In Deutschland erhält jeder Bürger mit seiner Geburt eine sogenannte Steueridentifikationsnummer, die ihm automatisch ein paar Wochen später mit der Post zugesandt wird. Die Bedeutung davon kennt man zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht. Spätestens bei der Betrachtung der Preise beim Einkaufen oder mit der ersten Gehaltsabrechnung nach der Ausbildung kommt man dann intensiver mit Steuern in Form der Mehrwert- und Lohnsteuer in Berührung. Doch nicht nur als Privatperson hat man mit diesen zu tun. Auch Unternehmen erhalten bei der Gründung eine sog. Steuernummer und müssen Steuerabgaben leisten.
Für sie gibt es ebenfalls eine Vielzahl an Steuerarten. Diese haben unterschiedliche Merkmale und ihre Erhebung erfolgt auf verschiedene Weisen. Um die ganzen Vorgänge zu verstehen und zu wissen, bei welcher Unternehmensform welche Steuern in welcher Höhe anfallen und welchen Einfluss das auf den Betrieb hat, gibt es die sogenannte Betriebswirtschaftliche Steuerlehre, kurz BWStL.
Nun ist diese nicht schon immer so gestaltet, wie sie in der heutigen Zeit vorzufinden ist. Die Anfänge der BWStL liegen mittlerweile über 100 Jahre zurück. Während dieser Zeit nahmen einige wichtige Personen Einfluss auf ihre Entwicklung und machten sie damit zu dem, was sie heute ist.
Über die Entwicklung der BWStL gibt es verschiedene Literaturen, die in ihrem Umfang und ihren Details variieren. Diese sollen mit Hilfe dieser Arbeit zusammengeführt werden, um einen möglichst umfangreichen Überblick darüber zu schaffen, welche Personen und Ereignisse dafür gesorgt haben, dass die betrieblichen Steuern in der heutigen Zeit so gelehrt werden, wie es aktuell der Fall ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
1.1 Thematik und Problemstellung
1.2 Methodisches Vorgehen
2 Betriebswirtschaftliche Steuerlehre
2.1 Begriffsklärung und Abgrenzung
2.2 Bereiche und Aufgaben
3 Geschichtliche Entwicklung der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre seit 1919
3.1 Erzbergersche Steuer- und Finanzreform als Grundlage für die Entwicklung
3.2 Entstehungsphase
3.3 Verrechnungstechnische Phase
3.4 Steuerwirkungsphase
3.5 Entwicklung seit den 80ern bis in das 21. Jahrhundert hinein
3.6 Einfluss der Digitalisierung auf die BWStL
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, einen chronologischen Überblick über die Entwicklung der betriebswirtschaftlichen Steuerlehre (BWStL) seit 1919 zu geben, ihre inhaltliche Abgrenzung zu definieren und aktuelle Einflüsse wie die Digitalisierung zu analysieren.
- Historische Einordnung der BWStL seit der Erzbergerschen Steuerreform
- Systematische Abgrenzung der BWStL gegenüber verwandten Disziplinen
- Chronologische Analyse der Entwicklungsphasen (Entstehung, Verrechnungstechnik, Steuerwirkung)
- Bedeutung der Digitalisierung für Lehre und Berufsalltag in der Steuerbranche
Auszug aus dem Buch
3.1 Erzbergersche Steuer- und Finanzreform als Grundlage für die Entwicklung
Erste theoretische Auseinandersetzungen mit dem Thema Steuern im Zusammenhang mit Unternehmen gab es zwar bereits vor 1919, jedoch war der Umfang dieser eher klein und kaum von Bedeutung. Grund dafür waren die allgemein sehr gering ausgefallenen Steuerabgaben der Unternehmer und Unternehmungen an den Staat. Das sog. ‚Prinzip des Gläubigerschutzes‘, eine Art Präventivmaßnahme zur Bewahrung vor Insolvenz, sorgte dafür, dass Betriebe so viele stille Rücklagen schaffen konnten, wie ihnen beliebte. Damit konnte der ausgewiesene Ertrag in der Bilanz erheblich gesenkt werden. Diese galt anschließend als Bemessungsgrundlage für die anfallende Steuerlast. Die Kombination aus geringem zu versteuerndem Gewinn und niedrigem Steuersatz sorgte dafür, dass die Steuern einen kaum spürbaren Einfluss auf die Betriebe und deren Entscheidungen sowie Prozesse hatten.
Diese Situation änderte sich nach dem ersten Weltkrieg. Die Staatsschulden des Deutschen Reichs wuchsen rapide an, es gab kein länderübergreifend einheitliches Steuerrecht mehr und auch die Vermeidung und Hinterziehung von Steuern nahm stark zu. Die darauffolgende Weimarer Republik veranlasste den Politiker der Deutschen Zentrumspartei und späteren Finanzminister Matthias Erzberger dazu, passend zur neuen Zeitepoche auch eine neue und einsatzfähige Finanzverwaltung sowie ein reformiertes Steuersystem einzuführen.
Der erste Schritt dahingehend war eine Abgabenordnung, welche die Aufgabe hatte, die herrschende Gesetzgebung im Zusammenhang mit Steuern wiederzugeben. Mit ihr wurden zudem zahlreiche Steuererhöhungen und zusätzliche Steuerquellen, wie bspw. Renditen auf Kapitalanlagen, eingeführt. Das war notwendig, da die verlorenen Zolleinnahmen nach Kriegsende dafür sorgten, dass dem Staat die derzeit größte Einnahmequelle entgangen ist. Die Reform sollte diese entstandene Lücke schließen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Diese Einleitung erläutert die Relevanz steuerlicher Kenntnisse für Unternehmen und beschreibt das methodische Vorgehen in Form einer Literaturarbeit zur historischen Aufarbeitung.
2 Betriebswirtschaftliche Steuerlehre: Hier werden Begriffe geklärt, die BWStL als Teildisziplin abgegrenzt und ihre wesentlichen Bereiche sowie Aufgaben definiert.
3 Geschichtliche Entwicklung der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre seit 1919: Dieses zentrale Kapitel analysiert die Evolution der Disziplin von der Erzbergerschen Reform über die Entstehungs-, Verrechnungs- und Wirkungsphase bis hin zu modernen Entwicklungen und dem Einfluss der Digitalisierung.
4 Fazit: Das Fazit resümiert die beachtliche Entwicklung der BWStL über ein Jahrhundert hinweg und unterstreicht ihre bleibende Bedeutung trotz stetigem Wandel in der Wissensvermittlung.
Schlüsselwörter
Betriebswirtschaftliche Steuerlehre, BWStL, Steuerreform, Erzberger, Steuerwirkung, Steuerplanung, Steuergesetzgebung, Finanzverwaltung, historische Entwicklung, Digitalisierung, Unternehmensbesteuerung, Steuerrecht, Steuerberater, Lehre, betriebswirtschaftliche Disziplin
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die geschichtliche Entwicklung der betriebswirtschaftlichen Steuerlehre (BWStL) von 1919 bis in die heutige Zeit und beleuchtet die wichtigsten theoretischen und praktischen Fortschritte.
Was sind die zentralen Themenfelder der BWStL?
Die Disziplin befasst sich primär mit der Steuerwirkungslehre, der Steuergestaltungslehre sowie der Steuerrechtsgestaltungslehre unter Berücksichtigung ökonomischer Unternehmensentscheidungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, einen chronologischen Überblick über die Evolution der BWStL zu schaffen, wichtige Akteure und deren Beiträge zu identifizieren und aktuelle Herausforderungen wie die Digitalisierung einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturarbeit, bei der Monographien, Sammelwerke und wissenschaftliche Fachartikel ausgewertet wurden, um den historischen Verlauf nachzuzeichnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Definition der BWStL sowie die detaillierte Darstellung ihrer historischen Phasen von der Pionierzeit nach 1919 bis zu den heutigen Forschungs- und Lehrmethoden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem BWStL, Steuerreform, Erzberger, Steuerplanung, Steuerwirkung, Unternehmensbesteuerung sowie Digitalisierung in der Lehre.
Welche Rolle spielte die Erzbergersche Reform für die BWStL?
Sie gilt als Grundstein des modernen deutschen Steuer- und Finanzsystems, da sie erstmals eine einheitliche Finanzverwaltung und ein reformiertes Steuersystem schuf, das Steuern für Unternehmen signifikant relevanter machte.
Wie verändert die Digitalisierung das Studium der BWStL?
Durch Formate wie "Lernen 4.0" und Tools wie den "DATEV-Führerschein" wird die Lehre flexibler, ortsunabhängiger und stärker auf digitale Kompetenzen ausgerichtet, kombiniert mit einer neuen Gewichtung von Präsenz- und Online-Phasen.
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- Marcus Home (Autor:in), 2021, Geschichtliche Entwicklung der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre seit 1919, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1183588