Mit der Grundlage des Textes „Ihr Pixelherz – Eine Love Story“ geschrieben von Jan Fischer wird in dieser Hausarbeit eine narratologische Textanalyse verfasst. Herausgefunden werden soll, wie ein Realitätsverlust durch eine Spielsucht im Text hervorgerufen wird. Um eine Grundlage für die Analyse zu bilden, muss zunächst geklärt werden, was die Dimensionen Fiktionalität und Faktizität bedeuten. Das Thema ist interessant, da der Text eine Grundlage bildet, um die Störungen einer Spielsucht für Computerspiele in einem Text porträtiert sehen zu können. Nichtsdestotrotz soll der Text vorrangig mit einem literaturwissenschaftlichen Fokus betrachtet werden.
Der Gegenstand der Arbeit ist die Erzählung „Ihr Pixelherz – Eine Love Story“ verfasst von Jan Fischer im Jahr 2015. Die Textanalyse soll Aufschluss geben über die verwendeten Stilmittel und ihre entsprechende Wirkung in der Erzählung. Der Text soll tiefgründig und vielschichtig in seinen Merkmalen, beispielweise im Modus, der Stimme und auf der Ebene der Histoire und der des Discourse betrachtet werden. Nach dem Erklärungsversuch für die Begriffe Realität, Fiktion und Fiktivität folgen die Analysebausteine des narrativen Ebenenmodells und die Fokalisierung. Die Histoire, die Handlung und der Inhalt der Erzählung wird zum Schluss der Textanalyse betrachtet. Die Bausteine Histoire und Discourse werden gesondert betrachtet, um die Strukturierung der Arbeit zu garantieren. Hierbei soll die Grundlage die Erzähltheorie von Martinez und Scheffel sein. Martinez und Scheffel schließen mit der neunten Auflage der „Einführung in die Erzähltheorie“ an einen Entwicklungsprozess der Grundlagendisziplinen der Literaturwissenschaft an. Das Werk stellt die Basis für eine detaillierte Textanalyse unter Verwendung von praktisch anwendbarem Wissen. In diesem Werk enthalten sind weitere TheoretikerInnen der Literaturwissenschaft, wie beispielsweise Genette oder Fludernik. Diese Erzählung bietet großes Potenzial in Hinblick auf die Problematik der Spielsucht und der verstärkten Nutzung von digitalen Geräten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Vorstellung der Erzählung
2. Grundlagen der Textanalyse: Erzähltheorie
2.1 Erklärungen von Fiktionalität und Faktizität
2.2 Discours – Darstellung der Erzählung
2.3 Narratives Ebenenmodell
2.4 Fokalisierung
2.5 Histoire – Erzählte Welt
3. Vergleich der Ergebnisse mit Symptomen von Spielsucht
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht narratologisch, wie sich ein Realitätsverlust durch Spielsucht in Jan Fischers Erzählung „Ihr Pixelherz“ (2015) manifestiert und ob dieser durch sprachliche sowie strukturelle Mittel im Text abgebildet wird.
- Narratologische Analyse von Stil, Modus und Stimme
- Untersuchung der fiktionalen Welten und ihrer Grenzziehung
- Vergleich literarischer Realitätsverluste mit psychologischen Symptomen von Spielsucht
- Medienkompetenz und die Darstellung digitaler Lebenswelten in der Literatur
Auszug aus dem Buch
2.2 Discours – Darstellung der Erzählung
Schon Henry James sagte bereits in den 50er Jahren, dass es Millionen Varianten gibt, um Geschichten zu erzählen. Man kann ein und dieselbe Erzählung beispielsweise in der Vergangenheit oder aus Sicht der Zukunft schreiben. In „Ihr Pixelherz“ wechselt die Weise der Erzählung in dem Maße, dass der Protagonist die Erlebnisse mit der weiblichen Figur aus seinem Computerspiel mit dem Leben seiner Lebensgefährtin Anna verbindet. Es könnte sogar davon ausgegangen werden, dass die Spielerlebnisse mit der Figur, die nicht vorhandenen Erlebnisse mit Anna ersetzen sollen. Der Protagonist beschreibt seinen täglichen Ablauf des Tages in Aneinanderreihungen von Halb- und Nebensätzen wie:
Danach blieb ich, bis auf einmal, zu Hause. Ich fuhr nicht mehr zur Arbeit, ich ging nicht mehr die Treppen runter. Bis ich darauf kam, Musik anzumachen, lag ich tagsüber auf dem Rücken und zählte, wie oft das Telefon klingelte, ich horchte auf den Fahrstuhl, der sich mit diesem Ächzen durch die Stockwerke bewegte, manchmal sah ich aus dem Fenster und sah den vorbeigleitenden Bahnen nach.
Des Weiteren werden bestimmte Isotopien sehr häufig verwendet. Die Isotopie des Gamings wird deutlich durch die Verwendung von Wörtern wie „Pixel, Texturen, flackern, antippen und Sonden“. Allein das Wort „Sonden“ kommt in der Erzählung 37 mal vor und gehört mit dem Wort „tippen“ zu den meistverwendete Wörtern im Bereich der Gaming-Isotopie.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Vorstellung der Erzählung: Einführung in das Thema der Spielsucht als Realitätsverlust und Vorstellung des primären Analysegegenstands, Jan Fischers Erzählung „Ihr Pixelherz“.
2. Grundlagen der Textanalyse: Erzähltheorie: Detaillierte narratologische Untersuchung des Textes basierend auf den Modellen von Martinez und Scheffel, einschließlich Fiktionalität, Discours, Narrativität und Fokalisierung.
2.1 Erklärungen von Fiktionalität und Faktizität: Theoretische Abgrenzung der Begriffe und Erläuterung der Rezeption von fiktionalen Texten innerhalb unserer Welt.
2.2 Discours – Darstellung der Erzählung: Analyse der sprachlichen Mittel, wie etwa Anaphern und der Isotopie des Gamings, um die Wirkung der Erzählweise und Distanz des Protagonisten zu verdeutlichen.
2.3 Narratives Ebenenmodell: Untersuchung der Stimme, des Ortes des Erzählens und der potenziellen Metalepse, die die Grenze zwischen realer Welt und Computerspielwelt verschwimmen lässt.
2.4 Fokalisierung: Analyse der intern-fixierten Fokalisierung durch die Ich-Perspektive des Protagonisten und dessen eingeschränkte Wahrnehmung.
2.5 Histoire – Erzählte Welt: Erörterung der heterogenen, instabilen Welt im Text, in der die Grenzen zwischen Realität und Spielwelt für den Protagonisten kollabieren.
3. Vergleich der Ergebnisse mit Symptomen von Spielsucht: Psychologische Einordnung der im Text dargestellten Verhaltensweisen und Vergleich mit empirischen Diagnosekriterien der Computerspielsucht.
4. Fazit: Zusammenfassende Bestätigung der These zum Realitätsverlust und kritische Reflexion zur Eignung des Textes im schulischen Kontext.
Schlüsselwörter
Spielsucht, Realitätsverlust, Narratologie, Ihr Pixelherz, Jan Fischer, Fiktionalität, Computerspiele, Erzähltheorie, Digitale Medien, Internet Gaming Disorder, Literaturwissenschaft, Diskursanalyse, Identitätsverlust, Medienkompetenz, Psychologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das literarische Werk „Ihr Pixelherz“ von Jan Fischer im Hinblick auf die Darstellung eines Realitätsverlustes, der durch eine exzessive Spielsucht des Protagonisten ausgelöst wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die narratologische Textanalyse, die psychologischen Symptome von Computerspielsucht sowie das Spannungsfeld zwischen virtuellen Spielwelten und der analogen Lebensrealität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu belegen, dass sich der Realitätsverlust des Protagonisten durch spezifische diskursanalytische und narratologische Merkmale im Text widerspiegelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine narratologische Textanalyse angewandt, die primär auf der Erzähltheorie von Martinez und Scheffel basiert, ergänzt durch psychologische Diagnosekriterien zur Computerspielsucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der Diskurs (Stimme, Modus), das narrative Ebenenmodell, die Fokalisierung und die erzählte Welt (Histoire) analysiert, bevor diese Ergebnisse mit echten Symptomen der Spielsucht abgeglichen werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Spielsucht, Realitätsverlust, Narratologie, Fiktionalität und digitale Lebenswelten charakterisieren.
Wie spiegelt sich der Realitätsverlust sprachlich im Text wider?
Der Protagonist nutzt häufig Halbsätze, Anaphern und eine spezifische Gaming-Isotopie, die eine monotone, von seinem Spiel dominierte Wahrnehmung erzeugen und seine Distanz zur realen Partnerin unterstreichen.
Warum ist das Ende der Beziehung für den Protagonisten so bedeutsam?
Das Ende der Beziehung mit Anna markiert für den Protagonisten den vollständigen Zusammenbruch seiner Traumwelt, da er nun gänzlich den Kontakt zur sozialen Realität verliert und sich nur noch in der Spielsphäre bewegt.
- Quote paper
- Sarah Bukowski (Author), 2022, Spielsucht als Realitätsverlust. Eine narratologische Textanalyse von Jan Fischers "Ihr Pixelherz" (2015), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1185143