeschichtliches Potenzial“, „Selbsthilfe- und Partizipationspotenzial“, „Managementpotenzial“ und „Wählerpotenzial“. Das „Zeitpoten-zial“ drückt aus, dass ältere Menschen zeitlich enorme Handlungsspielräume zwischen der Erwerbsarbeit und der Hochaltrigkeit haben. Auf das „Wählerpotenzial“ wird im fünften Kapitel (Punkt 5.3.2) als gesellschaftliche Macht älterer Menschen verwiesen. Aufgrund der Vielfalt wurden die anderen Potenziale hier nur aufgezählt. Gemäß Geißler müssen sich die latenten Potenziale in Deutschland erst noch entfalten.[164] „Potenziale des Alters“ sind auch die persönlichen Ressourcen und Kompetenzen älterer Menschen, wie beispielsweise „Lebenswissen, Lebenserfahrungen in der Auseinandersetzung mit Grenzsituationen, Verantwortungsbewusstsein durch Lebenserfahrung“[165] sowie „Zuverlässigkeit, Kooperationsbereitschaft, sprachliche Gewandtheit“[166], Gesundheit, Interesse und Lernfähigkeit[167]. Die Sachverständigenkommission des fünften Altenberichts der Bundes­regierung, mit dem Titel „Potenziale des Alters in Wirtschaft und Gesellschaft“, geht von fünf Leitbil­dern aus.[168] Das Leitbild „Mitverantwortliches Leben älterer Menschen und Solidarität“ beinhaltet dabei „Forderungen nach einer stärkeren Nutzung der Potenziale älterer Menschen für die Gesellschaft“ und zwar nicht nur für die Berufswelt sondern auch „für das bürgerschaftliche Engagement.“ Demzufolge könne nach dem „Prinzip der Solidarität“ von älteren Menschen, die dazu auch imstande sind, gefordert werden, die Gemeinschaft zu unterstützen.[169] Inwieweit ältere Menschen einen Beitrag zum Wohl der Gemeinschaft leisten, wird im Folgenden am bürgerschaftlichen Engagement erläutert.

5. Bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen

Nach der Definition des Begriffes „bürgerschaftliches Engagement“ werden einige Ergebnisse verschiedener repräsentativer Studien vorgestellt. Danach erfolgt eine Diskussion zu den Fragen, ob bürgerschaftliches Engagement als „Lückenbüßer“ genutzt wird und ob es zur Steigerung der Lebensqualität im Alter beiträgt. Anschließend werden die Themen „politische Partizipation älterer Menschen“ und „Handlungsmöglichkeiten zur Förderung des Engagement älterer Menschen“ in diesem Kapitel behandelt.

5.1 Begriffserklärung

Es gibt keine allgemein gültige Definition für Bürgerschaftliches Engagement. Teilweise werden die Begriffe bürgerschaftliches Engagement, Ehrenamt[170], Freiwilligenarbeit[171] oder Selbsthilfe[172] gleichgesetzt.[173] Der Begriff des Ehrenamtes sollte dabei jedoch enger gefasst werden als der Begriff des bürgerschaftlichen Engagements, der eine Vielzahl von Aktivitäten umfasst, die außerhalb von Familie und Erwerbstätigkeit stattfinden. Bürgerschaftliches Engagement wird von der Enquete-Kommission „Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements“ auch „als einen bunten Markt der Möglichkeiten“ bezeichnet.[174] Somit gehören zum bürgerschaftlichen Engagement:

- „ Formen der poltischen Beteiligung “, wie z.B. die Mitarbeit in Verbänden, Vereinen, Parteien, Bürgerinitiativen, die Tätigkeit als Gemeinderat oder in Seniorenbeiräten, Bürgerentscheid;
- „ freiwillig bzw. ehrenamtliche Wahrnehmung öffentlicher Funktionen “, z.B. Wahlhelfer, Elternbeiräte, Schöffen, freiwillige Feuerwehr, Bürgervereine;
- „ klassische und neue Formen des sozialen Engagements “, z.B. Engagement in öffentlichen Institutionen und Wohlfahrtsverbänden sowie neue Formen, z.B. im Bereich Hospiz;
- „Formen der gemeinschaftsorientierten, moralökonomisch bzw. von Solidarvorstellungen geprägte(n) Eigenarbeit “, z.B. Nachbarschaftshilfe, Seniorenservice-Zentren, Tauschringen;
- Formen von gemeinschaftlicher Selbsthilfe und anderen gemeinschaftsbezogenen Aktivitäten, z.B. Selbsthilfegruppen.

Roth meint, Bürgerschaftliches Engagement sollte ferner öffentlich und gemeinschaftsbezogen oder wenigstens gemeinwohlverträglich sein, um demokratischen Ansprüchen zu entsprechen.[175] Zusammenfassend wird bürgerschaftliches Engagement von der Enquete-Kommission „Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements“ definiert als „eine freiwillige, nicht auf das Erzielen eines persönlichen materiellen Gewinns gerichtete, auf das Ge­meinwohl hin orientierte, kooperative Tätigkeit", die „sich in der Regel in Organisationen und Institutionen im öffentlichen Raum der Bürgergesell­schaft“ entfaltet.[176] Diese und weitere Kennzeichen des Begriffes bürgerschaftlichen Engagements werden im Folgenden kurz dargestellt.

5.1.1 Freiwillig

Das bürgerschaftliche Engagement ist „freiwillig“[177], wenn man sich aufgrund einer „eigenen Entscheidung“ für das Engagement bereit erklärt hat.[178]

5.1.2 Nicht auf materiellen Gewinn gerichtet

„Nicht direkt auf persönlichen materiellen Gewinn gerichtet“[179] ist das bürgerschaftliche Engagement, wenn es eine unbezahlte Tätigkeit ist. Jedoch kann man mit bürgerschaftlichem Engagement einen persönlichen „Nutzen im Sinne einer persönlichen Befriedigung und Selbstverwirklichung, zur Erfüllung eines eigenen Lebenssinns“ erzielen.[180]

5.1.3 Gemeinwohlorientiert

Das bürgerschaftliche Engagement ist „gemeinwohlorientiert“[181], wenn die Tätigkeit direkt oder indirekt zum „Gemeinwohl“ beiträgt. Dafür ist eine Verbindung von Eigeninteresse und Gemeinwohl notwendig, denn wer „sich selbst nicht wichtig ist, kann auch nicht für andere sorgen, für andere Verantwortung übernehmen.“ Das heißt, Selbstlosigkeit ist kein Merkmal von bürgerschaftlichen Engagement, bei dem gemeinwohlorientiertes Handeln mit eigenen Interessen zusammenhängen. Die Eigeninteressen

sind nicht immer direkt sichtbar. Indirekt bestehen sie, weil die Engagierten durch ihr bürgerschaftliches Engagement „selbst einen Vorteil von einer demokratisch, partizipativen Gesellschaft haben“. Außerdem machen die freiwillig ausgeübten Tätigkeiten den Engagierten Spaß. Damit haben sie auch einen eigenen Nutzen davon.[182]

5.1.4 Im öffentlichen Raum stattfindend

Das bürgerschaftliche Engagement findet im „öffentlichen Raum“[183] statt, d.h. außerhalb der Bereiche Markt, Staat und Familie, obwohl es auch durch „staatliche Institutionen und Wirtschaftsunternehmen“ realisiert werden kann. Engagierte brauchen Informationen über ihre Aktivität, einen Ort zum Interessensaustausch und auch „öffentliche Anerkennung“ ihrer Tätigkeit.[184]

5.1.5 Kooperative Tätigkeit

Zu den Kennzeichen bürgerschaftlichen Engagements gehört es auch, dass es sich um eine „kooperative Tätigkeit“ handelt. Man arbeitet mit anderen zusammen und lernt dabei „soziale Tugenden wie Verantwortung, Verständigung und Vertrauen“.[185]

Bürgerschaftlich Engagierte verfügen als Spezialisten ihres Lebensumfeldes besonders über „Kritik- und Innovationspotenzial“[186]. Ferner kreieren sie mit ihrem Engagement „eine Atmosphäre der Solidarität, der Zugehörigkeit und des gegenseitigen Vertrauens“, was auch als „soziales Kapital“[187] bezeichnet wird. Im Rahmen bürgerschaftlichen Engagements können sie eigenverantwortlich und selbstbestimmt tätig sein.[188] Dabei stellt nach der Enquete-Kommission die Bürgergesellschaft als Leitbild den „übergreifende[n] Bezugsrahmen“ zum bürgerschaftlichem Engagement dar. Bürgergesellschaft ist „ein Gemeinwesen, in dem sich die Bürgerinnen und Bürger nach demokratischen Regeln selbst organisieren und auf die Geschicke des Gemeinwesens einwirken können.“[189] Demnach sind in einer Bürgergesellschaft die Bürger in Selbstorganisation mitverantwortlich für das Wohl der Gemeinschaft und nicht nur allein der Staat.[190]

5.1.6 Traditioneller und ideengeschichtlicher Bezug

Die älteste „prägende Tradition“ von bürgerschaftlichen „Engagement ist das Gebot der Nächstenliebe“. Danach ist eine Selbstverwirklichung nur in Verbindung mit „subjektiven Gemeinwohlorientierung“ vorstellbar („Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“).

„Das Bürgerschaftliche im Engagement verweist ideengeschichtlich auf die Tradition der griechischen Polis, der römischen Republik und der italienischen Stadtrepubliken des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit. Dort wurde das Konzept bürgerschaftlicher Freiheit als Grundlage politischer Mitwirkung entwickelt.“ Die „Mitglieder einer poltischen Gemeinschaft“ besaßen dort die gleichen Rechte und Pflichten. Im 19. Jahrhundert zeigten sich Traditionen bürgerschaftlichem Engagement „im Kampf um die Vereinigungsfreiheit im Nationalstaat“. Auch die Anfänge der Parteien in Deutschland rührten überwiegend aus selbstorganisierten Zusammenschlüssen her und zeigten somit bürgerschaftliches Engagement. Im Nationalsozialismus wurde das Engagement der Bürger, z.B. in der freiwilligen Massenbewegung vor 1933, für „unzivile Zwecke genutzt“.[191]

5.1.7 Begriffserklärung in verschiedenen empirischen Studien

Die unterschiedlichen Begrifflichkeiten des bürgerschaftlichen Engagements werden im Folgenden anhand von drei empirischen Studien, deren Ergebnisse später näher ausgeführt werden, erläutert:

5.1.7.1 Zeitbudgeterhebung 2001/2002

In der Zeitbudgeterhebung 2001/2002 werden bürgerschaftliches Engagement, Freiwilligenarbeit und ehrenamtliche Tätigkeit als eine unentgeltliche (oder gegen eine geringfügige Aufwandsentschädigung), freiwillige und „über eine einfache Mitgliedschaft (in Vereinen, Verbänden, Institutionen usw.) hinausgehen[de]“ Tätigkeit beschrieben. Hierbei wird zwischen „‘nur‘ aktiver Beteiligung“ und der zusätzlichen Ausübung eines Ehrenamtes unterschieden.[192]

5.1.7.2 Freiwilligensurvey 1999/2004

Für die unterschiedlichen Formen des bürgerschaftlichen Engagement, der Freiwilligenarbeit und des Ehrenamtes wird der Begriff „freiwilliges Engagement“ im Freiwilligensurvey als Oberbegriff verwendet. Freiwilliges Engagement bezeichnet eine Tätigkeit, die über eine rein aktive Teilnahme in Vereinen, Gruppen, Einrichtungen und Organisationen hinausgeht. Freiwillig Engagierte haben z.B. ein Amt oder eine Funktion inne (Bsp.: Vorstandsfunktion, Wählämter) oder sie leisten „informelle“ freiwillige Arbeit, d.h. ohne solch ein „formelles“ Amt oder Funktion inne zu haben. Damit sind praktische Arbeiten, wie z.B. Reparaturarbeiten, Organisation von Veranstaltungen oder Personenbetreuung gemeint.[193] Im Rahmen des Freiwilligensurveys wurden ältere Menschen über 60 Jahren befragt, wie sie ihr Engagement begrifflich bezeichnen würden. Die meisten älteren Menschen entschieden sich für den Begriff des Ehrenamtes (43 Prozent), gefolgt von den Begriffen der Freiwilligenarbeit (41 Prozent) und des bürgerschaftlichen Engagements (10 Prozent). Vier Prozent der älteren Menschen wählten den Begriff der Initiativen- und Projektarbeit und jeweils ein Prozent der älteren Menschen wählte den Begriff des Nebenberufes und der Selbsthilfe. Gensicke meint, die Bevorzugung des Begriffes Ehrenamtes von älteren Menschen hänge damit zusammen, dass sie sich häufig in „sozialen und kirchlich-religiösen“ Bereichen engagieren und auch eine stärkere „pflicht- und gemeinwohlorientierte[n] Lebens- und Engagementauffassung“ betonen.[194]

5.1.7.3 Alterssurvey 1996/2002

Im Alterssurvey wird der Begriff „ehrenamtliche Tätigkeiten“ verwendet. Künemund, der die Daten des Alterssurveys mit auswertete, versteht darunter „eine freiwillige, nicht auf Entgelt ausgerichtete Tätigkeit im Rahmen von Institutionen und Vereinigungen“. Damit ist Ehrenamt „überwiegend an eine Mitgliedschaft in Organisatio­nen, Vereinen und Verbänden gebunden. Handelt es sich um führende und verwaltende Tätigkeiten, so spricht man vom politischen Ehrenamt, während helfende Tätigkeiten als soziales Ehrenamt bezeichnet werden.“[195] Neben der ehrenamtlichen Tätigkeit in Vereinen und Verbänden wurden im Rahmen des Alterssurveys auch nach anderen übernommenen Funktionen wie „z.B. als Elternvertreter oder in der Nachbarschaftshilfe“ gefragt.[196]

5.1.8 Fazit: Begriffserklärung

Bürgerschaftliches Engagement wird häufig als „Sammelbegriff für die Vielzahl bürgerschaftlicher Aktivitäten“ verwendet. Doch beim bürgerschaftlichen Engagement wird stärker als beim Ehrenamt oder der Freiwilligenarbeit „die gesellschaftliche Bedeutung und die Gemeinwohldimension“ hervorgehoben.[197] Bürgerschaftliches Engagement „bedeutet Mitgestaltung und Mit­verantwortung für unsere Gesellschaft“.[198] Die Bürgerinnen und Bürger leisten dabei einen Beitrag zur Gestaltung ihres Gemeinwesens und zur Stärkung des Zusammenhalts in der Gesellschaft.[199] Die unterschiedlichen Begrifflichkeiten bürgerschaftlichen Engagements wurden u.a. anhand verschiedener empirischer Studien erläutert. Nachfolgend wird auf der Grundlage der Ergebnisse dieser Studien beschrieben, in welchem Rahmen sich ältere Menschen bürgerschaftlich engagieren.

5.2 Faktisches Engagement älterer Menschen

Die nachfolgenden Daten und Fakten des Engagements älterer Menschen beruhen auf den ausgewertete Ergebnissen der Zeitbudgeterhebung 2001/2002 vom Statistischen Bundesamt hinsichtlich bürgerschaftlichen Engagements älterer Menschen, die Menning 2006 wiedergibt sowie auf den Ergebnissen des Alterssurvey von 1996 und 2002 zum ehrenamtlichen Engagement älterer Menschen, die von Künemund 2005, 2006 verdeutlicht werden. Eine weitere Grundlage der nachfolgenden Ausführungen bilden die Ergebnisse des Freiwilligensurveys von 1999 und 2004 zum freiwilligen Engagement älterer Menschen, die von u.a. Gensicke 2005 dargestellt werden. Desweiteren wird auf Beiträgen der Enquete-Kommission „Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements“ und auf den fünfen Altenbericht der Bundesregierung Bezug genommen. Die verschiedenen empirischen Studien definieren, wie bereits oben dargestellt wurde, das Engagement älterer Menschen unterschiedlich, häufig jedoch nicht als bürgerschaftliches Engagement. Daher werden die verschiedenen Engagementbegriffe auch nachfolgend beibehalten, um den Wahrheitsgehalt nicht zu verfälschen. Die quantitativen Ergebnisse der verwendeten Studien zum Engagement älterer Menschen sind zum Teil sehr different, weil aufgrund der verschiedenen Definitionen des Engagementbegriffs, die Studien auf unterschiedlichen Messkonzepten basieren. Dadurch kommt es zu differenten Werten.[200] Das verdeutlicht z.B. die Tabelle 2, im Anhang G, S 185. Dabei erschweren unterschiedliche Einteilungen der Altersgruppen in den jeweiligen Studien (und auch innerhalb des Freiwilligensurveys) eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse.

5.2.1 Beteiligungsquoten am Engagement

Diese o. g. Tabelle 2 stellt die Beteiligungsquoten älterer Menschen am bürgerschaftlichen Engagement in verschiedenen Studien mit unterschiedlichen Altersgruppen, Bezugsgrößen, Regionen und unterschiedlichem Geschlecht dar. Die Beteiligung älterer Menschen am bürgerschaftlichen Engagement schwankt je nach Altersgruppe zwischen 5 und 45 Prozent.[201]

5.2.1.1 Beteiligungsquoten nach Altersgruppen und Geschlecht

Die Zeitbudgeterhebung 2001/2002 zeigt, dass ungefähr die Hälfte der 60- bis 64-Jährigen „in der Übergangsphase zum Ruhestand“ aktiv beteiligt sind (48 Prozent der Frauen, 46 Prozent der Männer). In der gleichen Altersgruppe sind 20 Prozent der Frauen und 22 Prozent der Männer zusätzlich noch ehrenamtlich beteiligt. Ältere Männer üben laut der Zeitbudgeterhebung 2001/2002 häufiger ein Ehrenamt aus als ältere Frauen und auch bei der aktiven Beteiligung gibt es mehr ältere Männer als Frauen, mit Ausnahme in der Altersgruppe 60 bis 64 Jahren.[202] Der Alterssurvey 1996 und 2002 lässt ebenfalls erkennen, dass es mehr Männer als Frauen gibt, die sich ehrenamtlich betätigen. Mit einer geringen Ausnahme im Jahr 2002 der Altersgruppe der 40- bis 54-Jährigen, in der sich 23 Prozent der Frauen und 22 Prozent der Männer engagierten.

Die Daten des Freiwilligensurveys verdeutlicht ebenfalls die stärkere Beteiligung von Männern am freiwilligen Engagement. Desweiteren ist auch eine Zunahme von freiwillig engagierten Männern und Frauen vom Jahr 1999 zum Jahr 2004 im Freiwilligensurvey ersichtlich. Das freiwillige Engagement älterer Menschen ab 60 Jahren stieg insgesamt von 26 Prozent auf 30 Prozent, bei der Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen sogar von 31 Prozent auf 37 Prozent. Das heißt, deutlich mehr 60- bis 69-Jährigen engagierten sich im Jahr 2004.[203] Auch die Daten des Alterssurvey lassen eine deutliche Zunahme der Engagementbeteiligung zwischen den Jahren 1996 bis 2002 erkennen. In der Gruppe der 55- bis 69-Jährigen stieg die Beteiligungsquote von 13 Prozent im Jahr 1996 auf 21 Prozent im Jahr 2002 an. Das sind 8 Prozent mehr ehrenamtlich Engagierte.

Mit steigendem Lebensalter nimmt die aktive und ehrenamtliche Beteiligung ab (s. Ergebnisse der Zeitbudgeterhebung in der Tabelle 2, S. 185).[204] Nach den Daten des Alterssurvey ist zu erkennen, dass die ehrenamtlichen Tätigkeiten mit zunehmendem Alter geringer ausgeübt werden - nämlich von 23 Prozent in der Altersgruppe der 40- bis 54-Jährigen auf 9 Prozent in der Altersgruppe der 70- bis 85-Jährigen (2002).

5.2.1.2 Beteiligungsquoten nach Erwerbs-, Bildungs- und Einkommensstatus

Siehe dazu die Tabelle 3 im Anhang G, Seite 186. In dieser Tabelle ist ersichtlich, dass es unter den freiwillig Engagierten mehr Erwerbstätige als Nicht-Erwerbstätige gibt, auch in der Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen. Ein Grund dafür ist vielleicht die Nähe des Engagements zum Beruf. Unter den freiwillig Engagierten gibt es viele mit einem höheren Bildungsabschluss. Je höher der Abschluss ist, desto mehr freiwillig Engagierte gibt es. Ferner ist die Ausübung eines freiwilligen Engagements anscheinend auch vom Einkommen abhängig. Es engagieren sich häufiger Menschen freiwillig, die ein höheres Einkommen haben. Diese Faktoren bedingen sich meist selbst, z.B. haben Menschen, mit höherem Bildungsabschluss auch „höhere Einkommen“.[205]

5.2.1.3 Beteiligungsquoten im Ost-West-Vergleich

In den neuen Ländern sind deutlich weniger ältere Menschen bürgerschaftlich engagiert als in den alten Ländern. Zum Beispiel sind nach der Zeitbudgeterhebung 2001/2002 gerade einmal 15 Prozent der über 75-Jährigen in den neuen Ländern aktiv beteiligt, das ist weniger als die Hälfte der aktiv Beteiligten in den alten Ländern (38 Prozent).[206]

Auch der Alterssurvey verdeutlicht die geringere Beteiligung von Menschen in den neuen Ländern am ehrenamtlichen Engagement. Zum Beispiel sind im Jahr 2002 in der Altersgruppe der 40- bis 54-Jährigen 25 Prozent der Westdeutschen im Gegensatz zu 15 Prozent Ostdeutsche, ehrenamtlich engagiert. Nach den Ergebnissen des Freiwilligensurveys von 1999 sind insgesamt 35 Prozent der Menschen aus den alten Ländern und 28 Prozent der Menschen aus den neuen Ländern freiwillig engagiert.[207] Die Ursachen der geringeren Beteiligung älterer Menschen in den neuen Ländern wird im Anhang B ab der Seite 118 als Exkurs behandelt.

5.2.2 Engagementbereiche

Ältere Menschen sind vor allem in den Bereichen „Kirche/Religion, Freizeit/Hobby/Geselligkeit, Kultur/Musik, im sozialen Bereich sowie in Frauen- und Seniorengruppen“ bürgerschaftlich engagiert.[208] (Eine ausführliche Darstellung der Engagementbereiche befindet sich im Anhang G, Tabelle 4, S. 187). Diese Bereiche entsprechen auch zum größten Teil den genannten Engagementbereichen im Freiwilligensurvey 1999/2004. Eine Ausnahme stellt der Bereich „Sport und Bewegung“ dar. Ältere Menschen nannten diesen Bereich im Freiwilligensurvey 1999/2004 am häufigsten. Im Jahr 1999 folgte an zweiter Stelle der Bereich „Kirche und Religion“. 7 Prozent der älteren Menschen nannten im Jahr 2004 den „sozialen Bereich“ sowie „Kirche und Religion“ vor dem Sportbereich (6,5 Prozent). Bei älteren Menschen nahm das Engagement in den Bereichen „lokales Bürgerengagement“ und „Umwelt- und Tierschutz“ zu.[209] Bei bürgerschaftlichen Engagement wie z.B. Bürgerinitiativen, Frauengruppen und im sozialen Bereich sind ältere Menschen über 60 Jahre überrepräsentiert. Dagegen sind sie in Bereichen, die eine körperliche Fitness verlangen, wie z.B. in der Freiwilligen Feuerwehr unterrepräsentiert. Männer und Frauen präferieren unterschiedliche Engagementbereiche. Frauen engagieren sich vor allem in sozialen und kirchlichen/religiösen Bereichen sowie in den Frauen-, Seniorengruppen und Seniorenvertretungen. Männer dagegen häufiger in beruflichen (außerhalb des Betriebs) und politischen Interessenvertretungen sowie im Tier-, Umwelt- und Naturschutz.[210]

Im Vergleich zu den alten Bundesländern gibt es in den neuen Bundesländern weniger Mitglieder in „Engagementorganisationen, allen voran die Kirchen, gefolgt von Parteien und Interessenverbänden“.[211]

5.2.3 Zugang zum Engagement

Die Ergebnisse des Freiwilligensurveys (s. Abbildung 2 dieser Seite) zeigen, dass sich in den neuen Ländern eine neue „Zugangskultur“ entwickelt hat. Menschen ab 60 Jahren kommen in den neuen Ländern häufiger durch „eigene Initiative“ zu ihrem freiwilligen Engagement. Ältere Menschen in den alten Ländern gelangen häufiger durch „Anwerbung und Ansprache durch Dritte“ zu ihrem freiwilligen Engagement.[212] Mühlpfordt meint, dass der erfolgversprechendste Zugang zum freiwilligen Engagement über private Kontakte erfolge.[213] Gensicke drückt aus, dass sich durch den „soziale(n) Umbruch“ in den neuen Ländern eine neue Engagementkultur entwickelte und sich auch die Bereitschaft zu Eigeninitiativen bei älteren Menschen erhöhte.[214]

Abbildung 2: Wie man zur freiwilligen Tätigkeit gekommen ist (West/Ost 2004)

Zeitaufwändigste Tätigkeit (Angaben in %)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Modifizierte Version nach Gensicke 2005b, S. 320.

5.2.4 Beweggründe für ein Engagement

Ältere Menschen ab 60 Jahren wollen durch ihr Engagement „die Gesellschaft zumindest im Kleinen mitgestalten“ und dabei „mit anderen Menschen zusammenkommen“. Das verdeutlicht die Abbildung 3 auf der nachfolgenden Seite. Weitere Beweggründe für engagierte ältere Menschen sind „politische Motive“ und ihr „soziale[s] Pflichtgefühl“ für das Engagement („eine Aufgabe, die gemacht werden muss“). In den alten und neuen Ländern unterscheiden sich die Beweggründe der älteren Engagierten kaum. Für „ältere Menschen in den neuen Ländern“ sind die Beweggründe „mit anderen Menschen zusammenkommen“ und „politische Motive“ noch gewichtiger als für ältere Menschen in den alten Bundesländern. Ferner möchten ältere Menschen Freude an ihrer freiwilligen Tätigkeit haben und auch ihren Horizont erweitern.[215] Bürsch und auch Olk stellen zudem einen Strukturwandel der Engagementmotive[216] fest, und zwar von altruistischen Motiven einer langen Verbundenheitspflicht mit einer Organisation hin zu „stärker selbstbezogenen Motiven“, die sich z.B. in der Mitgestaltung des eigenen Lebensumfeldes als spontanes Engagement in Projekten äußern oder sich auch unter den Aspekten Spaß zu haben, interessante Leute kennen zu lernen, eigene Fähigkeiten weiter zu entwickeln und einzubringen, zeigen.[217]

Abbildung 3: Motive für das freiwillige Engagement der ab 60-Jährigen in den neuen und alten

Ländern (2004) Bevölkerung ab 60 Jahren (Angaben in %)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Modifizierte Version nach Gensicke 2005b, S. 331.

5.2.5 Zeitliche Engagementstrukturen

Nach der Zeitbudgeterhebung 2001/2002 investieren Menschen über 60 Jahre im Durchschnitt ungefähr 19 bis 22 Stunden im Monat für ihr bürgerschaftliches Engagement.[218] Die Abbildung 4 auf der nachfolgenden Seite zeigt u.a., dass sich 26 Prozent der älteren Menschen im Jahr 2004 “mehrmals pro Woche“ freiwillig engagieren und 43 Prozent sind „mindestens einmal die Woche“ tätig. Die Altersgruppe der 60- bis 64-

Jährigen verfügt über viel feie Zeit, trotzdem sie eventuell Angehörige pflegen oder auf Enkelkinder aufpassen müssen.[219]

Abbildung 4: Zeitaufwand für die freiwilligen Tätigkeiten der ab 60-Jährigen

Alle beschriebenen Tätigkeiten (Aufgaben in %)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Modifizierte Version nach Gensicke 2005b, S. 335.

5.2.6 Engagementbereitschaft

Die Engagementbereitschaft bei älteren Menschen ab 60 Jahren ist gestiegen. Das verdeutlichen die Abbildung 5 und 6 auf der nächsten Seite. Zum einen ist die Bereitschaft für ein Engagement bei den nicht Engagierten gewachsen „(‘externes‘ Engagementpotenzial)“ und zum anderen könnten sich auch mehr bereits Engagierte vorstellen, ihr Engagement noch auszudehnen „(‘internes‘ Engagement)“. Bei der Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen ist dieses „externe und interne Engagementpotenzial“ besonders deutlich ausgeprägt.

Externes Engagementpotenzial:

Im Jahr 1999 waren 17 Prozent von dieser Altersgruppe bereit ein freiwilliges Engagement auszuüben (davon 6 Prozent „bestimmt Bereite“). Im Jahr 2004 waren dazu 26 Prozent bereit (davon 9 Prozent mit Bestimmtheit).[220]

Internes Engagementpotenzial:

In der Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen gab es im Jahr 2004 13 Prozent, die ihr Engagement ausweiten wollten und daneben wollten 24 Prozent der bereits Engagierten, ihr Engagement nicht ausweiten. Im Jahre 1999 waren es noch weniger, die ihr Engagement ausweiten wollten (8 Prozent zu 23 Prozent).

Somit ist auch die Engagementbereitschaft dieser Altersgruppe gestiegen.[221]

Abbildung 5: Engagementbereitschaft in verschiedenen Altersgruppen

„Externes Engagementpotential“ Bevölkerung ab 14 Jahren (Angaben in %)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Modifizierte Version nach Gensicke 2005b, S. 323.

Abbildung 6: Engagierte, die ihr Engagement noch erweitern könnten, in verschiedenen

Altersgruppen „Internes Engagementpotential“ Bevölkerung ab 14 Jahren (Angaben in %)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Modifizierte Version nach Gensicke 2005b, S. 326.

5.2.7 Verbesserungswünsche bei den Rahmenbedingungen des Engagements

5.2.7.1 Verbesserungswünsche an die Organisationen

Die Abbildung 7 auf der nachfolgenden Seite legt dar, dass ältere Menschen ab 60 Jahren aus Ost und West sich „mehr Finanzmittel für bestimmte Projekte“ wünschen, im Osten noch mehr als im Westen. An zweiter Stelle wünschen sich ältere Menschen aus den alten Bundesländern „bessere Weiterbildungsmöglichkeiten“ im Gegensatz zu älteren Menschen aus den neuen Bundesländern, die diesen Wunsch als letztes angaben. An zweiter Stelle wünschten sie sich eine „unbürokratische Kostenerstattung“ und an dritter Stelle eine „Bereitstellung von Räumen, Sachmitteln etc.“. Daraus lässt sich schlussfol-

gern, dass für ältere Menschen im Osten bessere „materielle Rahmenbedingungen“ noch wichtiger sind als für ältere Menschen im Westen. Das verdeutlicht die angespannte finanzielle Lage der Engagementinfrastruktur in den neuen Ländern. Auch wünschen sich ältere Menschen im Osten häufiger eine kleine finanzielle Vergütung ihres Engagements als Symbol der Anerkennung. Eine „bessere Anerkennung der Freiwilligen durch Hauptamtliche“ wünschen sich 31 Prozent der älteren Bürger im Westen (29 Prozent im Osten). Ältere Menschen im Westen wünschten sich ebenfalls mehr „fachliche Unter-stützung“ (35 Prozent im Westen, 32 Prozent im Osten).[222]

[...]


[1] BMFSFJ 2005a.

[2] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde auf die weiblichen Endungen im Text häufig verzichtet. Es ist jedoch zu betonen, dass beide Geschlechter gemeint sind.

[3] Beispielthemen sind: Bürgerschaftliches Engagement Älterer und Daseinsvorsorge in der Kommune. Schwichtenberg-Hilmert hat zu diesem Thema eine Bibliographie erstellt (Schwichtenberg-Hilmert 2007). / Bürgerschaftliches Engagement älterer Migranten (u.a. Geis/Gensicke 2005). / Bürgerschaftli- ches Engagement und Erwerbsarbeit (u.a. ausführlich behandelt von der Bertelsmann Stiftung z.B. Kru- se 2006b, S. 264-266; Enquete-Kommission 2002e).

[4] Vgl. Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement, Wir über uns; Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. 2007, S. 160.

[5] Tesch-Römer/Engstler/Wurm 2006, S. 7.

[6] BMFSFJ 2005b. Im Alterssurvey werden die Lebenslagen von Menschen ab 40 Jahren untersucht, um auch die „Alten der Zukunft“ mit einzubeziehen (Kohli 2005, S. 23).

[7] Deutsches Zentrum für Altersfragen, Alterssurvey. Ausführlichere Informationen über den Alterssurvey befinden sich im Anhang A, S. 116.

[8] Vgl. Gensicke 2005a, S. 38.

[9] Vgl. Gensicke 2005b.

[10] Vgl. Ehling 2004, S. 10-15.

[11] Nähere Informationen dazu im Anhang A, S. 116.

[12] Nähere Informationen dazu im Anhang A, S. 116.

[13] Nähere Informationen dazu im Anhang A, S. 117.

[14] Nähere Informationen dazu im Anhang A, S. 117.

[15] Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist der Herausgeber der fünf Alten- berichte (BMFSFJ 1993, 1998, 2001, 2002, 2005a). Das Deutsche Zentrum für Altersfragen stellt alle fünf Berichte zum Herunterladen zur Verfügung (Deutsches Zentrum für Altersfragen, Altenberichte).

[16] Bürsch 2002, S. 7.

[17] Enquete-Kommission 2002a-e, 2003a-f.

[18] Vgl. auch Druyen 2005, S. 18.

[19] Vgl. Statistisches Bundesamt 2006a, S. 5.

[20] Esche/Meier 2006, S. 6-8; Bertelsmann Stiftung 2006b.

[21] Vgl. Statistisches Bundesamt 2006a, S. 9; Esche/Genz/Rothen 2006, S. 13; Statistische Ämter des Bun- des und der Länder 2007, S. 8.

[22] Statistisches Bundesamt 2006a, S. 17.

[23] Vgl. Statistisches Bundesamt 2007b.

[24] Vgl. Statistisches Bundesamt 2006a, S. 15.

[25] Statistisches Bundesamt 2006a, S. 13, 22 (Variante „mittlere“ Bevölkerung).

[26] Backes/Clemens 2003, S. 105.

[27] Vgl. Statistisches Bundesamt 2006a, S. 5.

[28] Statistisches Bundesamt 2006b.

[29] Vgl. Statistisches Bundesamt 2006a, S. 14.

[30] Statistisches Bundesamt 2006b. Der Wanderungssaldo, also die „Differenz zwischen den Zuzügen nach Deutschland und den Fortzügen ins Ausland“ ist positiv, er „schwankt in den letzten Jahren jedoch stark zwischen etwa 190 000 im Jahr 2001 und rund 55 000 im Jahr 2004. Im Jahr 2005 erreichte [er] [..] 96 000 Personen“ (Statistisches Bundesamt 2006a, S. 46, 66).

[31] Statistisches Bundesamt 2006a, S. 13f.

[32] Vgl. ebenda, S. 36.

[33] Statistisches Bundesamt 2006a, S. 36f.

[34] Vgl. Statistisches Bundesamt 2006b.

[35] Vgl. Statistisches Bundesamt 2006a, S. 41.

[36] Es ist nicht der Anspruch dieses Kapitels den demografischen Wandel komplett mit seinen vielfältigen Fol- gen für alle Bereiche der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu erläutern. Die folgenden Ausführungen blei- ben begrenzt auf einen Überblick im Allgemeinen.

[37] Im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel und bürgerschaftlichen Engagement älterer Men- schen ist die Seniorenpolitik in den Kommunen besonders wichtig. Einige Kommunen reagieren auf den demografischen Wandel bereits mit neu entwickelten Verwaltungsstrukturen und Projekten wie z.B. „Pflegekonferenzen, Leitstellenmodelle, lokale Seniorenbeauftragte, Sozialgemeinden oder kom- munale Demographiebeauftragte“ (Naegele 2006, S. 10). Nähere Erläuterung hierzu finden sich z.B. in den Beiträgen der Bertelsmann Stiftung 2005 und 2006a, b. In den Kommunen muss man sich Gedan- ken über die immer mehr werdenden Älteren machen und diese z.B. bei den Stadtentwicklungskonzep- ten beachten, die die Planung „von der Verkehrsführung bis hin zu Sportstätten und Freizeitmöglichkei- ten“ sowie „die Erreichbarkeit von Einkaufsmöglichkeiten, Arzt­praxen, von Volkshochschulen, Schwimmbädern und Sportstätten“ beinhalten (Lehr 2006, S. 15f.). Kommunen müssen durch viel- schichtige Handlungsstrategien zur „Gestaltung des demographischen Wandels“ reale Umsetzungskon- zepte entwickeln (Schmidt/Große Starmann 2006, S. 8-10).

[38] Vgl. Esche/Genz/Rothen 2006, S. 14; Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2007, S. 3.

[39] Vgl. Backes/Clemens 2003, S. 51f.

[40] Künemund 2006a, S. 287.

[41] Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2007, S. 6. „In den folgenden Heften der Serie ‚Demo-

grafischer Wandel in Deutschland‘ werden diese Bereiche beleuchtet.“

[42] Vgl. Tesch-Römer/Motel-Klingebiel 2004, S. 561.

[43] Vgl. Statistisches Bundesamt 2006a, S. 23; Junkers 1995, S. 5.

[44] Backes/Clemens 2003, S. 53.

[45] Kruse/Schmitt 2005, S. 9f.

[46] Kösters 2006, S. 15.

[47] „Der Begriff Alter verweist auf das Resultat des Altwerdens, der Begriff Altern auf die Prozesse und

Mechanismen, die zum Alter führen und dem Altwerden zugrunde liegen“ (Schade 2002, S. 235). Die

Wissenschaft oder Lehre vom Altern und vom Alter wird als Gerontologie bezeichnet. Gerontologie

stammt „vom griechischen geron“ und bedeutet „alter Mensch“ (Fachlexikon der sozialen Arbeit 2002,

S. 391f.).

[48] Lenz/Rudolph/Sickendiek 1999, S. 18.

[49] Thiele 2001, S. 18; Prisching 2003, S. 247f.

[50] Vgl. Prisching 2003, S. 247f.; Bundesministerium für Gesundheit 2006, S. 38; Junkers 1995, S. 8;

Thiele 2001, S. 20f.; Witterstätter 2003, S. 26.

[51] Vgl. Schweppe 2005, S. 32; Wilß/Stelck 2006, S. 13.

[52] Wilß/Stelck 2006, S. 13.

[53] Vgl. Witterstätter 2003, S. 28; Davison/Neale 1988, S. 554; Thiele 2001, S. 19.

[54] Vgl. Witterstätter 2003, S. 28; Davison/Neale 1988, S. 554; Mathwig/Mollenkopf 1996, S. 124f.

[55] Witterstätter 2003, S. 28; Vgl. auch Thiele 2001, S. 19.

[56] Davison/Neale 1988, S. 554.

[57] Thiele 2001, S. 28f.

[58] „Unterteilung der Lebensphase ab 50 Jahren: 50-55. 56-60, 61-65, 66-70, 71-75, 76-80, 81-85, 86-90,

91-95, 96-100, 101-105, 106-110“ (Druyen 2003, S. 211f.).

[59] Magistratsabteilung für Angelegenheiten der Landessanitätsdirektion 1999, S. 206.

[60] Vgl. Kohli 2005, S. 32.

[61] Kohli/Künemund 2005, S. 344f.

[62] Vgl. Witterstätter 2003, S. 25; Ding-Greiner/Lang 2004, S. 182, 189. Ding-Greiner/Lang stellen die

„Veränderungen des Körpers, die durch Alternsprozesse entstehen“ genauer dar.

[63] Ding-Greiner/Lang 2004, S. 182, 189; Bundesministerium für Gesundheit 2006, S. 10.

[64] Bundesministerium für Gesundheit 2006, S. 10.

[65] Witterstätter 2003, S. 24.

[66] Michel/Novak 2001, S. 16.

[67] Vgl. Bundesministerium für Gesundheit 2006, S. 10; Witterstätter 2003, S. 25; Ding-Greiner/Lang

2004, S. 182, 189.

[68] Vgl. Bundesministerium für Gesundheit 2006, S. 10.

[69] Vgl. Thiele 2001, S. 21.

[70] Vgl. Kohli/Künemund 2005, S. 345f.

[71] Kohli/Künemund 2005, S. 346. Mehr dazu unter Punkt 4.2.1 dieser Arbeit.

[72] Vgl. Bundesministerium für Gesundheit 2006, S. 38; Junkers 1995, S. 8; Thiele 2001, S. 20, 21;

Witterstätter 2003, S. 26.

[73] Witterstätter 2003, S. 27.

[74] Thiele 2001, S. 20.

[75] Vgl. Bundesministerium für Gesundheit 2006, S. 38; Junkers 1995, S. 8.

[76] Vgl. Witterstätter 2003, S. 27; (mit eigenem Beispiel).

[77] Thiele 2001, S. 20.

[78] Vgl. Witterstätter 2003, S. 28; Davison/Neale 1988, S. 554; Mathwig/Mollenkopf 1996, S. 124f.

[79] Vgl. Witterstätter 2003, S. 28; Thiele 2001, S. 19; Backes/Clemens 2003, S. 23.

[80] Vgl. Kohli 2005, S. 32.

[81] Vgl. Davison/Neale 1988, S. 554.

[82] Thiele 2001, S. 29.

[83] Noll/Schöb 2002, S. 248f.

[84] Vgl. auch Thiele 2001, S. 20f.

[85] Vgl. Bundesministerium für Gesundheit 2006, S. 38; Junkers 1995, S. 8.

[86] Thiele 2001, S. 21.

[87] Michel/Novak 2001, S. 16; Davison/Neale 1988, S. 554.

[88] Vgl. Michel/Novak 2001, S. 16.

[89] „Allg.: Strukturwandel bezeichnet eingetretene Veränderungen oder angestrebte Anpassungen, die

nicht nur äußerlich sichtbar sind oder in Details umgesetzt werden, sondern grundsätzlicher Natur

sind, d.h. völlig neue Beziehungen (zwischen den einzelnen Elementen) herstellen oder eine völlig

neue Ordnung verlangen“ (Schubert/Klein 2006 zit. nach Bundeszentrale für politische Bildung 2006).

[90] Backes/Clemens 2003, S. 165f., 336. Tews ist der „Hauptvertreter dieses Konzepts in der deutschspra-

chigen Gerontologie“ (ebenda).

[91] Vgl. Tews 1993, S. 23.

[92] Ebenda, S. 15, 24f.

[93] Ebenda, S. 26.

[94] Gesicke 2005b, 307.

[95] Vgl. Clemens/Naegele 2004, S. 395.

[96] Das Renteneintrittsalter von 65 Jahren wurde durch die Rentenreform 1992 festgelegt (Backes/Clemens

2003, S. 61). Gem. § 35 Nr. 1 Sozialgesetzbuch VI haben Versicherte Anspruch auf Altersrente, wenn

sie das 65. Lebensjahr vollendet haben (Regelaltersgrenze).

[97] Vgl. Witterstätter 2003, S. 28; Thiele 2001, S. 19; Backes/Clemens 2003, S. 23.

[98] Vgl. Deutsche Rentenversicherung Bund 2007.

[99] Backes/Clemens 2003, S. 14, 61.

[100] LexisNexis, Redaktion, Gesetzgebungsnews. (Auf dieser Internetseite befindet sich der entsprechende

Gesetzesentwurf als PDF-Datei zum Herunterladen.)

[101] REGIERUNGonline, Rente mit 67.

[102] REGIERUNGonline, Rente mit 67.

[103] Prager/Schoof 2006, S. 141.

[104] Vgl. Kruse 2006, S. 7.

[105] Olsen/Schleiter/Schoof 2006, S. 49.

[106] Vgl. Clemens/Naegele 2004, S. 395.

[107] Vgl. Tesch-Römer/Engstler/Wurm 2006, S. 12.

[108] Vgl. Tews 1993, S. 28; Naegele 2006, S. 12.

[109] Vgl. auch Naegele 2006, S. 12.

[110] Tesch-Römer/Engstler/Wurm 2006, S. 11.

[111] Tews 1993, S. 30f.

[112] Vgl. Naegele 2006, S. 12.

[113] Tews 1993, S. 32.

[114] Tews 1993, S. 33.

[115] Naegele 2006, S. 10, 12.

[116] Tews 1993, S. 42.

[117] Vgl. Michel/Novak 2001, S. 17; Lenz/Rudolph/Sickendiek 1999, S. 38f.

[118] Oerter et al. 1999, S. 512; Backes/Clemens 2003, S. 92.

[119] Lenz/Rudolph/Sickendiek 1999, S. 38f.; Backes/Clemens 2003, S. 92.

[120] Gerontopsychologie wird auch als Alterspsychologie bezeichnet und „befasst sich mit den Veränderun-

gen des Erlebens und Verhaltens, die mit dem biologischen Alterungsprozess im Zusammenhang ste-

hen.“ Wichtige Aufgaben der Alterspsychologie sind: „systematische Erfassung und Beschreibung des

Alternsprozesses, d.h. der mit dem Alter einhergehenden Veränderungen des Verhaltens und Erlebens;

Beschreibung der Bedingungen des Alterns; Verarbeitung der Altersveränderungen durch das Indivi-

duum; Maßnahmen zur Vermeidung unerwünschter Alterserscheinungen und Förderung des ‚erfolgrei-

chen Alterns‘“ (Michel/Novak 2001, S. 159).

[121] Vgl. Oerter et al. 1999, S. 512.

[122] Lehr 2006, S. 10; Michel/Novak 2001, S. 159.

[123] Lenz/Rudolph/Sickendiek 1999, S. 38f.

[124] Backes/Clemens 2003, S. 92.

[125] Michel/Novak 2001, S. 17.

[126] Backes/Clemens 2003, S. 181.

[127] Vgl. Michel/Novak 2001, S. 17.

[128] Backes/Clemens 2003, S. 181.

[129] Fachlexikon der sozialen Arbeit 2002, S. 391f.

[130] Backes/Clemens 2003, S. 181.

[131] Vgl. Michel/Novak 2001, S. 16ff.

[132] Junkers 1995, S. 91; Häfner 1986, S. 31ff.

[133] Backes/Clemens 2003, S. 182.

[134] Hauptvertreter/innen: Cumming/Henry 1961.

[135] Lenz/Rudolph/Sickendiek 1999, S. 39.

[136] Vgl. Backes/Clemens 2003, S. 128.

[137] Vgl. Lenz/Rudolph/Sickendiek 1999, S. 39.

[138] Vgl. Schroeter 2006a, S. 44.

[139] Vertreter der Aktivitätstheorie sind: Tartler (1961), Tobin/Neugraten (1968) und Havighurst (1968)

(Vgl. Backes/Clemens 2003, S.124).

[140] Lenz/Rudolph/Sickendiek 1999, S. 39-41.

[141] Vgl. ebenda; Witterstätter 2003. S. 127f.

[142] Lenz/Rudolph/Sickendiek 1999, S. 39-41.

[143] Backes/Clemens 2003, S. 125-127.

[144] Lenz/Rudolph/Sickendiek 1999, S. 42.

[145] Vgl. Filipp/Mayer 2005, S. 25; Höpflinger 1999, S. 9.

[146] Filipp/Mayer 2005, S. 25.

[147] Bollmann 2007, S. 256f.

[148] Vgl. Backes/Clemens 2003, S. 135.

[149] Clemens/Naegele 2004, S. 393.

[150] Vgl. Witterstätter 2003, S. 127f.

[151] Thiele 2001, S. 33.

[152] Filipp/Mayer 2005, S. 25.

[153] Vgl. Backes/Clemens 2003, S. 135.

[154] Backes 2006, S. 64f.

[155] Bei den über 80-Jährigen sind 29,8 Prozent pflegebedürftig (vgl. Witterstätter 2003, S. 29).

[156] Backes 2006, S. 64-66.

[157] Ebenda; Backes 2004, S. 90.

[158] „Potenziale des Alters“ sind laut der fünften Altenberichtskommission Ressourcen älterer Menschen

zur „Verwirklichung von Lebensentwürfen und Lebensformen“ (BMFSFJ 2005a, S. 29).

[159] Kruse 2006b, S. 264; BMFSFJ 2005a, S. 29.

[160] Künemund 2006b, S. 291-294; BMFSFJ 2005a, S. 339; Kohli 2005, S. 27f.

[161] Künemund 2006b, S. 291-294.

[162] „Im Jahre 2003 betrugen in der Bundesrepublik Deutschland die Ausgaben der Haushalte von

Menschen im Alter von 60 Jahren und älter mit 308 Milliarden Euro fast ein Drittel der

Gesamtausgaben für den privaten Verbrauch in Höhe von 987 Milliarden Euro“ (Kruse 2006b, S. 264).

[163] Vgl. hierzu vertiefend Kruse 2006b, S. 264.

[164] Geißler 2006, S. 24-28.

[165] Kruse 2006b, S. 266.

[166] Thiele 2001, S. 26.

[167] Vgl. BMFSFJ 2005a, S. 28.

[168] Ebenda, S. 39-43. (Die anderen vier Leitbilder sind: Alter als Innovationsmotor stärken, Nachhaltigkeit

und Generationssolidarität, Lebenslanges Lernen, Prävention.)

[169] Ebenda, S. 40.

[170] Das Ehrenamt bezeichnet „stärker formalisierte, in Regeln eingebundene und dauerhafte Formen des

Engagements“ (Enquete-Kommission 2002b, S. 74).

[171] Freiwilligenarbeit wird unter Punkt 5.1.7.2 definiert.

[172] Die Selbsthilfe bezeichnet „im weiteren Sinne das selbstorganisierte Tätigwerden mit anderen [..], im

engeren Sinne die gegenseitige Hilfe von Personen, die sich auf Grund eines bestimmten Problems zu-

sammengefunden haben“ und sich einander unterstützen (Enquete-Kommission 2002b, S. 74).

[173] Vgl. Gabriel/Trüdinger/Völkl 2004, S. 339; Backhaus-Maul et al. 2003b, S. 11; Enquete-Kommission

2002b, S. 73.

[174] Bürsch 2002, S. 8.

[175] Roth 2000, S. 30-32.

[176] Enquete-Kommission 2002b, S. 90.

[177] [Herv. im Original].

[178] Enquete-Kommission 2002b, S. 87.

[179] [Herv. im Original].

[180] Enquete-Kommission 2002b, S. 87.

[181] [Herv. im Original].

[182] Enquete-Kommission 2002b, S. 58, 87, 88.

[183] [Herv. im Original].

[184] Enquete-Kommission 2002b, S. 57, 88.

[185] Ebenda, S. 88f.

[186] Ebenda, S. 89.

[187] Bourdieu bezeichnet mit dem Begriff „Soziales Kapital“ „die Gesamtheit der aktuellen und

Potenziellen Ressourcen, die mit der Teilhabe am Netz sozialer Beziehungen gegenseitigen

Kennens und Anerkennens verbunden sein können“ (Bourdieu 1983, zit. nach Wikipedia,

Soziales Kapital).

[188] Bürsch 2002, S. 8.

[189] Enquete-Kommission 2002b, S. 15.

[190] Enquete-Kommission 2002b, S. 16, 76.

[191] Ebenda, S. 76, 91, 93f.

[192] Menning 2006, S. 509; Gabriel/Trüdinger/Völkl 2004, S. 339.

[193] Vgl. Gensicke 2005a, S. 47, 49.

[194] Gensicke 2005b, S. 333.

[195] Künemund 2006c, S. 138.

[196] Künemund 2005, S. 315.

[197] Backhaus-Maul et al. 2003b, S. 12.

[198] Zängl 2006, S. 229.

[199] Vgl. auch Bürsch 2006, S. 213.

[200] Vgl. auch Menning 2006, S. 508.

[201] Erlinghagen et al. vergleichen das ehrenamtliche Engagement älterer Menschen in Deutschland mit an-

deren Staaten in Europa. Dabei weicht die Engagementbeteiligung in den Ländern Europas stark vonei-

nander ab. Deutschland belegt darunter „einen guten Mittelfeldplatz“ (Erlinghagen et al. 2006, S. 122).

Auch Kolland/Oberbauer beschreiben die Engagementbeteiligung in anderen Ländern (Großbritannien,

Österreich, USA) (Kolland/Oberbauer 2006, S. 162ff.).

[202] Vgl. Menning 2006, S. 509f.

[203] Vgl. Gensicke 2005b, S. 312.

[204] Vgl. Menning 2006, S. 509f.

[205] Vgl. BMFSFJ 2005a, S. 365-367; Gensicke 2005a, S. 88.

[206] Vgl. Menning 2006, S. 510f.

[207] Vgl. Gensicke 2001b, S. 34.

[208] Menning 2006, S. 517, 521.

[209] Gensicke 2005b, S. 321.

[210] Vgl. Menning 2006, S. 519, 521.

[211] Vgl. Backhaus-Maul et al. 2003, S. 6f.

[212] Gensicke 2005b, S. 319f.

[213] Vgl. Mühlpfordt 2006, S. 39; auch BMFSFJ 2005, S. 348.

[214] Vgl. Gensicke 2005b, S. 319.

[215] Gensicke 2005b, S. 329f., 332.

[216] Der Strukturwandel der Engagementmotive wird von Olk als ein Aspekt zum „Strukturwandel des En-

gagements“ genannt. Ein zweiter Aspekt ist die „Pluralisierung der Engagementformen“, das bedeutet,

dass neben den vielfältigen klassischen Formen, wie z.B. Engagement in Vereinen und Verbänden, neue

Engagementformen, wie z.B. Projekte, Initiativen, Selbsthilfegruppen, „Erzählkaffees, Geschichtswerk-

stätten und Senior-Experten-Services“ an Bedeutung gewinnen (Olk 2002, S. 27-29, 37).

[217] Bürsch 2002, S. 8; Olk 2002, S. 27-29.

[218] Vgl. Menning 2006, S. 515, 521.

[219] Vgl. Gensicke 2005b, S. 307.

[220] Vgl. ebenda, S. 323, 325.

[221] Vgl. ebenda, S. 323, 325f.

[222] Vgl. Gensicke 2005b, S. 304f., 339-343.

Ende der Leseprobe aus 197 Seiten

Details

Titel
Demografischer Wandel und bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen.
Untertitel
Eine Modellregion: „Potsdam-Mittelmark auf dem Weg zum seniorenfreundlichen Landkreis“
Hochschule
Evangelische Hochschule Berlin
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
197
Katalognummer
V118207
ISBN (eBook)
9783640217854
Dateigröße
1797 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Demografischer, Wandel, Engagement, Menschen, Beispiel, Modellregion
Arbeit zitieren
Anne-Kathrin Herrmann (Autor), 2008, Demografischer Wandel und bürgerschaftliches Engagement älterer Menschen., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118207

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