Micha 3, 5-8 “Wahre und falsche Propheten”

Ein exegetischer Versuch


Quellenexegese, 2007
23 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Literarkritik
1.1 Abgrenzung und Stellung des Textes zum Kontext
1.2 Gliederung des Textes
1.3 Bibelvergleich-Einheitlichkeit des Textes
1.3.1 Bibelübersetzung nach Luther und Neue Jerusalemer Bibel
1.3.2 Bibelübersetzung nach Luther und Elberfelder Bibel
1.3.3 Bibelübersetzung nach Luther und Zürcher Bibel
1.3.4 Auswertung

2. Sprachliche Analyse

3. Gattungskritik
3.1 Sitz im Leben

4. Überlieferungskritik / Überlieferungsgeschichte

5. Redaktionskritik

6. Traditionskritik

7. Bestimmung des historischen Ortes
7.1 Datierung und Lokalisierung des Textstückes
7.2 Das historische Umfeld
7.3 Verfasser und Adressat

8. Wirkungsgeschichte

9. Abschließende Gesamtinterpretation

10. Hermeneutische Überlegungen

Literatur

Einleitung:

Diese Arbeit stellt einen Versuch einer Textexegese dar. Das gewählte Thema entstammt dem Alten Testament und lautet Micha 3, 5-8 wahre und falsche Propheten. Das Wort Prophetie bedeutet, in die Zukunft zu schauen. Die alttestamentarischen Propheten waren von Gott inspiriert. Er ließ sie in die Zukunft blicken und gab ihnen den Auftrag, das Kommende zu verkünden. Des Weiteren prangerten die Propheten auch das gegenwärtige Übel an. Die von den Propheten vorhergesagte Zukunft war fast ausschließlich düster, und zwar deshalb, weil die Israeliten der Sünde verfallen waren, als sie den von ihrem Gott verlangten Monotheismus aufgaben. Die Anprangerung der Sünden stellte einen großen Teil der Botschaft der Propheten dar, wobei die Sünden religiöser, moralischer oder sozialer Art sein konnten. Die Propheten waren die wichtigsten Wahrer des Monotheismus in Israel, was am Anfang bedeutete, dass die Israeliteten keinen anderen Gott als den ihren verehren durften. Später wandelte sich dies dahingehend, dass es außer dem eigenen keinen anderen Gott mehr gab.[1]

Das Buch Micha ist ein Teil des Zwölfprophetenbuches. Es steht an sechster Stelle im Dodekapropheton. Die anderen, so genannten, kleinen Propheten sind Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jona, Nahum, Habakuk, Zefanja, Haggai, Sacharja und Maleachi. Zusammen mit den so genannten „großen Propheten“, nämlich Jesaja, Jeremia und Ezechiel, ist die Rede, wenn vom Gesetz und den Propheten als der für die Juden verbindlichen Richtschnur für ein rechtmäßiges Leben gesprochen wird.[2] Die Bücher im Dodekapropheton sind epochal eingeteilt[3]. Die ersten sechs Propheten werden in das 8. Jh., die dann folgenden drei Propheten in das ausgehende 7. Jh. und die letzten drei in das ausgehende 6. Jh. eingeordnet.[4] Die Bezeichnung der kleinen Propheten geht auf den Kirchenvater Augustin[5] zurück.

Die Überschrift des Buches Micha 1,1 lässt darauf schließen, dass er ungefähr zu derselben Zeit wie Jesaja[6] wirkte. Dennoch findet man im Buch Jesaja keinerlei Hinweise auf die Existenz des Propheten Micha. Außerhalb des Michabuches wird Micha ein einziges Mal beim Propheten Jeremia (26,18) als ein Prophet erwähnt. Dies könnte ein Beweis für die reale Existenz Michas sein. Das Michabuch ist stark von prophetischer Sozialkritik gekennzeichnet, wie sie auch bei Amos zu finden ist. Über die Herkunft des Propheten findet sich in Kapitel 1,1 eine Angabe. Dort heißt es, dass Micha aus Moreschet[7] stammt.[8] Micha selbst gehörte nach der Meinung von Hans Walter Wolff wahrscheinlich einer gehobenen sozialen Schicht an. Möglicherweise war er einer der Ältesten von Moreschet.[9]

1. Literarkritik

1.1 Abgrenzung und Stellung des Textes zum Kontext

Das Buch Micha besteht aus einer abwechselnden Folge von Unheils- und Heilsworten. Diese Abfolge wird dreimal durchlaufen. Dieser dreifache Durchgang spiegelt laut Konrad Schmid die „elementaren Entstehungsstufen des Michabuchs“ wider.[10] Augustin und Kegler stellen fest, dass die Gerichtsworte radikal in der Sprache, drastisch in den Bildern und katastrophal in der Konsequenz sind[11] Alles gipfelt in der Ankündigung der Zerstörung des Zion.

Ich schließe mich der Meinung Wolffs und Zengers an, die das Buch Micha in vier Teile gliedern[12] Die Gliederung Wolffs sieht wie folgt aus Kapitel 1-3 handeln fast ausschließlich von Schuld und Unheil Samarias, Judas, Jerusalems und Israel. Aber es wird auch von der Rettung Israels und fremder Völker berichtet, wenn auch nur kurz in Zusätzen.[13]

Die Kapitel 4-5 verkünden das künftige Heil Jerusalems und Israels. Es wird in den Kapiteln nicht mehr von der Schuld Israels gesprochen.[14] Diese lässt sich erst wieder in den Kapiteln 6,1-7,7 finden.[15] Der vierte Abschnitt erstreckt sich von 7-8,20 und bringt liturgische Stücke, indem die Gemeinde selbst das Wort ergreift. Nur die Zusätze sind davon ausgenommen.[16]

Der Michatext weist zwei unterschiedliche Redephasen auf. Zu Beginn steht eine Rede Gottes, der durch Micha spricht. Doch in Kapitel 3, 8 spricht Micha selbst über sich und grenzt sich von den falschen Propheten ab, die zuvor erwähnt werden. Dort heißt es: „ Ich aber, bin voller Kraft, ich bin erfüllt vom Geist des Herrn, voll Eifer für das Recht und voll Mut, Jakob seine Vergehen vorzuhalten und Israel seine Sünden“.

1.2 Gliederung des Textes

Das Michabuch enthält sieben Kapitel und ist an der sechsten Stelle im Dodekapropheton zu finden. Es ist als ein doppeltes zweigliedriges Schema aufgebaut.[17] Der Text beginnt in Kapitel 1-3 mit Gerichtsworten gegen Samaria und das Südreich. In den folgenden Kapiteln 4-5 sind Heilsworte zu finden, die dann in 6,1-7,7 in Gerichtsworte übergehen. In Kapitel 7,8- 20 folgt dann die Heilsweissagung. Lediglich Kapitel 1-3 (außer 2,12f.) und 6; 7 sind laut Kaiser als „unbestritten auf den Propheten Micha zurückgehendes Gut“[18] Wie schon erwähnt teilen Wolff und Zenger das Michabuch in vier Grobteile ein. Zenger schreibt, dass diese vier Teile paarweise aufeinander bezogen sind und sich daraus eine „zweiteilige Makrostruktur 1,2- 5,14; 6,1-7,20 ergibt“.[19]

Diese Zusammensetzung wird durch den Aufruf „Hört, alle ihr Völker“[20] in Kapitel 1, 2 eröffnet. In Kapitel 5, 14 schließt die Zusammensetzung mit der Ankündigung des Zorns für die Völker. Es heißt dort: „ In meinem glühenden Zorn nehme ich Rache an den Völkern, die nicht gehorchen“.[21] Mit einem erneuten Höraufruf beginnt die Komposition in Kapitel 6,1-7,20 wieder. Die Aufforderung zu hören richtet sich diesmal an die Natur. „ Hört doch, was der Herr sagt: Auf, tritt an zu Rechtsstreit! Die Berge sollen Zeugen sein, die Hügel sollen deine Worte hören.“[22] Mit den Worten „ wer ist ein Gott wie du, der du Schuld verzeihst und dem Rest deines Erbvolkes das Unrecht vergibst? Gott hält nicht für immer fest an seinem Zorn; denn er liebt es, gnädig zu sein“[23] wird die Komposition in Kapitel 7, 18 beendet.

1.3 Bibelvergleich- Einheitlichkeit des Textes

1.3.1 Bibelübersetzung nach Luther und Neue Jerusalemer Bibel

Die Gemeinsamkeiten im folgenden Bibelvergleich sind fett geschrieben. Die Unterschiede dagegen in kursiv gehalten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.3.2 Bibelübersetzung nach Luther und Elberfelder Bibel

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Calvocoressi, P.: Who´s who in der Bibel, München 2003, 225f.

[2] Ebd., 227.

[3] Zenger, E. u.a.: Einleitung in das Alte Testament, 5. Auflage, Stuttgart 2004, 518.

[4] Ebd., 518.

[5] Augustin wurde am 13. November 354 in Thagaste im römischen Nordafrika geboren. Er wirkte in einer Übergangszeit zwischen Spätantike und Mittelalter und hatte Einfluss auf die abendländische Geistes- und Kirchengeschichte bis zu Reformation und Renaissance. Augustin gehörte zwischen 373 und 382 dem Manichäismus und von 383 bis 385 der Skepsis an. Eine folgende Auseinandersetzung mit dem Neuplatonismus veranlasste ihn zum Christentum zurückzukehren. Ab 395 war Augustinus Bischof von Hippo Regius. Während der Belagerung seiner Bischofsstadt durch die Wandalen starb er am 28. August 430., Krause, G. und Müller, G. (Hrsg.): TRE, Bd. 4, Berlin/ New York, 1979, 646 ff.

[6] Das Jesajabuch ist das längste prophetische Buch im Alten Testament. Lange wurde das gesamte Buch fraglos dem Propheten Jesaja zuerkannt, der in der 2. Hälfte des 8. Jh. v. Chr. in Jerusalem lebte und dessen Wirken und Persönlichkeit aus den Weissagungen des 1. Teils bekannt sind. Er wurde um 760 v. Chr. als Sohn des Amos in einer aristokratischen Familie Jerusalems geboren. Seine Prophezeiungen fallen in die Regierungszeit der judaischen Könige Achas und dessen Sohnes und Nachfolgers Hiskia. Der Überlieferung nach erlitt er den Märtyrertod 701 oder 690 v. Chr., Dassmann, E.(Hrsg.): Reallexikon für Antike und Christentum, Bd. 17, Stuttgart 1996, Sp. 764 ff.

[7] Moreschet ist Gat benachbart, weshalb man auch oft Moreschet-Gat als Heimatort Michas findet. Dieser liegt etwa 35 km südwestlich von Jerusalem inmitten des von Rehabeam I. ausgebauten Festungsgürtels, der geografisch-strategisch günstig zwischen dem judäischen Bergland und Küstenebene lag. Augustin, M., Kegler, J.: Bibelkunde des Alten Testaments. Ein Arbeitsbuch, Gütersloh 20002, 234.

[8] Siehe: Neue Jerusalemer Bibel, Einheitsübersetzung mit Kommentar der Jerusalemer Bibel, Freiburg, Basel, Wien, 19859, S. 1324.

[9] Vgl., Wolff, H. W., Hermann, S. (Hrsg.): Biblischer Kommentar Altes Testament. Dodekapropheton 4 Micha, Band 14/4, Neukirchen- Vluyn 1982, XV.

[10] Schmid, K. In: Gertz, J.Ch.(Hrsg.): Grundinformationen Altes Testament, Göttingen 2006, 384.

[11] Augustin, M., Kegler, J.: Bibelkunde des Alten Testaments. Ein Arbeitsbuch, Gütersloh 20002, 232.

[12] Wolff, H.W., Hermann, S. (Hrsg.): Biblischer Kommentar Altes Testament. Dodekapropheton 4 Micha, Band 14/4, Neukirchen- Vluyn 1982, XXVII. Auch Erich Zenger gliedert das Michabuch in vier Teile. Der erste Teil umfasst die Kapitel 1,2-3,12; der zweite Teil ist 4,1-5,14; der dritte ist 6,1-7,7 und der letzte Teil erstreckt sich von 7,8-20, Zenger, E. u.a.: Einleitung in das Alte Testament, 5. Auflage, Stuttgart 2004, 504ff.

[13] Siehe: Neue Jerusalemer Bibel, Einheitsübersetzung mit Kommentar der Jerusalemer Bibel, Freiburg, Basel, Wien, 19859, S. 1324 ff.

[14] Ebd., 1327f.

[15] Ebd., 1329ff.

[16] Ebd., 1331f.

[17] Kaiser, O.: Einleitung in das Alte Testament, Gütersloh,19784, 209.

[18] Ebd., 209.

[19] Zenger, E. u.a.: Einleitung in das Alte Testament, 5. Auflage, Stuttgart 2004, 504.

[20] Neue Jerusalemer Bibel, Freiburg, Basel, Wien 19859, 1324.

[21] Ebd., 1329.

[22] Ebd., 1329.

[23] Ebd., 1332.

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Details

Titel
Micha 3, 5-8 “Wahre und falsche Propheten”
Untertitel
Ein exegetischer Versuch
Hochschule
Universität Rostock  (Theologische Fakultät)
Veranstaltung
Einführung in die exegetischen Methoden des Alten Testaments
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
23
Katalognummer
V118592
ISBN (eBook)
9783640213818
ISBN (Buch)
9783640213948
Dateigröße
640 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Micha, Propheten”, Einführung, Methoden, Alten, Testaments
Arbeit zitieren
Katharina Schmolke (Autor), 2007, Micha 3, 5-8 “Wahre und falsche Propheten” , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118592

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