Was ist die ICF? Welche Rolle spielt die soziale Arbeit bei biopsychosozialen Prozessen? Diesen Fragen geht die vorliegende Arbeit nach. Die ICF löst die ICIDH (International Classification of Impairments, Disabilities and Handicaps) ab und ist ihr Nachfolger. In der Praxis habe ich bereits die Erfahrung gemacht, dass ICF und ICD oft verwechselt werden, daher lege ich hier nochmal den Unterschied dar. Die Grenzen der ICD liegen dort, wo nicht über Krankheit selbst, sondern über damit eintretende funktionale Einschränkungen gesprochen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Das bio-psycho-soziale Modell und die ICF
1.1 Das bio-psycho-soziale Modell
1.2 Was ist die ICF?
1.3 Verständnis von Krankheit und Behinderung im Wandel durch die ICF und das bio-psycho-soziale Modell
2. Rolle der sozialen Arbeit bei der Steuerung von bio-psycho-sozialen Prozessen
2.1 Coping und Resilienz
2.2 Klinische Sozialarbeit
2.3 Einbeziehung von Angehörigen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, die Bedeutung des bio-psycho-sozialen Modells und der ICF für die moderne Soziale Arbeit theoretisch zu fundieren und praktisch zu beleuchten. Dabei wird insbesondere untersucht, wie Fachkräfte durch einen ganzheitlichen Blick auf die Lebenssituation von Klient*innen sowie durch die gezielte Nutzung von Ressourcen, wie Resilienz und familiärem Support, die Teilhabe und Lebensqualität trotz gesundheitlicher Einschränkungen verbessern können.
- Theoretische Grundlagen des bio-psycho-sozialen Modells und der ICF
- Die Rolle und das Selbstverständnis der Klinischen Sozialarbeit
- Bedeutung von Coping-Strategien und Resilienzförderung im Kontext von Krankheit
- Systemische Einbeziehung von Angehörigen zur Ressourcenstärkung
- Kritische Reflexion der Verzahnung von medizinischen und sozialen Hilfen
Auszug aus dem Buch
1.1 Bio-psycho-soziales Modell
„Krankheit ist ein komplexes Geschehen, das wir mit Hilfe von Modellen zu analysieren versuchen“ (Berberich 2021: o.S). Alle Modelle versuchen diese Komplexität weitestmöglich zu reduzieren. Je nach Diagnose, bleiben hierbei jedoch einige Einflussfaktoren unberücksichtigt. In der Medizin wird meist noch nach dem „Mensch-Maschine-Modell“ gearbeitet, wobei diese menschliche Maschine im Laufe seiner Entwicklung immer komplizierter wurde. Nach dem „Mensch-Maschine-Modell, welches 1962 von Descartes entwickelt wurde, besteht der Mensch aus einem physikalischen Körper und einer rationalen und unsterblichen Seele. Antonio Damasio bezeichnete die „abgrundtiefe Trennung von Körper und Geist 1996 als Descartes Irrtum“ (Berberich 2021: o.S:).
„Wir haben eine Medizin für Organe, Gewebe und Zellen, aber keine für kranke Menschen und für individuelle Wirklichkeiten, in denen sie leben“ (Thure von Uexküll zit. nach Berberich 2021: o.S.).
„Im bio-psycho-sozialen Modell der ICF wird Behinderung in der Zusammenschau der körperlichen, geistigen oder seelischen Voraussetzungen mit kontextbedingten Barrieren verstanden. Entscheidend ist die Dimension der Folgen und nicht die Tatsache einer – wie immer auch gearteten – Störung oder Schädigung körperlicher, psychischer oder kognitiver Funktionen oder Strukturen. Behinderung entsteht durch die negative Wechselwirkung zwischen den Gegebenheiten einer Person auf der einen und den Kontexten auf der anderen Seite“ (BMAS 2014: 30).
Zusammenfassend ist festzuhalten: Behinderung ist nicht angeboren, sondern ist ein negatives Symptom des Zusammenspiels von persönlichen sowie umweltlichen Kontextfaktoren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das bio-psycho-soziale Modell und die ICF: Dieses Kapitel erläutert den Paradigmenwechsel vom rein medizinischen Krankheitsverständnis hin zu einem Modell, das körperliche, psychische und soziale Faktoren integriert und die ICF als Klassifikationsinstrument einführt.
2. Rolle der sozialen Arbeit bei der Steuerung von bio-psycho-sozialen Prozessen: Dieses Kapitel thematisiert die praktischen Anforderungen an die Soziale Arbeit, indem es Konzepte wie Resilienz und Coping beleuchtet, die Klinische Sozialarbeit definiert und die Bedeutung der Einbeziehung des familiären Umfelds hervorhebt.
Schlüsselwörter
Bio-psycho-soziales Modell, ICF, Klinische Sozialarbeit, Behinderung, Resilienz, Coping, Teilhabe, Gesundheitsverständnis, Angehörigenarbeit, psychosoziale Interventionen, Rehabilitation, Lebensweltorientierung, funktionale Gesundheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung des bio-psycho-sozialen Modells und der ICF in der Sozialen Arbeit, um ein ganzheitliches Verständnis von Gesundheit, Krankheit und Behinderung zu entwickeln.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die theoretischen Grundlagen der ICF, die Definition der Klinischen Sozialarbeit sowie die Förderung von Resilienz und die Einbeziehung von Angehörigen in den Hilfeprozess.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Fachkräfte in der Sozialen Arbeit durch einen biopsychosozialen Ansatz die Lebenssituation von Klient*innen verbessern und individuelle sowie soziale Ressourcen zur Teilhabe nutzen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Aufarbeitung von Fachliteratur, Modellen und gesetzlichen Rahmenbedingungen, um die Relevanz der dargestellten Konzepte für die soziale Praxis zu begründen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung durch das bio-psycho-soziale Modell/ICF und die Ableitung der Rolle der Sozialen Arbeit durch Themen wie Resilienzforschung, Klinische Sozialarbeit und die systemische Einbeziehung von Angehörigen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie biopsychosoziales Modell, ICF, Klinische Sozialarbeit, Resilienz und Teilhabe charakterisiert.
Warum ist die Abgrenzung von ICD und ICF wichtig?
Während die ICD primär Krankheiten klassifiziert, dient die ICF als Ergänzung, um funktionale Einschränkungen und Faktoren der Teilhabe abzubilden, was für die Soziale Arbeit essentiell ist.
Welche Rolle spielt die Familie im biopsychosozialen Kontext?
Familienangehörige fungieren als wichtige Ressource für Betroffene, bergen jedoch auch Risiken für Spannungen, weshalb eine professionelle Einbeziehung bei der Bewältigung von Krisen und chronischen Belastungen zentral ist.
- Arbeit zitieren
- Julia Eder (Autor:in), 2022, BiopsychosozialeProzesse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1182163